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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Die moderne und zeitgenössische Kunst glänzt bei Grisebach in Berlin zum dreißigjährigen Jubiläum

Das Bild ist voll



Max Liebermann, Studie zum „Restaurationsgarten in Leiden“, 1900

Max Liebermann, Studie zum „Restaurationsgarten in Leiden“, 1900

Überwiegend von deutschen Künstlern besetzt ist die Versteigerung „Ausgewählte Werke“, mit der das Berliner Auktionshaus Grisebach seine Herbstversteigerungen zum Höhepunkt führt und mit ihnen auch sein dreißigjähriges Bestehen feiert. 1986 taten sich die Kunsthändler Hans Pels-Leusden, Michael Neumann, Bernd Schultz, Raimund Thomas und Wilfried Utermann zusammen und legten den Grundstein für die Villa Grisebach Auktionen, benannt nach dem 1891/92 errichteten, herrschaftlichen Anwesen des Architekten Hans Grisebach in der Charlottenburger Fasanenstraße. Heute gehört Grisebach zur Spitze der Auktionshäuser in Europa. Und das macht sich auch im aktuellen Angebot bemerkbar. Den Beginn bestreiten wie gewohnt einige impressionistische Werke, allen voran Max Liebermann mit gleich vier hochkarätigen Arbeiten aus seiner mittleren bis späten Schaffensphase. Seine Freude an menschenbelebten Naturstudien dokumentiert die 1900 in Öl skizzierte „Studie zum ‚Restaurationsgarten in Leiden‘“. Die noch im selben Jahr ausgeführte volle Fassung des Motivs befindet sich heute in der Hamburger Kunsthalle und ist etwas detaillierter, dafür aber weniger frei. Hier stehen 500.000 bis 700.000 Euro auf dem Etikett.


Ebenfalls in der holländischen Sommerfrische, in der sich Max Liebermann über Jahre hinweg immer wieder erholte und inspirieren ließ, entstanden 1901 ein ungezwungenes „Strandbild mit spielenden Kindern“ (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR) und 1915 ein „Jäger in den Dünen“, der offensichtlich sein Rudel junger Hunde im Apportieren unterrichtet (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Die jüngste Liebermann-Arbeit bei Grisebach ist ein 1926 datiertes, frontales „Selbstbildnis im Anzug mit Skizzenblock“ für 300.000 bis 400.000 Euro. Lovis Corinths „Landschaft im Vorfrühling“ von 1922 ist da mit ihrem unruhigen Pinselstrich schon viel aufbrausender. Von Emil Nolde hängt am 1. Dezember mit der schneebedeckten „Landungsbrücke im Winter“ ein impressionistisches Frühwerk aus dem Jahr 1902 bereit. Vielleicht reflektiert die triste Stimmung des Bildes die wirtschaftlichen Sorgen, in denen sich das Ehepaar Nolde damals gerade befand (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR).

Ansonsten kommt von Nolde Klassisch-Expressionistisches zum Aufruf, und zwar ziemlich Gewichtiges: Für 800.000 bis 1,2 Millionen Euro sind seine „Königskerzen“ zu haben, die 1915 in bunter Blüte und rhythmisierter Anlage den Garten des Künstlers auf der Ostseeinsel Alsen zierten. Nur im Jahr 1917 war das prachtvolle Ölbild in zwei Ausstellungen in Frankfurt zu sehen. Mit 1 bis 1,5 Millionen Euro ist seine „Bewegte See II“, auch „Zwei Segler aneinander“ betitelt, bewertet. Emil Nolde schuf die dramatische Naturschilderung 1914 während seiner Südseereise. Die Angabe im Katalog, das Bild sei unmittelbar nach seiner Entstehung verschollen und erst 1921 in London wiederaufgetaucht, hat Grisebach selbst inzwischen richtiggestellt. Es gelangte vielmehr schon um 1915 in den Besitz des Hamburger Rechtsanwalts Paul Rauert und 1938 zu Bernhard Sprengel in Hannover. Wiederum 800.000 bis 1,2 Millionen Euro sollen Noldes „Leuchtende Sonnenblumen“ von 1950 kosten. Nicht zuletzt mit Noldes Bildern peilt Grisebach in diesem Herbst eine mittlere Gesamtschätzung von 29 Millionen Euro an.

Weitere Meisterwerke aus der expressionistischen Hochzeit sind Gabriele Münters farblich gedecktes Stillleben „Flieder mit Apfelsinen 2“ von 1909 (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR) und August Mackes „Nacktes Mädchen mit roter Blume (Gelber Akt)“ von 1911, das sich bis jüngst als Leihgabe der Nachfahren des Künstlers im Landesmuseum in Münster befand (Taxe 700.000 bis 900.000 EUR). Wie Spielzeug setzte Karl Schmidt-Rottluff 1931 einen „Leuchtturm“ mit Häusern, Bäumen und Brunnen in Szene. Vorbild für die charakteristische, mit kräftigen Konturen gearbeitete Komposition war der Leuchtturm im pommerschen Jershöft (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR). Von dem gleichaltrigen Max Beckmann stammt das 1921 datierte „Stillleben mit brennender Kerze“. Auf der Innenseite des Deckels einer Zigarrenkiste, die sich außer einer Hyazinthe, einem Spiegel, einer Petroleumleuchte, weiteren kleineren Gegenständen sowie der titelgebenden Kerze auf dem mithin ziemlich vollen Bild tummelt, hat der Meister offenbar eines seiner zahlreichen Selbstportraits hinterlegt (Taxe 700.000 bis 1 Million EUR).

Neben Noldes Seebild ist mit 1 bis 1,5 Millionen Euro Lyonel Feiningers „Gelbe Gasse“ aus dem Jahr 1932 das Hauptlos der Auktion. Der prismatisch gebrochene Ausschnitt einer Stadtlandschaft verdankt sich vielleicht den Anregungen einer Städtereise durch Norddeutschland, die Feininger schon 1921 unternommen hatte. Widmungsträger seiner ebenfalls kristallin aufgesplitterten „Brigantine und Dampfer“ war Sohn Theodore Lux Feininger. In dessen Familienbesitz befand sich das 1926 geschaffene kleine Ölbild bis zuletzt (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Eine „Burg auf dem Riff“ hielt 1927 Paul Klee stark abstrahiert in Aquarell und Tuschfeder auf Bütten fest. Hier dürften Motive Pate gestanden haben, die Klee damals während einer Mittelmeerreise sammelte (Taxe 500.000 bis 700.000 EUR). Surreal mutet Anton Räderscheidts „Haus Nr. 9“ von 1921 an: An der ansonsten menschenleeren, scharfkantig gezeichneten Straßenecke begegnen sich ein Mann und eine Frau, aber selbst so unbelebt und statisch, als seien sie Roboter. Wie so manche andere Offerte der Auktion zeichnet sich die Holztafel durch eine gewisse Marktfrische aus: Sie befindet sich seit 1924 im selben Familienbesitz und will mit 350.000 bis 450.000 Euro den Auktionsrekord von bisher 260.000 Euro einstellen.

Karl Hofers „Kartenspieler“ von 1924 wurden bereits ein Jahr später vom Stadtmuseum Ulm angekauft. 1937 entfernte man die fünfköpfige konzentrierte Runde daraus wieder als „entartet“, lagerte sie als „international verwertbare“ Kunst in Schloss Schönhausen bei Berlin ein und verkaufte sie schließlich 1941 über den Händler Karl Buchholz an Hans Ranft nach Oslo. Nun hat Ulm die Gelegenheit, sie für 300.000 bis 400.000 Euro wiederzubeschaffen. Als Chronistin Berlins tritt Jeanne Mammen mit dem Aquarell dreier modisch gekleideter, seidenbestrumpfter junger Damen auf „Nächtlicher Kudamm-Bank“ um 1929 für 50.000 bis 70.000 Euro an. Georg Muches kosmische leuchtende Farbabstraktion um 1916 war bei Grisebach schon einmal 2008 für 214.000 Euro. Daran haben sich die Experten nun mit ihrer Schätzung von 150.000 bis 200.000 Euro orientiert.

Die Skulpturensuite reicht diesmal von Georg Kolbes innigem weiblichem Akt mit dem Titel „Auferstehung“ von 1920 (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR) über François Pompons elegant abstrahiertem „Pélican“ aus dem Jahr 1924 (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR) und Karl Hartungs frühem Torso eines „Liegenden“ von 1935/38 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) bis zu Rolf Szymanskis unterlebensgroßer Bronze eines verkrüppelten „Fräuleins in Algier“ von 1961 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) oder Norbert Krickes gleichaltriger dynamischer Raumplastik „Chi“ aus gebündelten Edelstahlstäben (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). In der Nachkriegszeit wird es ein wenig internationaler: René Magritte tritt zweimal auf, darunter mit seiner als Aquarell und Collage gestalteten Papierarbeit „La pensée visible“ mit Apfel, Vorhang und Spielfigur aus Notenblättern im weiten Nichts von 1961 (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR), und Ben Nicholson mit der abstrakten „Western Landscape“ von 1960 für 180.000 bis 240.000 Euro. Ungewöhnlich grotesk ist Albert Carel Willinks Gemälde „Twee Giraffen“ von 1956, schauen doch die beiden Langhälser etwas ungläubig auf eine steinerne Treppenrampe im barocken Gestus (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Fernando Boteros Lust am drallen Leben schlägt sich außer in einer Handvoll Menschenbilder auch in seinem theaterartig unter blauem Vorhang versammelten Geburtstagsstillleben „Feliz cumpleaños“ von 1971 mit einer großen Zuckergusstorte in der Mitte nieder (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR).

In einer eigenen Auktion am 2. Dezember hat Grisebach die zeitgenössische Kunst versammelt. Gelegentlich wird es auch hier recht hochpreisig; zunächst mit einigen ZERO-Arbeiten. Otto Pienes weißes „Rasterbild“ mit einer dynamisch-dichten Ansammlung pastoser Farbkleckse, entstanden 1957 sowie 1981 und 1987 überarbeitet, steht bei 250.000 bis 350.000 Euro und wird aus der Reihe seiner Mitstreiter nur von Günther Ueckers 1987 genageltem „Gespaltenem Feld“ für 400.000 bis 600.000 Euro übertroffen. In etwa der gleichen Preisklasse rangiert die Pop Art mit Robert Indianas berühmten „LOVE“-Buchstabengeviert von 1966 in einer blauvioletten Fassung von 2001 (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR) und Andy Warhols farblosem „Joseph Beuys“-Portrait, das 1980 unter Einsatz von Diamantstaub entstand, für 400.000 bis 600.000 Euro. Internationales Flair verbreiten zudem der Pole Wojciech Fangor mit seinem in diffusen Konturen schwebenden Farbkreis „B 71“ von 1965 (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR) und der Konzeptkünstler On Kawara, der zwischen Februar und Mai 1971 insgesamt 22 Telegramme der Deutschen Bundespost an Klaus Honnef mit der Botschaft „I am still alive“ schickte (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Von den günstigeren Arbeiten ist insbesondere eines der seltenen Werke Eugen Schönebecks zu nennen, eine „Märkische Landschaft“ von 1970. In dieser Zeit hatte der 1936 geborene, damals recht berühmte Schönebeck sein öffentliches Wirken als Künstler bereits weitgehend eingestellt (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Die jüngere Kunst liebt die Vielfalt der Medien. Es gibt mit Daniel Richters ausufernder Farbwelt „noch ohne Titel“ aus dem Abschlussjahr an der Hamburger Kunsthochschule von 1995 klassische Malerei (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) oder mit Oliver van den Bergs aus Nadelholz konstruierten drei „Kameras“ von 2007 charakteristische neue Skulptur (Taxe 6.000 bis 8.00 EUR). Ulrike Ottinger fotografierte 1983 eines androgynes „Portrait Dorian Gray“, der laut Zeitung schon tot ist (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), Cosima von Bonin bestickte 2005 ein dunkles Wolltuch mit einem rauchenden „Dandy Dog“ in weißen Umrissen (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), und Christian Jankowski erklärte 2010 eine Polizeimotorradkombi aus quietschgrünem Leder bei einer Auktionsperformance zum Kunstobjekt „Kunst + Krise“ (Taxe 8.000 bis 10.0000 EUR).

Die Auktion „Ausgewählte Werke“ beginnt am 1. Dezember um 18 Uhr, am 2. Dezember folgt um 18 Uhr die „Zeitgenössische Kunst“. Die Besichtigung der Kunstwerke ist vom 25. bis zum 28. November täglich von 10 bis 18 Uhr, am 29. November von 10 bis 15 Uhr möglich. Der Internetkatalog ist unter www.grisebach.com abrufbar.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



24.11.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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