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Die Werkschau zu Daniel Richter im 21er Haus in Wien öffnet den Kosmos zur Welt des deutschen Malers und stellt die jüngsten Entwicklungen in seinem Schaffen vor

Die Ausdruckskraft der Farbe



Im orangefarbenen Gummiboot treiben sie dahin, sieben Gestalten, Männer und Frauen, durch schwarzes Wasser. Sie sitzen zusammengekauert, die Blicke voneinander abgewandt und eingehüllt in bunte Mäntel und Tücher. „Tarifa“ heißt das hochformatige Bild mit den beachtlichen Maßen von 3,5 auf 2,8 Metern und Daniel Richter hat es gemalt. Derzeit ist es in Wien zu sehen – im Rahmen der großen Personale, die nach ihrer ersten Station im dänischen Louisiana Museum nun im 21er Haus, dem zeitgenössischen Appendix des Belvedere, Station macht.


Das Gemälde hat einem prominenten Platz. Auf einer einzelnen Wand hängt es zwischen den anderen rund 50 Arbeiten, anhand derer die Besucher die verschiedenen Schaffensphasen und unterschiedlichen Einflüsse von Daniel Richter, der 1962 im norddeutschen Eutin geboren wurde, nachvollziehen können: von den abstrakt-ornamentalen Gemälden, die unmittelbar nach seinem Hamburger Kunststudium bei Werner Büttner entstanden, über die figurativen, gesellschaftspolitischen Arbeiten des neuen Jahrtausends, bis zu den aktuellen Werken, die Richter im vergangenen Jahr in der Frankfurter Schirn erstmals vorstellte. Der Bogen spannt sich über zwanzig Jahre, beginnt retrospektiv mit Werken wie „Zwiesprache mit der Natur“ (1996) und „Havanna“ (1997), um anschließend auf die figurativen, plakativ politischen Arbeiten wie „Das Recht“ (2001), „Dog Planet“ (2002) und das der Ausstellung den Titel gebende Bild „Lonely Old Slogan“ (2006) zu fokussieren und endet mit neuen Werken, in denen verschlungene Figuren vor verschwommenen Farbflächen miteinander agieren.

Die Ausstellung bestätigt, was ohnehin jeder weiß, der sich schon einmal mit Daniel Richter beschäftigt hat: er ist eine Könner des stilistischen Wechsels, provoziert und erfindet sich immer wieder neu. Richters Malerei ist grell, bunt und aufdringlich und neben aller Perfektion handelt sie immer auch vom Fehlermachen. Jedes Bild steht für sich allein, hat innerhalb des Richterschen Œuvres keine gezeichneten Vorfahren oder gemalte Erben, verbindet Pinsel, Zeichenstift, Spraydose und mit den Händen Gemaltes ebenso leicht wie architektonische Versatzstücke, Naturszenen, Tiere und Comicfiguren mit Gestalten und Körpern, die einfach nur Zuschauer sind, die Musikinstrumente spielen, in Polizeiuniformen vermummt sind, die baden, in einen See pinkeln oder ein Pferd erschlagen. Gleichzeitig bedient sich Richter im Wunderladen Kunstgeschichte und zitiert Jackson Pollocks Drippings ebenso wie Gerhard Richters Farbskalen, die deutschen Expressionisten ebenso wie Egon Schiele oder Stillleben von Paul Cézanne und Félix Vallotton. Das gibt viel Stoff zum Erinnern und zum Vergleichen. Dabei hat jedes Bild von Daniel Richter sein eigenes Thema, ist banal oder politisch brisant und meist nachdrücklich in der Erinnerung.

„Tarifa“ ist hierfür ein Paradebeispiel. Richter malte das Bild 2001, das Jahr, das vor allem von den Terroranschlägen am 11. September geprägt war. Ausgehend von diesem Ereignis stiegen die Spannungen zwischen der muslimischen und der westlichen Welt. Mit „Tarifa“ gibt Richter sieben Menschen, die auf einem kleinen Boot fahren, ein Gesicht. Titel, Schlauchboot und die Kopfbedeckungen geben Anlass zu der Vermutung, dass es sich bei den Dargestellten um Flüchtlinge handeln muss. Ebenso farbig wie die Gewänder der Dargestellten malte Richter ihre Gesichter: rote Kreise umrahmen die dunklen Augäpfel, und farblich abgestufte Gelb-, Orange- und Rottöne mit kontrastierenden hellblauen, türkis und grünen Flecken lassen die Gesichter wie durch eine Wärmekamera verzerrte Fratzen erscheinen. Mit ähnlicher Faszination am menschlichen Inkarnat hat Ernst Ludwig Kirchner seiner Muse Fränzi Flecken über die jugendlichen Wangenknochen gemalt.

Das andalusische Tarifa ist die am südlichsten gelegene Stadt des europäischen Festlands gegenüber Marokko und nur 14 Kilometer vom afrikanischen Kontinent entfernt. Die Nähe ist trügerisch, aber immer wieder wagen Migranten die gefährliche Überfahrt. Tarifa liegt an dem Punkt, wo Mittelmeer und Atlantik unvermittelt aufeinanderprallen. Seefahrerfestung, Urlaubsort der gehobenen Klasse, verträumtes Fischerstädtchen, Hochburg der Surfer. Als ein „Paradies, das es zu entdecken gilt“, rühmt sich die Stadt. Ein Slogan, der für jeden, der in Tarifa lebt oder ankommt, noch eine weitere Bedeutung hat. Es sind die Ambivalenzen und Widersprüche, die auch Daniel Richter immer wieder faszinieren und die er hereinmalt in die der knalligen Farben. Gut und Böse, Schlawiner oder Held, Täter oder Opfer wechseln ihre Rollen. Es geht um Unmittelbarkeit, um szenische Konzentration und in jedem Bild – um Malerei.

Die jüngsten Werke sind reduzierter, zeigen schemenhaft gezeichnete Figuren vor verschwommenen, horizontal angelegten Farbverläufen. Die Körper und Körperfragmente werden nun teils mit scharfen Konturen umzeichnet. Inneres, wie in den schematischen Zeichnungen eines Biologiebuches, durch unterschiedliche Farbflecken voneinander unterschieden. Paul Klees Lagen- und Streifenbilder grüßen, ebenso wie Francis Bacons geschundene Körper und Asger Jorns abstrahierte Figurationen. Die farbigen Inkarnate verhalten sich kontrapunktisch zu den abstrakten Hintergründen und geraten auf diese Weise in Isolation. Sie sind unscharf, fließen ineinander, werden bis zur Unkenntlichkeit deformiert. Farbschichten überlagern einander, entstellen die Physiognomien, verwackeln die Konturen. Die Beziehung zwischen Figur und Grund wird brüchig.

Diese neuen Bilder Daniel Richters erzählen keine Geschichten. Sie sind vielmehr durch das Fehlen sinnvoller Verbindungsstücke charakterisiert, die Kontinuität der Handlungsabfolgen scheint unterbrochen. Richter wiederholt diesen Aspekt seiner Kunst in der Figurendarstellung selbst. Die Figur bewegt sich, bleibt aber auf der Stelle. Ihre Bewegung ruht in sich selbst, erzeugt eine plastische Metamorphose, zieht Bewegungsspuren. „Meine Malerei“, urteilte Daniel Richter 2015 selbstbewusst in einem Interview für die Süddeutsche Zeitung, „ist nicht interessant wegen dem, was auf meinen Bildern passiert. Es ist egal, ob ich einen alten Punker male, eine Stahlfaust oder eine abstrakte lyrische Komposition. Meine Malerei ist interessant, weil die Farbe bei mir etwas tut, was sie bei anderen nicht tut.“ Richter, der Meister der paradoxen Bilderproduktion, spielt in seinen neuen Arbeiten konsequenter als zuvor mit Inhalt versus Form. Die Bilder lösen Assoziationen zu Gewalt aus und geben abstrakten Formen unergründliche Körperlichkeit, ohne jedoch dramaturgisches Geschehen abzubilden. Dabei bedient sich Daniel Richter der „Lonely Old Slogans“ und erobert doch neues Terrain.

Die Ausstellung „Daniel Richter – Lonely Old Slogans“ ist bis zum 5. Juni zu sehen. Das 21er Haus hat täglich außer montags und dienstags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog für 26 Euro.

Kontakt:

21er Haus - Museum für zeitgenössische Kunst

Arsenalstraße 1

AT-1030 Wien

Telefon:+43 (01) 795 577 00

Telefax:+43 (01) 79 557 136

E-Mail: info@21erhaus.at



17.03.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


03.02.2017, Daniel Richter - Lonely Old Slogans

Bei:


Österreichische Galerie Belvedere

Künstler:

Daniel Richter










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