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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Grisebach in Berlin verzeichnet mit seiner Fotografieauktion gute Ergebnisse

Bäumchen streck’ dich



Wie eine Skulptur steht das karge blätterlose Bäumchen einsam im Bildvordergrund vor einer weiten, noch teils schneebedeckten Spätwinterlandschaft. Durch seine zentrale Platzierung in der Bildachse gewinnt der fragile Stamm eine starke Präsenz, die den Gesamteindruck der Fotografie von 1929 bestimmt. Albert Renger-Patzsch folgte hier konsequent seinem Diktum „Die Vergewaltigung der Landschaft zu ‚kunst‘-fotografischen Zwecken ist bei mir verboten“ und nutzte die spezifischen, die Realität abbildenden Ausdrucksmittel der Lichtbildkunst. Trotz des hohen Realitätsbezugs versteht es Renger-Patzsch, seinem Bild nicht die Deutungsoffenheit zu entziehen. Ist sein „Bäumchen“ nicht Sinnbild für Wiederkehr des Lebens nach dem Tod? Für diesen Vintage des berühmten neusachlichen Fotografen bewilligte ein deutscher Kunde bei Grisebach in Berlin den taxkonformen Zuschlagswert von 40.000 Euro und verhalf dem Abzug im größeren Format zum Spitzenpreis der Auktion „Moderne und Zeitgenössische Photographie“.


Ein zweiter großer Vertreter dieser Richtung war am 31. Mai mit Karl Blossfeldt anwesend. Seine streng formale Pflanzenfotografie „Chrysanthemum segetum“ von 1915/25 fasziniert durch die greifbare Nähe und die fleischige Materialität in Kombination mit der formatfüllenden Komposition vor neutralem Hintergrund. Für das Blatt der Wucherblume spendierte ein deutscher Sammler gute 35.000 Euro (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Das, wogegen sich Renger-Patzsch, Blossfeldt und die anderen Vertreter der neusachlichen Fotografie wandten, war etwa mit Heinrich Kühns Vintage „Hans im Gras“ um 1906 präsent. Nach malerischen Kriterien ließ der Piktoralist Kühn seinen Sohn Hans im Gras lagern und verwendete für den Abzug das samtige Bromölumdruckverfahren, was zu einem impressionistischen Gesamteindruck führt. Hier kamen 3.000 Euro zusammen (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Inklusive Nachverkauf konnte Grisebach losbezogen gut 73 Prozent des Angebots weitervermitteln. Den Umsatz von rund 554.000 Euro bezifferte das Berliner Auktionshaus als hundertprozentige Verkaufsquote.

Moderne Fotografie

Schnörkellos und konkret ging es dann wieder bei Aenne Biermann zu. Um 1927/28 fertigte die neusachlich arbeitende Fotografin ihren ansprechenden „Einblick in ein Klavier“, der seinen Wert vervierfachen konnte. Der Detailausschnitt auf die Saiten und den Rahmen eines Flügels spielte 12.000 Euro ein. Mit der extremen Nahsicht beschäftigte sich zudem die US-amerikanische Fotografin Margaret Bourke-White, die vor allem durch ihre Tätigkeit für das Fortune- und Life-Magazin bekannt wurde. Die Arbeit „Borsig Locomotive Works. Berlin“ um 1930 zeigt zwei identische Fertigungsteile einer Lokomotive, deren polierter Stahl und runde Formen durch die Nahaufnahme klar hervortreten. Für den unteren Schätzwert von 20.000 Euro ging der Silbergelatineabzug in die USA. Von verwandter Thematik war Eli Lotar um 1927/32 fasziniert und warf seinen Blick ausschnitthaft auf drei Weichen von Eisenbahnschienen. Sein Vintage „Chemins de fer“ kletterte von 700 Euro auf 1.800 Euro.

Nur erahnen lässt sich der Passant auf Otto Steinerts Fotografie „Fußgänger vor Karren“. Bei der Studie zu „Ein-Fuß-Gänger“ um 1950 handelt es sich um einen von drei bekannten Abzügen, wovon einer in der Sammlung des Museums Folkwang in Essen und ein anderer in Privatbesitz beheimatet ist. Die Arbeit des wohl bedeutendsten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit ergatterte sich ein Bieter für 15.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Der US-Amerikaner Alfred Stieglitz steuerte zwei Werke zu der Auktion bei. Sowohl die Stadtvedute „New York, North towards Squibb Building“ mit starken Schlagschatten von 1931 und die ältere Photogravüre „The Steerage“ von 1907 mit einem von Menschen überfüllten Schiff fuhren jeweils 6.000 Euro ein (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR und 6.000 bis 8.000 EUR).

Die von Menschen noch kaum berührte Natur an der Nordsee gestaltete Bleicke Bleicken in den 1950er Jahren in seinem „Haus in den Dünen, Kampen, Sylt“ für 2.000 Euro und in der Strandbegrenzung „Reste mit Schatten, Sylt“ für 2.600 Euro (Taxe je 800 bis 1.200 EUR). Alfred Ehrhardt zog es 1934/37 dagegen an die Ostsee, wo er in der „Kurischen Nehrung“ die Formationen des abgeflossenen Wassers im Sand entdeckte. Gute 5.500 Euro brachte sein Vintage ein (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). In den unspektakulären Agrarlandschaften Niedersachsens fand Heinrich Riebesehl sein Thema und lichtete in „Schillerslage (Hannover), Oktober 1978“ mit einem Augenzwinkern einen einsamen Traktoranhänger voll mit Kartoffelsäcken ab. Einer von ihnen ist aber heruntergepurzelt und hat seinen Inhalt verstreut. Der spätere Schwarzweißabzug aus dem Jahr 2002 stieg von 1.000 Euro auf 4.500 Euro.

Eine ungewöhnliche Position nimmt der Betrachter bei der „Skatrunde“ und bei „Tea for two“ aus Umbos Serie „Die Wolkenkamera sieht sich auf der Erde um“ ein. 1935 verwendete er dafür die erste deutsche „Fisheye-Kamera“ mit einem Blickwinkel von 180 Grad. Die AEG hatte die Kamera für meteorologische Forschungszwecke konstruiert, um ein Gesamtbild des Sternenfirmaments mit der ganzen Wolkenbildung in einer einzigen Aufnahme zu erfassen. Die von unten gesehene Männerrunde und die Teegesellschaft erwirtschafteten jeweils 5.000 Euro (Taxe je 5.000 bis 7.000 EUR). Experimentell ging ebenfalls Florence Henri 1929 in Paris ans Werk, als sie ein Milchglasfenster mit langen Streben öffnete, die gegenüberliegende Häuserfassade durch die vertikalen Öffnungen einfing und dann noch durch einen Spiegel schräg vervielfältigte. Der spätere Silbergelatineabzug des „Pariser Fensters“ kam auf 2.400 Euro (Taxe 700 bis 900 EUR). Erfolgreich setzte auch Trude Fleischmann ihre „Akt-Studie“ von etwa 1925 für 1.800 Euro ab, bei der man nicht weiß, ob das androgyne Halbrückenprofil zu einem Mann oder einer Frau gehört (Taxe 600 bis 800 EUR).

Aus 21 Losen bestand die von Grisebach zusammengestellte Bilderstrecke „Ost und West im Wandel der Zeit“, die in einigen Beispielen den Alltag, das Straßenleben und die Städte in der DDR und der BRD dokumentiert. Es versammelten sich Arbeiten von ost- und westdeutschen sowie einem amerikanischen Fotografen, die eindrucksvoll die unterschiedlichen Perspektiven auf die deutsche Gesellschaft der Nachkriegszeit bis zur Wende fixierten. Zu nennen ist hier Evelyn Richters menschenleere Außenansicht der „Nationalgalerie Berlin“, die 1.900 Euro verbuchen konnte (Taxe 1.200 bis 1.500 EUR), ebenso wie Christian Borcherts „Maueröffnung Bornholmer Straße 10.11.98, Berlin Prenzlauer Berg“. Zu sehen sind zahlreiche Menschen, die bereits die mit Stop-Schildern markierte Grenze überquert und der DDR den Rücken gekehrt haben. Einem Sammler war die historisch bedeutsame Szene 1.400 Euro wert (Taxe 700 bis 900 EUR). Mehr an Einzelschicksalen interessiert waren Gabriele und Helmut Nothhelfer, die am „3. Oktober 1990 unter dem Brandenburger Tor“ das Portrait eines jungen Mannes aufnahmen. Für 2.600 Euro gab es den konzentriert in die Ferne Schauenden, der einen Wimpel mit Lenins markantem Konterfrei in Händen hielt (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).

Zeitgenössische Fotografie

Zurück zu Blossfeldts neusachlichen Naturaufnahmen führte die US-Amerikanerin Sherrie Levine, die zu den wichtigsten Vertreterinnen der sogenannten „Appropriation Art“ gehört und 1981 mit der Serie „After Walker Evans“ bekannt wurde. In Berlin lag ein Abzug der Folge „After Karl Blossfeldt“ von 1990 bereit, für den sie die Tafel 23 aus dessen bekannter Publikation „Urformen der Kunst“ kopierte. Mit ihrer Frage nach dem Original und der Originalität spielte die 1947 in Pennsylvania geborene Levine gute 9.000 Euro ein (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Aus der Serie „S“, mit der sich Beate Gütschow an der traditionsreichen Diskussion um den Objektivitätsanspruch der Fotografie beteiligt, stammt die konstruierte Stadtansicht „S#26“. Die scheinbar leblose Gebäudeflucht um einen Platz lässt sich keiner realen Stadt zuweisen, es handelt sich vielmehr um einen utopischen Ort. Mit 9.000 Euro blieb der Lightjet-Print jedoch unter den erwarteten 10.000 bis 15.000 Euro.

Immerhin die untere Schätzgrenze von 12.000 Euro erreichte das provokative Portrait „Nastassia Kinski and Marlene Dietrich doll, Hollywood“ von Helmut Newton aus dem Jahr 1983. Die elegant gekleidete Schauspielerin hält eine kleine Dietrich-Figur in den Armen, die wiederum mit beiden Händen die nackte Brust von Kinski umfasst. Für „nudes er 21“ verfremdete Thomas Ruff 2000 ein pornografisches Foto aus dem Internet mit Hilfe digitaler Bildbearbeitung. Die nackte Frau beim Sadomaso-Spiel traf mit ebenfalls 12.000 Euro etwa die Mitte der Schätzung von 10.000 bis 15.000 Euro. Ironisch nimmt der im vergangenen Jahr früh verstorbene Daniel Josefsohn Bezug bei Helmut Newton und George Lucas. In seinem nun 3.400 Euro teuren C-Print „Lieber Helmut, lieber George, ich wollte auch mal mit der Eisenbahn spielen“ von 2008 stellt er vier nackte Weibliche in typischer Newton-Pose vor, versteckt ihre Köpfe aber unter Helmen aus dem „Krieg der Sterne“ (Taxe 700 bis 900 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Villa Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@villa-grisebach.de



10.07.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Maren Janka Hopp

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