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Ingeborg Strobl gestorben

in der Ausstellung „Ingeborg Strobl“

Ingeborg Strobl ist tot. Wie das Museum Moderner Kunst in Wien mitteilte, starb die Österreicherin gestern im Alter von 67 Jahren. Ihr Tod bedeute den Verlust einer vielseitigen und zugleich äußerst prononcierten Künstlerin, so Museumsdirektorin Karola Kraus. Sie habe in ihren Objekten, Installationen, Fotografien, Filmen und Publikationen kompromisslos-kritisch und ironisch-humorvoll Zusammenhänge zwischen Gesellschaft, Natur und Kunst untersucht. Gerade in der genauen Beobachtung von Naturprozessen verstand sie es, auch Geschichte und soziales Verhalten in eindringlichen Bildern sichtbar zu machen, so Kraus.

Zur Welt kam Ingeborg Strobl am 3. Juni 1949 in Schladming in der Steiermark. Von 1967 bis 1972 studierte sie an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und legte ihren Schwerpunkt auf das grafische Schaffen. Von 1972 bis 1974 ging Strobl zu weiterführenden Studien ans Royal College of Art nach London. Sie trat vor allem als Fotografin hervor, arbeitete aber auch mit Collagen, Plakaten, Zeichnungen, Aquarellen, Keramik- und Porzellanobjekten, Drucken, Film- und Tonaufnahmen. Dabei entzog sie sich den Zwängen des Kunstmarkts. Strobls Abneigung gegen Produktions- und Konsumwahn spiegelte sich in ihrer eigenen Lebensweise sowie in der Wahl ihrer Themen und Materialien. Sie vermied Pathos ebenso wie marktkonformes Verhalten und vermittelte die Konsequenz ihrer Haltung in materiell zurückhaltenden, aber in ihren ästhetischen Setzungen umso präziseren Arbeiten. Aus ihrem gesellschaftspolitischen Engagement heraus gründete Strobl 1988 mit Ona B., Evelyne Egerer und Birgit Jürgenssen auch die feministische Künstlerinnengruppe „Die Damen“.

Von ihrer Wachheit und Sensibilität gegenüber lokalen wie globalen gesellschaftspolitischen Entwicklungen zeugen die Arbeiten, die im Zuge ihrer Reisen in Länder des ehemaligen Osteuropa, nach Ägypten oder Indien entstanden sind. Mit den Natur- und Tiermotiven durchziehen immer auch historische und zeitgeschichtliche Orte und Ereignisse wie ein roter Faden ihr Œuvre. Mit diesen Arbeiten, aber auch ihren Projekten für den öffentlichen Raum, etwa mit ihrer Installation „ein Garten (zum Beispiel)“ in Wien-Leopoldstadt oder dem „Mahnmal für verloren gegangene Artenvielfalt“ im niederösterreichischen Paasdorf, machte sich Ingeborg Strobl in der Kunstwelt einen Namen. Größere Ausstellungen waren zuletzt etwa ihr persönlicher Wien-Streifzug „Liebes Wien, Deine Ingeborg Strobl“ 2015 im Wien Museum und ihre Retrospektive im Linzer Lentos im vergangenen Jahr. Für ihr Schaffen erhielt Strobl 1993 den Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst, 2000 den Würdigungspreis des Landes Steiermark oder 2008 den Würdigungspreis für künstlerische Fotografie des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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