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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Edgar Degas und Auguste Rodin verstarben vor fast 100 Jahren. Eine gewagte Ausstellung im Wuppertaler Von der Heydt-Museum versucht, Gemeinsamkeiten in deren Werkschaffen zu ergründen

Verbunden im Progressiven



in der Ausstellung „Degas & Rodin. Giganten der Moderne“

in der Ausstellung „Degas & Rodin. Giganten der Moderne“

Hier zierlich gedrehte Balletttänzerinnen oder biegsam trabende Pferde, dort kräftige, stämmige Figuren und heroisch laufende Rösser – gleiche Sujets in analoger Technik, aber doch deutlich divergent. Diese Gegenüberstellungen eröffnen ein heikles Experiment. Erstmals wird das Werk zweier herausragender Gestalten der Kunstgeschichte in einer Ausstellung so intensiv nebeneinander gestellt. Die formalen, motivischen, aber auch die menschlichen Züge von Edgar Degas und Auguste Rodin stehen im Wuppertaler Von der Heydt-Museum in einem direkten Dialog. Beide verstarben innerhalb weniger Wochen im Herbst 1917: Degas im September, Rodin im November. Diese Ereignisse werfen bereits jetzt ihre Schatten voraus. Das Grand Palais in Paris wird 2017 Rodin mit einer großen Schau ehren, während parallel eine von führenden Experten vorbereitete Ausstellung über Degas von Amerika weiter nach Kanada und bis nach Australien ziehen wird. Leihgaben sind dann nicht mehr zu erhalten, so dass die Wuppertaler nun idealerweise einen gehaltvollen Prolog zu beiden Künstlern ausrichten konnten.


Entlang der Biografien sowie thematisch strukturiert, versammeln sich ausgehend vom eigenen, allein zwölf Werke Degas’ umfassenden Fundus 100 Arbeiten von Rodin, denen fast die gleiche Anzahl seines Kollegen gegenübersteht. Während bei Degas Plastiken eher nebenbei entstanden und das Malen und Zeichnen sein Schwerpunkt war, verhielt es sich bei Rodin umgekehrt. Grundverschieden war auch ihre Herkunft. Der Bankierssohn Degas mit adeligen Wurzeln konnte sich früh Italienreisen leisten und an der École des Beaux-Arts studieren, während der aus einfachen Verhältnissen stammende Rodin an einer Kunstgewerbeschulen gleichzusetzenden Lehranstalt ausgebildet wurde und als Stuckateur bei einem Bauunternehmen unterkam. Eine Karyatide und zwei Atlanten zeigen im ersten Saal den Einfluss des Neorokoko bei Rodin sowie den Vorbildcharakter der Antike und des Klassizismus im Frühwerk von Degas.

Der Tod seiner Schwester löste 1862 bei Auguste Rodin eine Krise aus, die ihn zum kurzzeitigen Eintritt einen sozial ausgerichteten Orden bewegte. Als er dann auf dem Pariser Pferdemarkt einem Arbeiter mit gebrochener Nase begegnete, fühlte er sich an Michelangelos Physiognomie erinnert und porträtierte ihn. Diese Gipsbüste wurde aber 1864 beim Pariser Salon abgelehnt in völliger Missdeutung der Tatsache, dass hier etwas Neues erschaffen worden war. Anstelle einer glatten, geschlossenen, vom klassizistischen Ideal gekennzeichneten Büste war eine impressionistische Plastik entstanden: Grob, unruhig, voller heller und schattiger Zonen, das Licht gebrochen zurückwerfend. Absichtsvoll die Hässlichkeit sozialkritisch und realistisch zur Schau stellend, hatte Rodin die Juroren wohl verschreckt. Mit der Technik der „Buckel und Löcher“, die auf dem Aufeinanderkleben von kleinen Klümpchen basiert, kam seine Vorgehensweise dem pastos gespachtelten Farbauftrag impressionistischer Malerei gleich.

Beide Künstler wurden während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 zum Militär eingezogen. Danach bestand ein Bedarf an Kriegerdenkmälern, was Auguste Rodin für Aufträge zu nutzen verstand. Sowohl Degas als auch Rodin waren Pferdeliebhaber. Modelle von Pferden und Pferdeköpfen sind als Bestandteile von Denkmalsentwürfen zu verstehen, für die Rodin mehr heldenhafte Fassungen kreierte. Ihnen steht die Eleganz eilender Rennpferde gegenüber, die Edgar Degas in meisterhaften Gemälden sowie Plastiken interpretierte. Der sinnreichen dialogischen Inszenierung in einem der größeren Säle sind Themenräume vor- und nachgeschaltet, in denen die Schau etwas ins Schwimmen kommt. Die bedeutende Rolle der Fotografie im Werkschaffen beider ist unbestritten, insbesondere wenn es um die Erfindung der Reihenaufnahmen und der daraus resultierenden korrekten Darstellung von Beinstellungen galoppierender Pferde geht. Während Rodin aber das neue Medium vor allem als Arbeitsinstrument nutzt, in dem er Aufnahmen zur Nachjustierung und neuen Formfindungen überzeichnet, fotografiert Degas selber gerne und lotet neue Belichtungseffekte aus. Auch die Gegenüberstellung von Landschaften scheint etwas zwiespältig. Ihre Rolle ist völlig untergeordnet, bei Rodin mehr naturorientiert, bei Degas mathematisch kalkulierend gedeutet.

Wie sich Skandale höchst unterschiedlich auswirken können, dokumentiert Rodins 1877 ausgeführte Plastik „Der Besiegte“. Die realitätsnahe Gipsfigur eines nackten, verwundeten Soldaten stieß auf Kritik und konnte erst nach Mühen als eigenständiges Werk vermittelt werden. Später in Bronze gegossen, unter der Bezeichnung „Das eherne Zeitalter“ firmierend und vom französischen Staat angekauft, begründete sie Rodins künftigen Ruhm in Verbindung mit vielen weiteren öffentlichen Aufträgen und Ankäufen, allen voran dem „Höllentor“ oder den „Bürgern von Calais“. Edgar Degas betrat die Bühne der Bildhauerei auf der sechsten Impressionistenschau im Jahr 1881. Hier stellte er die lebensgroße Plastik einer „Kleinen Tänzerin von 14 Jahren“ vor, eine Wachsfigur mit echtem Tutu, seidenen Tanzschuhen und Echthaarperücke, konfrontiert mit seinen Pastellzeichnungen zweier damals berüchtigter Krimineller. Das Publikum brachte beides zusammen und interpretierte die Tänzerin als Prostituierte. Der unvermeidliche Skandal bewirkte, dass Degas seine vielen, im Folgenden geschaffenen Kleinplastiken nie ausstellte. Nach seinem Tod zerbröselt und ausgetrocknet aufgefunden, wurden zur Rettung 72 davon in Bronze gegossen.

Nach dem Eklat zog sich Edgar Degas verbittert zurück und konzentrierte sich auf Gemälde und Pastelle. Doch seine Tänzerinnen beherrschen auch den folgenden Saal. Elliptisch aufgebaut, verkörpern die durch Aufkleben von Wachs- und Tonklümpchen geschaffenen, eine unruhige Oberfläche zeigenden Kleinplastiken in der Abkehr vom glatten, flächigen klassizistischen Denkbild das Ideal impressionistischer Plastik. Tanz und Bewegung inspirierte auch Rodin. In zahlreichen Kleinplastiken setzte er sich erst spät nach 1900 mit Posen des damals aufkommenden Ausdruckstanzes auseinander.

Höchst aufschlussreich gestaltet sich die Prüfung der Wechselbeziehungen in der Erzeugung von Nähe und Distanz. Übereinstimmend schufen beide bei intimen Szenen einen Abstand zwischen Modell und Betrachter. Während Degas seine Frauen im Bade mittels Beckenränder oder Gegenstände auf Distanz hält, bewirkt Rodin durch roh belassene, vorstehende Steinbosse eine Art Schutzzone gegenüber der fein ausgearbeiteten, glatt polierten Figur.

Eine Art übergreifendes Resümee bietet zum Schluss der große Oberlichtsaal. Degas und Rodin warfen trotz divergierender künstlerischer Herangehensweisen Normen und Regeln über Bord und schufen wegweisendes Neues. Inspiriert vom Zerfall antiker Monumente geht Auguste Rodin bei seinen Großplastiken vom Fragmentarischen aus. Das absichtsvoll Nicht-Vollendete, das „Non-Finito“, führte zu neuen, ungemein kühnen Figuren. Der überlebensgroße „Schreitende Mann“ zeigt sich auf Rumpf und Beine reduziert. Auch das Bruchstückhafte der in Teilen gegossenen Plastiken animierte Rodin dazu, aus einzelnen, im Formenlager deponierten Fragmenten neue Werke zu schaffen. Die Figur „L’homme qui marche“ ist nichts anderes als die um Kopf und Arme reduzierte und in neuer monumentaler Größe kreierte Gestalt des heiligen Johannes.

Die Verquickungen aus Bruchstücken und Verkürzungen führen dann zu einer Intensivierung des Ausdrucks. Die Verbindung von heterogenen Teilen in einem anderen Ganzen, etwa bei den Köpfen und Händen der „Bürger von Calais“, weist weit ins 20. Jahrhundert und verweist bereits auf die Technik der Assemblagen und Collagen. Auch Edgar Degas schnitt später in seinen Pastellen Figuren ab und variierte sie in neuen Zusammenstellungen, um neue räumliche Gegebenheiten zu eröffnen. Das Spiel mit Teilen und einem Ganzen knüpft an seine fotografischen Experimente der Mehrfachbelichtung an. Surrealisten und Dadaisten nutzen später ähnliche Methoden.

Auguste Rodin und Edgar Degas beschäftigen sich entgegen den Vorstellungen der Salons intensiv mit der eigenen Zeit. Am Ende des Lebens war Rodin weltberühmt, vermögend und von Aufträgen überhäuft. Sein Werk vermachte er dem französischen Staat, der das Musée Rodin gründete. Degas, fast erblindet, zog sich in den letzten Lebensjahren aus der Öffentlichkeit zurück und führte ein einsiedlerisches Dasein. 77 Jahre haben sie gemeinsam in Paris gelebt. Sie haben sich gekannt und sind sich oft begegnet. Doch wie konkret ihr persönliches Verhältnis war und welchen Einfluss das Werkschaffen auf das des jeweils anderen hatte, dazu bietet die Schau einen allerersten Forschungsansatz.

Die Ausstellung „Degas & Rodin. Giganten der Moderne“ ist bis zum 26. Februar 2017 zu sehen. Das Von der Heydt-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags schon ab 10 Uhr geöffnet. An Heiligabend, 1. Weihnachtstag und Silvester bleibt das Museum geschlossen. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 25 Euro kostet.

Kontakt:

Von der Heydt-Museum

Turmhof 8

DE-42103 Wuppertal

Telefon:+49 (0202) 56 36 23 1

Telefax:+49 (0202) 56 38 09 1

E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de

www.degas-rodin-ausstellung.de



28.10.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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