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Alt & Neu: Die Gemäldegalerie der Wiener Akademie der Bildenden Künste kombiniert Hieronymus Bosch mit Sjon Branðs

Harmlose Korrespondenzen



Das „Weltgerichtstriptychon“ von Hieronymus Bosch ist eines der Spitzenstücke, die in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste in Wien zu sehen sind. Dort hängt die Gerichtsszene, die der Niederländer vor circa 500 Jahren malte, neben weiteren weltberühmten Schätzen: Lucas Cranachs „Kampf des Herkules“ ist hier zu sehen, Hans Baldung Griens „Die Heilige Familie“ und Dierick Bouts „Krönung Marias“. Es ist ein schöner und zugleich ein versteckter Ort, an dem diese Inkunabeln der Kunstgeschichte präsentiert werden. Versuche, die Gemäldegalerie durch die gleichzeitige Präsentation zeitgenössischer Kunst noch populärer zu machen, gab es in der Vergangenheit einige: hervorzuheben ist vor allem die Kooperationen mit xhibit, dem Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst der Akademie. In einer weiteren, neuen Ausstellungsreihe mit dem Titel „Korrespondenzen“ sollen nun in loser, zeitlicher Abfolge und in kleinen Einzelpräsentationen Kunstwerke verschiedener Künstler und unterschiedlicher Medien zu Boschs „Weltgericht“ in Beziehung gesetzt werden.


Den Auftakt macht der niederländische Künstler Sjon Branðs, dessen skurrile Vogelwesen aktuell gegenüber Boschs Jüngstem Gericht Platz genommen haben. Branðs hat im Bosch-Jubiläumsjahr 2016 an der Tour „Bosch y Bosco“ teilgenommen. Sie führte von ’s-Hertogenbosch, der Geburtsstadt des großen Renaissance-Malers, der eigentlich Jeroen van Aken hieß, nach Madrid, wo sich heute die meisten Werke von Bosch befinden. An den Reisestationen fanden Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Vorträge statt.

Für die Wiener Präsentation hat Sjon Branðs acht Arbeiten ausgesucht, die in einer Beziehung zu Boschs „Jüngstem Gericht“ stehen. Der 1948 im niederländischen Tilburg geborene Künstler arbeitet mit Fundstücken und Abfallmaterialien: alle möglichen Gegenstände aus Metall – ausrangierte Musikinstrumente wie Posaunen und Flöten, Glocken, Schnapsflaschen, Gießkannenaufsätze, Teesiebe, Hupen und Sicherungsschalter – kombiniert und arrangiert er mit Federn und Pelz zu surrealen Wesen, die den absurden Gnomen, Dämonen und zu Teufeln mutierten Engeln auf Boschs Triptychon begegnen. „Regenfluiter“ heißt eines dieser Wesen, andere tragen lautmalerische Phantasienamen wie „Melkmeisje“ oder „Waterraaf“.

„Domphoor“ ist eine zwischen 2010 und 2013 entstandene Arbeit, für die Branðs unterschiedliche Metallfundstücke zu einem Objekt arrangierte, das mit seinem trompetenähnlichen Schnabel ein dreidimensionales Ebenbild von Boschs blauem, Schalmei spielendem Monster zu sein scheint. In Boschs Mitteltafel des Triptychons fungiert es links oben als Sinnbild der Todsünde „Superbia“. Dem schauerlich Schönen, der Perversion alltäglicher Tätigkeiten ins Teuflische und den exotischen Auswüchsen des verstörenden Triptychons antwortet Branðs jedoch in einem vergleichsweise harmlosen Dialog. Wie Schaustücke aus einem Naturkundemuseum sind seine Werke stumme Zeugen von Boschs düsterer Szenerie, in der die Sünder von seltsamen, dämonenhaften Wesen gepeinigt werden: gehängt, gebraten und durchbohrt, vor den Mahlstein gespannt, in Fässer gesteckt und auf Stöcke gebunden werden, wo Gliedmaßen abgetrennt, Körperteile in der Pfanne gebraten und Fußsohlen mit Hufeisen beschlagen werden.

Hinter diesen grauenhaften Szenen verbirgt Hieronymus Bosch den Kanon der Sieben Todsünden: die Wollust und den Hochmut, die Fress- und Trunksucht, den Geiz, den Neid, die Faulheit beziehungsweise Glaubensträgheit und den Zorn. Es ist der Ort der immerwährenden Qualen und der lauten höllischen Klänge, aus dem es kein Entrinnen gibt. Musikinstrumente werden zu Folterinstrumenten umgewandelt: einem Gnom steckt ein Instrument im Gesäß.

Sjon Branðs interessieren in seiner Auseinandersetzung mit Bosch vor allem die Gestalten, die mit trompeten- oder schalmeiähnlichen Musikinstrumenten ausgestattet sind. Bosch bezog sich mit seinen obskuren Wesen auf die mittelelterliche Auffassung von Musik und Tanz als Sünde. Musik war Teufelswerk, der Dudelsack beispielsweise ein Symbol der „Luxuria“. Branðs zitiert die obszöne Szene in „Prinses Upupa Epops“ und penetriert ein kopfloses, mit weißen Bandagen und Schwanenfedern ummanteltes Objekt mit einer Posaune.

Die Liebe zum industriellen Abfall teilt Sjon Branðs mit Schrottkünstlern wie Jean Tinguely, Robert Müller oder Bernhard Luginbühl, wenngleich seine „Vögel“ nur harmlose Korrespondenzen zu den von Ideenreichtum überbordenden Gestalten von Bosch entfalten können. Denn dessen bizarr und grausam erscheinende Physiognomien sind kein phantastisches Panoptikum, sondern Abbild einer immer wieder von Seuchen und Krieg heimgesuchten Welt, deren Bewohner entsprechend geschunden und entstellt aussahen. Die Fabelwesen auf Boschs großem Höllen- und Versuchungsgemälde entspringen dem Versuch, Schrecken zu erzeugen. Sein Höllenszenario ist Abbild einer höchst real empfundenen Bedrohung, für die es an Anschaulichkeit fehlte.

Überzeugende Korrespondenzen zwischen den Werken der beiden Künstler, die abgesehen von der Nähe ihres Geburtsortes, nur wenig miteinander teilen, bietet diese Auftaktsaustellung nicht. Pointiertere Begegnungen mit dem einzigartigen Malergenie wären dem neuen Ausstellungsformat zu wünschen, ebenso wie eine neue Präsentation. Denn bei Boschs „Weltgericht“ begeistern nicht allein die drei farbigen, großen Innentafeln, sondern auch die Außenseiten, auf denen grisaillehaft Heiligenfiguren illusioniert sind, die Bosch entsprechend der Tradition zwar stilistisch wiedergab, ihnen aber auf inhaltlicher Ebene eine neue, provokante Bedeutung verlieh: als lebende Menschen in lebendigen Szenerien. Dieser unbekannteren Seite des Œuvres von Hieronymus Bosch wären, gerade in Korrespondenz mit Künstlern des 20. Jahrhunderts und mit zeitgenössischen Positionen, noch viele Geheimnisse zu entlocken.

Die Ausstellung „Korrespondenzen: Bosch & Branðs – Sjon Branðs: Vögel“ ist bis zum 16. Juli zu sehen. Die Gemäldegalerie der Akademie hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 19. Lebensjahr ist er kostenlos. Vom 17. Juli bis Anfang November bleibt die Gemäldegalerie aufgrund der Verlagerung ins Theatermuseum an den Lobkowitzplatz geschlossen.

Kontakt:

Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

Schillerplatz 3

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 586 33 46

Telefon:+43 (01) 588 16 225

E-Mail: gemgal@akbild.ac.at



06.07.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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24.05.2017, Korrespondenzen: Bosch & Brands - Sjon Brands: Vögel

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