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Otto Freundlich in Köln

Otto Freundlich, Die Mutter, 1921

Das Museum Ludwig in Köln widmet sich in seiner Ausstellung „Otto Freundlich – Kosmischer Kommunismus“ einem der originellsten Abstrakten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Retrospektive mit etwa 80 Skulpturen, Gemälden, Zeichnungen, Gouachen und dem Mosaik „Geburt des Menschen“ von 1919 zeichnet das Werk, Denken und Leben des 1878 in Pommern geborenen Künstlers nach. Otto Freundlich setzte sich intensiv mit den Kunstströmungen seiner Zeit auseinander und fand zu einer eigenen abstrakten Formensprache. Dies führte unter den Nationalsozialisten zu seiner Verleumdung als „entarteter Künstler“. 1943 wurde der Künstler, der nach Frankreich geflohen war und auf dem Gebiet des Vichy-Regimes lebte, als Jude denunziert, in ein Vernichtungslager deportiert und dort ermordet. Zudem wurde ein großer Teil seines Œuvres von den Nazis zerstört. Seine Plastik „Großer Kopf“ war das Titelbild für die Wanderausstellung „Entartete Kunst“ von 1938. Obwohl die Skulptur Teil der Schau war, wurde von den Nazis mindestens einmal eine unförmige Kopie statt des Originals gezeigt und zudem ein anderer Titel angeführt: „Der neue Mensch“. Die Ausstellung im Museum Ludwig weist dies auch bei anderen Kunstwerken von Otto Freundlich nach.

Den Anfang der Kölner Ausstellung macht die um 1910 datierte Plastik „Frauenbüste“. Eine stark vereinfachte Formensprache charakterisiert das in Gelb gefasste Werk aus Gips: Die Augen sind schmale Schlitze, die Brauen fehlen gänzlich, und die Nase scheint einem Pfeiler näher zu sein als dem Riechorgan. Die Büste erinnert an die Form des Kubismus, ohne diesem Stil wirklich zuzugehören. Die Konstruktion des Gesichtes steht im Vordergrund. 1908 zog es Otto Freundlich nach Paris, wo er im Austausch mit Pablo Picasso und Georges Braque stand. In die französische Hauptstadt siedelte Freundlich 1924 um, zuvor stellte er etwa 1909 bei der Berliner Secession und 1913 beim Ersten Deutschen Herbstsalon aus. In seinen Schriften ordnet der Maler seine Werke sozial und künstlerisch ein. Seine Künstlerfreunde umfassten unter anderem Wassily Kandinsky, Alfred Döblin sowie Sonia und Robert Delaunay.

Kennzeichnend für Otto Freundlich ist die angewandte Kunst: Er wollte an die mittelalterliche Tradition der Zünfte anschließen und arbeitete deshalb auch an Teppichen, Mosaiken und Glasmalereien. Diese wollte er „mit einer kollektiven Kunst der Zukunft verbinden“, so die Kuratorin Julia Friedrich. Er verstünde in der leuchtenden Flächigkeit alter Kirchenfenster die Begrenzungen einer plastischen, von den Konturen der Gegenstände her konzipierten Kunst als überwunden. Die Abstraktion war ein Weg der radikalen Neuerung, die über die Kunst hinweg ging. „Die gekrümmten Farbflächen seiner Gemälde reflektieren etwa das Raumkonzept der Physik Einsteins, mit der er schon früh vertraut war.“ Die Harmonie der Farbe verknüpfte der Maler mit dem großen Ganzen. So wie im Kommunismus, dem Otto Freundlich anhing, sollte es laut seinen eigenen Überlegungen keine Grenzen zwischen „Welt und Kosmos, zwischen Mensch und Mensch, zwischen Mein und Dein, zwischen allen Dingen, die wir sehen“ geben.

Die Ausstellung „Otto Freundlich. Kosmischer Kommunismus“ läuft bis zum 14. Mai. Das Museum Ludwig hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Der begleitende Katalog kostet im Museum 39 Euro, im Buchhandel 49,95 Euro.

Museum Ludwig
Heinrich Böll Platz
D-50667 Köln

Telefon: +49 (0)221 – 221 26 165
Telefax: +49 (0)221 – 221 24 114

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Otto Freundlich, Die Mutter, 1921
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