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Karl Otto Götz gestorben

Er galt als einer der ältesten Künstler. Nun ist der Maler Karl Otto Götz gestorben. Das gab die K.O. Götz und Rissa-Stiftung bekannt. Wie seine Witwe Rissa mitteilte, ist er am vergangenen Samstag friedlich im Bett an seinem Wohnort Wolfenacker im Westerwald eingeschlafen. Er wurde 103 Jahre alt. Karl Otto Götz gehörte zu den prägenden Gestalten der deutschen Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Maler hat er das Informel national wie international entscheidend vorangetrieben. Sein Ziel sei es gewesen, das Poetische in der Malerei zu behaupten – ohne die Mittel der Gegenständlichkeit. Dies sei ihm gelungen, so Walter Smerling. Weiter ehrte der Direktor der Duisburger Küppersmühle den Verstorbenen mit den Worten: „Karl Otto Götz gehörte zu den Künstlern, die unserem Land nach 1945 die kulturelle Würde wieder zurückgegeben haben, und war einer dieser wichtigen Boten der Freiheit. Diese Freiheit spiegelte sich zeitlebens in seinem künstlerischen Vorgehen.“

Zur Welt kam Karl Otto Götz am 22. Februar 1914 in Aachen. Auf Wunsch seines Vaters sollte er Textilingenieur werden, doch besuchte Götz von 1932 bis 1934 lieber die dortige Kunstgewerbeschule und wollte freier Maler werden. Daraus wurde zunächst nichts. Denn die Nazis belegten ihn wegen seiner Vorliebe fürs Abstrakte mit Berufsverbot. Götz malte heimlich weiter; sein Frühwerk aber fiel dem Bombenangriff auf Dresden zum Opfer. Nach dem Krieg war er von 1948 bis 1953 Herausgeber der Zeitschrift „Meta“ und verfasste erste Gedichte. In den späten 1940er Jahren löste sich Götz vollständig von der gegenständlichen, vom Surrealismus inspirierten Kunst. 1949 trat er als erster Deutscher der internationalen Künstlergruppe „CoBrA“ bei. Nach deren Auflösung gründete er 1952 in der Frankfurter Zimmergalerie Franck mit Otto Greis, Heinz Kreutz und Bernard Schultze die Gruppe „Quadriga“, die als Keimzelle des deutschen Informel gilt.

Seinen Impuls für das Neue beschrieb Karl Otto Götz mit den Worten: „Wir wollten damals eine frische, spontane Malerei, den surrealistischen Programmpunkt vom Halbautomatismus auch in der Malerei wahr machen. Dadurch versuchte ich, die Enge der eigenen Vorstellung zu sprengen und die allzu bewusste Kontrolle auszuschalten.“ Das gelang ihm zunächst mit einer Farbabklatschtechnik von Glasscheiben auf Papier. 1952 entdeckte er dann zufällig die Maltechnik für sich, die fortan bestimmend werden sollte: Für seinen Sohn mischte er Farbpigmente mit Kleister an und brachte sie mit dem Rakel auf den Malgrund auf. Mit diesem Material und aus dem Automatismus des Unterbewussten heraus entstanden seine schwungvollen gestischen Arbeiten. Die dynamische Handschrift und der Akt des Malens bestimmten fortan sein Schaffen.

Schon früh wurde die internationale Kunstwelt auf Götz aufmerksam. 1948 erhielt er als erster den neu gegründeten „Kunstpreis Junger Westen“ der Stadt Recklinghausen. 1958 und 1968 nahm er an der Biennale in Venedig teil, 1959 an der zweiten Documenta in Kassel. Im selben Jahr erhielt er einen Ruf als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf. Hier war er bis 1979 prägend für eine Generation von Studenten. Zu seinen Schüler gehörten unter anderem Bernhard Blume, Konrad Fischer, Kuno Gonschior, Gotthard Graubner, Gretel Haas-Gerber, Manfred Kuttner, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Franz Erhard Walther und seine spätere Frau Rissa. Zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 2014 widmeten ihm viele deutsche Museen eine Retrospektive, darunter die Neue Nationalgalerie in Berlin, das Saarlandmuseum in Saarbrücken, die Kunstsammlungen Chemnitz, das Museum Kunst Palast in Düsseldorf oder das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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