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Peter Saul dekonstruiert in seiner knallbunten Malerei den American Dream. Die Schirn in Frankfurt stellt sein Werk vor

Streitbare Kampfeslust



Es ist eindeutig Superman, der in voller Montur auf einer Toilette hockt. Der kantige Schädel, der auf einem eigentümlich verzerrten Körper sitzt, ist gesichtslos. Seine Beine sind gespreizt, denn zwischen ihnen hockt „Superdog“ und löffelt mit seiner langen pinkfarbenen Zunge Wasser aus der Kloschüssel. In der Hand hält Superman so eine Art Schlüssel, was ihm nichts nützen wird, denn „Superman“ ist „in jail“ – ja im Knast. Peter Saul, der in Deutschland nur wenigen bekannt sein dürfte, ist ein Künstler, der sich in seinen Bildern in überbordenden Farben und endlosen Geschichten aus dem amerikanischen Alltag bedient und in den dortigen Klischeevorstellungen schwelgt. Hier ist richtig was los: Grobe Scherze über Ronald Reagan, George Bush, Kühlschränke und Yankee Garbage, Donald Duck, Abu Ghraib, Rich Dogs und natürlich Superman.


Dem 1934 in San Francisco geborenen Maler widmet die Kunsthalle Schirn in Frankfurt eine große Übersichtsausstellung. In seiner eigenen Sprache hat Peter Saul eine Bildwelt erschaffen, die – wäre sie nicht so bunt – aufgrund ihrer Thematik rabenschwarz sein müsste. Seit den späten 1950er Jahren verwebt Peter Saul in einem Crossover Pop Art, Surrealismus – er bewundert René Magritte –, Abstraktem Expressionismus und Chicago Imagists Movement. Cartoons und auch Comics haben ihn geprägt. Nach Auslandsaufenthalten in Paris und Rom wieder nach Amerika zurückgekehrt, war sein Blick für die Missstände in seiner Heimat höchst sensibilisiert. In jeder Zeitung, in jedem Magazin der 1950er Jahren gab es unbotmäßig viele Anzeigen, in denen ein wohlgefüllter Kühlschrank zu sehen war. Dies diente ihm als Vorlage für seine Ice Box Paintings, die als Symbol für Wohlstand und Wirtschaftswunder stehen und eine Antithese zur biedermeierlichen Nachkriegszeit bilden. In den Kühlschränken Sauls gibt es keine wohlgeordnete Vorratswirtschaft, eher eine Kakophonie an Waren. Die Wesen – kleine und große Menschen, die schon selbst zu Produkten der Warenwelt mutieren,– träumen beim Griff in den Kühlschrank von anderen Dingen, die Peter Saul ins Bild geschrieben hat.

Superman, Superdog, die Drei Schweinchen und Mickey Mouse sind in der amerikanischen Gesellschaft Figuren, die jeder kennt. Saul macht sie zu den Helden seiner Leinwand, erzählt banale Geschichten, wie sie so in der „realen“ Welt der Comichelden nicht vorkommen. Er zeigt uns Figuren, die seltsam verzerrt, klein und verrenkt sich beinahe menschlich geben. „Superman“, den großen Helden und Beschützer der Schwachen, zeichnet Saul als verletzlich und in seinen schwärzesten Momenten. In „Superman’s Punishment“ von 1963 drückt eine monströse Maschine die amerikanische Projektionsfigur platt: Supermans Bein wird abgeknickt, der Arm flachgewalzt, und das Gesicht ist aschgrau. „Ich musste nichts weiter tun, als in die Zeitung zu schauen, und da war sie, die irre Seite von Amerika“, sagt Saul. So verschließt er die Augen auch nicht vor dem Vietnam-Krieg und malt bittere Bilder vom Leid und der Prostitution vietnamesischer Frauen.

Es sind oft wüste Kommentare zu klischeehaften Vorstellungen. Bilder wie „Yankee Garbage“, „Vietnam“ oder „Saigon“ verkörpern eine zornige und kampfeslustige Malerei. „Shocking means talking“ – Schockieren heißt reden – kommentiert Peter Saul seine Methode. Streitbar verfolgt er seine Vision der sozialkritischen Pop Art-Interpretation bis heute. Er illustriert Verbrechen und Gewalt. Rassenkonflikte und die gesellschaftliche Spaltung in arm und reich sind seine Themen. Der amerikanischen Bürgerrechtlerin Angela Davis hat er etliche Bilder gewidmet, so auch Ronald Reagan und George Bush, den er nach Abu Ghraib verfrachtet hat. Sauls Werk ist ein kraftvoller Amoklauf gegen alle Regeln der Political Correctness und malerischen Vorbilder. Unter dem Label „Bad Painting“ hat man Peter Saul wiederentdeckt, bitterböse und brandaktuell wird man bald Donald Trump zu sehen bekommen. Er arbeitet schon daran.

Die Ausstellung „Peter Saul“ ist bis zum 3. September zu sehen. Die Schirn Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, mittwochs und donnerstags zusätzlich bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Für Kinder unter 8 Jahren ist er frei. Der Ausstellungskatalog kostet in der Schirn 29 Euro, im Buchhandel 39,80 Euro.

Kontakt:

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Am Römerberg

DE-60311 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 2998820

Telefax:+49 (069) 29988240

E-Mail: schirn@schirn.de



24.08.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marianne Hoffmann

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Veranstaltung vom:


02.06.2017, Peter Saul

Bei:


Schirn Kunsthalle Frankfurt

Künstler:

Peter Saul










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