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Magdalena Abakanowicz gestorben

Magdalena Abakanowicz ist gestorben

Magdalena Abakanowicz ist tot. Die polnische Bildhauerin starb gestern im Alter von 86 Jahren in Warschau. Das teilte die dortige Akademie der bildenden Künste mit. Abakanowicz gehörte zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart in Polen. Bekannt wurde sie vor allem für ihre oft überlebensgroßen, kopflosen menschlichen oder tierischen Gestalten, die sie auf zahlreichen öffentlichen Plätzen aufstellte, darunter in Chicago, Jerusalem, New York, Seoul oder Paris. Andrzej Szczerski, Direktor des Nationalmuseums in Krakau sagte: „Abakanowicz hat sich vom Schicksal der Menschen im 20. Jahrhundert bewegen lassen, einer Menschheit, die durch die Katastrophen des Jahrhunderts zerstört wurde, einer Menschheit, die wieder neu geboren werden wollte.“

Magdalena Abakanowicz kam 20. Juni 1930 in Falenty bei Warschau zur Welt und studierte von 1949 bis 1954 an den Kunstakademien in Danzig und Warschau. Zunächst lag ihr Augenmerk auf der Malerei. Dann entwickelte sie eine eigene Webtechnik und gestaltete damit dreidimensionale biomorphe Wandtextilien. Für diese Reliefs mit mythischer Verweiskraft prägte sich in den 1960er Jahren der Begriff „Abakan“ ein. 1965 erhielt Abakanowicz auf der Biennale von São Paulo den Grand Prix für ihre „Abakans“. Mitte der 1970er Jahre traten dann die ersten Figuren, die sie aus Sackleinwand, Jute oder Sisal, Klebstoff und Harz über Modellformen fertigte, in ihrem Werk auf. Die oft kopflosen menschlichen oder tierischen Torsi, teils auch Mischwesen, reihte Abakanowicz seriell in größerer Anzahl; dennoch trug jede ihrer Figuren individuelle Züge und war wie eine verletzliche Außenhaut.

Mit ihnen wolle sie das zeigen, was man nicht anders ausdrücken kann. „Dazu gehören die Schrecken, der Glaube, die Gefühle und alles was in uns ist und was wir mit uns durchs Leben schleppen“, sagte sich Abakanowicz zu ihrem künstlerischen Tun. Später arbeitete sich auch mit Bronze, Stein, Eisen oder Beton, etwa in der monumentalen Installation „Bambini“ mit über 80 Kinderfiguren. Sie verfasste zudem metaphorische Texte über das menschliche Gehirn, über Mythologie und Religion. Von 1965 bis 1990 war sie Profession an der Kunstakademie in Posen.

Für ihr Schaffen wurde sie zahlreich geehrt. So nahm Magdalena Abakanowicz 1979 den Gottfried-von-Herder-Preis in Wien entgegen, 1993 den Skulpturenpreis des Sculpture Center in New York, 1997 den Leonardo da Vinci-Weltkunstpreis, 2005 den Lifetime Achievement Award des International Sculpture Center in New York und das Pendants des polnischen Ministers für Kultur. Schon 1974 ernannte sie das Royal College of Art in London zum Ehrendoktor, seit 1994 war Abakanowicz Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und seit 1996 Mitglied der American Academy of Arts and Letters in New York. 2010 überreichte ihr der deutsche Botschafter in Warschau, Michael H. Gerdts, „für ihren herausragenden und dauerhaften Beitrag zum kulturellen Dialog zwischen Polen und Deutschland“ das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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