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Alf Lechner gestorben

Alf Lechner, Rahmenkubus mit Holzbalken, 1973

Alf Lechner ist tot. Der Bildhauer starb am vergangenen Samstag in Dollnstein im Landkreis Eichstätt, wo er seit 2001 lebte und arbeitete. Er wurde 91 Jahre alt. Das teilte die Stadt Ingolstadt mit, die seit 2000 das Lechner Museum beherbergt. Mit ihm verliere Ingolstadt eine „herausragende Künstlerpersönlichkeit“, heißt es in der Mitteilung weiter. Lechner ist für seine großen geometrischen Stahlskulpturen bekannt, die an vielen öffentlichen Plätzen in Deutschland stehen, etwa am Karlsplatz in Freiburg im Breisgau, im Kant-Park in Duisburg, vor dem Maximilianeum in München oder im Stadtbild Ingolstadts. „Lechners Kunstwerke und das Lechner Museum gehören mittlerweile zu Ingolstadt wie die Festungsbauten oder das Kreuztor“, so Oberbürgermeister Christian Lösel.

Zur Welt kam Alf Lechner 1925 in München. Künstlerisch war er fast Autodidakt. Lediglich der Landschaftsmaler Alf Bachmann, der im selben Haus wie Lechner lebte, lehrte ihn während der Schulzeit Zeichnen und Sehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Lechner zunächst als Schlosser, Grafiker und Industriedesigner und entwickelte eine Kaltlichtlampe für Zahnärzte, die ihn finanziell unabhängig und später frei vom Kunstbetrieb machte. Seine künstlerische Tätigkeit begann Alf Lechner im Jahr 1957; bei seiner ersten Ausstellung 1968 in der Münchner Galerie Heseler war er 43 Jahre alt. Schon hier standen seine Stahlskulpturen im Mittelpunkt. Mit den geometrischen Grundformen Rechteck, Quadrat, Kreis sowie Kubus, Quader und Kugel bezog er sich auf den Konstruktivismus der 1920er Jahre, führte ihn aber durch Zerteilung, Faltung, Spaltung und Brechung weiter und betonte damit die Veränderung und das Prozessuale in seiner Kunst.

Schnell folgten zahlreich Ausstellungen und Ehrungen. Bereits 1971 kauften die Bayrischen Staatsgemäldesammlungen die erste ihrer sechs Lechner-Skulpturen an. Zwei Jahre später wurde in einer vielbeachteten Ausstellung auf dem Areal vor der Neuen Pinakothek ein Überblick über das damalige Schaffen des Künstlers präsentiert. Für sein Wirken erhielt Lechner zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1974 den Berliner Kunstpreis, 1992 den Piepenbrock Preis für Skulptur, 2008 den Kulturpreis des Bezirks Oberbayern oder 2010 die Bayerische Verfassungsmedaille in Gold. 1995 wurde er zum Mitglied der Bayerischen Akademie der schönen Künste berufen und nahm im Jahr 2000 deren Friedrich-Baur-Preis entgegen. Neben dem Lechner Museum in Ingolstadt baute Lechner mit seiner Frau das ehemalige fürstbischöfliche Hüttenwerk im nahen Obereichstätt um und richtete hier seinen eigenen Skulpturenpark mit Atelier ein.

„Systematisch geordnetes Denken ist sinnlich wahrnehmbar“ – diese Aussage Lechners kann als Leitmotiv für sein Schaffen gelten, der fast ausschließlich mit dem oft tonnenschweren Stahl arbeitete. In seinem Werk verzichtete er auf spontane Gefühläußerungen und individuelle Handschriften. Seine Arbeitsweise, die in bestechender Konsequenz sein Schaffen charakterisiert, zielte auf das Elementare, auf eine kontrollierte überzeitliche Logik ab: „Das Grundsätzliche, das Ganze, das Wesentliche wird uns immer verschlossen bleiben. Die Neugierde treibt uns, wenigstens das Mögliche, wenigstens Teile zu erfassen. So leben wir mit Bruchstücken, mit Fragmenten, mit Unvollkommenheiten, zum Beispiel mit der Kunst.“

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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