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Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel feiert ihre Eröffnung vor zwei Jahrzehnten mit einer Ausstellung zu Claude Monet

Lichtzauber zum 20. Geburtstag



Viele Kunstliebhaber kehren immer wieder an den magischen Ort zurück, der ihrer Ansicht nach wie kein zweiter im deutschsprachigen Raum alle Sinne anspricht und die Wahrnehmung schärft. Am 18. Oktober 1997 war es soweit. Das neue Museum für die Kollektion des Baseler Kunsthändlers Ernst Beyeler und seiner Frau Hildy öffnete die Tore. Renzo Piano schmiegte die zeitlose Architektur des eingeschossigen Hauses formgewandt in die Natur. Statt eines klassischen Kunsttempels mit Prachttreppe, Kuppel und unnahbarer Festlichkeit kommt der in den Park auslaufende Bau den Besuchern mit seinen vorgestellten Pfeilern und Mauerzügen quasi entgegen. Ebenerdig disponierte, tageslichthelle Säle mit knarrenden Parkettböden und klaren Proportionen gehorchen einem ausgeglichenen Rhythmus. Große raumhohe Fenster inszenieren ein perfektes Zusammenspiel von Innen und Außen, Kunst und Natur, wie es im großen „Monet-Saal“ an der Südfront in idealer Weise zum Tragen kommt. Dieser Platz ist normalerweise Claude Monets Triptychon „Der Seerosenweiher” vorbehalten. Von den drei insgesamt neun Meter langen Paneelen gleitet der Blick nach außen auf den Seerosenteich im Park, dessen spiegelnde Oberfläche die große Fensterfront auf die Saalwände wirft und so den Farbklang des Gemäldes fortzusetzen scheint.


Wasser, Licht und Spiegelungen sind zentrale Elemente in den Bildern Claude Monets. In Beyelers Sammlung ist er einer der bedeutendsten Künstler. Anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens bietet die Fondation Beyeler eine komprimierte Werksübersicht mit 62 thematisch geordneten Gemälden, darunter einige selten gezeigte Leihgaben von Museen aus Übersee sowie aus Privatsammlungen. Anders als bei der letzten, 2002 ausgerichteten Monet-Schau stehen nicht die späten Seerosengemälde, sondern die mittlere Schaffensperiode zwischen 1880 und 1905 im Zentrum. Einführend fesseln ein Getreideschober im nahezu abstrakt erscheinenden Duktus des Gegenlichts sowie die Kathedrale von Rouen in Morgenstimmung, deren schwirrendes und ständig wandelndes Leuchten den Maler so sehr zur Verzweiflung brachte, dass er an bis zu 14 Leinwänden gleichzeitig arbeitete.

Die folgenden Gemälde vom Eisgang auf der Seine sind Schüsselbilder und Höhepunkte. Nach dem extrem harten Winter 1879/80 und dem im Januar einsetzenden Tauwetter boten die auf dem Wasser treibenden Eisschollen Anlass zu den stimmungsvollen Sujets des Malers. Amorphe, zerfransende, subtil umrandete Eisschollen variieren in kaltem, blauweißem bis hin zu rosa-orangefarbenem Kolorit. Inmitten glatter Wasserflächen reduzieren sie deren Spiegelungen auf ein erträgliches Maß und lassen die Dinge in weicher Harmonie abendlicher Sonnenstrahlen verschwimmen. Mit ihnen demonstriert Claude Monet seine außergewöhnlich subjektiven, über die naturalistische Genauigkeit weit hinausgehenden Vorstellungen. Augenfällig scheint die Verknüpfung mit der Seelenlage des Künstlers: Der schmerzhafte Tod seiner Ehefrau Camille im September 1879 und materielle Nöte scheinen überwunden, und auch die erste Einzelausstellung im Jahr 1880 leitet wohl Monets „Tauwetterperiode“ ein.

Im Folgenden rhythmisieren schmale, hohe Pappelreihen an der Epte die Bildfläche. Sie ziehen das Motiv in die Höhe und erweitern die Nahtstelle zwischen Wasser und Land zur Spiegelfläche. Ihnen schließen sich Ansichten der Steilküste der Normandie an, deren stark zerklüftete Klippen Monet immer wieder zu neuen Illustrationen reizten. Kräftige Farben und eine wilde Pinselführung zeigen einen Wandel in der Malweise. Intensiv setzte sich Monet mit einem Zollwärterhaus auf den Klippen bei Pourville auseinander, das er entgegen aller Sehgewohnheiten im Schatten malte, so als hätte man das Negativ eines Fotos vor sich.

Zwei 1897 entstandene „Vormittagsstimmungen auf der Seine“ treiben das Spiel mit dem Licht quasi bis in die Abstraktion. Trennlinien zwischen Bäumen, Ästen, Wasser und Wolken verschwinden vollends im wattig aufsteigenden Nebel, so dass nur die Signatur das Oben und Unten des Gemäldes unterscheidet. Drei angelnde Damen in einer Barke gestaltete Monet schon 1887 so verblüffend im spiegelnden Wasser und trieb mit ihnen die Grenzen von Vorder- und Hintergrund, Realität und Illusion bis an den Rand der Auflösung. Der vorletzte Saal vereint Motive aus London. Kriegsbedingt setzte sich der Künstler 1870/71 hierhin ab, kehrte aber auch in den folgenden Jahren wegen der faszinierenden Themse-Nebel zum Malen immer wieder in die britische Metropole zurück. Bilder aus den Serien der „Charing Cross Bridge“, der „Waterloo Bridge“ und des Parlamentsgebäude entführten in den dichten, geheimnisvollen Dunst der britischen Hauptstadt. Am Ende steht ein großes Seerosenbild von 1916/19. Wie bei den Eisgängen zuvor schweben tellerartig umrandete Rosen auf dem Wasser, doch im Gegensatz dazu ist der Horizont nun ganz verschwunden.

Die restlichen Säle zeigen eine Sammlungsschau, die sich an der Eröffnungsausstellung von 1997 orientiert. In aussagekräftigen Ensembles sind Arbeiten von Hauptakteuren der modernen Kunst zu bewundern. Während der fast siebzigjährigen Tätigkeit als Galerist trug Ernst Beyeler einen überragenden Fundus von Werken des 20. Jahrhunderts zusammen. Immer wieder begegnet man Pablo Picasso. Davon ausgehend erwartet den Besucher ein Parcours durch die neuere Kunstgeschichte, bestritten von Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Piet Mondrian, Joan Miró, Alexander Calder oder Fernand Léger. Der Bogen spannt sich bis hin zu amerikanischen Malern wie Jackson Pollock oder Andy Warhol. Geradezu spirituell aufgeladen scheint der Alberto Giacometti vorbehaltene Skulpturensaal an der großen Südfront, dessen lebensgroße „Schreitende Männer“ einst für die Chase Manhattan Plaza in New York konzipiert worden waren und nun ein Höhepunkt der Sammlung sind. Immer wieder eine besondere Begegnung halten die zwischen Surrealismus und Barock pendelnden Gemälde von Francis Bacon bereit, deren schonungsloses Aufzeigen von Abgründen und Verletzlichkeiten menschlicher Existenz mit erlesenen Farben offenbart wird.

Durch die Hände von Ernst Beyeler, dem Spiritus Rector und Gründer der internationalen Kunstmesse Art Basel, gingen mehr als 16.000 Kunstwerke; einige hat er bis zu drei Mal verkauft. Wie alle Privatsammler orientierte er sich an eigenen Kriterien. Qualität besaß weiten Vorrang vor Namen. Nicht zeitgebundene Werke mit einem gewissen Abstraktionsgrad prägen den Geist seiner privaten Kollektion und nach wie vor die nach ihm benannte Stiftung. Geradezu zwangsläufig birgt dies auch ausgesparte Zwischenräume; am Nouveau Réalisme beispielsweise sind seine Interessen vorbeigegangen. Doch der Mut zur Lücke führt erst zum Erfolg.

Die Ausstellung „Monet“ läuft bis zum 28. Mai, die Schau „Sammlung Beyeler / Das Original“ bis zum 7. Mai. Die Fondation Beyeler hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 28 Franken, ermäßigt 23 oder 12 Franken. Zur Ausstellung „Monet“ ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 62,50 Franken bzw. 58 Euro kostet, sowie eine Begleitpublikation für 9,80 Franken.

Kontakt:

Fondation Beyeler

Baselstrasse 101

CH-4125 Riehen

Telefax:+41 (061) 64 59 719

Telefon:+41 (061) 64 59 700

E-Mail: fondation@beyeler.com



03.04.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Im Rausch von Form und Farbe

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