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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Ist es ein Bienenstock, ein Gehirn oder ein Drahtknäuel? Nein, es ist ein Sigmar Polke! Neben ihm gibt es viel Art Informel, ein bisschen ZERO, etwas Pop Art sowie italienische Avantgarde bei der Zeitgenössischen Kunst im Dorotheum

Kreieren geht über Kopieren



1951 erfand der französische Kritiker und Kurator Michel Tapié den Begriff „art informel“ anlässlich einer Ausstellung im Pariser Studio Facchetti und versuchte damit, verschiedene abstrakte Strömungen der Nachkriegszeit zusammenzufassen. Diese künstlerische Haltung und ihre Vertreter stehen für eine spontane Malerei, die nicht Existierendes kopieren, sondern Zustände kreieren und auf Leinwand bannen will. Dem Phänomen des Informel widmet das Wiener Dorotheum nun eine eigene Sparte innerhalb der Auktion Zeitgenössischer Kunst. Vereint sind hier Strichbilder von Hans Hartung, wie das mit schnellen, hellen Pinselstrichen auf dunklem Grund geritzte „1963-K-14“ für 50.000 bis 70.000 Euro, kalligrafisch-dynamische Arbeiten von Georges Mathieu, der mit der 1,60 Meter langen Farbtubenauspressung „Erreur Confidentielle“ für 90.000 bis 120.000 Euro vertreten ist, oder Emilio Vedova, dessen riesige, wirre Farbexplosion „Tensione N 4 V“ von 1959 schon im selben Jahr den Titel der Publikation „critica d’arte“ zierte. Hier sind 150.000 bis 200.000 Euro vorgesehen.


Als Highlight bietet das Dorotheum ein frühes und intensives Beispiel an: Das flächige Materialbild „Composition“ von Nicolas de Staël aus dem Jahr 1950 ist mit seinem dicken Auftrag und den gespachtelten Formen zugleich eine Ode an die Farbe und das Material und wird auf 200.000 bis 300.000 Euro geschätzt. Im Gestalten mit dem Material stehen dem Jean Fautrier und Jean-Paul Riopelle in Nichts nach; Fautrier erschuf stark bewegte Reliefs aus Farbpaste wie das für 90.000 bis 200.000 Euro zu ersteigernde „Vegetaux“ von 1957 in vitalem Grün, während Riopelle drei Jahre später seine changierenden, glänzenden Farbmassen in „Ramonette“ offensichtlich und in harten Kontrasten auf die Leinwand spachtelte (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Dagegen wirkt Giuseppe Santomasos „Spazio Aperto“ von 1963 geradezu beruhigend mit seiner reduzierten Farbwahl und den weißen und schwarzen Flächen, die der quadratischen Leinwand dennoch Bewegung und Leben einhauchen (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Zu den weiteren Höhepunkten der Auktion vom 31. Mai zählt ein strahlend blaues Rasterbild Sigmar Polkes, mit dem er auf seine ironische Art dem Ursprung der Malerei auf die Schliche zu kommen versucht. Mit zarten Gitternetzlinien in Wabenstruktur, deren schwarze Linien von zart gepunktet bis fett variieren, verleiht er der großformatigen und unbetitelten Papierarbeit von 1998 eine magische Tiefe (Taxe 250.000 bis 300.000 EUR). Für Gotthard Graubner und Adolf Luther ist hingegen der Lichtwert von großer Bedeutung. Aus dem instrumentellen Gebrauch des Schaumstoffschwammes wird bei Graubners Arbeit von 1967/68 eine Bildform, die das Werkzeug zum Zentrum des Bildes macht, wenn sich der Bildkörper durch die Überspannung mit Perlon aus dem malerischen Kontext und damit aus seiner Zweidimensionalität löst (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Die Brechung des realen Lichts an dinglichen Oberflächen faszinierte hingegen Luther an seiner Spiegelskulptur „Sphärisches Objekt“ von 1969 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Alternativen zur herkömmlichen Kunst zu finden, hatte auch für die ZERO-Künstler erste Priorität. Otto Piene ließ wie bei dem auf 70.000 bis 100.000 Euro geschätzten „Black Star“ von 1976 monochrom farbige Leinwände in Flammen aufgehen und ihre eigenen verkohlten Linien in die Oberfläche einbrennen. Heinz Macks Objekte sollten das Licht und ihre Kinetik einfangen und Bewegung in den umgebenden Raum bringen, so wie bei seinem getriebenen Aluminiumoval unter Plexiglas für 25.000 bis 30.000 Euro. Auch große Namen aus Österreich haben in Wien ihren Auftritt. Otto Muehl verschüttet 1986 bei seiner Serie „Unfälle im Haushalt“ während eines Erdbebens ein Glas Rotwein in auf die Konturen beschränkten Farbflächen (Taxe 36.000 bis 50.000 EUR). Franz West erschafft aus Pappmaché und Holz eine knallgelbe „Gerümpelplastik“ (Taxe 45.000 bis 70.000 EUR). Herbert Brandls Wasserfall von 1992 scheint in dicker Farbe fast selbst zu ertrinken (Taxe 25.000 bis 32.000 EUR), und Heimo Zobernig hat es mit sieben Jahren Pech aufgenommen und 1988 mit Einschlägen einen Spiegel zeichnerisch mit Linien strukturiert (Taxe 16.000 bis 24.000 EUR).

Das Œuvre von Maria Lassnig gewinnt durch weltweite Ausstellungen derzeit an Aufmerksamkeit. Eines ihrer Selbstporträts von 1962 ist in Form einer mit Farbflächen ausgemalten Kohlezeichnung zugegen, die die jeweiligen familiären Einflussbereiche von Vater und Mutter widerspiegeln sollen (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR). Um die „Mutter“ und ihre Herzenswärme geht es auch bei Erwin Wurms gleichnamiger, geschwärzter Bronzeskulptur in ironischer Form einer lebensgroßen Wärmflasche mit Füßen von 2014 (Taxe 70.000 bis 120.000 EUR). Die weibliche Künstlerschar bereichert Dadamaino mit der quadratischen Tafel „Interazione cromo-strutturale“, auf der die Mailänderin 1970/72 gelb, grün und blau bemalte Holzklötzchen anbrachte, die eine energische Wellenbewegung im Raum erzeugen (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Hypnotisch in das Bildzentrum hinein zieht hingegen Marina Apollonio mit ihrer rotierenden „Dinamica circolare 6 B“ in Schwarz und Weiß von 1967 (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Zum Kampf der Formen rufen Josef Albers und Turi Simeti auf: Albers liefert mit „Earthen I“ von 1955 eine Hommage auf das Quadrat in wunderschönen Erdfarben (Taxe 170.000 bis 220.000 EUR), während sich Simeti mit seinen monochromen, ausgeschnittenen Farbflächen der weichen, asymmetrischen Ellipse verschrieben hat, wie in „81 ovali bianchi“ von 1996 zu sehen (Taxe 22.000 bis 32.000 EUR). Eine Reise zu den Sternen tritt man für 70.000 bis 100.000 Euro mit dem Brasilianer Antonio Dias an. „The circle“ aus dem Jahr 1971 ist eine gemalte Himmelskarte, mit der man von Stern zu Stern kommt, und dennoch am Ende wieder am Anfang hinauskommt.

An die vergangenen Verkaufserfolge italienischer Sixties- und Seventies-Avantgarde möchte das Dorotheum auch dieses Mal anknüpfen. Die Ausweitung des Bildes sowohl in stofflicher wie auch in räumlicher Hinsicht steht bei diesen Arbeiten im Vordergrund. Ein gutes Beispiel sind die Bildobjekte von Enrico Castellani: Seine knallrote und leuchtend grüne „Superfici“ orientieren sich noch heute an diesem künstlerischen Geist mit ihren bis zum Bersten ausgedehnten Oberflächen (Taxe je 200.000 bis 300.000 EUR). Und auch Agostino Bonalumi erschuf 1971 durch das Herausdrücken von Formen auf der atmosphärisch dunklen Leinwand „Blu“ geometrisch-organische Strukturen (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Zerstört und damit geformt hat Alberto Burri seine rabenschwarze „Combustione“, von der die Farbe abblättert, ohne den Untergrund durchschimmern zu lassen (Taxe 240.000 bis 280.000 EUR). Und ein mit Graffiti und Löchern versehenes „Concetto Spaziale“ in Weiß und Türkis von Lucio Fontana aus dem Jahr 1960 vollzieht sogar die Übersetzung ins Skulpturale mit seinem Keramik-„Crocifisso“ aus den späten 1950er Jahren (Taxen 150.000 bis 200.000 EUR und 60.000 bis 80.000 EUR).

Im kräftigen Orange der Sechziger erstrahlt mit Paolo Scheggis „Zone riflesse“ ein Musterbeispiel der Bewegung: Drei Leinwände legte der Florentiner übereinander und ließ die ausgesparten Flächen sich kunstvoll überschneiden (Taxe 170.000 bis 250.000 EUR). Giuseppe Uncini baute 1962 ein durch Quadrate strukturiertes Eisengestell, das er zum Teil mit Zement versiegelte und ihm dadurch eine fast malerische Präsenz verlieh (Taxe 110.000 bis 160.000 EUR). Alighiero Boetti adelte einen Kugelschreiber, als er ihn zum Hauptprotagonisten seiner felderartigen Stricharbeit „Giogare“ von 1976 machte (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Pier Paolo Calzolaris Illusion bestand 1976 darin, dass er ein scheinbar stoffähnliches Material über einen Rahmen spannte und darauf Blütenblätter und Salz streute - nur dass der Stoff aus solidem Blei gegossen ist (Taxe 130.000 bis 180.000 EUR). Auch 1983 hielt er an seinen Lieblingsmaterialien fest und schuf eine weiße Wand aus Salz und Blei, die verbrannte Holzteile rhythmisieren (Taxe 120.000 bis 160.000 EUR).

Tano Festa war in den 1960/70er Jahren neben Mario Schifano, der die Auktion mit dem unwirklichen Palmenschatten „Oasi“ auf Leinwand und Plexiglas bereichert (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), einer der bedeutendsten Protagonisten der römischen Szene, der sogenannten Scuola di Piazza del Popolo. Festa übersetzte die Pop und Op-Art ins Italienische und entzauberte Gegenstände wie einen goldenen Barockrahmen, in den er eine Holzplatte einsetzte und diese mit Email- und Lackfarbe bearbeitete, dem Objekt jedoch eine andere Bedeutung zumaß, indem er es „Specchio“, also Spiegel nannte, in dem man sich nicht spiegeln kann (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Auch der Himmel selbst war ihm nicht heilig; in schematisch-mechanischer Weise reduzierte er diesen auf geometrische Wolkenformen und reproduzierte deren Verlauf in variierenden Blautönen (Taxe 70.000 bis 80.000 EUR). Im Stil von Mondrian nahm der Römer 1968 dann auch noch Michelangelo auf die Schippe (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Zum Spitzenreiter der Auktion kürt das Dorotheum mit einem Preis von 380.000 bis 480.000 Euro ein plakatives Werk des US-amerikanischen Pop Art-Erotikers Tom Wesselmann. Bekannt durch seine puppenhaften „American Nudes“, die rauchend in bunter Umgebung posieren, stehen bei „Smoking Cigarette II“ nun eine stark vergrößerte Zigarette und deren bizarrer Rauch im Vordergrund. Andy Warhol zählt zum Schlafen wohl lieber Katzen als Schafe: Seine „25 Cats name(d) Sam and one Blue Pussy“ von 1954 sind als komplettes Set von 18 handkolorierten Lithografien für 100.000 bis 150.000 Euro zu haben. In der hyperrealistischen Arbeit „The Extra Tropical Troposphere“ von Marc Quinn, entstanden 2006, brechen Klatschmohn, Tulpen, Iris und Erdbeeren in schreiend kräftigen Farben und überdimensionalem Format über dem Betrachter herein (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Auch Miquel Barceló beeindruckt mit einer großen Leinwand, jedoch setzt er in „Plenilunio“ dunkle Nuancen kraftvoll ein, um den Effekt des Licht- und Schattenspiels auf klassischer See modern wiederzugeben (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Die Zeitgenössische Kunst wird am 31. Mai ab 18 Uhr versteigert. Die Vorbesichtigung ist bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Katalog listet die Objekte unter www.dorotheum.com.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



29.05.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Viviane Bogumil

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