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Steile Perspektiven, nüchterne Bestandsaufnahmen und einfühlsame Porträts: Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt das vielfältige Werk der amerikanischen Jahrhundertfotografin Berenice Abbott in einer kleinen, aber feinen Retrospektive

Das Zeitmaß der Metropole



„Die Stadt New York zu fotografieren, bedeutet, den Geist der Metropole auf der höchst empfindlichen fotografischen Emulsion festzuhalten, ohne ihre wesentlichen Merkmale aufzugeben – ihr eigenes Tempo, ihre verstopften Straßen, die enge Nachbarschaft von Vergangenheit und Gegenwart... Das Zeitmaß der Metropole ist der im Entschwinden begriffene Augenblick.“ Diese Sätze stammen von der 1898 geborenen amerikanischen Fotografin Berenice Abbott. Und sie sind heute noch so wahr wie zu ihren Lebzeiten. Auch wenn die „fotografische Emulsion“ im digitalen Zeitalter längst durch Begriffe wie Pixel und C-Print ersetzt worden ist.


Der Berliner Martin-Gropius-Bau widmet der großen New Yorker Fotografin jetzt eine kleine, aber feine Retrospektive, die rund 80 Werke versammelt. Darunter natürlich die längst ikonischen Aufnahmen ihrer wohl berühmtesten Serie: „Changing New York“, in der sie den Wandel und die Transformation Manhattans festgehalten hat. Außerdem sind etliche ihrer frühen Porträtaufnahmen und ihre späteren, dem großen Publikum vielleicht weniger bekannten Arbeiten als Wissenschaftsfotografin zu sehen.

Käme Berenice Abbott heute noch einmal nach New York, in die Stadt, die sie vieltausendfach fotografiert hat, so würde sie sich verwundert die Augen reiben – und womöglich gleich wieder anfangen, zu fotografieren. Der unaufhaltsame Kampf zwischen Vergangenheit und Gegenwart, der sie in den 1930er Jahren in seinen ambivalenten Bann zog, dauert an. Und er hat sogar an Tempo zugenommen. Weltberühmte Architekten wie Renzo Piano, Herzog & de Meuron, Tadao Ando, Jean Nouvel oder die in diesem Jahr verstorbene Zaha Hadid haben sich mit markanten Bauten, die gleichzeitig das Alte und Gewachsene beiseiteschieben, in die Topographie der Stadt eingeschrieben.

Ebenso aber würde Berenice Abbott Vertrautes und nach heutigem Ermessen Unverrückbares wiedererkennen. Das von ihr 1938 in einer ikonischen, schräg von unten angeschnittenen Aufnahme festgehaltene Flatiron Building etwa steht heute ebenso auf der Liste der denkmalgeschützten Bauten wie die den East River überspannende Brooklyn Bridge, deren mächtige Konstruktion sie 1931 vom Wasser aus fotografierte.

Wie gelangte eine junge Frau, die 1898 in dem verschlafenen Provinznest Springfield im Bundesstaat Ohio geboren wurde, in den Olymp der Fotografie des 20. Jahrhunderts? Wie so oft im Leben waren es Zufälle und glückliche Fügungen und nicht zuletzt eine gehörige Portion Neugier, Talent und Abenteuerlust, die sie mit den richtigen Leuten zusammenbrachten. Mit 20 zieht sie ins Greenwich Village, damals der Melting Pot der New Yorker Bohème. Mit keiner Geringeren als der exaltierten Literatin Djuna Barnes teilt sie sich ein Apartment. Schlag auf Schlag lernt sie hier weitere Protagonisten der Avantgarde kennen: darunter die Künstler Marcel Duchamp und Man Ray.

Man Ray ist es auch, der sie drei Jahre später in Paris als Assistentin in seinem Porträtstudio engagiert. Schon nach kurzer Zeit wird das Fotografieren für sie zu Beruf und Berufung zugleich. In Paris entstehen Porträts von berühmten Zeitgenossen wie James Joyce, Coco Chanel oder Peggy Guggenheim. Es war aber auch Berenice Abbott, die in Paris das Werk des eigenbrötlerischen Eugène Atget entdeckte, es publizierte und so vor dem Vergessen bewahrte. Von der Öffentlichkeit unbeachtet, hatte Atget über drei Jahrzehnte hinweg mit typologisch-nüchternem Blick den rasanten Wandel der französischen Hauptstadt festgehalten. Was ihn dabei interessierte, war nicht das Spektakuläre sondern die kleinen Details: Schaufensterauslagen, Eckkneipen, Jahrmarktattraktionen, Handwerker oder fliegende Händler.

Ausgerüstet mit der gleichen sachbezogenen Neugier, aber auch einer an neuen, unorthodoxen Perspektiven und Bildformulierungen interessierten Art zu fotografieren, hält Berenice Abbott nach ihrer Rückkehr nach New York die tiefgreifenden Transformationsprozesse in Manhattan und Brooklyn fest. Viertel für Viertel, Straße für Straße und streckenweise Haus für Haus dokumentiert sie – ausgestattet mit staatlichen Fördergeldern – zwischen 1935 und 1939 insbesondere den Bauboom in Downtown Manhattan. Wo kurz zuvor noch ein enges und dunkles Gassengewirr herrschte, schossen plötzlich elegante Art Déco-Wolkenkratzer in die Höhe. Ein geradezu titanischer Wandel, der wie der zur Zeit stattfindende, vieles auf der Strecke lässt und dabei Faszination ebenso wie Skepsis auslöst. Insofern sind ihre rund 80 Jahre alten Bilder von beklemmender Aktualität.

Die Ausstellung „Berenice Abbott – Fotografien“ ist bis zum 3. Oktober zu sehen. Der Martin-Gropius-Bau hat täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro; bis 16 Jahre ist er frei. Der 104seitige Katalog aus dem Steidl Verlag mit 70 Abbildungen kostet 15 Euro.

Kontakt:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstraße 7

DE-10963 Berlin

Telefon:+49 (030) 25 48 60

Telefax:+49 (030) 25 48 61 07



25.08.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


01.07.2016, Berenice Abbott – Fotografien

Bei:


Martin-Gropius-Bau

Künstler:

Berenice Abbott










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