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Camille Henrot in Wien

Camille Henrot, Tug of War, 2017

Die Kunsthalle Wien widmet Camille Henrot mit „If Wishes Were Horses“ die erste institutionelle Schau in Österreich. Henrot, die 1978 in Paris geboren wurde und international ausstellt, bezieht sich auf eine Redensart des 16. Jahrhunderts: „If wishes were horses, beggars would ride“, das deutsche Äquivalent wäre etwa „Wenn das Wörtchen ‚wenn‘ nicht wär“. Die Künstlerin verbindet die Redensart jedoch mit Kreativität, Fantasie, Hoffnung und der Chance zur Veränderung. Die Exponate der Ausstellung in der Dependance am Karlsplatz umfassen eine Installation, einen Film, Zeichnungen und Skulpturen. Hierbei bilden erkenntnistheoretische Untersuchungen und anthropologische Recherchen die Basis für die Übertragung visueller Codes in ein Assoziationssystem. Henrot wendet sich insbesondere der binären Machtstruktur zu, wie sie im Sadomasochismus und in Bezug zu Autorität und Kontrolle hervortritt.

Die zentrale Rolle nimmt die Installation „Tug of War“ ein. Zwischen zwei kleinen weißen Wänden mit einem Loch hat Henrot lange Ketten, Gummischläuche und Seile gespannt und sie zu einem Französischen Zopf geflochten. Während das Flechten von Haaren eine intime Handlung ist, verdeutlichen die Ketten eher ein Motiv der Unterdrückung und Kontrolle. Die Installation steht auf Jiu Jitsu-Matten, die den Boden vollständig bedecken. Innerhalb eines Rahmens aus grauen Matten sind rote Quadrate eingefügt. Hierin spiele Henrot auf die Figur des Masochisten an, so der Kurator Luca Lo Pinto, „der innerhalb klar definierter Grenzen und innerhalb strenger Schemata Zuflucht vom Trauma sucht“.

Jiu Jitsu als Sportart taucht in Camille Henrots Film „Tuesday“ nochmals auf. Das Motiv der Dominanz und Unterwerfung zeigt sich hier bei den Kämpfern. Das brasilianische Jiu Jitsu vereint Ringen und Bodenkämpfe miteinander, wobei physische Stärke keinen entscheidenden Faktor darstellt. Welcher Kämpfer die Oberhand gewinnt, kann sich sehr schnell ändern. Ergänzend sind Bilder von Rennpferden eingestreut, die vor ihrem Training gestriegelten und deren Mähne zu Zöpfen geflochten werden. Der Film ist in ästhetisierendem Slow Motion gehalten, das den eigentlich raschen Handlungsablauf zu kontemplativen Bildern umwandelt.

In ihren Skulpturen „Wait What“ und „I Say“ setzt sich Camille Henrot, die an der Ecole des Arts Décoratifs in Paris studiert hat, mit Spannung und Suspension auseinander. Ein Segment einer goldenen kannelierten Säule trägt eine scheinbar zerfließende und an eine Großkatze erinnernde Form. Das Wesen liegt bäuchlings auf der abgerundeten Säulenspitze mit hinabhängen Vorder- und Hinterläufen. In der zweiten Arbeit gleitet ein silbernes Wesen aus einem Sandsack heraus und streckt ähnlich einer Schnecke einen Fühler zum Boden hinab. Laut Lo Pinto werde die „arretierte Bewegung … in eine zwanghafte Beruhigung des sich frei bewegenden Individuums übertragen, das von einer abstrakten Autorität unterworfen scheint. Die Titel der Werke deuten die Macht von Wörtern über Taten an und spiegeln die Position des Masochisten gegenüber seinem sadistischen Partner.“

Die Ausstellung „Camille Henrot. If Wishes Were Horses“ läuft bis zum 28. Mai. Die Kunsthalle Wien am Karlsplatz hat täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Kunsthalle Wien Karlsplatz
Treitlstraße 2
A-1040 Wien

Telefon: +43 (0)1 – 52 189 33
Telefax: +43 (0)1 – 52 189 1217

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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22.03.2017, Camille Henrot. If Wishes Were Horses

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Kunsthalle Wien

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Camille Henrot, Tug of War, 2017
Camille Henrot, Tug of War, 2017

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Camille Henrot, Tuesday, 2017
Camille Henrot, Tuesday, 2017

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Camille Henrot, Tuesday, 2017
Camille Henrot, Tuesday, 2017

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Camille Henrot, Tuesday, 2017
Camille Henrot, Tuesday, 2017

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Camille Henrot, Tuesday, 2017
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Camille Henrot, Wait What – I Say – Tuesday, 2017
Camille Henrot, Wait What – I Say – Tuesday, 2017

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Camille Henrot, Tug of War, 2017
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