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Dortmund ehrt den Brutalismus

Der Hartware Medienkunstverein in Dortmund widmet seine aktuelle Ausstellung dem Architekturstil des Brutalismus, der in Deutschland in den 1960er Jahren seinen Siegeszug antrat und besonders für seine Materialsichtigkeit bekannt war, heute aber oftmals als hässlich und monströs betrachtet wird. Insgesamt 21 internationale Künstler aus elf Ländern setzen sich in ihren Skulpturen, Videos, Installationen, Fotografien und Streetart-Arbeiten mit dem brutalistischen Baustil der Nachkriegsmoderne auseinander. Ebenfalls präsentiert werden digitale Einträge der Facebook-Gruppe „The Brutalism Appreciation Society“, die als Ausgangspunkt sowie Titelgeber der Ausstellung anzusehen sind.

Der Begriff des Brutalismus hat nicht etwa mit Brutalität zu tun. Er ist vielmehr auf die französische Bezeichnung „béton brut“ – wörtlich roher Beton – zurückzuführen, der sich auf das zentrale Kriterium diese Baustils bezieht: die klare Sichtbarkeit des verwendeten Materials wie Beton, Ziegel, Stein oder Metall. Die radikale Bauweise war bis in die 1980er präsent, geriet aber trotz zahlreicher Bemühungen das Image zu verbessern, immer mehr in Verruf. Seitdem sind brutalistische Bauwerke nach und nach durch Umbauten oder Abrisse aus den Stadtbildern verschwunden. Neben der bereits genannten Facebook-Gruppe, die rund 50.000 Mitglieder zählt, stellen sich weitere Initiativen auf die Seite des Brutalismus und bemühen sich, sein Bauten zu erhalten.

So setzen sich Künstler wie Aglaia Konrad, Reto Müller oder Heidi Specker mit bedeutenden Gebäuden des Brutalismus auseinander, darunter die Wiener Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit von Fritz Wotruba, die Eglise Sainte-Bernadette du Banlay in Nevers sowie die Queen Elizabeth Hall im Londoner South Bank Centre. Ebenfalls zu sehen sind Ideen und Anregungen, die Künstler aus bestehenden brutalistischen Strukturen entwickelt haben. Hierbei werden durch vielfältige Gegenüberstellungen nicht nur Unterschiede, sondern auch Gemeinsamkeiten deutlich hervorgehoben. Dass beispielsweise brutalistische Bauwerke konzeptuell gar nicht so weit von sozialistischen Plattenbauten entfernt sind, zeigen Andrea Pichl, Darko Fritz oder der Berliner Streetart-Künstler Evol in ihren Arbeiten.

Die Ausstellung „Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus/The Brutalism Appreciation Society“ läuft bis zum 24. September. Der Hartware Medienkunstverein hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sowie für alle Besucher an jedem ersten Mittwoch und Sonntag ist er frei.

Hartware Medienkunstverein im Dortmunder U
Leonie-Reygers-Terrasse
D-44137 Dortmund

Telefon: +49 (0)231 – 49 66 420
Telefax: +49 (0)231 – 49 66 42 29

Quelle: Kunstmarkt.com/Annemarie Knatz

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