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Journal

Nach mehrjähriger Restaurierung ist am Wochenende die Wittenberger Schlosskirche wiedereröffnet worden. Laut Überlieferung soll Martin Luther 1517 am Hauptportal seine Thesen angeschlagen und damit die Reformation ausgelöst haben

Die Keimzelle der Reformation erstrahlt im neuen Glanz



Turm der Schlosskirche in Wittenberg

Turm der Schlosskirche in Wittenberg

Filigran ausgearbeitet, als wäre er in Holz geschnitzt, schwebt der bauchig aufgeblähte Glockenstuhl wie eine Krone über Wittenberg. Die weithin sichtbare überkuppelte Turmspitze der Schlosskirche weist wie von alleine die Route zum westlichen Ortsende. Rund 200.000 Besucher aus aller Welt wollen alljährlich den Ort in Augenschein nehmen, an dem vor 500 Jahren die Reformation ihren Ausgang nahm. Nach vierjähriger Reinigung, Restaurierung und technischer Aufrüstung zeigt sich die Saalkirche nun adrett herausgeputzt und zurückversetzt auf den wilhelminischen Zustand von 1892. Im Beisein deutscher und ausländischer Staatsspitzen, allen voran Königin Margrethe II. von Dänemark, ist das Gotteshaus am Sonntag feierlich wiedereröffnet worden.


Schon jetzt ist es schwierig, aus der ersten Reihe einen Blick auf den mittig in der Front zum Schlossplatz liegenden Haupteingang, das „Thesenportal“, zu werfen, so magisch werden die Massen angezogen. In sechs Spalten geordnet, listen zwei Bronzeflügel die von Martin Luther als Protest gegen den Ablasshandel kirchlicher Bußstrafen verfassten 95 Thesensätze auf. Entgegen vielfacher Auslegungen ist sich heute die Wissenschaft einig, dass wohl kaum der Reformator persönlich den Thesenanschlag an die hölzerne originale Tür nagelte, die im Siebenjährigen Krieg 1760 zugrunde ging. Vielmehr dürfte ein Mitarbeiter das Plakat mit Leim angeklebt haben, wie es seinerzeit bei der Ankündigung akademischer Diskurse in der Universitätskirche üblich war. Die Thesentür war quasi das Schwarze Brett der Wittenberger Uni. Dem preußischen Konservator Ferdinand von Quast wurde die Planung der 1858 enthüllten, pompösen Neufassung übertragen. Zum Schmuck des vielfach gegliederten Portals trugen der Bildhauer Friedrich Drake mit zwei lebensgroßen Wächterfiguren der sächsischen Kurfürsten Friedrich und Johann über dem Spitzbogen und der Maler August von Klöber das Tympanongemälde bei, das die Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon kniend unter einem Kreuz zeigt.

Bis 1892 sollte dann die gesamte Schlosskirche zu einer Art Ruhmeshalle der Reformation preußisch-deutscher Prägung im Auftrag des Kaiserhauses umgestaltet werden. Das Innere der ab 1497 als Nordtrakt des dreiflügeligen Schlosses vom Baumeister Conrad Pflüger im Übergangsstil zwischen Gotik und Renaissance errichteten Emporenkirche war oft Umgestaltungen ausgesetzt. Renommierte Künstler wie Albrecht Dürer, Tilman Riemenschneider oder Lucas Cranach d.Ä. waren an der Ausstattung der im Januar 1503 geweihten Schlosskirche beteiligt. Sie diente zudem der 1502 gegründeten Universität Wittenberg als akademisches Gotteshaus. Rektoratsreden, Antrittsvorlesungen oder Promotionsfeiern fanden hier rund 300 Jahre lang bis zur Verlegung der Hochschule 1817 nach Halle statt. Im Jahr 1508 kam der Augustinermönch Martin Luther als Student der Theologie nach Wittenberg.

1813 nahmen preußische Truppen die von Napoleon besetzte Stadt unter Beschuss. Teile der Kirche brannten ab. Wittenberg wandelte sich von der beschaulichen Universitäts- und Residenzstadt zur Garnisonsstadt. Ins Schloss zogen Soldaten ein. Unter Kaiser Wilhelm I. wurde das Kircheninnere ab 1875 „im Charakter der lutherischen Zeit“ wiederhergestellt. Der Regierungsbaumeister Friedrich Adler entwickelte ein weitschweifiges aufgeplustertes Ausstattungsprogramm über den Triumph der Reformation. Er ließ alle Einbauten entfernen, und unter einem neuen Netzdeckengewölbe entfaltete sich nun ein detailliert ausgeklügeltes Propagandaprogramm. Entlang der Pfeiler fanden neun überlebensgroße Standbilder der Reformatoren ihren Platz. 22 Bronzemedaillons würdigen eng mit der Reformation verknüpfte Persönlichkeiten, darunter Künstler wie Hans Sachs, Albrecht Dürer und Lucas Cranach. Weitere 22 Fürsten und 30 Adelige sind als Förderer der Reformation mit ihren Wappen präsent.

Das in rund zweieinhalb Metern Tiefe nahe der Kanzel liegende Grab Martin Luthers fand nun besondere Betonung, indem die Inschriftenplatte vom Fußbodenniveau auf einen Sockel erhöht wurde. Besonders beeindruckend ist das vom Wittenberger Bildhauer Wilhelm Lober geschaffene Fürstengestühl im Altarraum. Es enthält zwei mal elf Sitze für die protestantischen Reichsstände. Den Höhepunkt bildet der aus der Achse gerückte thronartige Stuhl des deutschen Kaisers, wohl die eindrücklichste Illustration des Konzepts vom Bündnis aus Thron und Altar. Nur ein Mal wurde das Gestühl inklusive Kaiserthron von den ihnen zugedachten Personen genutzt, nämlich zur sorgsam inszenierten Weihe im Rahmen eines Festgottesdienstes am 31. Oktober 1892.

Künftig wird das für rund 7,8 Millionen Euro sanierte Gotteshaus nicht mehr straßenseitig, sondern vom Schlosshof aus durch einen neuen Eingang und ein Besucherzentrum erschlossen. Dazu musste eine neue Tür zum Schlosstrakt eingebrochen werden, mit der ohne Konkurrenz zur vorhandenen Kunstausstattung ein eigenständiger künstlerischer Akzent der Jetztzeit gesetzt werden sollte. In einem Wettbewerb konnte sich der Berliner Bildhauer und Kunstgießer Marco Flierl durchsetzen. Die grünlich schimmernden Türblätter zeigen in einem Medaillon den Lebensbaum der Reformation, während außenseitig vier apokalyptische Reiter galoppieren. Das eigenwillig gestaltete und gleichfalls umfassend sanierte Schloss des Kurfürsten Friedrich III. von Sachsen mit geöffneten Wendelsteinen und Zellengewölben in den Hofecken nimmt ab kommenden Frühjahr wieder Lehr- und Arbeitsräume des evangelischen Predigerseminars auf.

Von der Maßwerkgalerie des Schlossturms aus bietet sich ein grandioser Blick über die Stadt auf weitere zum UNESCO-Welterbe zählende Stätten. Vorbei am Marktplatz mit den von Johann Gottfried Schadow geschaffenen Standbildern Luthers und Melanchthons führt der Weg zur Stadtkirche St. Marien. Hier in der Mutterkirche der Reformation, in der einst Martin Luther zu predigen pflegte, wird das Innere vom großartigen Altarbild der Cranachs beherrscht. Rasch erreichbar ist von hier aus das gleichfalls zum UNESCO-Erbe zählende einstige Wohnhaus Martin Luthers. Heute gilt es als größtes reformationsgeschichtliches Museum weltweit und präsentiert aktuell die Ausstellung „Martin Luther. Sein Leben in Bildern“. Luther ist die am meisten bildlich dargestellte Persönlichkeit der deutschen Geschichte. Einen aufschlussreichen Überblick über die künstlerische Luther-Rezeption der letzten 500 Jahre geben im Augusteum die 260 Grafiken, Objekte und Historiengemälde. Eine Flut von Darstellungen ergoss sich im 19. Jahrhundert über Schulen bis hin zum heimischen Wohnzimmer. Das 1886 vom Münchner Hochschulprofessor Heinrich Stelzner gemalte „Pfingstkonzert“ ist dafür ein treffendes Beispiel. Gegliedert in zwölf Kapiteln wie „Thesenanschlag“, „Auftreten vor dem Wormser Reichstag“ oder „Eheschließung“ begegnet man auch Werken renommierter Künstler wie Adolph von Menzel, Ernst Barlach oder Lovis Corinth.

Für Reisende auf Luthers Spuren bieten sich Abstecher nach Eisleben und Mansfeld an. Wenige Monate nach Martins Geburt zog die Familie Luder nach Mansfeld, wo Martins Vater Hans es im Hütten- und Bergewerksrevier zum wohlhabenden Unternehmer brachte. So konnte er dem zweitältesten Sohn Martin ein Studium ermöglichen. Bis 1497 verbrachte Martin Luder seine Kindheit in Mansfeld. Erst 1517 übrigens änderte er seinen Nachnamen in Luther in Anspielung auf das griechische Wort „eleutheros“ für Befreier. Im heute nur noch zu einem Drittel erhaltenen Elternhaus Martin Luthers sowie einem schräg gegenüber im Jahr 2014 eingeweihten Waschbetonneubau des Berliner Büros Anderhalten Architekten berichten Präsentationen vom Alltag der recht wohlhabenden Familie Luder.

Geboren wurde Martin Luther am 10. November 1483 kurz vor Mitternacht in Eisleben, wo sein Vater Hans Luder, Spross eines Bauerngeschlechts aus der Gegend um Eisenach, eine Anstellung als Bergbauarbeiter fand. Ebenfalls in Eisleben verstarb Martin Luther am 18. Februar 1546 im Alter von 62 Jahren. Beim Standbrand von 1689 wurde Luthers Geburtshaus zerstört und 1693 als Museum wieder aufgebaut. An diesem Ort berichtet nun eine Dauerausstellung von Luthers Herkunft, Taufe und vom Leben im Mittelalter. Luthers Sterbehaus am Marktplatz wurde 1570 abgerissen. Da nach der Auffassung des 19. Jahrhunderts wahres Gedenken nur in historischer Umgebung möglich ist, wurde zwischen 1863 und 1865 wenige Schritte weiter das „falsche“ Sterbehaus vom Architekten Friedrich August Ritter in neuer Interpretation nachgebaut. Sterbezimmer und angrenzende Stube sind mit viel Fantasie im historistischen Ambiente ausgestattet. Einziges Original ist das seidene Bahrtuch, das 1546 den Sarg des Reformators bedeckte. Mitten auf dem Marktplatz von Eisleben ragt eindrucksvoll das 5,60 Meter hohe Standbild Luthers hervor. Geschaffen vom Berliner Bildhauer Rudolf Siemering, dessen internationale Berühmtheit vom George Washington-Denkmal in Philadelphia herrührt, ist es ein auffallendes Zeichen dafür, wie in der Vermengung von realer Geschichte und Legenden Luthers Werk auch die Kunst nachhaltig beschäftigte und inspirierte.

Die Ausstellung „Martin Luther. Ein Leben in Bildern“ ist bis zum 29. Januar 2017 zu sehen. Das Augusteum im Vordergebäude des Lutherhauses hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro. Ein thematischer Begleitband kostet an der Museumskasse 7 Euro.

Kontakt:

Lutherhaus Wittenberg

Collegienstraße 54

DE-06886 Lutherstadt Wittenberg

Telefon:+49 (03491) 420 31 18

Telefax:+49 (03491) 420 32 70

E-Mail: info@martinluther.de



04.10.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Die Schlosskirche in Wittenberg
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Im Elternhaus von Martin Luther in Mansfeld

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