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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Run auf die Osteuropäer in der modernen und zeitgenössischen Kunst bei Neumeister in München

Der Seelenfrieden der Gladiolen



Alexej von Jawlensky, Gladiolen, 1915

Alexej von Jawlensky, Gladiolen, 1915

Der französische Moralist François de La Rochefoucauld sagte, dass es vergebens sei, Frieden in äußeren Einflüssen zu suchen, wenn wir ihn nicht in uns tragen. Die Wahrheit der Aussage ist nicht zu bezweifeln, jedoch mag Harmonie den Geist eines Menschen wenigstens etwas beruhigen. So besitzen etwa Stillleben etwas Meditatives, selbst wenn sie im Fall des Expressionisten Alexej von Jawlensky auf intensiven Farben aufbauen. Gerade weil seine 1915 gemalten „Gladiolen“ in Blutrot, Feuerrot und Rosa vor grünem Grund mit Akzenten in Blau einen intensiven Komplementärkontrast bilden, verlebendigt das nuancenreiche Kolorit das statische Thema des Blumenstillebens und verleiht ihm eine schwingende Dynamik. Jawlensky gelang damit die Vermählung der Gegenteile aus statisch und bewegt. Nun mag diese sinnliche Arbeit nicht den inneren Frieden beim Betrachter erwirken können, jedoch dürfte die Kontemplation und Freude am Gemälde den Pfad zur Seelenruhe eventuell vereinfachen. Das letzte Urteil in diesem Fall liegt beim zukünftigen Eigentümer der Blumen Jawlenskys, die mit 200.000 Euro der teuerste Posten der Auktion „Klassische Moderne, Post War & Contemporary Art“ bei Neumeister in München war. Eine Schweizer Kunsthandlung bewilligte damit genau die untere Schätzung.


Die losbezogene Zuschlagquote lag mit 52 Prozent für die gesamte Versteigerung im guten Mittelfeld. Doch konzentrierte sich die Nachfrage am 7. Dezember eher auf die günstigen Kunstwerke. So konnte Neumeister von den 24 ausgewählten Positionen am Beginn der Auktion nur sieben absetzen. Dazu gehörten die beiden fotorealistischen Gemälde Gottfried Helnweins aus der Serie „Boulevard of Broken Dreams“ aus dem Jahr 1981. Bei „Marilyn Monroe“ über dem Lüftungsschacht spendierte ein Münchner Sammler 85.000 Euro (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR), bei „James Dean“, der eben durch die verregneten Großstraßen watet, mit 125.000 Euro sogar das Doppelte der Erwartung. Gar über eine dreifache Wertsteigerung auf 13.000 Euro dürfte sich Walter Dexel freuen, dessen expressionistisches, abstraktes Aquarell von 1917 an eine Landschaft erinnert (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Dafür blieben die bei Neumeister sonst so begehrten Gemälde Leo Putz’ liegen, darunter der Herbsttag „Im Schleißheimer Park“ um 1906 für 100.000 bis 150.000 Euro.

Klassische Moderne

Eine elegante Figur auf dem Auktionsparkett legte Jeanne Mammens karikaturhafte Tuschezeichnung einiger Wartender „Vor der Theaterkasse“ um 1932 mit 20.000 Euro am unteren Schätzrand hin. Etwas verbissener war gleich darauf der Kampf um Ernst Ludwig Kirchners Holzschnitt „Das Mittagessen der Bauern“ von 1920. Drei Männer und zwei Frauen gruppieren sich um einen gedeckten Tisch, wobei der sie umgebende Raum frei jeder Logik ein Eigenleben entwickelt. So ist etwa unklar, ob sich hinter den Personen Fenster erheben oder Bilder die schiefen Wände zieren. Der tiefschwarze Druck übersprang die erhofften Preisgrenzen von 4.000 bis 8.000 Euro und akzeptierte sein neues Heim erst bei 10.500 Euro. Kirchners Kollege war Erich Heckel, dessen Lithografie „Akrobat“ beim Handstand von 1916 die obere Erwartung von 3.000 Euro erreichte. Den „Blauen Reiter“ vertrat ein von Gabriele Münter entworfenes Plakat für ihre Ausstellung 1918 in Kopenhagen. Die Dame beherrschte ihre Verehrer etwas besser und entlockte ihnen einen finalen Preis von 4.500 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Gerade die Abreiten auf Papier aus der deutschen Moderne stießen auf Kauflust. Dazu gehörten etwa auch Hermann Max Pechsteins um 1910 flott mit Tusche gezeichneter sitzender Akt bei 3.800 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR) oder Conrad Felixmüllers Bleistiftzeichnung „Ruhende Frau“ von 1922. Halb liegend und halb in der Fötushaltung sitzt die barbusige Frau in geschwungenen Linien auf einem Bett und entlockte einem Interessenten 4.200 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Eine eigenwillige Mischung charakterisiert Richard Müllers Radierung „Auf Freiersfüßen“ von 1914. Neckisch bedeckt eine nackte junge Frau ihr Gesicht beinahe vollständig mit einem riesigen Blumenstrauß, den ihr Verehrer, ein Marabu mit Zylinder und Handschuhen, mitbrachte. Das erotisch-amüsante Blatt fand bei 1.000 Euro Gefallen (Taxe 600 bis 800 EUR). Weiterhin neusachlich und der Damenwelt bleibt auch Karl Hubbuch verhaftet. Seine Gewandstudie einer „Liegenden im roten Kleid“ aus der Zeit um 1920/25 respektierte mit 6.500 Euro den Schätzpreis.

George Grosz überzeugte mit der energischen Tuschfederzeichnung eines Paars „Im Gespräch“ bei taxgerechten 5.000 Euro, Rudolf Schlichter mit der Figurenskizze einer Tischrunde „Im Kaffeehaus“ um 1920 bei 3.000 Euro. Andere Töne schlug der Österreicher Alfred Kubin in der etwas früher entstandenen aquarellierten Tuschezeichnung „Waldgeister verlassen den geschlagenen Wald“ an. Die apokalyptische Arbeit kletterte auf die obere Schätzgrenze von 7.000 Euro. Das andere Ende der Schöpfung behandelte Ernst Fuchs in seiner 1945 datierten und signierten Tuschezeichnung „Adam u Eva“, die schüchtern 3.600 Euro erbat und damit den angesetzten Preis von 5.000 bis 6.000 Euro scheute.

Einige Exoten hatte Neumeister in die Auktion aufgenommen. Dazu zählte der Spanier Emilio Grau Sala, der in seinem „Intérieur“ eine gelassene Stimmung erzeugte. Er arbeitete aus den flackernden Farbfragmenten die rote Kontur eines Mädchens heraus, das an einem Tisch mit saftigen Trauben, Birnen und Pfirsichen samt Katze sitzt. Das Gemälde von 1960 ersteigerte ein Bieter für 7.000 Euro (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR). Nach Österreich ging es mit Georg Pevetz’ spätexpressionistischem Apfelstillleben „La Baule“ von 1942 bei 2.400 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR) oder mit Adolf Helmbergers heiterem Panoramablick über den Wolfgangsee bei sonnigem Sommerwetter von 1960 mit 4.500 Euro (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR).

Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst

Regen Zuspruch erfuhren Werke osteuropäischer Künstler, die sich zumeist in der jüngeren Kunst positionierten. Hier hatten die Polen oft die Nase vorn, so der 1929 geborene Zdzislaw Beksinski. 1978 hat er eine fantastische Landschaft mit Schwarz und Ockergelb in unheimlicher Atmosphäre gemalt. Mit Ausnahme der auf dem dunklen Wasser schwimmenden Seerosenblätter mit Gesichtern fehlt es an Lebewesen. Nur die aufragenden burgartigen Bauten mit schwarzen Fenstern lassen ihre Existenz vermuten. Das geheimnisvolle Werk verführte so manchen Interessenten, so dass das finale Gebot bei 14.000 Euro lag (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Bild und Realität können für Stanislaw Fijalkowski nicht miteinander übereinstimmen, da das Wahrgenommene stets subjektiv ist und eine Konstruktion aus Erinnerungen des Gedächtnisses und den Eindrücken der Augen darstellt. So besteht seine „XXXX Autostrada“ von 1976 aus zwei schwarzen Achsen, die durch landschaftliche Farben in Grün und Hellblau begleitet werden. Mittig hat Fijalkowski zudem ein weißes gleichseitiges Dreieck platziert. Hier kamen 15.000 Euro zusammen (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Über Preisanstiege freute sich zudem Henryk Stazewski, der 1980 auf vier grauen Holzplatten einfache schwarze Linienkonstrukte einritzte. Diese entfachten eine derartige Begeisterung, dass ein Gebot das andere jagte und erst bei 6.000 Euro ein Ende fand. Dasselbe Muster befolgte eine ähnliche Arbeit des Polen mit weißen Linien auf schwarzem Grund, die ihren Vorgänger mit 7.000 Euro sogar übertrumpfte. Für Stazewskis ein Jahr ältere „Komposition No 14“, eine Verteilung von blauen Recht- und Dreiecken auf weißem Grund gab es dann noch 6.500 Euro (Taxe je 800 bis 1.200 EUR). Die Mehrzahl dieser Kunstwerke wanderte in ihre polnische Heimat zurück.

Zu den ehrgeizigen Bilder darf auch Attila Kovács’ „itt van ott – ott van itt“, zu Deutsch „hier ist dort – dort ist hier“, gerechnet werden. 1989 überzog der gebürtige Ungar eine weiße Fläche mit Quadraten, die er von links nach in rechts in der Größe verkleinerte. Einzig zwei schwarze Punkte brechen das geometrische Gittermuster auf, dessen hypnotische Wirkung den Saal antrieb, den Wert auf 3.000 Euro zu erhöhen (Taxe 800 bis 1.200 EUR). Eine Komposition aus Strichen ritzte und collagierte der 1937 in Prag geborene Milan Mölzer in schwarzer und weißer Acrylfarbe diagonal in einen Karton. Das im Quadrat gehaltene Format mit den feinen abstehenden Kartonhaaren fand bei 4.000 Euro einen neuen Eigentümer (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR).

In der Farblithografie „Pretty Tulips“ wandte sich David Hockney 1969 dem Stillleben in der Pop Art zu, das die Anwesenden mit 10.500 Euro honorierten (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Mit einem kleinteiligen roten Teppichmuster hatte auch der im vergangenen Jahr verstorbene Rolf-Gunter Dienst Glück. Seine titellose Leinwand von 1992 kam auf 5.000 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Bei solch einer Aufzählung soll auch Gerhard Richter nicht fehlen. Sein Druck „Bridge 14 Feb 45“ von 2000 basiert auf einer Fotografie des äußersten Südens Kölns aus dem Jahr 1945. Die vielen Bombentrichter, zerstörten Häuser und die beschädigte Rhein-Brücke lassen die Verwüstung des Zweiten Weltkrieges wieder aufleben. Das beklemmende Werk des in Köln und Düsseldorf lebenden Künstlers erwirtschaftete 2.200 Euro (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR).

She – die Frau als Thema

Mit dem Sonderkatalog „She“, in der Frauen als Künstlerin oder Motiv auftraten, hatte Neumeister nicht soviel Fortune. Die Käufer verhielten sich recht selektiv und nahmen nur knapp 40 Prozent des Angebots mit. Auch hier blieb das Höherpreisige eher liegen. An erster Stelle positionierte sich bei 25.000 Euro Katharina Sieverdings Druck „Maton Remix 03“ von 1972/2016, ein Selbstbildnis in den poppigen Farben Magenta und Gelb (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Darauf folgte bei 9.500 Euro die beunruhigend surreale Wirkung von Cindy Shermans Selbstbildnis aus dem Jahr 1989 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). 1978 schuf Michael Buthe die abstrakt-figurative Collagemalerei „Ragtime“ mit zwei schwarzen Musikern in mehreren Farbschichten, die ihren erhofften Wert von 3.000 bis 4.000 Euro mit 5.500 Euro übertraf.

Gute Resultate verzeichneten die Positionen der Münchner Akademieprofessorin Anke Doberauer. Als Bilderquintett muss ihre Ölarbeit „Lac Savoyard I“ von 2004 gelten. Die zentrale Rolle nimmt das kühle Blau des Sees ein, den die Berge in Grau umspannen. Die ruhigen idyllischen Bilder sicherten sich einen Preis von 8.000 Euro (Taxe 8.000 bis 9.000 EUR). Ihr Gemälde „Badende Modell 1“ von 2009 mit der Rückansicht einer dunkelhäutigen Jugendlichen in feuerrotem Badeanzug mit Schwimmreifen begnügte sich mit den unteren angesetzten 2.500 Euro. Zwischen Mensch und geometrischer Form ist Man Rays Farblithografie „Personnage“ von 1976 anzusiedeln, die für 3.800 Euro ihre Besitzer wechselte (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Die stilisierte und halbnackte Frau, die sich in Mauro Bergonzolis „Country Life“ von 2015 in einem See mit Seerosen räkelt, forderte 8.000 Euro ein (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



18.01.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Veranstaltung vom:


07.12.2016, Klassische Moderne, Post Wat & Contemporary Art

Bei:


Neumeister Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG

Bericht:


Only the good die young!

Kunstwerk:

Alexej von Jawlensky, Gladiolen, 1915
Alexej von Jawlensky, Gladiolen, 1915










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