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Das Wiener Kunstforum untersucht Sprache und Text im Schaffen Martin Kippenbergers

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Das Bank Austria Kunstforum in Wien startet in die Herbstsaison und widmet dem Wortkünstler, Sprücheklopfer, Situationskomiker und Maler Martin Kippenberger eine Ausstellung. Die umfassende Retrospektive, die das Wiener MUMOK dem Künstler 2003 und damit sechs Jahre nach seinem frühen Tod ausrichtete, liegt ebenso wie die Personale im Grazer Kunstverein von 2007/08 schon Jahre zurück, und nach immer spektakuläreren Erfolgen bei Verkäufen und Auktionen und den großen Kippenberger-Retrospektiven in der Londoner Tate von 2006, dem New Yorker MoMA von 2009 und dem Hamburger Bahnhof in Berlin von 2013 stand wohl auch in Wien die Überlegung zu einer neuerlichen Kippenberger-Schau als Fragezeichen im Raum. Um sich jedoch von vorangegangenen Präsentationen abzugrenzen, entschieden Kunstforums-Direktorin Ingried Brugger und Kuratorin Lisa Ortner-Kreil in enger Zusammenarbeit mit Gisela Capitain, die den Nachlass verwaltet, mit dem Fokus auf das Medium Sprache einen Einzelaspekt in Kippenbergers Schaffen zu filetieren.


Als „Fugenkitt“ bezeichnet Ortner-Kreil das von Kippenberger bevorzugte Medium, das die „einzelnen Werksäulen und -linien miteinander verbindet“. Als meist ironischer und hintersinniger Text im Bild, als Titel, als Witz, Comic, Slogan, Reim, Logo, in Form von Plakaten, Büchern, Gedichten und Songs hat Kippenberger Sprache und Text bereits früh und konsequent als konstituierenden Bestandteil in seine Werke integriert. In einer Zeit, als Ironie und Selbstironie nicht unbedingt zum Standardrepertoire des zeitgenössischen Künstlers gehörten, entwarf der gebürtige Dortmunder Martin Kippenberger provozierende Sprüche für seine Plakate, irritierte mit ebenso scharfsinnigen wie humorigen Titeln und fand im eigenen Ich die unverkennbare Marke im Kampf um größtmögliche künstlerische Aufmerksamkeit. „Dieser Mann sucht eine Frau“, verkündete der Exzentriker mittels eines Aufklebers, der Ende der 1970er Jahre zahlreiche Kneipentoiletten in Berlin dekorierte. Die Sticker-Aktion „Kippenberger raus aus Berlin“ vermittelte zwar eine gänzlich andere Aussage, erfüllte aber denselben Zweck: Aufsehenerregende Geschichten rund um Martin Kippenberger zu entwerfen, um im Gespräch zu bleiben – Geschichten, die der Künstler selbst entwarf und steuerte, um so einem Mythos jenseits tradierter Genregrenzen immer wieder neue Nahrung zu geben.

Stets ging es Martin Kippenberger jedoch auch um die Thematisierung und kritische Hinterfragung von Rahmenbedingungen, von denen des Kunstbetriebs ebenso wie der Kunst an sich. Und so arbeitete er sich an Théodore Géricault und Pablo Picasso ab, an Joseph Beuys und Gerhard Richter. Er wechselte die Rollen, gab das Malen von Bildern und Aquarellen in Auftrag, ließ Texte in seinem Namen schreiben, reflektierte das Ausstellungsmachen ebenso wie den Produktionskontext von Kunst. Dabei war ihm vor allem Humor ein wichtiges Instrument – und mit dem wird in der Wiener Ausstellung leider viel zu ernst umgegangen.

Zudem sind sehr viele Exponate bereits bekannt aus früheren Wiener Präsentationen: „Martin, ab in die Ecke und schäme Dich“ von 1989 oder „Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken“ von 1984 belegten schon 2003 im MUMOK Kippenbergers ständige Auseinandersetzung mit der ihn umgebenden Welt, mit gelebter und vermittelter Geschichte, Politik und Kultur. Auch die raumfüllende Birkenstamm-Installation „Tiefes Kehlchen“ von 1991 war im MUMOK und zuvor im Rahmen der Projektreihe „Topographie. Sachdienliche Hinweise“ der Wiener Festwochen in einem Bautunnel der U-Bahnlinie U3 gezeigt worden. Kippenberger inszenierte damals nach eigenen Worten eine „Kunstgeisterbahn“, die zunächst von Presse und Kulturinstitutionen angefeindet wurde, heute aber als einer der Höhepunkte seines Schaffens gilt.

Wenn Kippenberger Bilder von einem Plakatmaler anfertigen ließ, so schwang darin der fatalistische Ulk des Eingeweihten mit. Und wenn er etwa für die Installation „Weiße Bilder“ von 1991 einem legasthenischen Jungen Kataloge seiner Bilder zeigte, ihn um eine Beschreibung bat und die kindlichen Kommentare auf weißer Leinwand mit weißer Lackfarbe nachschrieb und mit der Note „sehr gut“ bewertete, dann waren diese Leinwände zugleich eine ironische Anspielung auf die Kunstkritik und ein Sich-Lustig-Machen über den Kunstbetrieb, den White Cube und dessen Aura des Aseptischen.

Dem schweren Rucksack der Geschichte, den die deutschen Nachkriegskünstler geschultert hatten, begegnete Martin Kippenberger mit beißender Ironie. Er spottete über die Aura des Originals und bediente sich hemmungslos der dumpfen Botschaften einer Konsumkultur. Aber statt anzuprangern, bedachte Kippenberger seine Installationen wie „Jetzt geh ich in den Birkenwald, denn meine Pillen wirken bald“ von 1990 mit denkenswerten Schüttelreimen. Dafür wurde er kritisiert, lange Zeit nicht ernst genommen. Dass bei Kippenberger alles nur ein zynischer Witz sei, wie seine Kritiker seit je moniert haben, ist ebenso präzise wie unzutreffend.

Kippenberger war ein Selbstdarsteller. Seine überbordenden Einfälle, seine Provokationen, Respektlosigkeiten und Liebesbezeugungen provozierten und stießen das Publikum mit Banalitäten und Plumpheiten vor den Kopf, um es mit klugem Sprachwitz gleich wieder für sich einzunehmen. Egal, ob er von dandyhassenden Punks aufgemischt und schwer verletzt wurde – „Dialog mit der Jugend“ – oder einfach nur einen aufreizenden Titel für eine Ausstellung beziehungsweise einen Katalog finden musste – „Die Revolution muss verschoben werden. Die Künstler fühlen sich heute schwach“ –: „Kippy“ fabrizierte stets etwas Kunst- und Bedeutungsvolles, das sich oft nicht in eine artifizielle Kategorie einordnen ließ. „Kunst wird sowieso ja erst im Nachhinein betrachtet“, meinte Kippenberger 1991, „von außen aus, viel weniger in dem Moment, wo sie entsteht. Ich würde sagen, 20 Jahre ist der Zeitraum. Danach stellt man fest, wie das Werk, der Künstler eigentlich gewirkt haben. Was dann die Leute von mir ERZÄHLEN werden, entscheidet. Ob ich gute Laune verbreitet habe oder nicht. Und ich arbeite daran, dass die Leute sagen können: Kippenberger war gute Laune!“

„EU-FO-RIE“ machte Kippenberger zu seinem Schlachtruf an die Kunstwelt, mit dem er sich lautstark gegen die von ihm sogenannte „Depri-Kunst“ abgrenzte. Ina Barfuss, Malerkollegin und Freundin, erzählt davon in ihrem kurzen Beitrag in dem die Ausstellung begleitenden Katalog, der mit einer Fülle von Texten, Interviews, Gesprächen und einem Fotoessay von der Fotografin und ehemaligen Lebensgefährtin Kippenbergers Elfie Semotan aufwartet und damit Hintergründe bereitstellt, die die Ausstellung selbst nicht bietet. An vielen Stellen ist kuratorische Nonchalance zu spüren, es fehlt an Vertiefung, Erklärung der Querbezüge in diesem an Anspielungen so reichen Werk. Den Zenit an Anerkennung hat Martin Kippenberger inzwischen wohl erreicht, auf die fundierte Aufarbeitung dieses vielschichtigen, durchdachten und reflektierenden Werkes muss man wohl noch länger warten.

Die Ausstellung „Martin Kippenberger“ ist bis zum 27. November zu sehen. Das Bank Austria Kunstforum hat täglich von 10 Uhr bis 19 Uhr, freitags von 10 Uhr bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 11 Euro, für Senioren 8,50 Euro und für 17- bis 27jährige 6 Euro, zudem gibt es eine Juniorkarte für 6 bis 16 Jahre für 4 Euro. Der Katalog aus dem Verlag der Buchhandlung Walther König kostet 32 Euro.

Kontakt:

Bank Austria Kunstforum

Freyung 8

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 557 33 26

Telefax:+43 (01) 557 33 27

E-Mail: office@kunstforumwien.at



19.10.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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