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Bei Wangen, 1945 / Erich Heckel

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Orange-Blau-Orange, 2004 / Kuno Gonschior

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Nicht alles, was Lempertz in seiner Auktion „Moderne Kunst“ anbot, ging trotz guter Zuschlagsquote weg

Werden und Vergehen



Vincent van Gogh, Femme semant, 1881

Vincent van Gogh, Femme semant, 1881

Würde und Ernsthaftigkeit strahlt sie aus – die Säende, die Vincent van Gogh im Herbst 1881 mit schwarzer Kreide und Aquarell niederlegte. Die Themengruppe der bäuerlichen Arbeits- und Lebenswelt, die prägend für van Goghs künstlerisches Schaffen werden sollte, nimmt in diesen frühen Werken ihren Anfang. Immer wieder hat er sich mit den Motiven vom Säen und Ernten als Sinnbild irdischen Werdens und Vergehens befasst und sein religiöses Verständnis über diese Symbolik vermittelt. Seine „Femme semant“, die einzige bekannte Darstellung einer Säerin im Œuvre Vincent van Goghs, entstand in Etteren nahe Breda, wo sein Vater die Pfarrstelle innehatte. Hier wird der Künstler die Vorbilder für seine vom Leben gezeichnete Bäuerin gefunden haben, die in kraftvollen Konturen fast statisch auf dem weiten Feld steht und einige Samen aus ihrer Hand fallen lässt. Das großformatige Frühwerk, das 1988 in der Ausstellung „Van Gogh & Millet“ im Amsterdamer Rijksmuseum zu sehen war und bis 2015 als Leihgabe im Picasso-Museum in Münster hing, war der Höhepunkt in der Auktion „Moderne Kunst“ bei Lempertz. Mit einen Zuschlag bei 850.000 Euro traf das Blatt genau die Mitte des Schätzrahmens, ist eine der teuersten Zeichnung van Goghs auf einer deutschen Auktion in den letzten Jahrzehnten und der preisliche Spitzenwert der Frühjahrsrunde bei Lempertz.


So ganz zufrieden dürfte der Kölner Versteigerer mit der Auktion vom 3. Juni nicht gewesen sein. Denn gerade im ersten Teil mit den höher taxierten Kunstwerken blieben doch etliche Positionen unverkauft. Hier lag die losbezogene Zuschlagsquote nur bei 43,5 Prozent, während sie über den gesamten Auktionsverlauf auf gute 63,5 Prozent stieg, die einen Bruttoumsatz von rund 4 Millionen Euro generierten. Keinen Abnehmer fanden etwa August Mackes 1910 in frischem Grün gemalte „Pflänzchen im Wald“ (Taxe 180.000 bis 220.000 EUR), Emil Noldes charakteristisches Blumenaquarell „Violetter Mohn“ um 1935/40 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR) oder Alexej von Jawlenskys abstrakte „Variation“ seines Parkwegs in St. Prex um 1916 (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Auch Gabriele Münter hatte diesmal kein Glück, weder mit ihrem „Kruzifix“ auf einem Friedhof von 1908 (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR), noch mit dem ebenso tristen „Stillleben mit schwarzer Schale“ samt kleinen Artefakten der bayrischen Volkskunst um 1911 (Taxe 190.000 bis 250.000 EUR).

So positionierte sich auf Platz 2 der Zuschlagsliste Giovanni Giacomettis farbintensives Selbstbildnis von 1916 vor einem Fenster bei taxkonformen 250.000 Euro, auf Platz 3 Tsuguharu Foujitas in sich versunkene Art Déco-Schönheit „Nu assoupi, Youki“ von 1926, die von einem chinesischen Bieter auf 160.000 Euro gehoben wurde (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Doch schon Amedeo Modiglianis anmutige „Odalisque Bleue“, ein zeichnerisches Aquarell von 1917/18, wollte bei 120.000 bis 140.000 Euro niemand haben. Neben Giacometti war aus der Schweiz Cuno Amiet mit einem wiederentdeckten Blumenstillleben von 1908 angetreten. Seine koloristisch reichen rotvioletten Rosen vor gestreifter Wand übernahm Schweizer Kunsthandel bei guten 140.000 Euro (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Diesen Wert bewilligte zudem ein deutscher Sammler für Wilhelm Morgners kosmische „Komposition mit Feldarbeiter“ von 1913, in der der Mensch in dem Farbgefüge der Himmelssterne aufgeht (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR).

Zu den Gewinner zählte Otto Muellers „Sitzendes Mädchen am Wasser“. Für die farbige Kreidezeichnung um 1920 musste deutscher Handel 88.000 Euro bieten, um den Akt mitnehmen zu können (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Auch seine gleichaltrige kleine Fassung der schwarzweißen Lithografie „Mutter und Kind 2“ kletterte von 4.000 Euro auf 8.500 Euro. Ebenfalls in deutschen Handel verabschiedete sich Heinrich Campendonks kubistisch aufgespaltene, dynamische Gouache „Zwei Radfahrer“ um 1914 bei 75.000 Euro (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). In der Preisklasse zwischen 50.000 und 100.000 Euro platzierten sich zudem noch Maurice de Vlamincks „Rue de Village“ um 1926/27 mit einsamer Bäuerin unter düsteren Regenwolken bei 60.000 Euro am unteren Schätzrahmen, Edvard Munchs blaue Lithografie „Loslösung II“ von Mann und Frau aus dem Jahr 1896 bei 50.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) und Karl Schmidt-Rottluffs spätexpressionistischer farbleuchtender „Osterstrauß“ von 1947 bei 80.000 Euro ebenfalls zu unteren Taxe. Von 25.000 Euro konnte sich dann sein spätes Tuschpinsel-Aquarell „Sommermorgensonne“ aus dem Jahr 1967 auf 36.000 Euro verbessern.

Teuerste Skulptur wurde mit 70.000 Euro Renée Sintenis’ charakteristisches Pferdemotiv „Großes grasendes Fohlen“; doch auch hier konnte sich ein deutscher Kunsthändler die Bronze aus dem Jahr 1929 unter der Erwartung von mindestens 80.000 Euro sichern. Gänzlich verschmäht wurden Georg Kolbes erst kürzlich wiederentdeckte Steinfassung der Skulptur „Zorn“ von 1922/23 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) und seine kleine Bronze einer exaltiert knienden „Nonne“ aus derselben Zeit (Taxe 30.000 EUR). Erst im zweiten Teil der Auktion mit den günstigeren Preisen reüssierte seine goldbraune Bronzebüste „Junger Chinese“ von 1924 bei 19.000 Euro (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). Guten Anklang fanden hier gleichfalls noch die bronzenen Akte von Fritz Klimsch: der kniende „Sturm“ von 1932 bei 29.000 Euro (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR), die „In Wind und Sonne“ stehende Frau von 1936 gar bei 50.000 Euro (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Erst bei 13.000 Euro ging Ewald Matarés 23 Zentimeter breiter „Pfau“ von 1954 weg, der doch sehr einer Taube in der Funktion eines Türgriffs ähnelt (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Für positive Überraschungen sorgten dann noch die vier nackten „Badenden“ von Ernst Fritsch aus dem Jahr 1927 bei 6.500 Euro (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR), Walter Opheys „Grüne Madonna“ in einem auffallend gemusterten Stoff vor rosafarbenem Fond um 1913 bei 16.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) oder Edgar Endes surrealistisches weißes „Tuch mit Schwalbe“ in einer Bogenhalle von 1946 bei 24.000 Euro (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Erfolgreich mit dem Menschenbild beschäftigten sich Lovis Corinth in der Bleistiftzeichnung des Portraits seiner Frau von 1903 bei 8.000 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), Max Beckmann in einem beinahe irren „Selbstbildnis“, ein Blatt aus der Lithografiefolge „Die Hölle“ von 1918/19, zur oberen Schätzung von 15.000 Euro und Marc Chagall in der Farblithografie „Le Cantique des Cantiques“ mit trautem schwebendem Liebespaar von 1975 bei 10.500 Euro (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR).

Etwas deftiger ging es bei Otto Dix zu. Mit schonungslosem Blick zeichnete er 1932 einen hockenden weiblichen Akt von hinten und opferte die erotisch-sinnliche Schönheit einer entstellten menschlichen Gestalt. Doch dieses ungestüm Kritische wurde mit 28.000 Euro honoriert (Taxe 22.000 bis 25.000 EUR), ebenso wie Dix’ alterweise Milde in der Farblithografie „Mädchen mit Lupinen“ von 1960 bei 8.000 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Einer der frühen Abstrakten war Adolf Hölzel, der seine bunten Formverkapselungen auf einem Pastell um 1930 erst bei 11.500 Euro abgab (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Dieses Gestaltungsprinzip führte Joseph Lacasse nach dem Zweiten Weltkrieg weiter und schuf 1948 die Komposition „Rouge et Noir“ aus ineinander greifenden Farbflächen, die Arbeiten seines Kollegen Serge Poliakoff vorwegnimmt. 17.000 Euro waren Lacasses Lohn (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



03.08.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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03.06.2016, Moderne Kunst

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Otto Mueller, Sitzendes Mädchen am Wasser, um 1920
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Walter Ophey, Grüne Madonna, um 1913

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Otto Mueller, Sitzendes Mädchen am Wasser, um 1920

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Taxe: 40.000 - 50.000 EURO

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Adolf Hölzel, Komposition, um 1930

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Taxe: 4.000 - 5.000 EURO

Zuschlag: 11.500,- EURO

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Wilhelm Morgner, Komposition mit Feldarbeiter, 1913

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Taxe: 120.000 - 150.000 EURO

Zuschlag: 140.000,- EURO

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Lovis Corinth, Portrait der Frau des Künstlers, 1903

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Taxe: 3.000 - 4.000 EURO

Zuschlag: 8.000,- EURO

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Giovanni Giacometti, Autoritratto (Selbstbildnis), 1916

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Taxe: 240.000 - 290.000 EURO

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Losnummer: 301




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