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Kaum zu glauben: Aber auch die für ihre alle Dimensionen sprengenden Großformate bekannte Malerin Katharina Grosse hat einmal mit handlichen Leinwänden angefangen. Die Entwicklung ihres Werks von den frühen 1990er Jahren bis heute zeigt eindrucksvoll eine Ausstellung im Museum Frieder Burda in Baden-Baden

Das anarchische Potential der Farbe



Denkt man an die Berliner Malerin Katharina Grosse, so kommen einem sofort Bilder in den Kopf, die eine hart arbeitende Frau im farbbespritzten Ganzkörperschutzanzug zeigen. Ihr Kopf ist dabei meist unter einer an einen Astronautenhelm erinnernden Atemmaske verborgen, in den Händen hält sie eine Sprühpistole, durch deren feine Düsen Pigmentnebel nach außen dringen und alles mit Acrylfarbe überziehen, was ihnen in die Quere kommt. 1961 in Freiburg im Breisgau geboren, lebt und arbeitet sie heute in Berlin. Seit 2010 hat Grosse eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf inne, seit rund 25 Jahren sind ihre Arbeiten, aber auch ihre temporären Interventionen weltweit gefragt.


Insbesondere die Überwindung der Limitierungen der Leinwand in Form einer radikalen Einbeziehung von Wand, Decke und Boden des Ausstellungsraumes ist seit 1998 zu einer Art Markenzeichen der Künstlerin geworden. Farbe wird bei ihr zum Erfahrungsraum, in dem der Betrachter dazu animiert wird, sich zu bewegen. Ebenso hat Katharina Grosse aber auch schon ganze Fassaden, Möbelstücke, Schutt-, Erd- oder Rasenflächen mit ihren typischen Farbschleiern modifiziert. Monumentalität ist für sie kein Fremdwort.

Die aktuelle Ausstellung im Museum Frieder Burda in Baden-Baden allerdings konzentriert sich auf ihre Tafelbilder, die parallel zu den großen, raumspezifischen Installationen nach wie vor entstehen. Dem Betrachter wird damit die Gelegenheit gegeben, die DNA der aktuellen Arbeiten in der Machart und Struktur der früheren Werke aufzuspüren. In den lichtdurchfluteten, überwiegend weiß gehaltenen Räumen des Richard Meier-Baus sind Arbeiten vom Anfang der 1990er Jahre bis heute zu sehen.

Gerade in der chronologischen Abfolge ihrer Werke wird deutlich, wie sich Grosse von einer zunächst reduzierten, vielfach mit Weiß abgetönten Farbpalette zunehmend intensiveren Farben und immer größeren Formaten zugewandt hat. Im Laufe weniger Jahre wird der Farbauftrag immer durchscheinender. Gleichzeitig verschwindet der anfangs noch grobe Pinselstrich. Er wird durch wesentlich feinere Strukturen bei gleichzeitig großflächigerem Farbauftrag ersetzt. Aus fast monochromen, sich teils überlappenden Farbflächen entstehen transparente Oberflächen voller Dynamik und räumlicher Tiefe. Ab Ende der 1990er Jahre tauchen vermehrt die auch für das heutige Schaffen so typischen nebelartigen Farbwolken, Tropfen und Schlieren auf. Auf Titel oder Nummerierungen verzichtet Katharina Grosse übrigens konsequent.

Eine sieben Meter hohe und zehn Meter breite Ellipse aus dem Jahr 2009 unterstreicht auch in der Baden-Badener Schau die Vorliebe Grosses für ungewöhnliche Bildträger. In diesem Fall besteht der Bildkörper aus weißem, glasfaserverstärktem Kunststoff. In der Mitte des auf dem Boden stehenden Objekts befindet sich zudem eine kreisrunde Öffnung. Während des Malvorgangs hat Katharina Grosse bestimmte Partien mit Schablonen abgedeckt und andere frei gelassen. So entstand eine klare Abgrenzung zwischen Farbe und Nicht-Farbe, konkreter, industriell anmutender Materialität und der angedeuteten Tiefe des in allen Farben des Regenbogens schillernden Bildraums.

Phänomene der Wahrnehmung und Skalierung haben sie immer schon mehr interessiert als traditionelle malerische Fragestellungen wie etwa die nach Figur und Grund. Realwelt und Kunst sind für Katharina Grosse keine unabhängig und parallel zueinander existierenden Systeme. Ihr geht es vielmehr um die Aufhebung der Grenzen zwischen Bild und Realität, Malerei und Betrachter. Der Welt, in der sie lebt, nähert sie sich durch malerische Anverwandlung.

Ebenfalls beeindruckend das der Ellipse gegenüber hängende, vier mal neun Meter große Gemälde von 2005. Diese jetzt an der Wand angebrachte Leinwand verrät viel über ihre Entstehungsgeschichte. Unzählige Fußabdrücke zeigen, dass diese Fläche bearbeitet wurde, während sie flach auf dem Atelierboden lag. Offenbar hat die Künstlerin immer wieder barfuß die Leinwand betreten, um mit großen, an Besen erinnernden Malwerkzeugen die jeweils den ganzen Bildraum durchmessenden, breiten und sich immer wieder überlagernden Farbbahnen aufzutragen. Durch dieses Über- und Untereinander entsteht ein schwindelerregender Eindruck von räumlicher Tiefe, fast so wie in einem von Holzstegen und Gerüstbrettern durchzogenen Rohbau. Die körperliche Dimension des Malaktes – ohnehin schon Katharina Grosses Spezialität – wird hier noch einmal ebenso anekdotisch wie eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das Bild markiert denn auch die zunehmende Bedeutung der physischen Bewegung der Künstlerin im Zuge der Entstehung ihrer Arbeiten.

Katharina Grosses Malerei wird häufig mit dem Action Painting, dem deutschen Informel oder sogar Graffiti und Street Art verglichen. Eine Lesart, der sie nicht unbedingt zustimmt: „Diese kunsthistorischen Zuschreibungen sind ja oft sehr einengend und limitierend, so dass sie einfach auch – ganz direkt gesagt – nerven können. Auch zurren sie den Blick auf das Werk unnötig fest. Meine Arbeit hat auch mit ganz anderen, vielleicht nicht so augenfälligen Einflüssen zu tun wie dem Absoluten Theater oder Pina Bausch, aber genauso gut kann man auch die Höhlenmalerei oder die Freskomalerei der Renaissance erwähnen, also alle möglichen Einflüsse, die man sich vorstellen kann.“ Das oft totgesagte Medium Malerei treibt Katharina Grosse immer wieder an seine Grenzen. Wie kaum jemand anders lotet sie dabei radikal aus, was Malerei heute zu leisten in der Lage ist und aus welchen tradierten oder selbst auferlegten Beschränkungen sie sich befreien kann.

Die Ausstellung „Katharina Grosse“ ist bis zum 9. Oktober zu sehen. Das Museum Frieder Burda hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 13 Euro, ermäßigt 11 Euro. Begleitend zur Ausstellung ist im Verlag der Buchhandlung Walther König ein 176seitiger Katalog für 35 Euro erschienen.

Kontakt:

Museum Frieder Burda

Lichtentaler Allee 8b

DE-76530 Baden-Baden

Telefon:+49 (07221) 398 980

Telefax:+49 (07221) 398 98 30

E-Mail: office@museum-frieder-burda.de



31.08.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


11.06.2016, Katharina Grosse

Bei:


Museum Frieder Burda

Bericht:


Blut baut das Herz

Künstler:

Katharina Grosse










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