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Die Albertina in Wien läutet das Jubiläumsjahr zu Egon Schiele ein. 1918 verstarb der Expressionist und Provokateur zwar unerwartet früh, gab der österreichischen Kunst trotzdem eine neue Richtung

Der verdrehte Mensch



Egon Schiele, Aktselbstbildnis, 1916

Egon Schiele, Aktselbstbildnis, 1916

Mit Egon Schiele verlor die Kunstwelt vor 99 Jahren einen der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Die Albertina in Wien würdigt den am 31. Oktober 1918 im Alter von nur 28 Jahren verstorbenen Österreicher mit einer hochkarätigen Ausstellung und gibt damit den Auftakt zum Gedenkjahr 2018. Die Schau positioniert das radikale Œuvre des Wegbereiters und Hauptmeisters des österreichischen Expressionismus in einer zwischen Moderne und Tradition zerrissenen Epoche.


Mit seinen Werken provozierte Schiele gegen biederes Bürgentum, Kirche und sexuelle Heuchelei. Sein Lebensstil wurde als anstößig bezeichnet, wofür die wilde Ehe mit Wally Neuzil und die Besuche von Kindern in seinem Atelier der Auslöser waren. Der Tabubruch wurde für Schiele zum ästhetischen Prinzip. Formal und gegenständlich hob Egon Schiele den Gegensatz zwischen dem Schönen und dem Abschreckenden, dem Natürlichen und dem Abnormen auf.

Die Wiener Ausstellung folgt Schieles biografischen Spuren und präsentiert die thematisch und zu Gruppen zusammengefassten Werke gemeinsam mit stark vergrößerten Schwarz-Weiß-Fotografien. Auf ihnen ist der Künstler im Atelier, zusammen mit seiner frühen Lebensgefährtin Wally Neuzil und der späteren Frau Edith, im Kreise der Familie Harms und als Soldat zu sehen. Sie dokumentieren zudem Wiener Arbeiterkinder und das Haus in Neulengbach, in dem Schiele von Ende 1911 bis 1912 wohnte.

Den Anfang der Ausstellung macht ein mit Kohle gezeichnetes „Selbstbildnis“ von 1906, aus dem Jahr, in dem der 16jährige Schiele als jüngster Student seines Jahrgangs an der Wiener Akademie zu studieren beginnt. Wenig später lernt er Gustav Klimt kennen, der zu einer geistigen Vaterfigur für den jungen Künstler werden wird. Im „Bildnis des Malers Anton Faistauer“ von 1909 sind die stilistischen Anklänge an Klimt in der Ornamentalisierung des Sessels noch deutlich sichtbar. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit seinem Professor und aus Protest gegen die veralterte Ausbildung an der Akademie bricht Schiele jedoch noch im selben Jahr sein Studium ab und gründet gemeinsam mit Kollegen die „Neukunstgruppe“, für die er als Präsident und Sekretär fungiert.

Wie sich Schieles künstlerischer Neuanfang einer radikal expressionistischen „Ästhetik des Hässlichen“ verdankt, zeigt das 1909 entstandene „Selbstbildnis mit Stirnband“. Zwar steht Schiele noch im Bann des Wiener Jugendstils, wenn er sich selbst mit einem auffälligen, blau-weiß karierten Stirnband in Hoffmannscher Ornamentik darstellt. Die gespreizte Geste der Hand, die das rechte Auge verzerrt, deutet aber bereits auf das nur wenige Monate später entstandene „Selbstbildnis mit herabgezogenem Augenlid“ hin, mit dem Schiele seine Emanzipation von den Formeln des Wiener Jugendstils beweist.

Im „Mädchenakt mit verschränkten Armen“ verankert Schiele 1910 erstmals den Inhalt, das Ausgesetzt-Sein des Menschen, in der Form. „Es ist die Linie“, schreibt Klaus Albrecht Schröder in seinem Beitrag für den Ausstellungskatalog, „die durch die Aktivierung der negativen Außenfläche auf den Körper eindrängende Kräfte veranschaulicht, den Körper auf ein Existenzminimum zusammenpresst und erstarren lässt.“ Der von äußeren Kräften bedrängte Körper ist das thematische Zentrum der Schau, und fast ein wenig bemüht wirkt der kuratorische Versuch, Schieles Bildnisse von ausgemergelten und gestauchten Körpern nicht als erotische Projektionsfläche, sondern als symbolisches Zeichen für das Ausgeliefertsein des Menschen zu interpretieren – zwei wesentliche Aspekte in Schieles Werk, die freilich schwer zu trennen sind.

Eine eindrucksvolle Folge von Zeichnungen und Aquarellen stellt die Albertina mit den frühen Kinderbildnissen vor, die um 1910 nach Schieles Flucht aus dem ihn bedrückenden Wien nach Krumau entstanden, wo er mit Anton Peschka und Erwin Dominik Osen eine Künstlerkolonie gründen will. Schieles Vorliebe für gedeckte Töne, dunkles Braun, Mauve, Blau und Ocker, schließlich auch Schwarz als Inkarnat, verdrängt die krassen Farbkontraste der zuvor gefertigten Arbeiten. Die Schilderung der kindlichen Gesichtsausdrücke, etwa im „Knaben mit langem Rock“ und den „Drei Gassenbuben“, beide von 1890, ihre Natürlichkeit und Anmut sind Ausdruck von Schieles differenzierter Charakterisierungskunst.

Während Egon Schiele männliche Modelle und Knaben ohne jegliche Erotisierung und sexuelle Konnotation dargestellt hat, sind seine Mädchenakte selten reine Präsentation des Körpers an sich. Die weiblichen Akte und ihren erotischen Leib verhandelt Schiele immer in Bezug auf den männlichen Blick. Sein „Sitzender Mädchenakt“ von 1910 transformiert und lenkt die Betrachtung des Aktes zu einer voyeuristischen Fixierung auf die erotischen Reize. Gleichzeitig isoliert Schiele die Gestalt aus jedem lebensweltlichen Zusammenhang und setzt sie in einen entleerten Raum ohne Möbel und Gegenstände, von denen nur noch die Hand- und Körperhaltung Zeugnis ablegen.

1911 lernt Schiele Walburga „Wally“ Neuzil kennen. Sie bleibt sein Lieblingsmodell und seine Partnerin, bis er 1915 Edith Harms heiraten wird. Mit Wally übersiedelt Schiele im Mai 1911 nach Krumau, wo die romantische Altstadt ein bleibendes Thema seiner Kunst wird. Das in wilder Ehe lebende Paar wird jedoch schon vier Monate später wegen seines freien Lebensstils aus Krumau vertrieben. Noch im August 1911 lässt sich Schiele in Neulengbach nieder. Hier entsteht sein dreiteiliger allegorischer Franziskus- und Klara-Zyklus „Bekehrung, Liebkosung und Agonie“, der zu den Höhepunkten seines Schaffens im Jahr 1912 zählt.

Für Schiele selbst völlig überraschend, wird er wegen der angeblichen Entführung und Schändung eines 13jährigen Mädchens in Untersuchungshaft genommen. Auch wenn die Vorwürfe der Entführung einer Minderjährigen als haltlos fallengelassen werden müssen und Schiele schließlich nur wegen der Verbreitung unsittlicher Zeichnungen, die in seinem Atelier von Kindern gesehen werden konnten, zu insgesamt 24 Tagen Haft verurteilt wird, erlebt Schiele diese relativ kurze Zeit der Inhaftierung als einen tiefgreifenden und zutiefst beunruhigenden Eingriff in seine Existenz. Eine kleine Suite von Arbeiten, die er während seiner Haftzeit im April 1912 zeichnet, verdeutlicht die dramatisch zunehmende Angst des Künstlers vor einer harten Verurteilung. Im letzten Selbstportrait aus der Gefängniszelle „Mein Wandelweg führt über Abgründe“ portraitiert sich Schiele unter einer grauen Decke liegend, mit schmerzverzerrtem Gesicht und mit wie unter Zwang gespreizten Händen, die ins Leere greifen.

Nach seiner Entlassung verbessert sich Schieles Lage. 1912 nimmt er an der internationalen Sonderbund-Ausstellung in Köln teil, Sammler unterstützen ihn, 1913 wird er in den Bund Österreichischer Künstler aufgenommen, und in München sind seine Werke auf der Frühjahrsausstellung der Secession zu sehen. In diesem Jahr entsteht auch eine Reihe rätselhaft-allegorischer Blätter wie „Erlösung, Andacht“ oder „Die Wahrheit wurde enthüllt“, in der sich Schiele mit dem Armutsideal Franz von Assisis und den „Spiritualen“ des 13. Jahrhunderts auseinander- und gleichzeitig vom Materialismus absetzt, den die Elite des Wiener Fin de Siècle um Gustav Klimt und die Wiener Werkstätte liebt.

Bereits Anfang des Jahres 1914 begegnet Schiele Edith Harms und ihrer Schwester Adele. Er bemüht sich um beide und führt die Harms-Töchter, obwohl er in dieser Zeit noch mit Wally Neuzil liiert ist, häufig aus. Unbeeinflusst vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs nehmen Schieles Ausstellungsbeteiligungen national und international zu. Da er wegen seiner schwachen Konstitution für den Militärdienst zunächst als ungeeignet befunden wird, kann er weiterhin seinem Beruf nachgehen. Es entstehen zahlreiche Frauenakte, in denen Schiele den weiblichen Körper mit vielfältigen Verkürzungen und Überschneidungen wiedergibt. Die meist nackt Dargestellten begegnen der Besichtigung ihres Körpers mit ruhigem Blick. Mehrere Male kombiniert Schiele in seinen Darstellungen zwei Frauen zu einem eng beieinander liegenden, sich umarmenden Liebespaar, in denen er neben der intimen Beziehung auch das Scheitern ebendieser inszeniert. In der Gouache „Weibliches Liebespaar“ von 1915 interpretiert Schiele die unmögliche Liebesbeziehung als Tanz einer nackten Frau mit ihrem zur Puppe mutierten Pendant.

Im Sommer 1915, kurz vor seiner Einberufung, heiratet Schiele die jüngere der Harms-Schwestern. Nur drei Tage später rückt er nach Prag ein, kommt später nach Böhmen, wird in Atzgersdorf bei Wien als Bewachungssoldat eingeteilt und 1916 als Schreiber in das Lager für kriegsgefangene Offiziere nach Mühling bei Wieselburg versetzt. Aufgrund seiner Stationierung arbeitet Schiele weniger. Die Aktdarstellung verschwindet für mehrere Monate fast völlig aus seinem Motivspektrum. Es entstehen hauptsächlich Portraits von Familienangehörigen und Kindern, aber auch zahlreiche Bildnisse von russischen Kriegsgefangenen. Es sind Schieles einzige Versuche, sich mit den Geschehnissen des Krieges künstlerisch auseinanderzusetzen. Auf die Präsentation dieser Arbeiten verzichtet die Albertina allerdings. Nur ein kleines Stillleben, die Zeichnung seines „Schreibtischs im Kriegsgefangenenlager Mühling“ von 1916, dokumentiert jene Zeitspanne.

Stattdessen konzentriert sich die Schau im letzten Raum noch einmal auf die Portraits, zeigt unter anderem Kinderbildnisse von Maria und Eva Steiner, eine berührende Zeichnung seiner gealterten Mutter von 1918 und das von Schiele entworfene Plakat für die 49. Ausstellung der Wiener Secession im März 1918. Schiele nahm hierfür Bezug auf sein wenige Monate zuvor entstandenes Gemälde „Die Freunde (Tafelrunde)“. Es markiert den Zeitpunkt des endgültigen künstlerischen und finanziellen Durchbruchs– einen Erfolg, den er nur kurze Zeit genießen kann. Im Oktober 1918 stirbt Schiele, nur drei Tage nach seiner Frau und ebenfalls wie diese, an der Spanischen Grippe.

Jene Besucher, die die letzte große Schiele-Schau 2005 in der Albertina gesehen haben, werden in der aktuellen Präsentation vielen alten Bekannten begegnen. Zudem wartet die Personale nicht mit spektakulären neuen Erkenntnissen auf. Die Ausstellung und der ausgezeichnet gestaltete Katalog sind jedoch sehenswert und unbedingt empfehlenswert, bevor viele der Werke im kommenden Jahr ihre Reise ins Puschkin Museum nach Moskau und in die Londoner Royal Academy antreten werden.

Die Ausstellung „Egon Schiele“ ist bis zum 18. Juni zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, am Mittwoch von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12,90 Euro, ermäßigt für Senioren 9,90 Euro und für Studenten 8,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre ist er frei. Der Ausstellungskatalog kostet 29,90 Euro.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



24.02.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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