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Emil Nolde und „Die Grotesken“ – Die Internationalen Tage Ingelheim präsentieren sich im Museum Wiesbaden

Die ästhetische Erfahrung des Übernatürlichen



Da auch in diesem Jahr das Alte Rathaus in Nieder-Ingelheim wegen einer Generalsanierung und Erweiterung für die von der Pharmafirma Böhringer ausgelobten Internationalen Tage Ingelheim nicht zur Verfügung steht, sind die Internationalen Tage derzeit zu Gast im Museum Wiesbaden. In enger Kooperation mit der Nolde Stiftung in Seebüll hat sich Ulrich Luckhardt, der künstlerische Leiter der Internationalen Tage Ingelheim, entschlossen, eine Facette des Expressionisten Emil Nolde zu zeigen, die kaum bekannt ist: Sein Interesse am Grotesken und Phantastischen. Entstanden ist eine sehenswerte Ausstellung mit 20 Gemälden sowie rund 90 Arbeiten auf Papier, die weit entfernt ist von den starkfarbigen Blumengärten, wild tobenden Meereslandschaften unter dramatischen Wolkenformationen oder der Südseereise nach dem Ersten Weltkrieg.


Für Nolde gründet gültige Kunst in der Überzeugung, dass „der optisch äußerliche Reiz zum empfundenen inneren Wert“ gesteigert werden müsse. So ging er oft über das unmittelbar Gesehene hinaus, orientierte sich an Francisco de Goya und liebte das karikaturhaft Übersteigerte. Nolde schwärmte für die Märchen- und Sagenwelt, die Naturmythologie Arnold Böcklins oder die Spukgeschichten seiner Kindheit. Schon in seinem frühen Schaffen hielten diese Elemente Einzug in sein Œuvre. So fertigte er Ende des 19. Jahrhunderts als Lehrer für Entwurfszeichnen am Gewerbemuseum in St. Gallen seine „Bergpostkarten“. Die humoristischen Postkarten entwickelten sich zu einem Verkaufsschlager, zeigten sie doch auf amüsante Art und Weise „Jungfrau, Mönch und Eiger“ zum Beispiel als Gnomgesicht mit Bergmütze und als verschleierten Liebreiz. 1895/96 entstand sein erstes Ölgemälde „Bergriesen“, das die Motivik der Bildpostkarten aufnahm. 1905 fertigte er die Mappe „Phantasien“, die im Ausstellungskatalog, wie die Postkarten, aufwendig besprochen und abgebildet ist. Durch die Strich- und Tonätzung in schwarz-weiß-grauen Tönen wirkt das Bizarre eher unheimlich und oft genug geheimnisvoll.

1906 folgten Märchenholzschnitte, die im Gegensatz zu den „Phantasien“ voller Farbe und bewegter Figuren eine Lebendigkeit ausstrahlen und die Vorstellungskraft der Menschen aufs Schönste beflügeln. „Mädchenfantasien“, „Der König und der Narr“, aber auch Militärisches wie „General und Diener“ sind Themen dieser Märchenwelten. In dieser Holzschnittmappe zeigt Emil Nolde auch das Können des gelernten Holzschnitzers, der er vor seiner Malerkarriere war. „Ich ließ auch immer gern die verschiedenartige reizvolle Maserung und manchmal die Äste im Drucken mitsprechen“, wird Nolde zitiert.

1916 zog es Nolde während des Ersten Weltkrieges nach Utenwarf an die deutsch-dänischen Grenze. Die Werke, die er dort schuf, weisen schon auf die starke Farbigkeit der bunten Gartenbilder hin. Doch das Sujet ist in dieser Umgebung eher der Schweinskopf, der dem Teufel begegnet, oder der Bär und der kleine Mensch – alles Bilder „ohne Titel“. Im „Geburtstag der Windmühlen“ tanzt der Teufel begeistert mit einem wilden Hahn vor dem leuchtenden Gelb der Landschaft, und im „Streit der Kobolde“ fliegen die Spukgebilde über das sturmumtobte Land.

Wie viele Maler erlag Nolde der Einsamkeit der norddeutschen Landschaft und so machte er sich 1919 auf die Hallig Hooge im schleswig-holsteinischen Wattenmeer auf, die er mit dem Aquarellblock und seinen Wasserfarben eroberte. Ganz anders in der Nacht, dort hörte er nur das Rauschen des Meeres. Dies inspirierte ihn zu merkwürdigen Skizzen mit magischer Phantastik. Der Künstler war auf sich selbst zurückgeworfen, Abwechslung gab es keine. Auf der Hallig Hooge entstanden 71 Aquarelle, die Nolde niemals aus der Hand gab und die bis heute in der Nolde Stiftung in Seebüll lagern. Malte Nolde seine Aquarelle hauptsächlich auf das weiche saugfähige Japanpapier, so verwendete er auf der Hallig Hooge ein festes, bräunliches, fast kartonartiges Papier. Allerdings war dieses Papier nicht so saugfähig wie das weiche Japanpapier, auch vermischten sich die Farben nicht so stark, so dass die Blätter eher die Anmutung von Gemälden haben. Nolde fand die Hooge-Aquarelle so gelungen, dass er, zurück auf dem Festland, sieben großformatige Gemälde anfertigte, zum Beispiel das Bild „Tolles Weib“. „Weltfernes Leben kann reichstes Leben enthalten, rauschende Vielfältigkeit zerstreut alle geistige Sammlung“, war sein Fazit des Aufenthaltes auf der Hallig.

Während der Zeit des Nationalsozialismus paktierte Emil Nolde mit der Gefolgschaft des Führers. Er war antisemitisch eingestellt und bekämpfte Maler wie Max Liebermann oder den Kunsthändler Paul Cassirer. Zu seinen „Fans“ gehörte Joseph Goebbels oder Albert Speer. Trotzdem wurde Nolde – er hatte das selbst nie ernst genommen – von einem Teil der NS-Führung verfolgt. Hitler persönlich wetterte gegen den Künstler, und so wurde sein Werk der „Entarteten Kunst“ zugeordnet. In der 1937 stattfindenden propagandistischen Diffamie-Schau war Noldes Werk „Leben Christi“ Mittelpunkt der Ausstellung. Über tausend Bilder Noldes wurden beschlagnahmt, verkauft oder zerstört. 1941 wurde er aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen, so dass er von da an nur noch im Verborgenen arbeiten konnte. Auch diese „ungemalten Bilder“ sind in der Wiesbadener Ausstellung zu sehen.

Die Ausstellung „Emil Nolde – Die Grotesken“ ist bis zum 9. Juli zu sehen. Museum Wiesbaden hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre in Begleitung der Eltern ist er frei. Der Katalog aus dem Verlag Hatje Cantz kostet 29,80 Euro.

Kontakt:

Museum Wiesbaden

Friedrich-Ebert-Allee 2

DE-65185 Wiesbaden

Telefax:+49 (0611) 335 21 92

Telefon:+49 (0611) 335 22 50

www.internationale-tage.de



27.06.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marianne Hoffmann

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