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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Herbstauktion von Irene Lehr in Berlin schlug nicht nur mit einer hohen Verkaufsquote, sondern auch mit dem besten Ergebnis seit Firmengründung zu Buche

Sommer, Sonne, Strand



Die meisten Zeitgenossen gehen mit den aktuellen Entwicklungen in der Kunst und beziehen sich selten auf Vergangenes. Werner Tübke, der zu den bedeutendsten Malern der DDR zählt, wählte einen anderen Weg. Der ehemalige Professor der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst griff in seinen Arbeiten oft auf die italienische Malerei der Spätrenaissance zurück. Auch in seinem Ölgemälde „Kleiner Strand, mit stehender Mittelfigur“ von 1967 kommt Tübke sowohl in Motivik, Komposition als auch in der Malweise auf jene Zeit zurück. So steht die menschliche Figur im Fokus. Spärlich bekleidete Menschen verteilen sich auf der gesamten Bildlänge in verschiedenen sitzenden und liegenden Positionen. Von dem titelgebenden Strand ist aufgrund der Figurenfülle innerhalb des kleinen Formats von 20,3 auf 50,2 Zentimeter kaum noch etwas zu sehen. In klassisch pyramidalem Bildaufbau dominiert eine junge Frau in eleganter Venus-Pose das Geschehen und steht als Metapher für ein irdisches Paradies. Das sinnliche Werk mit seinen zarten Hauttönen und der in manieristischer Malweise umgesetzten hellen, sommerlichen Farbgebung spielte in der Herbstauktion bei Irene Lehr in Berlin lukrative 40.000 Euro ein. Vorgesehen waren nur 24.000 Euro.


Neo Rauchs „Zündschnüre“ von 1990 bilden im Vergleich zu Tübke einen auffallenden Kontrast. Das Frühwerk des Vertreters der „Neuen Leipziger Schule“ ist bestimmt von einer Kombination aus schattigen Grüntönen und Schwarz. Allein durch die wechselnde Farbgebung entstehen Linien und Formen, die sich stets überschneiden. Die für Rauchs spätere Werke charakteristische Figuren-Raum-Problematik ist bereits zu erkennen und war einem Liebhaber 35.000 Euro wert (Taxe 30.000 EUR). Ebenfalls der Farbe verpflichtet fühlen sich Fritz Winters „Steine und Wasser“ von 1965. Das Ölgemälde scheint mit seinen horizontal ausgelegten Streifen und Feldern aufgrund ihrer diffus auslaufenden Farbflächen geradezu zu vibrieren. Für 24.000 Euro darf sich der neue Besitzer nun über ein grazil und zugleich bedrohlich wirkendes Werk freuen (Taxe 15.000 EUR). In Rupprecht Geigers „Komposition 281/60 (Rotes Bild)“ steht vor allem der Verlauf einer einzigen Farbe im Vordergrund. In dem fließenden Wechsel von Hell- nach Dunkelrot demonstriert Geiger die imposante Wandlung und Kraft der Farbe der Liebe und des Feuers. Für 47.000 Euro fand das leuchtende Ölgemälde ein neues Zuhause (Taxe 40.000 EUR). Geigers zweite „Komposition 324/60 (Blaues Bild)“ aus demselben Jahr spielte mit seiner deutlich kälteren Farbgebung nur taxgerechte 20.000 Euro ein.

Das höchste Gebot der Auktion vom 29. Oktober ging an ein ebenfalls farbkräftiges Werk. Das dynamische Frühwerk von Horst Antes aus dem Jahr 1964 überzeugte zudem mit der experimentellen Umsetzung der figurativen Malerei. So blieb die „Maskierte Figur (sich wendend) mit Vogel“ nicht bei den anvisierten 40.000 Euro stehen, sondern verließ das Auktionshaus erst bei dem vierfachen Wert von 160.000 Euro. Insgesamt konnte Antes seine fünfzehn Offerten an den Mann bringen. Besonders das titellose Mischwerk mit zwei von einem weiß-, blau-, rot- und türkisfarbenen Durcheinander an Linien umgebenen Figuren von 1962/63, das ebenso titellose Aquarell eines für Antes charakteristischen Kopffüßlers von 1963 sowie die Gouache-Version der „Zwei Füße“ von 1968 übertrafen mit 21.000 Euro beziehungsweise 13.000 Euro und 11.000 Euro ihre Erwartungen um mehr als das Doppelte. Gewinnbringend platzierte sich auch Richard Hamiltons farbige Serigrafie „I’m dreaming of a black Christmas“. Der humorvoll angelegte Druck mit Bing Crosby von 1971 reizte mit seinen collagierten Aspekten zu 25.000 Euro (Taxe 15.000 EUR).

Auch bei der Moderne gab es ähnliche Steigerungen. Ein Highlight war hier Jeanne Mammens „Café Nollendorf“. Das um 1931 entstandene Aquarell sorgte mit seinem intimen Einblick in die Welt der Berliner Damenclubs der goldenen Zwanziger und den charaktervollen Typen der lesbischen Subkultur für ein spannendes Bietgefecht, das erst bei 70.000 Euro sein Ende fand (Taxe 50.000 EUR). Das auf den Münchner Gauklerverein zurückzuführende Ölgemälde „Karneval im Münchner Hofgarten“ von Willy Robert Huth aus dem Jahr 1924 begeisterte die Bieter mit seinen auffallend spanischen Bildelementen sowie der dichten und farbkräftigen Komposition. Mit seinem turbulenten bunten Treiben vermittelte es nicht nur Zuversicht und Frohsinn, sondern animierte die Auktionsbesucher auch zum regen Gebot. Der Hammer fiel erst bei 36.000 Euro (Taxe 15.000 EUR). Ähnlich erging es der um 1920 gemalten „Winterlichen Dorfansicht“ von Anita Rée. Das in gedämpftem Kolorit gehaltene Ölgemälde wird von geraden Linien und Formen bestimmt, die zur Auflockerung der Komposition jedoch leicht unregelmäßig wiedergegeben werden. Nun reiht sich die kühle Winteransicht mit 32.000 Euro ebenfalls in die Top Ten-Liste ein (Taxe 15.000 EUR). Den elften Platz konnte sich Otto Muellers Aquarell „Badende mit Booten“ sichern. Die im Gegensatz zu seinen „Brücke“-Kollegen zurückhaltende Farbpalette spiegelt sein Streben nach Harmonie und Leichtigkeit in der Darstellung. Das mit warmen Erdtönen gezeichnete Sommergeschehen verkörpert Muellers Sehnsucht nach dem Einklang von Mensch und Natur, der letztendlich einen Zuschlag von 24.000 Euro herbeiführte (Taxe 12.000 EUR).

Auktionatorin Irene Lehr konnte sich über eine exquisit hohe losbezogene Zuschlagquote freuen, die mit dem Nachverkauf auf über 92 Prozent anstieg. Zudem sprach sie bei einem Nettoumsatz von 1,61 Millionen Euro vom „besten Ergebnis seit Firmengründung“. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch weniger bekannte Namen sich gut behaupten konnten. So platzierte sich der gebürtige Chinese Hsiao Chin mit seiner kosmischen Version von 1966 auf Rang neun. Hier thematisiert er das menschliche Sein sowie die Freisetzung von spirituellen Energien, die Hsiao durch sich im Uhrzeigersinn ausbreitende schwarz-orangefarbene Streifen um ein rundes Zentrum darstellt. Mit 31.000 Euro verdreifachte das hypnoseartige Werk seine Erwartung von 10.000 Euro. Anna-Eva Bergmans kleinformatiges, mit Blattgold bearbeitetes, abstraktes Ölgemälde „Haut“ von 1961 brachte mit 16.000 Euro sogar das Vierfache seines Schätzwertes ein. Auf niedrigem Niveau gelang dies gleichfalls dem Peruaner Angel Chávez. Sein titelloses, teils felderhaft gespachteltes Ölbild verbesserte sich von 150 Euro auf 600 Euro.

Bei manchen großen Namen taten sich die Bieter dann häufiger schwer. Während sich der Zuschlag für Gerhard Richters vom Licht durchdrungene Heliogravüre „Landschaft I“ von 1971 mit 3.800 Euro noch mehr als verdoppeln konnte, lagen andere Druckgrafiken wie Max Beckmanns „Park Louisa“ von 1923 mit 2.200 Euro oder Pablo Picassos titellose Fantasiegestalt aus der Mappe „Six Contes Fantasques“ von 1944 mit 500 Euro nur noch knapp über dem jeweiligen Schätzpreis. Wassily Kandinskys kosmische Bewegung mit im Zentrum stehendem Kreis von 1924 blieb mit 6.500 Euro ebenso wie Otto Dix’ realistische Lithografie „Katze und Hahn“ von 1966 mit 4.000 Euro unter den Erwartungen zurück. Auch Hermann Max Pechsteins in Blau gehaltener Farbholzschnitt „Klönende Fischer“ von 1923 kam nicht über 9.000 Euro hinaus (Taxe 12.000 EUR). Bei Emil Schumachers mit 45.000 Euro recht hoch angesetzter informeller Malerei „Ficus VII“ von 1979 blieben die Gebote zunächst ganz aus. Hier richtete es der Nachverkauf bei 38.000 Euro.

Für die Überraschungen sorgten zumeist niedriger taxierte Werke. Besonders Paula Gans’ „Stehender weiblicher Akt“ aus den 1920er Jahren erfreute sich großer Beliebtheit. Das aus einer Privatsammlung in Süddeutschland stammende Ölgemälde der Hamburger Porträt- und Landschaftsmalerin überzeugte das bietfreudige Publikum mit seinen kräftigen Farben und dem lockeren Pinselduktus, sodass der Schätzwert Schlag auf Schlag in die Höhe schoss und erst bei 7.000 Euro stehenblieb (Taxe 800 EUR). Weitere Aktdarstellungen wie Richard Müllers naturalistische Zeichnung eines weiblichen Torsos in Bleistift und weißer Kreide und Man Rays Farblithografie „Le violon d’Ingres“ von 1969 konnten sich leicht von 600 Euro auf 750 Euro und von 1.200 Euro auf 1.600 Euro bessern. Guten Anklang fand darüber hinaus Karl Schlotters neusachliches Porträt des Boxers Max Schmeling von 1933. Der konzentriert zur linken Bildseite schauende Sportler erkämpfte sich mit erhobenen Fäusten in Boxhandschuhen eine Steigerung von 300 Euro auf 1.900 Euro.

Bei der Moderne reüssierten zudem Richard Gessners sozialkritisches Gemälde „Feierabend“ in einer tristen Arbeitersiedlung von 1923 bei 2.400 Euro (Taxe 1.000 EUR), Alexander Gerbigs expressive „Italienische Taverne“ von 1913 mit Max Pechstein am Tisch bei 4.400 Euro (Taxe 2.000 EUR) oder Paul Grunwaldts leicht kubistisch gefasste, von Grüntönen bestimmte „Flucht nach Ägypten“ von 1919 bei 4.200 Euro (Taxe 1.500 EUR). In acht schwarz-weißen Lithografien beschäftigte sich Bernhard Kretzschmar 1920 mit Georg Kaisers expressionistischem Bühnenstück „Von morgens bis mitternachts“. Die nur in 15 Exemplaren erschienene Mappe behauptete sich einträglich bei 7.000 Euro (Taxe 4.000 EUR). Ebenfalls nicht unbeachtet blieben die Strandszenen auf Hiddensee der 1942 im KZ Theresienstadt verstorbenen Clara Arnheim. Sie setzten sich mit bis zu 8.000 Euro durch (Taxen bis 3.000 EUR).

Für einen ähnlichen Anstieg sorgten Hermann Glöckners Monotypie „Zwei gelbe Rechtecke“ von 1968. Die sich überschneidenden Formen kletterten von 1.000 Euro auf 5.800 Euro hinauf. Bei Glöckners insgesamt zehn offerierten Arbeiten punkteten besonders die geometrisch angelegten Blätter. So konnten auch seine „Geschichteten Rechtecke in Grau, Rotbraun und Beige“ von 1968 sich mit 4.000 Euro gewinnbringend verkaufen (Taxe 1.500 EUR), ebenso seine „Schornsteinformen in Braun und Rot II“ mit 6.500 Euro (Taxe 5.000 EUR) und der nach links weisende Keil in Schwarz mit 5.400 Euro (Taxe 3.000 EUR). Während Alexander Camaro bei seiner nun 7.000 Euro teuren „Pfahldorfhütte“ von 1954 eine stilisierte Abstraktion nutzt (Taxe 4.000 EUR), ergeht sich Hans Hartung 1959 in seiner titellosen Pastell- und Ölkreidezeichnung in einer dichten informellen Schraffur. Hier kamen 16.000 Euro zusammen (Taxe 12.000 EUR). Aus Frankreich gesellte sich zudem Pierre Soulages mit seinen dicken schwarzen Balken über braunem Grund auf der Farbradierung „No 5“ von 1957 bei 9.500 Euro hinzu (Taxe 4.000 EUR).

Auch viele der Skulpturen stießen auf rege Nachfrage, etwa Karl-Heinz Krauses realistische, goldbraun patinierte Bronze eines „Aufstehenden“ von 1957 bei 4.200 Euro (Taxe 1.500 EUR) oder Emy Roeders zehn Jahre jüngere „Schreitende Araberin mit Kind“ bei 7.500 Euro (Taxe 4.000 EUR). Von der menschlichen Gestalt geht Lothar Fischer immer noch bei seiner „Eva“ von 1963 aus, jedoch wandelt er sie mit übergroßem quadratischem Rumpf und viel zu kleinen Gliedmaßen zu einem Urbild des Mütterlichen um. 11.000 Euro waren sein Lohn (Taxe 6.000 EUR). Aber auch ungegenständliche Arbeiten stießen auf Interesse, etwa Otto Herbert Hajeks geometrische „Farbwege 67/20“ mit gelber und blauer Bemalung bei 1.400 Euro (Taxe 1.000 EUR), Ferdinand Spindels rot eingefärbtes, wulstiges Schaumstoffgebilde von 1970 bei 2.200 Euro (Taxe 600 EUR) oder Erich Hausers aus gebogenen Stahlblättern konstruierte Stele von 1974 bei 4.400 Euro (Taxe 3.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



22.12.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Annemarie Knatz

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Wassily Kandinsky, o.T. (Komposition), 1924

Wassily Kandinsky, o.T. (Komposition), 1924

Taxe: 7.000,- EURO

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Losnummer: 281




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