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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Einen der Höhepunkte zum diesjährigen Gedenken an den Reformationsbeginn vor 500 Jahren bilden drei nationale Sonderausstellungen, die die Auswirkungen des umwälzenden Ereignisses auf die Künste zeigen

Bezaubernde Kunst und viel dahinter



Cranach-Werkstatt, Martin Luther als Junker Jörg, 1537

Cranach-Werkstatt, Martin Luther als Junker Jörg, 1537

Mit heftigen Schlägen hämmert Martin Luther 1517 eigenhändig sein Thesenpapier ans Portal der Wittenberger Schlosskirche. Viele Historienbilder zeigen diese Szene, die sich wohl so nie zugetragen haben dürfte. Gleich zu Beginn der Sonderschau auf der Wartburg sieht sich der Besucher diesem Motiv gegenüber, 1872 interpretiert vom belgischen Historienmaler Ferdinand Pauwels. Die Auswirkungen von Luthers Lehren im künstlerisch-grafischen Feld sind unübersehbar und wurden von Anbeginn bildlich-propagandistisch begleitet, darunter von Lucas Cranach oder Albrecht Dürer. Neue Auslegungen religiöser Riten erforderten veränderte Kultgeräte, neue Gottesdienstformen eine veränderte Konzeption von Kirchenbauten. Die Reformation hinterließ Spuren in allen künstlerischen Sparten. Davon berichten drei große nationale Sonderausstellungen, die im Rahmen der „Lutherdekade“ nach genau 500 Jahren die Ereignisse von damals ins Gedächtnis rufen.


„Luther und die Deutschen“, so der Titel der Schau auf der Wartburg, möchte das Bild des Protestantismus in Deutschland in den letzten 500 Jahren aufzeigen. „Der Luthereffekt“ heißt eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums im Berliner Gropiusbau, die die globalen Auswirkungen des europäischen Ereignisses exemplarisch in den Blick nimmt. „95 Schätze – 95 Menschen“, so das Motto der dritten Schau in Wittenberg, versucht, in Anspielung auf die 95 Thesen in das Innere des Menschen Luther zu schauen, um dann in einen zeitübergreifenden Dialog mit Prominenten und deren Interpretation einzutreten.

Luther auf der Wartburg

Das Nationaldenkmal Wartburg, eine imposante, durch Minnesänger und Dichter populär gewordene, spätromanische Wehranlage, ist auch das größte von 300 Exponaten der Schau auf dem Berggipfel über Eisenach. Hier traf Martin Luther nach einem „Scheinüberfall“ am 4. Mai 1521 getarnt als „Junker Jörg“ ein. Fortan widmete er sich der Übersetzung des Neuen Testamentes aus dem Griechischen unter Zuhilfenahme der allgemein verständlichen sächsischen Kanzleisprache. Die im September 1522 erschienene Erstauflage von 3.000 Exemplaren, „Septembertestament“ genannt, ist eines der Starstücke auf der Wartburg. Aufgrund des reißenden Absatzes musste sie bereits im Dezember neu aufgelegt werden. Am 1. März 1522 verließ Luther die Wartburg. Die nachfolgende Übersetzung des Alten Testaments bewerkstelligte er zusammen mit einem Gelehrtenteam. Im Jahr 1534 erschienen dann Altes und Neues Testament komplett in deutscher Übersetzung.

Der Wartburg als Lutherstätte inklusive der Umbaumaßnahmen, Luthers Theologie und ihr Einfluss auf die Kultur sowie der politischen Instrumentalisierung der Reformation widmen sich viele Exponate. Schriften und Grafiken lassen erkennen, dass mit der Reifung drucktechnischer Verfahren die Reformation zu einem Medienereignis wurde, die mittels schneller, kostengünstiger Produktion und Verbreitung eine eigene ungeheure Dynamik entfaltete. Gemälde und Kultgegenstände erschließen weitere Kernpunkte der Reformation. So wird die Messe auf Deutsch, nicht mehr in Latein gelesen, und das Abendmahl in beiderlei Gestalt von Brot und Wein gereicht. Ein Holzschnitt aus der Cranach-Schule zeigt die Spende des Abendmahls durch Luther und den Theologen Jan Hus.

Dieser Wandel brachte auch eine Veränderung des Altargerätes mit sich. Die zuvor kleinen Kuppae der Abendmahlskelche wurden erweitert, Patenen durch Schalen ersetzt. Schmuck und Verzierungen des Altargeräts unterscheiden sich jedoch kaum von katholischen Gebrauch. Gotteswort und Gesang erhoben die bislang eher passiven Gottesdienstbesucher zu Mitwirkenden.

Andere Grafiken visualisieren Luthers Feindbilder und Widersacher. Die Türken beispielsweise betrachtete er als „Agenten des Teufels“. Giovanni Britto hielt in einem Holzschnitt den türkischen Sultan Süleyman I. mit vier Kronenstreifen fest, die die dreistufige päpstliche Tiara übertreffen, um den Herrscher als teuflischer zu kennzeichnen. Kultisch wurde in vielen Bildnissen auch das evangelische Pfarrhaus aufgewertet. Hier lebende, nunmehr verheiratete Pfarrer wurden samt Familienanhang zu einer frommen, mustergültigen Institution stilisiert.

Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 wurde Luther besonders im preußisch-deutschen Reich zum Symbol der Freiheit. Caspar David Friedrich malte um 1823 „Huttens Grab“. Das Grab des Humanisten bettete er in eine Ruinenkulisse als quasi gescheiterte Hoffnung auf politische wie religiöse Erneuerung. Werner Tübke interpretierte in seinen Entwürfen für das Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen Luther janusköpfig aufgrund seiner sich wandelnden Haltung im Bauernkrieg. Dominierender Pilger- und Gedenkort auf der Wartburg ist die noch bis 1807 als Gefängnis genutzte „Lutherstube“, der authentische Aufenthaltsort des Reformators im Ritterhaus der Vogtei.

Der weltweite Protestantismus in Berlin

Wiederum andere Schwerpunkte setzt die international ausgerichtete Schau des Deutschen Historischen Museums im Berliner Gropiusbau. Im Fokus steht die weltweite Bewegung des Protestantismus in all ihren Facetten, zu der sich über 800 Millionen Menschen bekennen. Der Weg führt über den Lichthof, den der Künstler und Komponist Hans Peter Kuhn mit einem „Der Übergang“ titulierten Raumkunstwerk ausfüllte. Begleitet von Geräuschen aus christlichen Kirchen windet sich der Parcours durch schwungvoll in der Form einer Doppelhelix zusammengefügte Aluminiumröhren, die Spaltung, Veränderung und Verschiebung symbolisieren sollen.

Drucke, Grafiken und Gemälde stellen im Umgang Reformwege, Akteure, Lehransätze und Folgen in Europa vor. Dank des Konzils von Trient, das zwischen 1545 und 1563 stattfand, erholte sich die nunmehr erneuerte katholische Kirche, musste aber die Koexistenz der neuen Lehre hinnehmen. Neben den Lutheranern werden weitere Richtungen des Protestantismus aufgegriffen, wie jene des Züricher Priesters Ulrich Zwingli, des Franzosen Johannes Calvin oder die „von oben“ aus persönlichen Machtbestrebungen der Herrscher eingeführten Reformationen in England oder Schweden. Der 1578 vom Kölner Gilles Sibricht gefertigte Prunkpokal, den die wallonischen Flüchtlinge aus Dankbarkeit für die Aufnahme dem Rat der niederrheinischen Stadt Wesel stifteten, gehört neben Serienporträts von Martin Luther, seiner Ehefrau Katharina von Bora oder Philipp Melanchthon aus der Cranach-Werkstatt zu den künstlerisch wertvollsten Exponaten dieses Abschnitts.

Kurz angerissen wird der bemerkenswerte Aspekt der Neuordnung der Bildung, wonach Schulen und neue Universitäten immer stärker die Klöster als Bildungsstätten ablösten. Die Zahl der des Lesens, Schreibens und Rechnens Mächtigen stieg von fünf Prozent vor auf über 70 Prozent nach der Reformation und verdeutlicht den enormen gesamtkulturellen Schub.

Exemplarisch richtet die Ausstellung dann den Blick nach Schweden, Nordamerika, Korea und Tansania. Während die lutherische Großmacht Schweden die neue Konfession zur Staatskirche erhob, verweisen Bilder, Grafiken und Objekte aus den USA auf die unüberschaubare Vielfalt unabhängiger nebeneinander existierender Kirchen und die durch Einwanderung bedingte Freiheit religiöser Lebensformen. Das enorme Wachstum des Anteils christlich orientierter Menschen seit 1950 überrascht bei Korea. Beeindruckend ist hier, wie der zum Katholizismus konvertierte, 2001 verstorbene Maler Kim Ki-Chang das Leben von Jesus Christus in einem außergewöhnlichen Bilderzyklus illustrierte. In Tansania existiert heute dank intensiver Missionierung die größte lutherische Kirche Afrikas.

95 Schätze folgen Luthers Wirken in Wittenberg

Wo, wenn nicht in Luthers Wohnort Wittenberg mit der Urzelle der Reformation, wäre eine Gedenkausstellung fällig. So kreierten die Luthergedenkstätten im Augusteum eine originelle Schau, die sich von zwei Seiten dem Reformator nähert. 95 kunsthistorisch aufschlussreiche Schätze aus seinem Umfeld sind 95 Persönlichkeiten aus den letzten 500 Jahren gegenübergestellt, die ihre Sicht auf das Reformationsgeschehen vorstellen und den Besucher zu einen Dialog bewegen möchten. Zu den Schätzen gehören neben Drucken und Gemälden von Albrecht Dürer oder der Cranach-Werkstatt auch Gemälde unbekannter Meister, wie ein aus Prag entliehener Altarflügel aus den Jahren nach 1510, der neben dem heiligen Adalbert auch prominent Jan Hus mit der Ketzerkappe ins Bild setzt.

Ein eigenhändiger Brief Luthers an den Erzbischof von Mainz, Luthers Handexemplar des Neuen Testamentes, sein Schreibkästchen samt Schreibset oder eine seiner Predigtkanzeln gehören zu den wichtigsten Exponaten, die in direkter Beziehung zu ihm stehen. Zu den kostbarsten Stücken zählt ein Bergkristallreliquiar der Heiligen Cosmas und Damian aus dem 15. Jahrhundert. Es erinnert an den von Luther geächteten Reliquienkult und an die rund 19.000 Partikel starke Kollektion des Kurfürsten Friedrichs des Weisen, die er am Allerheiligentag in der Wittenberger Schlosskirche zur Schau stellte. Ausgerechnet am Vortag ließ Luther seine Thesen an der Wittenberger Schlosskirche anschlagen, so dass die herbeiströmenden Gläubigen sie unabwendbar zu Gesicht bekamen.

Im zweiten Teil der Präsentation erweisen sich die Bezugnahmen berühmter Künstler zum Luthertum als aufschlussreich. So vermittelte Caspar David Friedrich mit seinen „Landschaftskreuzen“ zutiefst religiöse Anliegen. „Meine Kunst ist eine Beichte“, so interpretierte Edvard Munch seine Malerei. Bruce Nauman erkundet Zusammenhänge menschlichen Tuns und Seins vor religiösem Hintergrund, und Marcel Duchamp verfolgte die Trennung der Bilder vom Dogma ganz im Sinne Luthers.

Alle drei Ausstellungen laufen bis zum 5. November. „Der Luther Effekt“ im Berliner Gropiusbau hat täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr geöffnet, die Schau „Luther. 95 Schätze – 95 Menschen“ im Wittenberger Augusteum täglich von 9 bis 18 Uhr und „Luther und die Deutschen“ auf der Wartburg in Eisenach täglich von 8:30 bis 19 Uhr. Das Einzelticket kostet jeweils 12 Euro, ermäßigt 8 Euro bzw. 5 Euro. Der Preis für das Kombiticket zu allen drei nationalen Sonderausstellungen liegt bei 24 Euro. Die Ausstellungskataloge in den Museumsausgaben kosten jeweils 29,90 Euro, für „Luther und die Deutschen“ 29,95 Euro.

Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
D-10963 Berlin

Telefon: +49 (0)30 – 25 48 60
Telefax: +49 (0)30 – 25 48 61 07

Wartburg-Stiftung
Auf der Wartburg 1
D-99817 Eisenach

Telefon: +49 (0)3691 – 250 0
Telefax: +49 (0)3691 – 250 242

Kontakt:

Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Collegienstraße 54

DE-06886 Lutherstadt Wittenberg

Telefon:+49 (03491) 420 30

Telefax:+49 (03491) 420 32 70

E-Mail: info@martinluther.de

www.3xhammer.de



03.06.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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