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Noch bis zum kommenden Wochenende ist die Triennale für Kleinplastik in Fellbach zu sehen, die heuer unter dem Motto „Food“ steht. Und vergessen Sie nicht, sich ein Einmachglas mit Gürkchen oder Marmelade mitzunehmen

Es ist angerichtet!



Endspurt im beschaulichen Fellbach bei Stuttgart. Seit drei Monaten ist dort die Triennale Kleinplastik in der restaurierten Alten Kelterhalle zu sehen, riechen und schmecken. Denn die nunmehr 13. Triennale fand unter dem Motto „Food – Ökologien des Alltags“ statt. Von süßlich duftenden Karamellbonbons über prickelnd-scharfe Schnäpse bis hin zu ekelerregend gammligem Käse in hübschen Kristallglasbonbonnieren fand sich dort so ziemlich alles, was man sich im ersten Moment unter dem Thema vorstellt. Doch Kuratorin Susanne Gaensheimer dachte weiter und bezog Fragen der Ernährung und Herkunft von Lebensmitteln, ökologische Wechselbeziehungen und den Hinweis auf soziale Ungerechtigkeiten mit ein. Ausgedrückt wurde dieser Diskurs – getreu dem Titel der Triennale – über das skulpturale Klein- und Kleinstformat.


Seit über drei Jahrzehnten zieht Fellbach namhafte Kuratoren und internationale Gegenwartskünstler an und lässt deren künstlerische Positionen unter einem verbindenden Motto aufeinander treffen. Auch die diesjährige Kuratorin ist keine Unbekannte. Die 49jährige Susanne Gaensheimer ist die Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt, davor leitete sie etwa die Sammlung der Städtischen Galerie im Münchner Lenbachhaus. Zudem verantwortete Gaensheimer bereits zum zweiten Mal den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig. Gerade ihren berufsbedingten Kontakten sind denn auch die mehr als 40 beteiligten Künstler aus aller Welt zu verdanken, die sich in der Alten Kelter noch bis zum 2. Oktober die Ehre geben, darunter Abbas Akhavan, Banu Cennetoglu, Simon Fujiwara, Mauricio Guillén, Lena Henke, Dan Rees, Dana Sherwood oder Cathy Wilkes.

Namensgeber der alle drei Jahre stattfindenden Gruppenausstellung ist heuer das Restaurant- und Kunstprojekt „Food“ des New Yorker Konzeptkünstlers Gordon Matta-Clark. Im Oktober 1971 eröffnete er in Manhattan das gleichnamige Restaurant, das von ihm und seinen Mitinitiatoren als Künstlerplattform, Einnahmequelle und eigenständiges Kunstwerk gedacht war. Den Architekten in Matta-Clark inspirierte diese Kombination aus Essen und Baukunst zu seinen ersten Cuttings, den Schnitten durch Gebäudeteile mittels Motor- und Handsägen, um so ihr Innenleben offen zu legen. Sie machten ihn in den Folgejahren berühmt. Neben Matta-Clarks historischer Position bilden auch die eingangs erwähnten Karamellbonbons von Félix González-Torres, die als Kunstwerk des Konsums einzig für ihre Zerstörung durch Verzehr produziert werden, und Paul Theks hyperrealistische Meat Pieces – auf Bauschrott angebrachte Wachsstücke, die wie echte Fleischklumpen und Körperteile wirken – den Bezugsrahmen der Schau.

Mit größeren Werkgruppen sind Andrea Büttner und Laure Prouvost vertreten. Büttner stellt bemalte Steine anderer Künstler verschiedener Kulturen aus, die sie mit Moos bewachsenen Tuffsteinen kombiniert. Sie sind Büttners botanischer Ausdruck für Bescheidenheit, die sie wiederum in einem Vergleich von Arm und Reich anhand verschieden geschmückter Tische verdeutlichen will, womit denn auch die Brücke geschlagen ist zum Ort der Zusammenkunft und einer gemeinsamen Mahlzeit. Weniger subtil ist die Aussage von Prouvosts depressiven Pflanzen, die einfach nur Beachtung oder Wasser möchten, und sprechenden Früchten, die als Multimediakunstwerk die Essensvorlieben der westlichen Gesellschaft durch den Kakao ziehen: „This pineapple fills sea sick from all the travels it has done“ oder „This apple here has the power to turn everything here into moldy dust“.

Eine Schlüsselrolle nehmen die Arbeiten Subodh Guptas ein. Sie stellen einen Bezug zu seiner Heimat Indien her, zu ihren rasanten äußeren Veränderungen bei gleichbleibend traditionellen Vorstellungen im Kern. „Season“ wirkt wie eine Ansammlung reifer Mangos – die Nationalfrucht Indiens – auf einem alten Nähtisch. Tatsächlich sind sie aus täuschend echt bemalter Bronze gefertigt. Wegen ihrer Omnipräsenz als Alltagsgegenstand angesehen und auf allen verfügbaren Flächen im Haus zum Reifen abgelegt, ist aber gerade der Nähtisch ein Relikt der Kolonisierung des 19. Jahrhunderts und Symbol der Textilproduktion. Das Thema Essen bildet für Gupta auf fantasievolle Art die Manifestation der indischen Kultur: ein Kontrast zwischen Tradition und Moderne.

Zum achten Mal wurde anlässlich der Eröffnung der Triennale im Juni auch wieder der Ludwig Gies-Preis für Kleinplastik der Kölner Letter Stiftung verliehen. Ausgezeichnet wurden Björn Braun und Att Poomtangon, die tatsächlich zu den Blickfängern der Skulpturenschau zählen. Die minimalistischen Arbeiten Brauns spiegeln das Verhältnis von Mensch und Natur wider: Er hält Vögel in seinem Atelier, stellt diesen von ihm ausgewählte Materialien wie Alufolie oder Plastikblumen zur Verfügung und lässt sie daraus feingliedrige Nester bauen, die er zur Kunst erhebt und ausstellt. Das Selbstverständnis des Menschen im Umgang mit der Umwelt beschäftigt auch den Thailänder Att Poomtangon, dessen Skulpturen durch ihre dekorative Erscheinung ihre Aussage nicht sofort erkennen lassen. Für die prämierte Arbeit „Nouvelle Cuisine Fast Food“ ist die Entschlüsselung der Materialien ausschlaggebend: Ganze Menüs zerlegte er in Einzelteile, fror die Komponenten ein, goss sie in transparentem Kunstharz und setzte sie danach wie bei einem Burger zu einem Gebilde zusammen, das wie eine Zwiebel oder Chilischote geformt ist.

Was es denn mit dem Einmachglas auf sich? Passend benannt präsentieren Valentin Beck und Adrian Rast in ihrer Abschlussarbeit „Ein’Mach’Ende – so wollen wir leben“ ein Regalsystem aus wieder verwendbaren Europapaletten, das prall gefüllt ist mit einer Vielzahl von Einmachgläsern. Die Paletten weisen natürlich auf Massenproduktion und weltweit zirkulierenden Warenaustausch hin. Die Gläschen haben die beiden mit Nahrungsmitteln selbst gefüllt, die sie beim Containern gefunden haben – eine Kritik an den augenscheinlichen Übermengen an aussortierten, aber noch vollkommen intakten Lebensmitteln, die in den Supermärkten und Haushalten der westlichen Welt im Müll landen. Besucher dürfen sich ein Gläschen mitnehmen im Tausch für etwas anderes, sei es etwas zu essen, Geld oder eine Kontaktadresse, um sich zu einem Gespräch über Essen zu verabreden.

Mit 3.000 Quadratmetern bietet die Alte Kelter in Fellbach eine der größten Ausstellungsflächen in Süddeutschland und damit genügend Raum für allerlei Kreativität. Zu jeder Triennale ändert auch sie ihre Gestalt. Industriearchitektur trifft auf Holzfachwerk, die in diesem Jahr noch durch ein gigantisches weißes Zelt bereichert wurde, das das Berliner Architekturbüro Kühn Malvezzi in der gesamten Halle spannte und sie so in verschiedene Sektionen teilte. Fast kommt man sich zwischen all den Ausstellungsstücken aus der ganzen Welt selbst wie ein Nomade vor, der von Zelt zu Zelt zieht und die verschiedenen nationalen Interpretationen des Themas „Food“ kennen lernt. Zugegeben, das diesjährige Motto ist nicht bahnbrechend oder neu; es gab sicherlich in den 12 vorhergehenden Schauen auch qualitätvollere Kleinplastik zu bestaunen. Doch einmal mehr lohnt sich der Ausflug nach Fellbach, denn viel zu selten wird dem Kleinstformat in der Kunst gehuldigt, und viel zu selten geschieht das in einem solchen Ambiente und mit so viel Herzblut aller Beteiligten.

Die 13. Triennale Kleinplastik ist noch bis zum 2. Oktober in Fellbach zu sehen. Die Alte Kelter hat täglich außer montags von 14 bis 19 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 21 Uhr und am Wochenende bereits ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt Euro. Anlässlich der Ausstellung ist ein Katalog für 24 Euro im Kerber Verlag erschienen.

Alte Kelter Fellbach
Untertürkheimer Straße 33
D-70734 Fellbach

Telefon: +49 (0)711 - 58 51 364
Telefax: +49 (0)711 - 58 51 119



27.09.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Viviane Bogumil

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