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Brexit: Elmgreen & Dragset nun in Krefeld

Michael Elmgreen und Ingar Dragset arbeiten ortsspezifisch und nehmen oft Bezug zum Ausstellungsraum. Seit dem Wochenende sind sie mit ihrer Einzelausstellung „Die Zugezogenen“ im Haus Lange in Krefeld zugegen und nutzen die Bauhausvilla, wie sie ursprünglich intendiert war: als Wohnhaus einer Familie. Und das geschieht so täuschend echt, das Krefelder Bürger irritiert waren und meinten, die berühmte Villa Ludwig Mies van der Rohes sei tatsächlich an eine reiche deutsche Familie verkauft worden, die England aufgrund des Brexits verlassen hat. Vor dem Haus steht ein großes Maklerschild mit der dicken Aufschrift „Verkauft“, ein Jaguar parkt daneben, dessen Dach noch voll mit Umzugsgut beladen ist, und eine Zeitung berichtete auf einer Doppelseite über die angebliche massenhafte Zuwanderung britischer Brexit-Flüchtlinge. Das Spiel mit Realität und Fiktion ging auf. Museumsdirektorin Katia Baudin teilte mit, dass in den Wochen vor der Ausstellung viele empörte Bürger bei den Krefelder Kunstmuseen angerufen und sich über den bevorstehenden Verkauf des Hauses Lange beklagt hätten.

Im Innern von Haus Lange trifft der Besucher dann auf eine typische Rauminstallation von Michael Elmgreen und Ingar Dragset, die an ein filmisches Setting erinnert. In den Räumen stehen viele Umzugskartons mit persönlichen Habseligkeiten. Der Tisch im Esszimmer ist nichtsdestotrotz bereits festlich gedeckt – allerdings zieht sich ein Riss durch das edle Mobiliar, der sogar die Teller in der Mitte geteilt hat. Im Kamin gleich daneben hockt ein verängstigter kleiner Junge, der darüber in stolzer Pose auf einem Wandgemälde zu sehen ist. Dopplungen, Spiegelungen und Brüche sind die liebsten Stilmittel der beiden Künstler: Hier ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint, immer wieder stößt man auf irritierende Details, mal witzig, mal morbide. So sind die Wände im Kinderzimmer schwarz gestrichen, jegliches Tageslicht ist ausgesperrt. Nur eine nackte Glühbirne baumelt über dem leeren Kinderbett, auf dessen Umrandung in gebückter Haltung ein weißer Geier hockt. Ob der Vogel ein stummer Wächter ist, ein geschmackloses Spielzeug oder eine tödliche Bedrohung, bleibt offen, ebenso wie das Schicksal des Kindes, das hier womöglich gelegen hat.

Indem Elmgreen und Dragset den Umzug der Familie als Symbol für ein sich veränderndes Europa präsentieren, reflektiert ihre Ausstellung die Vision modernistischer Architektur im Licht der heutigen Realität. Die Wertvorstellungen der Moderne mit ihren Utopien für neue, fortschrittliche Lebensmodelle scheinen brüchig und nicht mehr verlässlich. Den Künstlern geht es sowohl um weltpolitische Zusammenhänge als auch um die Abgründe in einem familiären Mikrokosmos. „Die Ausstellung handelt von der Identitätskrise einer Gesellschaft, aber auch von unseren kleinen menschlichen Begierden und Träumen“, erklärte Michael Elmgreen. Mit gesellschaftskritischem Witz und subversivem Humor deuten sie auch in den „Zugezogenen“ das Alltägliche und Vertraute um und führen es mit großen gesellschaftlichen Fragen zusammen.

Die Ausstellung „Elmgreen & Dragset – Die Zugezogenen“ ist bis zum 27. August zu sehen. Das Haus Lange hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro.

Museum Haus Lange
Wilhelmshofallee 91-97
D-47800 Krefeld

Telefon: +49 (0)2151 – 97 55 80
Telefax: +49 (0)2151 – 97 55 82 22

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Veranstaltung vom:


19.02.2017, Elmgreen & Dragset. Die Zugezogenen.

Bei:


Krefelder Kunstmuseen

Künstler:

Ingar Dragset

Künstler:

Michael Elmgreen








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