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Journal

Das agile Golfemirat Katar agiert im Kunstbereich als „global player“. Neue Museen, herausragende Kunstwerke im öffentlichen Raum und wuchtige neue Stadtquartiere sorgen international für viel Aufsehen

Künste in gewaltigen Dimensionen



Das Museum of Islamic Art in Doha von Ieoh Ming Pei

Das Museum of Islamic Art in Doha von Ieoh Ming Pei

Gleich bei der Ankunft im hypermodernen neuen Flughafen von Katars Hauptstadt Doha trifft man im zentralen Foyer den vermeintlich kuscheligen „Lamp Bear“. Fast jeder Passant würdigt die sieben Meter hohe, schrillgelbe Plastik eines stockenden Blicks. Kappenartig wurde der skurrilen Mischung aus einer gruseligen, scheinbar weichen Stofffigur und einer Lampe ein Schirm über den Kopf gezogen. Erschaffen hat das Werk Urs Fischer. Geboren in Zürich und nun in New York lebend, gilt der Mittvierziger als einer der teuersten lebenden Schweizer Künstler. Mit überdimensionierten Objekten versucht er die Kunstwelt aus den Angeln zu heben. Für netto sechs Millionen Dollar soll ein Mitglied der katarischen Herrscherfamilie das Werk erstanden und mangels Platz im Airport aufgestellt haben. Am Rande der langen Flanier- und Wartezonen entkrampfen zudem bronzene Spielgeräte von Tom Otterness die funktionale Architektur. Chiffreartige, illustrative Vereinfachungen in fröhlichen Anmutungen zeichnen die Werke des amerikanischen Bildhauers aus. Kugelköpfe, schlauchartig gelängte Gliedmaßen, verkürzte Finger und Füße sind von dünnen Rohren zu einer besteigbaren Installation zusammengefügt, an der Kinder sichtlich Spaß haben.


Breite Passantenströme ansprechend, selbsterklärend in Funktion und Inhalt, entworfen von weltweit agierenden Künstlern und ohne dabei die Haltung der Bescheidenheit darzutun, sind durchgehend wesentliche Aspekte, die die Kunstwerke in den öffentlichen Räumen Katars bestimmen. In der 2005 gegründeten Qatar Museums Authority, der als zentrale Behörde die Aufgabe der Entwicklung zu einem Kulturstaat auf höchstem Niveau inklusive der Verwaltung aller Museen und Kunststätten obliegt, kümmert sich eine eigene Abteilung um Werke im öffentlichen Raum. Dies offenbart nachdrücklich die dieser Sparte zugebilligte Relevanz. Denn an vielen unerwarteten Orten stößt man immer wieder auf Kunstwerke.

Zu inspirieren, Gemeinschaft zu stiften und spezielle Orte zu pointieren spielen dabei die tragende Rolle. Global ausgewiesenen, preislich meist hoch gehandelten Künstlern kommt hierbei die Aufgabe zu, mit eingängigen Arbeiten Orte attraktiv zu akzentuieren. Wie nahe die Verknüpfung mit dem Design ausfallen kann, erfährt der Eintreffende bei Dämmerung auf der Fahrt vom Flughafen in die Stadt. Rund 20 Meter hohe schlanke Laternenpfähle sind wie Neonröhren als verschiedenfarbig strahlende Stäbe gestaltet und stellen entlang der Schnellstraßen eine heiter strahlende Verbindung zur nahen Stadt her, die als lichter Willkommengruß besser nicht hätte sein können.

Wie Künste in modernes Architekturdesign übergehen und dabei immer wieder auf die Historie des Ortes Bezug genommen wird, zeigt sich am besten in den opulent ausstaffierten Hotelhallen wie beispielsweise dem W-Hotel, wo ein Schwarm blauer Kugelleuchten auf die Tradition des Perlentauchens Bezug nimmt. Auch der irakischstämmige Künstler Ahmed Al Bahrani spielt mit seiner gigantischen, 18 Meter hohen Bronzestatue „The Horse“, die er im Neubauviertel „The Pearl“ werbewirksam vor einem Hotel platziert hat, wirkungsmächtig wie ironisch auf arabische Traditionen an. Wer erst einmal den Ursprung des Landes erkunden möchte, fährt am besten quer durch die Wüste zur Westküste auf die Halbinsel Zekreet. Hier zerteilt ein langer Korridor aus Gipsklippen die Topografie. Richard Serra akzentuierte den Ort durch vier 15 Meter hohe Stahlwände. Zeitlos den Durchbruch betonend und gewaltig anmutend, lässt die Patina Gesichter, Zeichen, Symbole erkennen. „Ost-West/West-Ost“, so der Titel, ist für den Künstler „das Erfüllendste“, was er je entworfen hat.

Besonders in und um Doha bietet sich Kunstinteressierten eine Vielzahl von Zielen. Im „Kulturdorf Katara“, einer modernen Interpretation traditioneller lokaler wie antiker europäischer Bauten, ist das riesige „Amphitheater“ signifikantestes Zeichen für das an Mustern mehrerer Zivilisationen orientierte Architekturdesign. Davor installierte der in Neu-Delhi lebende Subodh Gupta „Gandhis Drei Affen“. Drei auf den indischen Friedenshelden Bezug nehmende Köpfe mit militärischen Helmen und Gasmasken aus alten Gebrauchswaren sind als Friedensmahnung zu interpretieren. Mit Installationen und Plastiken aus Edelstahlgeschirr persifliert der zu den erfolgreichsten Künstlern Asiens zählende Gupta typische indische Klischees.

Nicht weit entfernt beginnt die neue Inselgruppe „The Pearl“ mit einer Mischung aus kolossalen Wohnhochhäusern, Strandvillen und Jachthäfen. Alles ist noch wie aus dem Ei gepellt, glatt und ohne Patina sowie aufgrund der gewaltigen Dimensionen teils recht unnahbar und seelenlos. Zum Gaudium verleitet sicherlich das an venezianischen Planungen orientierte „Qanat-Quartier“, wo man sich zwischen eng zusammengedrückten modernen Wohnpalästen in venezianischem Fassadenduktus von einem Gondoliere durch Kanäle samt imitierter Rialto-Brücke chauffieren lassen kann, ein Wohnquartier, für das ein Vorbild zitiert wurde, das Klischees von Massen Rechnung trägt.

Landseitig wird Doha an der Peripherie von einem Kranz funktional ausgerichteter Stadtquartiere umgeben. Schon von weitem sichtbar markiert der 300 Meter hohe Aspire Tower die gleichnamige, für die Asienspiele im Jahr 2006 erbaute Zone aus Sportstätten. Eingehüllt von einem nachts farblich illuminierten Drahtgewebe beherbergt der Turm ein Hotel, das Sportmuseum sowie ein Restaurant an der Spitze, die wie eine Fackel filigran ausgeformt ist. Gleich nebenan wird derzeit das Khalifa-Stadion mit seinen charakteristischen großen Bögen für die Fifa-WM im Jahr 2022 umgerüstet. Ebenfalls zeitlos und klar in der Sprache sowie fernab jedweder Bescheidenheit sind die nahen Reitställe „Al Shaqab“ konzipiert. In einem riesigen, einem Hufeisen nachempfundenen Halbrund steht die gewaltig anmutende Vorführarena mit einem offenen und geschlossenen Teil. Am Rande erhalten haben sich die denkmalsgeschützten historischen Stallungen des Landesgestüts aus dem Jahr 1885.

Rund ein Dutzend Kilometer von der Altstadt entfernt liegt auch die „Education City“ mit ihren Bildungs- und Kunsteinrichtungen. Ende 2010 eröffnete in einem ehemaligen Schulgebäude das erste Museum für moderne Kunst auf der arabischen Halbinsel, genannt „Mathaf“. Die Ausführung der dafür vom Architekten Rafael Viñoly entwickelten Planungen in der Form einer futuristischen Sanddüne ist leider noch nicht absehbar. Kern der Kollektion bildet der private, rund 6000 Werke umfassende Korpus des Scheichs Hassan bin Mohamed bin Ali Al Thani. Bis zum 17. April zeigt eine Sonderausstellung Gemälde, Künstlerbücher, Editionen und Drucke des 1939 in Bagdad geborenen und seit 1976 in London beheimateten Künstlers Dia Al-Azzawi. Mit seinen Arbeiten möchte er sich auf die Spur politischer und sozialer Wandlungen begeben.

Attraktion der 250.000 Einwohner umfassenden Hauptstadt Doha ist die sieben Kilometer lange, sichelförmige Uferpromenade, genannt „Corniche“. Markanter Punkt stellt der allein durch seine großen Ausmaße auffallende Regierungspalast des Emirs „Al Diwan Al Amiri“ dar. Er trennt die Downtown, das Verwaltungs-, Geschäfts- und Hotelquartier mit seiner markanten Skyline aus dicht gedrängt, teils originell figurativ ausgeformten Wolkenkratzern.

Im Msheireb, dem ältesten Stadtteil Dohas, stellen vier „Msheireb Museums“ die Kultur-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte vor. Im Mohammed bin Jassim House zum Beispiel rückt die Stadtbauentwicklung in den Fokus. Dabei ist faszinierend zu sehen, wie rasant sich die Hauptstadt eines Nomadenlandes von einem Ort des Handels mit Stoffen, Purpur und getrocknetem Fisch, einem Mittelpunkt des Fischfangs und Zentrum der Perlentaucherei, innerhalb dreier Jahrzehnte zu einer Weltmetropole gewandelt hat. Architekturliebhaber schätzen das Radwani House. Dieser Museumsteil besteht aus einem restaurierten arabischen Hofhaus aus den 1920er Jahren. In dem nach Innen orientierten, strikt von außen abgeschlossenen Bau vermitteln die rekonstruierten privaten Wohnräume Eindrücke von familiären Leben.

Fußläufig entfernt liegt das künstlerische Flaggschiff Katars. Auf einer künstlichen Halbinsel am Ende der Corniche und somit stets im Blickfeld stehend, präsentiert sich das Museum of Islamic Art, kurz MIA. Der chinesischstämmige amerikanische Architekt Ieoh Ming Pei schuf mit dem kubischen Schatzhaus eines seiner überragenden Meisterwerke. Seit der Eröffnung am 1. Dezember 2008 ist das Museum Höhepunkt eines jeden Besuchs. Der gestaffelte, formal reduzierte Kubus mit gebrochenen Ecken gipfelt in einem diagonal versetzten Würfel mit halbmondförmigen Öffnungen, der einen Blick auf die kristallin gefaltete, innere Zellenkuppel freigibt. Seeseitig verleiht ein 45 Meter hohes Panoramafenster der Front menschliche Gesichtszüge.

Innen gruppieren sich die Schausäle um die zentrale Halle. Überwiegend in gleißende Spots der abgedunkelten Säle eingetaucht, bietet sich dem Besucher ein in der Welt einmaliges wie hochwertiges Panorama islamischer Künste aus den letzten 1400 Jahren. Keramiken, Manuskripte, Textilien, Schmuck, Glasbehältnisse, Architekturfragmente, Waffen und Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs sind in überaus großzügig konzipierten Vitrinen aus vollkommen entspiegelten Amiran-Glas platziert, die im Mainzer Werk der Firma Schott gefertigt wurden. Im obersten Geschoss liegt das von Philippe Starck gestaltete Restaurant. Grandios gestaltet sich der Ausblick auf die Küstenlandschaft sowie den angrenzenden Skulpturenpark. Auf einer Halbinsel direkt hinter dem Museum steht der aus sieben schmalen langen Stahlplatten gefaltete Turm „Wahrzeichen 7“ von Richard Serra, der damit auf die geistige Bedeutung der Zahl sieben in der islamischen Kultur anspielt.

Schräg gegenüber geht mit dem neuen, nach Plänen des Franzosen Jean Nouvel errichteten Nationalmuseum ein weiteres baukünstlerisches Highlight der Fertigstellung entgegen, dass wohl mindestens genauso viel Aufsehen erregen wird wie das „MIA“. Nouvel konzipierte einen Ring ineinander greifender Pavillons, die einen großen Innenhof mit dem historischen Herrscherpalast einfassen, der seit 1975 das Museum aufnimmt. Innen organisierte Nouvel das Gebäude mit 86.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche wie eine traditionelle Karawanserei, die traditionellen Wüstenrast- und Handelsplätze. Deren Architektur überführte er in die Sprache moderner Baukunst. Inspiriert von den Mineralienausbildungen einer Wüstenrose schuf der Architekt eine originelle Konstruktion aufgetürmter Scheiben von unterschiedlicher Größe und Neigung. Zwischenliegende Hohlräume werden komplett verglast. Die ufoartigen Schichten besitzen innen eine Stahlfachwerkstruktur und Verkleidung aus glasfaserverstärktem Beton. Das sandfarbene Gips-Kalk-Gemisch auf den Oberflächen soll Steine imitieren. Im Inneren der ausdrucksstarken Elemente wird eine Schleife aus Galerien durch die Natur-, Sozial-, Kulturgeschichte Katars führen, die am Beispiel archäologischer Artefakte, von Schmuck, Büchern, Dokumenten bis hin zu Haushaltsgegenständen illustriert wird.

Am besten erreichbar ist Doha mit Qatar Airways in über 35 Verbindungen von München, Berlin und Frankfurt mit hochmodernen, neuesten Flugzeugen.

www.visitqatar.qa



06.02.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Das Museum of Islamic Art in Doha von Ieoh Ming Pei
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Das historische
 Radwani House
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Installation „Spielplatz“ von Tom Otterness
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Das Museum of
 Islamic Art MIA
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Das Museum of
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Innenansicht des Museum of Islamic Art
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Glasbehälter, Ägypten oder Syrien, Mitte 14. Jahrhundert
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Kacheln, türkisch,
 um 1570
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„Klein-Venedig“ im Stadtteil „The Pearl“

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Wohnhochhäuser im neuen Stadtteil „The Pearl“

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Glasbehälter, Ägypten oder Syrien, Mitte 14. Jahrhundert

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Blick auf Downtown von Doha

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Subodh Gupta, Ghandhis Drei Affen

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Richard Serra, Wahrzeichen 7

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Urs Fischer, Untitled (Lamp/Bear), 2005/06

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Innenansicht des Museum of Islamic Art

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Richard Serra, Ost-West/West-Ost

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Ahmed Al Bahrani, The Horse

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Das Museum of Islamic Art MIA

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Das historische Radwani House

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Subodh Gupta, Ghandhis Drei Affen

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