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Leda mit dem Schwan / Eduard Veith

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Sitzende Bäuerin mit Kind, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen aus dem 20. Jahrhundert bei Irene Lehr in Berlin

Hofers Frauenvisionen



Wie in Trance spielt die Frau auf der Triangel. Spitzfingrig hält sie das Instrument vor ihrem nackten Oberkörper. Die Augen sind geschlossen, und der Kopf mit einem braunen Turban bedeckt. In dieser Position scheint sie tief in sich gekehrt den sanften meditativen Klängen zu lauschen. Das studienhafte Ölgemälde „Frau mit Triangel“ des deutschen Expressionisten Karl Hofer entstand in dessen Spätphase um 1948. Ein Jahr danach hat sich Hofer nochmals dem Thema des Weiblichen genähert und seine „Junge Frau mit gesenktem Blick und verschränkten Händen“ auf die Leinwand gebracht. Verzaubert durch die Schlichtheit der Malerei blickt der Betrachter auf eine junge Frau in einem einfachen Kleid. Ihre Hände hält sie in ihrem Schoß leicht verschränkt, und ihre Schultern sind von einem dunkeln Tuch umschlossen. Ähnlich dem vorherigen Gemälde wirkt auch sie der Welt entrückt und in sich gekehrt. Das Frauenmotiv, mit dem Hofer die Unergründlichkeit des menschlichen Lebens untersucht, lässt sich im seinem Schaffen immer wieder finden. Beide Gemälde gehören zu den Spitzenstücken der kommenden Auktion von Irene Lehr in Berlin: Die „Frau mit Triangel“ ist auf 28.000 Euro veranschlagt, die „Junge Frau mit gesenktem Blick“ auf 35.000 Euro. Dass Hofer diese Thematik nicht nur in der Malerei erforscht hat, macht seine mit 1.500 Euro bewertete Bleistiftzeichnung eines sitzenden, versonnen das Kinn aufstützenden Mädchens deutlich.


Gemälde

Die Auswahl an Portraits und Menschenbildern ist in der Auktion am 29. April groß. In die Folge der Frauenbildnisse reiht sich die „Mulattin“ der deutschen Malerin Ida Kerkovius ein. Auf dem frühen Brustbild von 1909 trägt die dunkelhäutige Frau ein gelbes Kleid mit leuchtendem Blumenmuster und gestikuliert mit beiden Händen. Frontal nehmen ihre braunen intensiven Augen den Betrachter in den Blick (Taxe 12.000 EUR). Expressiv ist das „Portrait eines Arbeiterjungen“ von Carl Lohse. Es gehört zu einer Werkgruppe von etwa 60 Bildnissen, für die Lohse im Jahr 1919 seine Modellen im Armenhaus von Bischofswerda fand (Taxe 15.000 EUR). Im Gegensatz dazu steht der junge aufstrebende Verleger und Wirtschaftsmann Dr. Georg Lüttke, den Anton Räderscheidt 1923 in Köln einfing. Die Malerei im Stil der Neuen Sachlichkeit präsentiert den Mann in einem feinen Abendanzug und beiden Händen in den Hosentaschen vor neutralem grauem Hintergrund (Taxe 40.000 EUR). Neusachlich, aber auch unwirklich bleibt es bei Ludwig Ernst Ronigs monochrom braunem Halbakt einer liegenden jungen Frau, die sich in einer stilisierten Landschaft vier ebenfalls liegenden Schafen gegenübersieht (Taxe 6.000 EUR).

Exaltierter wirkt da das Bildnis eines Mannes im Frack von Heinrich Maria Davringhausen. Mit groben Pinselstrichen erfasst der Maler sein Modell und platziert es vor einem wilden Hintergrund aus pinkfarbenen, blauen und schwarzen Farbflächen (Taxe 12.000 EUR). Das biblische Thema der Versuchung Jesu nimmt ein Doppelbildnis von Max Kaus auf. Im Gegensatz zu anderen Darstellungen der Szene ist Jesus hier entmutigt und hilfesuchend zusammengekauert. Der androgyne Teufel wirkt zwar ernst, doch scheint er den Gottessohn beschützen zu wollen, indem er liebevoll den Arm um ihn legt (Taxe 25.000 EUR). In gleichfalls gemäßigt kubistischen Formen vermittelt Paul Grunwaldt 1922 die existenzielle Bedrohung der beiden Ruderer in grünen hohen Wellen, ebenso Albert Paris Gütersloh um 1924 einen Blick in ein Künstleratelier in „Torbole“. Bei dem mit Gouache und Tuschfeder erstellten Blatt handelt es sich vermutlich um das Studio des Bildhauers Fernand Cian (Taxe je 2.000 EUR). Grethe Jürgens beschäftigt sich in dieser Zeit mit der aufgeheizten Stimmung in der Weimarer Republik, so in ihrer expressiven Gouache „Straßenkampf“ (Taxe 6.000 EUR).

Einen Einblick in das Düsseldorfer Künstlerleben der Moderne gibt Mathias Barz mit seinem Werk „Bei Mutter Ey“ von 1933. Der gesellige, feuchtfröhliche Abend in der Galerie von Johanna Ey, die zum Mittelpunkt der Künstlergruppe „Junges Rheinland“ wurde, soll 8.000 Euro einspielen. Jüngere Positionen, die sich mit dem Menschlichen befassen, stammen unter anderem von Johannes Heisig und Werner Liebmann. Heisig entwirft in seinem „Puppentrio“ von 1991 die leblose Welt eines Theaterfundus (Taxe 6.000 EUR), während er 1987 zusammen mit Liebmann auf der Tafel „Zu Zweit“ das Verbindende und Freundschaftliche der beiden Künstler beschwört (Taxe 4.000 EUR). Liebmann allein tritt dann noch mit der neoexpressiven mehrfigurigen Szene „Bei Sonnenuntergang“ von 1988 ebenfalls bei 4.000 Euro in Erscheinung. Harald Metzkes schildert 1992 nicht ohne eine gewisse Ironie, wie sich eine Frau und ein Mann bei der „Entwicklung eines Stilllebens“ abmühen (Taxe 6.000 EUR).

Ein farbenprächtiges Stillleben liegt dann von Hermann Glöckner bereit. „Die Zitrone“ stammt aus dem Jahr 1927 und ist Teil einer kleinen Werkgruppe von fünf Stillleben mit Früchten und Blumen. Das Gemälde sticht durch seine Ausschnitthaftigkeit und Konzentration heraus, da die anderen Arbeiten auf einem eher klassischen Aufbau basieren (Taxe 38.000 EUR). Ebenso mit Früchten beschäftigte sich der Kölner Heinrich Hoerle. Sein gerahmter Blick auf „Zwei Birnen“ von 1930 zeichnet sich durch den spannungsreichen Kontrast zwischen Fläche und Raumtiefe aus (Taxe 35.000 EUR). Für sein mehrperspektivisches Stillleben schichtet Mathias Weis 1987 verschiedene bunte Gebäckstücke zu einem „Kuchenturm“ auf (Taxe 3.000 EUR).

Neben den figürlichen Gemälden bietet die Offerte zahlreiche abstrakte Kompositionen, etwa auch von Hermann Glöckner. Seine „Drei Phasen“ variieren 1980 sein favorisiertes Thema der Faltung auf drei Blättern mit Trapez- und Dreieckformen in Rot und Schwarz (Taxe 10.000 EUR). Rupprecht Geigers flächenfüllendes Oval „575/69“ mit sanftem Gelb-Verlauf macht das Besondere seiner Kunst deutlich: Die Farbe ist hier als autonomer und absoluter Wert bildbestimmend und zeugt von seiner großen Faszination für Farbwerte (Taxe 35.000 EUR). Intensiveren Farben bediente sich Robert Rotar. Die konzentrische „Rotation No. 19 (Fliehkraftspirale)“ malte er mit einer nach zahlreichen Experimenten entwickelten Malmaschine, die er 1967 patentieren ließ (Taxe 9.000 EUR). Ein frühe Abstraktion noch ohne Op-Art-Einflüsse stellt Victor Vasarely mit der hochformatigen Malerei „Bükk“ von 1951 zur Verfügung, in der das gelbe Zentrum auf dunklem Grund hervorleuchtet (Taxe 10.000 EUR). Mit unkalkulierbaren Verbrennungspuren arbeitete Otto Piene 1976/77 bei seiner schwarz-gelben Feuergouache „Dark Romance“ (Taxe 8.000 EUR).

Zeichnungen und Drucke

Von Max Beckmann liegt eine Mappe mit sieben Lithografien vor, die Menschen bei unterschiedlichen nächtlichen Aktivitäten zeigen. 9.000 Euro soll das Konvolut „Stadtnacht“ von 1920 einspielen. Schlicht ist eine Aktzeichnung von Ernst Ludwig Kirchner mit Feder in Tusche. Bei dem „Weiblichen Rückenakt (Dodo)“ handelt es sich um die Modistin Doris Große, die Kirchner um 1908/09 kennenlernte. Bis zu seinem Umzug nach Berlin im Jahr 1911 war sie sowohl seine Lebensgefährtin als auch sein bevorzugtes Modell (Taxe 18.000 EUR). Liebevoll gestaltete Ludwig Meidner 1920 das Portrait einer Frau mit Hut als schwarze Kreidezeichnung (Taxe 6.000 EUR). Trotz der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs entwarf Carl Moser 1924 mit den beiden Sennerinnen auf dem Farbholzschnitt „Schlern mit Seiser Alm“ noch eine unbeschwerte Idylle (Taxe 1.800 EUR). „Sofies Hühner“ ist ein kindliches Aquarell von Karl Schmidt-Rottluff. Die zwei schwarzen Spielzeugtiere mit ihren roten Kämmen hat er 1956 auf einem leuchtend gelben Fensterbrett wiedergegeben (Taxe 15.000 EUR). Lustig, aber auch ein wenig tragisch sind die skurrilen Gestalten auf den Metalldrucken von Rolf Nesch anzuschauen, etwa seine „Tanzende Figur“ von 1971/72 für 2.500 Euro oder sein „Preis-Ochse“ von 1966 für 2.000 Euro.

Künstlerische Selbstbefragung war häufig Sache von Horst Janssen. Bei Irene Lehr tritt der Hamburger allein auf vier Blättern dem Betrachter fragend gegenüber, angefangen bei 1.800 Euro für die fragmenthafte „Nibelungentreue“ um 1975 bis zur 6.000 Euro teuren, aquarellierten Zeichnung „zur Sächle gedacht – morg’n“. Zwei Künstlerbüchern steuert dann A.R. Penck bei: In „Psycho-analytics Schyzophreniekritik“ hat fast alle der 97 Zeichnungen mit den Namen ostdeutscher Künstler versehen (Taxe 5.000 EUR), 94 Ölkreide- und Faserstiftblätter enthält sein „1. Weltkrieg/der Weg zur Abstraktion/die heidnische Landschaft“ von 1975 (Taxe 8.000 EUR). Dazwischen positioniert sich bei 6.000 Euro Pierre Soulages’ Farbradierung „No 10“ mit einem typischen Balkenkonstrukt von 1957 in Schwarz und Blau. Auf seine charakteristischen Nägel verzichtete Günther Uecker 1996 bei seinen zwölf Radierungen der Mappe „Medea“. Herausgekommen sind feine Liniengespinste, die zumeist über grauen Farbseen verlaufen (Taxe 4.500 EUR). Als frühe Zeugnisse der digitalen Kunst gelten zehn Computergrafiken von Klaus Basset mit unterschiedlichen Ziffernarrangements in Quadraten. Seine „Ziffernkontakte“ sind mit 400 Euro angesetzt.

Skulpturen

Unter den Skulpturen befinden sich einige weitere hochpreisige Lose. Den Anfang macht die „Russische Bettlerin I“ von Ernst Barlach aus dem Jahr 1907. Während seiner Russlandreise 1906 erfuhr er selbst die Armut, die er hier in Form einer Frau mit geneigtem Körper und tief ins Gesicht gefallenem Umhang, die Hand erbittend ausgestreckt, versinnbildlicht. Der posthume Guss soll 20.000 Euro erwirtschaften. Ernesto de Fiori nahm sich mit seiner jungen, aufrecht stehenden, nackten Frau eines klassischeren Themas der Bildhauerei an. Es handelt sich hierbei um einen unikaten Bronzeguss, der 1998 nach dem Stuckmodell von 1934 gefertigt wurde (Taxe 15.000 EUR). Ebenfalls selten ist ein stehender weiblicher Akt mit hinter dem Rücken versteckten Armen von Gustav Seitz. Der Deutsche nummerierte seine Güsse niemals, doch die Mehrheit seiner Arbeiten wurde von ihm auf höchstens sieben limitiert (Taxe 10.000 EUR). Originell ist die „Vase deux anses hautes“ von Pablo Picasso in weißer Fayence mit einer Engobe in Schwarz und Grau. Während der obere Teil einen Frauenkopf darstellt, bilden die beiden Henkel die Arme und der Vasenkörper den Torso mit aufgemalten Beinen (Taxe 25.000 EUR). Ungewöhnliche, meist duftende Materialien verwendete Dieter Roth für seine skulpturalen Arbeiten: Bei dem putzigen „Löwenselbst“ von 1969 ist es Schokolade (Taxe 4.000 EUR), bei dem etwa gleichaltrigen „Karnickelköttelkarnickel“ gepresster Stallmist (Taxe 7.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 29. April um 13 Uhr im Kempinski Hotel Bristol in Berlin. Die Vorbesichtigung läuft vom 21. bis 27. April täglich von 12 bis 19 Uhr in den Räumen des Auktionshauses. Der Online-Katalog listet die Objekte unter www.lehr-kunstauktionen.de.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



18.04.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Maren Janka Hopp

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29.04.2017, Kunst 20. Jahrhundert

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Ernst Barlach, Russische Bettlerin I, 1907

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Taxe: 20.000,- EURO

Zuschlag: 18.000,- EURO

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Heinrich Hoerle, Zwei Birnen, 1930

Heinrich Hoerle, Zwei Birnen, 1930

Taxe: 35.000,- EURO

Zuschlag: 35.000,- EURO

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Ernst Ludwig Kirchner, Weiblicher Rückenakt (Dodo), 1909/10

Ernst Ludwig Kirchner, Weiblicher Rückenakt (Dodo), 1909/10

Taxe: 18.000,- EURO

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