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Nach einem Prolog in Rotterdam und der umfangreichen Werkübersicht in ’s-Hertogenbosch würdigt nun der Prado in Madrid den Maler Hieronymus Bosch anlässlich seines 500. Todestages

Der Teufel liegt im Detail



Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, um 1500

Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, um 1500

Was für ein verwirrendes, buntes Spektakel bewegten menschlichen Treibens! Nackte Geschöpfe beherrschen die bizarre Szene. Sämtliche Arten wilder oder zahmer Tiere, Seen, Wälder und abenteuerlich anmutende Figurationen überfluten die Mitteltafel mit einer Unmenge kleinteiliger Geschichten. Manche Menschen ragen aus einer Muschelschale oder skurrilen Naturgebilden heraus, andere ergötzen sich am Reichtum der Früchte. Liebespaare gehen ihrem Treiben in geäderten runden Hautblasen nach. Mittig ist ein kreisförmiger Teich in einer Rasenfläche platziert, in dem schwarze und weiße Frauen baden. Ringförmig umschweift der Blick diesen Teil, betont von karussellartig reitenden Männern. Knospenartig öffnen sich darüber blaue und rosafarbene Blütenfächer mit ausgestreckten Hörnern, Dornen oder gezackten Blättern. Inmitten eines Sees ist ein aus Blättern und Knospen zusammengesetzter Kugelbrunnen positioniert. Links der Mitteltafel ist das Paradies vor dem Sündenfall dargestellt, die rechte Seitentafel entführt in den Abgrund. Aus dem verkohlten Häusermeer lodern Flammen empor und wecken Kriegserinnerungen. Darunter vollführen martialische Geschöpfe alle möglichen Formen des Leidens. Es ist die reinste Höllenwelt. Gottvater ist ins Abseits gerückt. Auf der gespaltenen Außenseite schwebt Gott in der linken oberen Bildecke und betrachtet sein Werk, die Weltkugel.


„Der Garten der Lüste“, das größte erhaltene und vermutlich auch je gemalte Bild Hieronymus Boschs, ist unbestritten der Höhepunkt der Retrospektive im Prado. Hier beheimatet und nicht ausleihbar, stellt es eines von acht Gemälden dar, die in Spanien, speziell im Prado, dank der Sammelleidenschaft von König Philipp II. verortet sind. Was lag da näher, als nach den Niederlanden hier ebenso eine Würdigung des Malers anlässlich seines Todes vor 500 Jahren auszurichten. In der Tat ist die Schau im Prado bemerkenswert, weil mit 21 eigenhändig gefertigten, teils mehrteiligen und beidseitig bemalten Ölgemälden nebst sieben Zeichnungen mehr als drei Viertel des gesamten Bosch zuzuschreibenden Œuvres an einem Ort zu bewundern ist. Lediglich wenige Werke, die zuvor in der Heimatstadt des Malers in ’s-Hertogenbosch präsentiert wurden, konnten nicht mehr für Madrid gewonnen werden, darunter die in Privatbesitz befindliche Zeichnung „Höllenlandschaft“ oder das „Eremiten-Triptychon“ aus den Gallerie dell’ Accademia in Venedig.

Zuzüglich für das Werkschaffen allgemein sowie den Lebensweg Boschs informativer Bilder bietet die Schau 53 Exponate, die in deutlich didaktisch förderlicherer Weise präsentiert werden, als es in ’s-Hertogenbosch der Fall war. Die Spanier verstanden es geschickt, die Hauptwerke – zumeist Triptychen wie den „Heuwagen“ oder den „Garten der Lüste“ – auf umschreitbaren Sockeln aufzustellen, die zwar den Besucher etwas auf Distanz halten, dafür aber alle von spiegelnder Verglasung befreit sind und den Sehgenuss erhöhen. Drumherum gruppieren sich an geschwungenen Raumwänden dialogisch zugeordnete Arbeiten, so dass der Besucher von Bild zu Bild gleitet. Zudem wechseln sich Arbeiten auf Papier und Ölgemälde in einem korrespondierenden Schema ab, so dass die in ’s-Hertogenbosch herrschende Steifheit vermieden wurde.

Auch hinsichtlich von Zuschreibungen gehen die Spanier selbstbewusst eigene Wege. Einmal betrachten sie Bosch als „eigentlich spanischen Maler“, so Prado-Direktor Miguel Zugaza auf der Pressekonferenz, da ’s-Hertogenbosch zu Lebzeiten des Malers unter Herrschaft der spanischen Linie des Hauses Habsburg stand. Offen wurden die Differenzen hinsichtlich der Zuschreibung von Werken angesprochen, die die Niederländer im Rahmen ihres „Bosch Research and Conservation Project“ vornahmen. Ausführlich legte Chefkuratorin Pilar Silva Maroto auf der Grundlage von wissenschaftlichen, dokumentarischen und künstlerischen Kriterien sowie von aktuellen Untersuchungen und Restaurierungen des Prado überzeugend dar, warum drei von den Niederländern nicht als eigenhändige Werke Boschs klassifizierte Bilder dem Maler zugewiesen werden müssen. Abweichend von vorherigen Bewertungen in Katalogen und Präsentationen werden von ihr die Tafeln „Antonius“, „Das Steinschneiden“ und „Die sieben Hauptsünden und die vier letzten Dinge“ nun ebenso Hieronymus Bosch zugeschrieben, letztere von den Niederländern unter „Werkstatt“ oder „Nachfolger“ klassifiziert.

Der Besucher schreitet den thematisch in sieben Sektionen gegliederten Parcours ab, beginnend mit dem Porträt Boschs, einer Radierung von Cornelis Cort, einer Ansicht des Marktplatzes von ’s-Hertogenbosch, an dem Bosch wohnte, sowie Stichen aus seiner Zeit. Sie zeigen, dass Hieronymus Bosch mit seinen Extravaganzen durchaus dem damaligen Kanon folgte. Schnitzereien aus dem Altar der Liebfrauenbruderschaft verweisen auf seine Mitgliedschaft in jenem elitären Zirkel, der ihm Zugang zu maßgeblichen Gesellschaftskreisen eröffnete. Sie umgeben das aus Boston entliehene, um 1500 in Boschs Werkstatt gemalte Triptychon „Ecce Homo“.

Um die Kindheit des Malers und seine christliche Prägung geht es im zweiten Abschnitt. Mit dem im Prado behüteten Triptychon der „Anbetung der Drei Könige“ wird eine Abfolge von Meisterwerken eingeleitet. Unter blauem Himmel über einer detailreichen wie modern anmutenden Stadtlandschaft ordnete er die Anbetungsszene vor einem verwahrlosten Bauernhaus mit der hieratisch ausformulierten Figur der Maria an. Dem kurz vor 1500 gemalten Werk stehen Bilder mit ähnlichen Sujets zur Seite, die ins nächste, den Heiligen gewidmete Kapitel überleiten. Hier steht das aus dem Lissabonner Nationalmuseum entliehene Triptychon der „Versuchung des heiligen Antonius“ im Mittelpunkt, begleitet von Werken mit ähnlichen Motiven sowie dem Gemälde „Sankt Wilgefortis“ aus Venedig.

Dem zentralen Aspekt der Lesbarkeit von Werken Boschs widmet sich das Kapitel „Vom Paradies zur Hölle“. „Der Heuwagen“, eines der berühmtesten Bilder der Kunstgeschichte, verdeutlicht augenfällig die Erzählfolge vom Paradies links bis zur Hölle im rechten Seitenflügel. Hintergründig ordneten die Kuratoren die vier hochrechteckigen „Jenseitstafeln“ an. Gegliedert in je zwei positive und negative Teile dürfte das lange Tunnelmotiv viele an Filmarchitekturen von heute denken lassen.

Mit dem „Garten der Lüste“ steht das Hauptwerk des Malers im Fokus eines eigenen Raumes. Röntgen- und Infrarotaufnahmen stehen dem Triptychon zur Seite und führen die Arbeitsweise Boschs nachvollziehbar vor Augen. Moralische Szenen und nicht religiöse Werke sind im vorletzten Abschnitt versammelt, darunter die zerlegten und heute zerstreut verwahrten Teile des „Landstreicher“-Triptychons aus dem Louvre mit dem berühmten Narrenschiff. In dem letzten, der Passion Christi gewidmeten Teil findet sich die bereits um 1490 gemalte Darstellung „Ecce Homo“ aus dem Frankfurter Städel. Trotz helllichten Tages hält eine Person aus dem Volk, das unten vor dem angeklagten Christus steht, eine brennende Fackel hoch, eine Mahnung zum Abschluss, nie übereilte Urteile zu treffen.

Die Ausstellung „Bosch. The 5th Centenary Exhibition“ ist bis zum 11. September zu sehen. Der Prado hat täglich von 10 bis 20 Uhr, freitags und samstags zusätzlich bis 22 Uhr, sonn- und feiertags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 16 Euro, ermäßigt 8 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog in englischer und spanischer Sprache für 35 Euro erschienen. Deutschen Lesern sei der im Belser Verlag publizierte „Catalogue Raisonné: Hieronymus Bosch. Maler und Zeichner“ empfohlen, der alle Werke aus den Ausstellungen ausführlich vorstellt und im Buchhandel 99 Euro kostet.

Kontakt:

Museo Nacional del Prado

ES-28014 Madrid

Telefon:+34 (091) 330 2800

E-Mail: museo.nacional@museodelprado.es



25.07.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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