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Journal

Die Oberschwäbische Barockstraße besteht heuer 50 Jahre. Sie beleuchtet das Phänomen Barock von mehreren Seiten

Glanz und Taumel unter Honigschleckern



Johann Georg Dirr, Der Honigschlecker in der Klosterkirche Salem, 1779

Johann Georg Dirr, Der Honigschlecker in der Klosterkirche Salem, 1779

Grüne saftige Wiesen, sanfte Hügel, idyllische Dörfer, die Alpenkulisse im Hintergrund – so präsentiert sich Oberschwaben. Etwas despektierlich oft als „Hinterland des Bodensees“ tituliert, ist der Landstrich zwischen Ulm und St. Gallen, zwischen Donau und Bodensee zumindest für traditionell orientierte Menschen eine paradiesisch anmutende Gegend des Glücks. Hier, wo Milch und Honig fließen, wo Kirchen, Klöster, Kapellen und Wegkreuze samt dem üblichen „Grüß Gott“ die himmlisch religiöse Prägung offenbaren, scheint die Welt noch in Ordnung. Die Bauten geistlicher, aber auch weltlicher Herrscher haben eins gemein: Sie sind vorherrschend dem Barock verpflichtet, den man hier wie sonst kaum in einzigartiger Vollendung zusammen mit der Natur erfahren kann. Dem Reisenden, speziell dem Eisenbahntouristen eröffnen sich Sichtweisen, wie sie im volkstümlich derben Lied „Auf der Schwäb’sche Eisenbahne“ seit 150 Jahren anklingen.


Die Oberschwäbische Barockstraße feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Auf 760 Kilometern, vier Routen und über 50 Stationen bietet sie ihren Besuchern viele barocke Erlebnisse. Das Himmlische lässt sich am besten am Bodensee erfahren. Nahe Überlingen thront majestätisch hoch über dem Wasserspiegel die Wallfahrtskirche Birnau, von deren Vorplatz sich ein geradezu atemberaubender Blick über das schwäbische Meer bietet. Das ab 1746 nach Plänen des Baumeisters Peter Thumb errichtete Gotteshaus inszeniert im Innern exemplarisch barocke Ausdruckskraft. Üppige Formen, pompöse Architektur und Ausstattung und lebendige Farben prägen das belebte barocke Zusammenspiel. Zahlreiche Figurengruppen bevölkern das lichterfüllte helle Kirchenschiff und stehen im Dienst der Gesamtarchitektur. Voller Dynamik, Theatralik und Pathos zeigen sich die teils hageren und schlanken, teils fülligen Putten, Knaben und Heiligen energisch gedreht in übersteigerter Gestik und Mimik, um intensiv Freude, Schmerz oder Leidenschaften zum Ausdruck zu bringen. Berühmteste Gestalt unter den vielen, vornehmlich von dem Stuckateur Joseph Anton Feuchtmayer geschaffenen meisterhaften Figuren ist der „Honigschlecker“. In der rechten Hand einen Bienenkorb tragend, leckt der Knabe mit dem linken Zeigefinger den Honig ab. Er verkörpert die „honigweiche“ Beredsamkeit und den Bienenfleiß des Zisterziensers Bernhard von Clairvaux, warnt andererseits auch vor süßen Versuchungen.

Über den Prälatenweg gelangt man zum Mutterhaus der Filialkirche, ins ehemalige Zisterzienserkloster Schloss Salem. Mit großer Macht zeigt sich in diesem weitläufigen Gesamtkunstwerk die barocke Prachtentfaltung in ihrer vollendeten Form. Nach einem verheerenden Brand wurde das Kloster ab 1697 von dem Vorarlberger Architekten Franz Beer als zweifach gespiegelte imposante Vierflügelanlage von Grund auf neu errichtet; nur die gotische Kirche blieb weitgehend verschont. Das Innere jedoch wurde frühklassizistisch umgestaltet, erkennbar an der isolierten Motivbildung bei der Überformung von Altären und Figurengruppen in Alabaster. Johann Georg Dirr schuf hier 1779 den „kleinen Bruder“ des Birnauer „Honigschleckers“, wiederum als Attribut Bernhard von Clairvaux’. Die gigantische, ausgedehnte Schlossanlage dient seit der Säkularisation 1802 bis heute als Residenz des großherzoglichen Hauses Baden, als Internatsschule und als Museum. Die 2009 weitgehend vom Land Baden-Württemberg erworbene Anlage verdeutlicht die Annäherung geistlicher Herrschaftsarchitektur an diejenige weltlicher Machthaber zu einer Zeit ungebrochener Bauwut. Nicht versäumen sollte man einen Blick in das Appartement des Abtes im Prälaturtrakt, dessen überbordend ausgestatteter Kaisersaal ein Höhepunkt barocker Baukunst in Oberschwaben ist.

Die Barockroute führt dann zum weniger bekannten Kloster Sießen, in dem seit 1860 Franziskanerinnen beheimatet sind. Baumeister war Dominikus Zimmermann, einer der maßgeblichen Barockarchitekten Süddeutschlands, dessen Bruder Johann Baptist die Deckenfresken der voller Lichtfülle, heiterer Farben und Formen ausgezeichneten Wandpfeilerkirche malte. Die in dem südlichen der vier Flügel des Konvents eingetiefte Kloster- und Pfarrkirche St. Markus offenbart ein weiteres Merkmal der Barockepoche. Im linken, der Muttergottes gewidmeten Seitenaltar ruht in einem gläsernen Schausarg das Skelett der heiligen Concordia. In kunstvoller Pose und verhüllt in edelsteingeschmückten Brokat- und Seidengewändern verweist die schaurig-schöne Zurschaustellung auf den immensen Aufschwung des Reliquienkults im Barockzeitalter. Die strikte Ablehnung von Reliquien als Verweis auf die Zeugen des Glaubens durch Martin Luther löste nun eine neue Würdigungswelle aus, befördert durch die Wiederentdeckung römischer Katakomben ab 1578 und die Erforschung altkirchlicher Märtyrer. In der Folge gelangten zahlreiche Reliquien in den süddeutschen Raum. Durch die Verbindung von Zeit und Ewigkeit entsprachen sie in besonderer Weise dem barocken Empfinden.

Zu den wichtigsten Räumen barocker Klöster gehören prachtvoll ausstaffierte Bibliotheken als Verkörperung von Weisheit und Wissenschaft. Benediktiner, Zisterzienser oder Prämonstratenser strebten danach, sämtliches Wissen in ihren Mauern zu versammeln. An die Stelle mittelalterlicher Pultbibliotheken traten im Barockzeitalter zweigeschossige Säle mit von Säulen getragenen Emporen, die nicht nur Arbeitsräume waren, sondern auch der Wissens- und Machdemonstration dienten. Im ehemaligen Prämonstratenserkloster Schussenried wird erlebbar, wie sich Bibliotheken zum eindrucksvollsten Raum neben der Kirche entwickelten. Der elegante, lichtdurchflutete Bibliothekssaal ist mit hellen Pastelltönen, aufschwingender Galerie, Figuren, Bildern und Fresken überbordend reich dekoriert. Nur wenige Kilometer weiter steht mit der „schönsten Dorfkirche der Welt“ eines der größten Meisterwerke des Barock. Die Wallfahrtskirche Steinhausen wurde ab 1728 von den Brüdern Dominikus und Johann Baptist Zimmermann geschaffen. Ihnen gelang die überaus geschickte Verschmelzung einer Pfeilerhalle mit einem Zentralbau. Das über und über mit Fresken und Stuck ausgestattete Meisterwerk verkörpert nachdrücklich den Anspruch eines Kirchenbaus als Thronsaal Gottes.

Aber auch gerade die Lebensräume des „einfachen Volkes“ werden auf den Routen der Barockstraße angesprochen. So lohnt es sich, im Vergleich dazu die Stiftskirche St. Peter im nahen Bad Waldsee in Augenschein zu nehmen. Im Innern ebenfalls von Dominikus Zimmermann barockisiert, zeigt sich die städtische Bürgerkirche mit ihren markanten über Eck gesetzten Türmen in einer recht sparsamen, aber nicht minder originellen Ausstattung. Wer sich für den bäuerlichen Lebensalltag interessiert, kommt an einem Besuch des Oberschwäbischen Museumsdorf Kürnbach nicht vorbei. Rund 30 strohgedeckte und weitgehend noch original ausgestattete Eindachhöfe gruppieren sich hier zwischen Streuobstwiesen und Tiergehegen. Deutlich ersichtlich ist die funktionale Bauweise in der Aneinanderreihung von Wohntrakt, Kutscheneinfahrt mit Heulager und Tierställen. Hier wird deutlich, dass der Barock weit mehr ist als Puder, Pomp und Dekadenz, sondern maßgeblich den Weg in die Aufklärung und moderne Gesellschaft geebnet hat.

Wer sich selber einmal als Barockfürst inszenieren möchte, kann dies auf der Bodenseeinsel Mainau praktizieren. An der Stelle der alten Burg errichtete der Deutsche Orden hoch oben auf dem Inselfelsen ein adrettes bauliches Ensemble in den rotgelben Farben seines Wappens mit südlich vorgeschobener Kirche. Der Ordensbaumeister Johann Caspar Bagnato, schuf mit der Schlosskirche St. Marien eine außergewöhnlich graziöse Raumgestalt. Als deren Krönung gilt die von Franz Joseph Spiegler mit der Auffahrt Mariens in lichten Farben ausgemalte Flachkuppel. Die reich dekorierten Säle im angrenzenden, hufeisenförmigen Schloss können für Veranstaltungen gemietet werden.

www.barockstrasse2016.de



07.09.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Der Chorraum in der Abteikirche Salem
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Das ehemalige Schloss des Deutschen Ordens auf der Insel Mainau

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Inneres der Stiftskirche St. Peter in Bad Waldsee

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Der Prälaturtrakt von Schloss Salem

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Die Stiftskirche St. Peter in Bad Waldsee

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Inneres der Wallfahrtskirche Steinhausen

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Der Kaisersaal in Schloss Salem

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Eindachhof im Oberschwäbischen Museumsdorf Kürnbach

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Der Chorraum in der Abteikirche Salem

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Bauerngarten im Oberschwäbischen Museumsdorf Kürnbach

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