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Das Museum Folkwang in Essen bietet eine Werksübersicht zu Maria Lassnig

Bewusstsein unter der Haut



Maria Lassnig, Selbstporträt mit Kochtopf, 1995

Maria Lassnig, Selbstporträt mit Kochtopf, 1995

Verwirrende Uneinheitlichkeit und Komplexität beherrschen die Vorstellungen beim ersten Blick auf das Lebenswerk von Maria Lassnig. Abstrakte Arrangements, fließende Linien, amorphe Formwandlungen bis hin zu konventionell realistischen Sujets wechseln sich ab. Erst beim genauen Studieren erschließt sich das einzige, über 70 Jahre stringent verfolgte Thema der Malerin. Es ist ihr eigener Körper und die damit verbundenen Empfindungen, die sie ins Blickfeld rückt. Dies geschieht in einem chargierenden, hellen, wässrig graziösen Kolorit. „Da habe ich eine realistische Nase gemalt und dafür keinen Mund, weil ich den Mund nicht gefühlt habe“, erklärte sie einmal. Lassnig empfindet den Körper als Membran, die Ereignisse der Zeit gehen ihr sprichwörtlich unter die Haut. Janusartig greift sie darunter, hält Innenblicke in der Form fragmentarisch aufgerissener Strukturen fest und richtet zugleich den Blick nach außen auf die Leinwand. Dieses doppelte Sehen fließt auf ihren Gemälden zusammen. Starrer Blick, geöffnete Stellung des Mundes, ein Körper im Auflösungsprozess mit der Nähe zu abstrakten Konturen oder Strichbündeln kehren durchgängig immer wieder. 41 Gemälde und fünf Filme geben nun im Museum Folkwang einen konzentrierten Überblick über das Werk der Einzelgängerin aus Österreich.


1919 in Kärntner Ort Kappel geboren, ließ sich die Künstlerin erst zur Volksschullehrerin ausbilden, ehe sie an der Wiener Akademie der bildenden Künste studierte und 1943 mit dem Diplom abschloss. Erste Porträts malte sie bereits 1945, es folgten ab 1948 erste „Body Awareness-Zeichnungen“. Mit dem Umzug nach Wien im Jahr 1951 schuf sie erste Selbstporträts unter Einfluss des Informel, einige Jahre später erste „Körpergefühls-Aquarelle“. Zwischen 1961 und 1968 lebte Maria Lassnig in Paris, eine Zeit, in der sie sich mit „Körpergefühls-Figurationen“ beschäftigte. 1968 zog sie nach New York, wo sie sich dem Realismus zuwandte und einen Trickfilmkurs absolvierte. Ein DAAD-Stipendium brachte sie 1978 nach Berlin. Mit 60 Jahren wurde sie 1980 – als erste Frau im deutschsprachigen Raum überhaupt – zur Professorin für Malerei an die Hochschule für angewandte Kunst in Wien berufen. Mit der generellen Wertschätzung der Malkünste in den 1980er Jahren setzte auch die Wahrnehmung von Lassnigs Arbeiten ein, begleitet von großen Ausstellungen sowie von Teilnahmen an den Kasseler Documenta 1982 und 1997 oder der Biennale in Venedig 1995. Bis zuletzt malerisch aktiv, verstarb sie hochbetagt im Jahr 2014 fast 95jährig in Wien.

Die thematisch gruppierte Werkauswahl in Essen spannt einen weiten Bogen zwischen ihrem ersten, ins Jahr 1945 datierten und dem letzten, 2013 vollendeten Selbstporträt. Stilistisch variierend, nimmt Maria Lassnig zwar allgemeine stilistische Tendenzen auf, ordnet sich aber nie klar in Strömungen ein und hält sich aus Gruppengeschehnissen strikt heraus. Dem expressiven ersten Porträt folgen abstrakte, deutlich vom Informel geprägte „Körperwahrnehmungsbilder“, wie das „Körpergehäuse“ von 1951, oder Druck- und Spannungsstellen verkörpernde labile Umrisse von porösen Membranen. Erdfarben abgetönt und wie mosaikartige Klebebilder arrangiert, bringen Figurationen aus den 1950er Jahren deutlich die Sprache der Zeit zum Ausdruck.

In den 1960er Jahren beherrschen eckige Konturen und wie maschinenartig geschnittene, knapp umrissene Körper die großformatigen, abstrakt anmutenden Bilder. Minimalismus, Vorstöße in den Weltraum oder Science-Fiction-Bewegung zeigen ihre Auswirkungen. Sehr getroffen wird Lassnig vom Tod ihrer Mutter Mitte der 1960er Jahre, einem Ereignis, das sich in einer Folge von „Beweinungsblidern“ niederschlägt. Dabei malt sie ihren eigenen lebendigen Körper neben dem toten der Mutter, Seite an Seite auf dem Boden liegend. Wie meistens kommt auch hier den Farben eine symbolhafte Stellung zu. Maria Lassnig spricht von „Schmerz- und Qualfarben“, von „Nervenstrang- und Krebsangstfarben“.

Im New York der 1970er Jahre wird für sie die Auseinandersetzung mit dem Medium Film prägend. In dem 1971 geschaffenen Zeichentrickfilm „Chairs“ spielt Lassnig humorvoll wie bockig Verschmelzungen zwischen Menschen und Stühlen durch und erweitert dadurch frühere malerische Varianten dieses Themas, wie das „Sesselselbstporträt“ von 1963 vor Augen führt. Stühle, die Druck, Entlastung oder Widerstand spüren lassen, zwingen Menschen in eine Form. Andererseits will die Künstlerin auch die menschenähnlichen Sitzmöbelformen pointieren. Ganz nebenbei persifliert sie auch noch einige Liebesaffären, die die lebenslange Junggesellin mit ihren besten Freunden Arnulf Rainer und Oswald Wiener hatte.

In der New Yorker Kunstwelt kommen ihre „Körperbewusstseins-Gemälde“ jedoch nicht gut an. Daher entwickelt Maria Lassnig einen als „Amerikanischen Realismus“ titulierten, sehr konventionell-realistisch ausgerichteten Duktus. Die malerische Sachlichkeit unterwandert sie jedoch durch Verdopplung oder gar verdreifachte Illustration ihres Körpers in verschiedenen Positionen und Ausdrucksweisen. Hier wie auch generell lagern rings um die Kompositionen von Details befreite leere Flächen an, die die Konzentration auf den inneren Schauplatz der Handlung lenken.

In den 1980er Jahren führt Maria Lassnig die Gestalten aus den Leinwänden hinaus. Die Künstlerin bricht aus den Formaten aus oder sitzt darin fest. Launig erprobt sie andere Optionen der Übertragung des gespürten Körpers in die Malerei. In den 1990er Jahren beziehen sich zahlreiche Werke direkt auf den Golfkrieg. Grimmig verschmilzt sie im „Sensenmann“ von 1991 ein grinsendes, augenloses Gesicht mit zwei Sichelformen. Ähnlich furchterregend ist die „Kriegsfurie“ aus dem selben Jahr, in der ein rüstungsartiger Gegenstand aus Metall sich mit einem Gewehrlauf zusammentut. Wie sehr Krieg, Gefahr und Zerstörung Lassnig direkt unter die Haut gehen und sie mit ihrer Kunst die körperlichen Schmerzen erregende, spannungsgeladene Außenwelt reflektiert, zeigen etwa das schonungslose wie drastische „Selbstporträt mit Nervenlinien“ von 1996 oder das drei Jahre ältere „Elektrische Selbstporträt“, in dem flirrende Körpervibrationen die Elektrisierung des Menschen infolge brutaler technischer Entwicklungen und Katastrophen andeuten.

Als Achtzigjährige scheut sich Maria Lassnig nicht, ihren Alterungsprozess zu schildern, und malt ihren Körper runzelig, schlaff, in einem Klinikbett liegend zwischen Krücken aufgespannt. Auf ihrem letzten Gemälde „Selbstporträt mit Pinsel“ dient die Leinwand ein letztes Mal als Spiegel. Sie malt sich nach wie vor in Aktion, mit genau schattiertem, fein ausgearbeiteten Gesicht und locker linear angedeutetem linkem Arm, ähnlich wie die abstrakten Figurationen der 1960er Jahre. Es ist der Schlusspunkt einer körperlichen Inszenierung in Form von Selbstporträts, bei dem die Leinwand als Spiegel des Körpers und des menschlichen Bewusstseins dient.

Die Ausstellung „Maria Lassnig“ läuft bis zum 21. Mai. Das Museum Folkwang hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog mit deutschsprachigem Einleger erschienen, der im Museum 24,95 Euro kostet.

Kontakt:

Museum Folkwang

Museumsplatz 1

DE-45128 Essen

Telefon:+49 (0201) 88 45 444

Telefax:+49 (0201) 88 45 330



13.03.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Maria Lassnig, Sensenmann, 1991
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Maria Lassnig, Selbstporträt mit Maulkorb, 1973
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Maria Lassnig, Sensenmann, 1991

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Maria Lassnig, Selbstporträt mit Maulkorb, 1973

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Maria Lassnig, Krankenhaus, 2005

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Maria Lassnig, Körpergehäuse, 1951

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Maria Lassnig, Dame mit Hirn, um 1990

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Maria Lassnig, März 2002

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Maria Lassnig, Wien 1983

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Maria Lassnig, Selbstporträt expressiv, 1945

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Maria Lassnig, Zwei Arten zu sein (Doppelselbstporträt), 2000

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Maria Lassnig, Selbstporträt mit Stab, 1971

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