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Das Haus der Kunst in München fordert in seiner Ausstellung „Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965“ einen Paradigmenwechsel. Erstmals wird die Nachkriegskunst als globale Kategorie bewertet. Der Versuch einer komplexen Betrachtung

Die Stunde Null der globalen Kunst



Es geht um Menschheitsfragen, um Sinn- und Identitätsstiftendes, um humanistische Visionen und Realismen an einem Drehpunkt der Geschichte. Aber vor allem geht es in der Ausstellung „Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965“ im Münchner Haus der Kunst um die Erweiterung des Betrachtungshorizontes. Denn bislang spalteten Begriffe wie Informel und Abstrakter Realismus als Synonym für den freien Westen und auf der anderen Seite der Realismus als Ausdruck kommunistischer Kunstdoktrin die Kunst Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sauber ab von den Disputen über Nachkriegskunst. Aber die Welt ist komplexer, verflochtener und nicht zuletzt vernetzter geworden.


Erstmals versucht eine Ausstellung, die Rolle der Nachkriegsjahrzehnte für die Entwicklung der Kunst im globalen Maßstab zu verdeutlichen. Denn eine Moderne gab es auch in Indien, Kuba oder Nigeria, wie die Münchner Schau zeigt: Vor ein postkubistisches Chaos postierte etwa Maqbul Fida Husain, Vertreter einer indischen Avantgarde, seinen in Denkerpose versunkenen „Man“. Der Nigerianer Uche Okeke bestimmte sein Gemälde „Ana Mmuo“ – „Land der Toten“ – durch weichfließende Abstraktionen und figürlich-lineare Zeichen, die ihren Ursprung in der afrikanischen Uli-Malerei haben. Und über Materialspuren und die Wirkung gestischer Abstraktionen philosophierte der Koreaner Lee Ufan in seiner Tuschearbeit „Pushed Up Ink“ von 1961.

Das Jahr 1945 war politisch wie künstlerisch eine Zäsur. Der Sieg der Alliierten über das Hitler-Regime war das Ende einer Ära. Der Abwurf der ersten Atombombe über Hiroshima im August 1945 aber war der Anfang, wenn auch ein schrecklicher. Es war die bedenkliche Stunde Null für das Atomzeitalter, das als Bedrohungskulisse weit in den Kalten Krieg hineinreichte. Der Pole Mieczyslaw Berman vereinte 1947 in einer Fotomontage à la John Heartfields die atomare Wolke und die amerikanische Flagge und verwies darauf, wer der Urheber dieser unvergleichlichen Tat war. Joseph Beuys reflektierte die Gefahr in seiner Assemblage „Verstrahlter Hangar“, und Roy Lichtenstein verfremdete den zu einem Symbol gewordenen Atompilz zu einem Pop Art-Element. Von hier aus startet die Ausstellung ihr großes Knüpfwerk, das verschiedenste Formen, Strömungen und Stilrichtungen der Nachkriegskunst aus allen Kontinenten zu einem sich gegenseitig durchdringenden Netz aufspannt. Regionen und Länder zählen nicht.

„Postwar“ geht den übergeordneten Impulsen nach, die nach 1945 auf die Moderne wirkten. Der philosophisch-psychische Nachhall von Auschwitz, der aufkeimende Ost-West-Konflikt in Europa und die Staatenbildung in den ehemaligen Kolonien in Afrika, Asien und der arabischen Welt lösten überall eine Suche nach neuen Ausdrucksmitteln aus. Sie begegnet einem in Werken von Frank Auerbach, Anthony Caro und Gerhard Richter ebenso wie in den Gemälden des Sudanesen Ibrahim El-Salahi und des Südafrikaners Ernest Mancoba, die als Wanderer zwischen den Kulturen – beide lebten teilweise in Europa – das Konfliktpotenzial zwischen Tradition und Moderne, aber auch den Beginn einer kosmopolitischen Kunst anklingen lassen. Die Skepsis gegenüber dem Rationalen war fast überall groß. Der Italiener Alberto Burri etwa konzentriert sich in seinem Gemälde „Sacco et oro“ von 1951, das einer geschundenen Landschaft gleicht, auf die Wirkkraft des Materials. Die unterbewusst gesteuerte, malerische Geste bevorzugt Willem de Kooning in seinem 1948 entstandenen Emaille-Gemälde „Black untitled“. Als Kritik an der Dominanz des westlichen Diskurses über die Moderne verstand schon 1963/64 der Pakistani Rasheed Araeen sein abstraktes, Struktur und Chaos assoziierendes Gemälde „Vor der Abreise“.

Die Kunst der Nachkriegszeit war nicht minder befasst mit neuen Menschenbildern und bewegt von moralischen und existentiellen Anforderungen in einer sich neu formierenden Welt. Bei Francis Bacon wird der Papst zum bedrohlichen Machtmensch, und Alberto Giacometti kreiert seine zerbrechlichen Archetypen, während der Nigerianer Ben Enwonwu – schon zu Kolonialzeiten einer der bekanntesten Künstler Afrikas – die Tradition der Igbo mit der modernen Kunst verbindet und Jewad Selim in Irak die Bildkultur des Nahen Ostens und linear-stilisierte Figuration in seinem Frauendoppelporträt „Untitled“ von 1951 kombiniert. Bei vielen Künstlern aus außereuropäischen Regionen spürt man das Ringen nach einer neuen Identität und die Bewusstwerdung einer eigenen Nation. Moderne heißt in diesem Fall, das visuelle Erbe der eigenen Tradition nicht aufzugeben, wie etwa Fateh al-Moudarres aus Syrien, der in „Icon of Moudarres“ die Ikonografie der orthodoxen Kirche abstrahiert.

Keiner wird nach dieser Ausstellung mehr bestreiten, dass die Moderne in der sogenannten Dritten Welt präsent und relevant war. „Mission erfüllt“, möchte man Okwui Enwezor, der seit 2011 das Haus der Kunst in München leitet und die Ausstellung initiiert hat, zurufen. Der eurozentrische Blick auf Künstler, Strömungen und Bewegungen hat die Kunst Asiens, Afrikas und Lateinamerikas zu lange marginalisiert. Unklar bleibt, ob es sich um einen Widerhall der westlichen Moderne handelt oder um etwas Eigenständiges. Denn genau betrachtet, gingen die progressiven Impulse von den hochentwickelten Industrieländern aus. Die Gruppe Gutai in Japan, deren Mitglieder mit den Füßen malten, Informel in Europa, die Neokonkreten in Lateinamerika, für die einige Arbeiten von Lygia Clark aus Brasilien stehen, das zu der Zeit schon kein Entwicklungsland war, sind nur drei Beispiele. Eine Diskussion ist eröffnet – und das ist das Beste, was einer Ausstellung passieren kann.

Die Ausstellung „Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965“ zeigt etwa 350 Gemälde, Plastiken, Collagen, Fotografien und Installationen von 218 Künstler aus 65 Ländern. Sie ist noch bis 26. März im Haus der Kunst täglich von 10 bis 20 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 22 Uhr zu sehen und stellt den Auftakt eines dreiteiligen Projekts dar. Die kommenden Präsentationen widmen sich Postkolonialismus und Postkommunismus. Der reich bebilderte, 800 Seiten starke Katalog mit 36 Aufsätzen erschien im Prestel Verlag. Er kostet etwa 65 Euro. Parallel dazu entstand ein Ausstellungsführer, der in die einzelnen Kapitel einführt und jedes Kunstwerk abbildet und einordnet.

Kontakt:

Haus der Kunst

Prinzregentenstraße 1

DE-80538 München

Telefon:+49 (089) 21 12 70

Telefax:+49 (089) 21 12 71 57



31.01.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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