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Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen konzentriert erstmals eine Präsentation auf die Düsseldorfer Jahre des Malers Otto Dix

Bordelle, Selbstmörder, Kriegsversehrte



Da bekam es der als Dandy, Prolet und Bürgerschreck verschriene Maler Otto Dix doch tatsächlich mit der Justiz zu tun. Zwei Anklagen wegen „Unzüchtigkeit des Malens“ wurden im Jahr 1921 erhoben. Grund waren die heute vermissten Gemälde „Salon II“ und „Mädchen vor dem Spiegel“. Mit den neuen Gemälden mahnen und warnen zu wollen sowie aus moralischen Gründen eine derart drastisch verfasste Darstellung geschaffen zu haben, war Dix’ erfolgreiche Verteidigungsstrategie; er gewann er die Prozesse. Die nach dem Gemälde 1922 entstandene Kaltnadelradierung „Am Spiegel“ hat die Wirren der Zeit überstanden und gehört zu den signifikantesten unter den rund 230 Exponaten aus den Jahren 1918/19 bis 1931, die derzeit in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalens präsentiert werden.


Unter dem Titel „Otto Dix – Der böse Blick“ stehen seit dem Wochenende Werke aus jenen Jahren im Zentrum, die der Maler von Herbst 1922 bis Sommer 1925 in Düsseldorf verbrachte. Durch skandalöse Bilder und anstößiges Auftreten in Dresden aufgefallen, konnte er hier keine Bilder mehr verkaufen. Das Rheinland als Zentrum avantgardistischer, politischer Kunst mit einer aufgeschlossenen Galerien- und Sammlerszene bot einen Ausweg an. Allen voran die legendäre Düsseldorfer Kunsthändlerin Johanna Ey, bei der Dix zunächst ein Hinterzimmer bezog, konnte erfolgreich seine Bilder absetzen. Zudem band sich Otto Dix vertraglich an den engagierten Kölner Galeristen Karl Nierendorf, was ihm rasch den Beinamen „Nierendix“ einbrachte.

Das großformatige Bildnis der Kunsthändlerin Johanna Ey aus dem Jahr 1924, das erst 2015 in den Besitz der Landesgalerie überging, bildet den Nukleus der Auswahl von Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen, die Dix’ künstlerische Entwicklung chronologisch vor Augen führt. Sie setzt ein mit Arbeiten aus den Jahren 1918/19, deren formale wie farbliche Gestalt unverkennbar auf Ideen des Kubismus und Futurismus beruht. Die spitzen Kanten und Ecken in Verbindung mit schreienden Farben nebst mythologischen Sujets verschwinden jedoch rasch. Wie sehr Dix’ Hoffnungen auf lukrative Aufträge in Erfüllung gingen, offenbaren zahlreiche Bildnisse bei deutlicher Veränderung der Ausdrucksweise. Die Bildsprache wird klarer, souveräner, beschränkt sich auf Wesentliches. Besonders mit dem Porträt seines Förderers Paul Ferdinand Schmidt, des Direktors der Dresdner Kunstsammlungen, näherte sich Dix einer nüchternen, sehr realen Bildsprache, die schon bald unter dem 1925 etablierten Begriff der „Neuen Sachlichkeit“ in die Kunstgeschichte einging und zu deren prominentesten Vertretern der Maler schnell avancierte.

Ab 1923 erweiterte Otto Dix an der Düsseldorfer Kunstakademie seine Kenntnisse über Radierung und das Verfahren der Aquatinta-Technik. Über 400 Aquarelle sowie zahlreiche Gemälde verdeutlichen seine immense Produktivität während der Düsseldorfer Jahre. Gleichzeitig wandte er sich altmeisterlichen Techniken zu, bei der er Schicht um Schicht auf Holzgründe auftrug. Kühle, mathematisch angelegte, analytische Porträts beherrschen die Schau, wobei milder ausfallende Auftragsarbeiten für Unternehmer, Familienmitglieder oder Freunde sich mit überzeichneten Typenporträts exzentrischer Figuren der Gesellschaft abwechseln. Allen voran zählt dazu das „Bildnis der Tänzerin Anita Berber“, einer schillernden „Nackt-Tänzerin“ in Berliner Szenelokalen. Es offenbart den virtuosen Aktzeichner, der den schmalen Körper galant gedreht in rotorangen Tönen illustriert sowie das weiße Gesicht wie eine leblose Maske auslegt. Der auch hier zu findende „böse Blick“, Titel der Schau, ist weniger ein unmittelbares Zitat als eine aus der Ausstellung entwickelte Äußerlichkeit, die den bedeutenden Dokumentar sozialer Zustände in der Weimarer Republik kennzeichnet.

Spitzwinklige Kojen in der Kleehalle der Kunstsammlung NRW sollen Straßenszenen von damals inszenieren. Hausähnlich angeordnet, zeigen die Kojen im Inneren, wie Dix drastisch, aber auch humorvoll Klischees von damals karikiert. Matrosen und Hafenszenen, Bordellbetriebe, Mörder und Fetischisten, Straßen- und Cafészenen oder Strichdamen und Gestalten der Nacht geben launige, zuweilen ordinäre Einblicke. Und immer wieder Porträts: Otto Dix avancierte in Düsseldorf zum gefragten Porträtisten. Über 70 Mal illustrierte er seine Ehefrau, ergänzt von zahlreichen Selbstporträts. Der Kunsthändler Alfred Flechtheim, der Malerkollege Franz Radziwill, der Fotograf Hugo Erfurth oder der Schauspieler Heinrich George wurden gleichfalls teils bissig ironisiert. Ganz zum Schluss präsentiert sich Otto Dix im zeitlich letzten Bild noch einmal selbst. Grau in Grau vor düsterem Hintergrund steht er 1931 missmutig dreinblickend im Malerkittel mit Palette und Kristallkugel vor der Staffelei, so als sollte er ahnen, was da noch alles bevorsteht.

Ergänzend wird in der Grabbehalle der im Winter 1923/24 entstandene Radierzyklus „Der Krieg“ ausgestellt. Wie in einem Schützengraben bewegt sich der Besucher durch einen engen Gang vorbei an dem 50blättrigen, von Karl Nierendorf verlegten Mappenwerk, einer einzigen Abrechnung mit dem schon fünf Jahre zurückliegenden Ersten Weltkrieg. Auch diese überzeitliche, ästhetisch interpretierte Sicht auf die Ereignisse verkörpert evident den Chronisten Dix, der sich als „Reporter“, nicht als Provokateur verstand und nie Stellungnahmen zu politischen Sachverhalten verlautbaren ließ. „Ich gehe lieber in den Puff“, meinte er dazu und setzte sich lieber künstlerisch mit der allgemeinen politischen Situation auseinander.

Die Ausstellung „Otto Dix. Der böse Blick“ ist bis zum 14. Mai zu besichtigen. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, samstags, sonn- und feiertags ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, für Kinder und Jugendliche 2,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 34 Euro kostet.

Kontakt:

K20 - Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Grabbeplatz 5

DE-40213 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 83 81 0

Telefax:+49 (0211) 83 81 201

E-Mail: info@kunstsammlung.de



14.02.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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