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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Lempertz erzielt in der Foto-Auktion Rekordwerte für Albert Renger-Patzsch

Die Verführungskraft einer Natter



Im Film „Die Wüste lebt“ weiß eine Schlange ihren Körper als ultimatives Lockmittel einzusetzen. Das Tier versteckt sich im Sand, und einzig ein Teil ihrer Schwanzspitze ragt einem Grashalm ähnlich empor. Ein allzu leichtgläubiger Gecko eilt heran und will das vermeintliche Pflänzchen verspeisen, doch dann der finale Satz des Erzählers zur erfolgreichen List der Schlange: „Ende von Gecko“. Eine Kollegin des klugen Wüstenlebewesens, eine Natter, verführte Albert Renger-Patzsch zu einer Detailaufnahme des Kopfes. Ähnlich dem Gecko im amüsanten Kinderfilm von Walt Disney wurden die Bieter der Fotografieauktion bei Lempertz Opfer des Bildes von 1925 und erlagen der Macht der grafisch-abstrakten Anmutung des gefährlichen Reptils. Ausgehend von 15.00 bis 20.000 Euro entbrannte eine wilde und hartnäckige Schlacht der Gebote, die bei einer beinahe zehnfachen Steigerung und einem Rekordpreis von 120.000 Euro, den der deutsche Kunsthandel bewilligte, ein beeindruckendes Ende fand.


Eine weitere Arbeit Albert Renger-Patzschs folgte am 3. Juni dem Vorbild der Natter, indem der gemütliche „Mantelpavian“ von etwa 1928 den angesetzten Preis auf 25.000 Euro verfünffachen ließ. Nach solchen Höhenflügen bevorzugte das dritte Tierbild des Deutschen ruhige Gewässer. Den „Kopf des Gänsegeiers“ von 1926 – der Vogel blickt mit seinem natürlichen Federboa-Kragen streng aus dem Bild – hatten die finanziellen Karrieren seiner Mitlebewesen etwas eingeschüchtert, da der Aasfresser sich anstelle der erhofften 5.000 Euro bereits mit 3.900 Euro zufrieden gab. Der sechsstellige Betrag des Natternfotos bildete eine Ausnahme in der Auktion des Kölner Versteigerers, da sich die Mehrzahl der Posten im vier- bis fünfstelligen Bereich bewegte. Sie schloss mit einer guten losbezogenen Zuschlagsquote von 62,63 Prozent ab.

Figur im Bild

Henri Cartier-Bressons Portrait von „Alberto Giacometti“ im regnerischen Paris des Jahres 1961 erreichte mit 3.000 Euro die obere Grenze seines Schätzpreises. Etwas besser schnitt mit 3.400 Euro Werner Bischofs „Auf dem Weg nach Cuzco“ ab. 1954 hielt der Fotograf einen peruanischen Jungen fest, der in Sandalen, einem Poncho und Hut flötespielend das Bild durchschreitet (Taxe 2.000 EUR). Wie es der Zufall wollte, sollte am Todestag Muhammad Alis auch sein Unterwasser-Portrait im Kämpferpose von Flip Schulke ein neues Heim für 2.300 Euro finden (Taxe 2.500 EUR). Ähnlich erging es auch Ron Galellas Portrait der Musiklegende David Bowie im Broadway-Stück „The Elephant Man“ von 1980, das knapp unter dem Schätzwert bei 1.100 Euro verharrte.

Zwei weibliche Akte bildeten das Thema bei Ralph Gibson und Eikoh Hosoe. Der Amerikaner Gibson wartete mit einem Foto aus der Serie „The Somnabulist“ samt weiblichem Körper von der Taille abwärts aus dem Jahr 1969 auf. Es bleibt unklar, ob die Frau im Kontrapost steht oder langsam durch den Raum schlendert. Auffallend ist die helle Hautpartie um ihre Hüfte, die auf einen sonnengebräunten Körper schließen lässt. Die beachtlichen 2.000 Euro anstelle der anvisierten 800 Euro konnte Eikoh Hosoes Foto „Embrace #8“ von 1971 nicht einrbingen. Seine Arbeit lag mit 1.500 Euro aber auch leicht über ihrer Taxe und bietet die Ansicht einer Frau, die sich sitzend mit angezogenen Oberschenkeln aus dem Bild beugt. Die ovale Form des zusammengeklappten Leibes definieren die zwei Extreme von Schatten und weißer Lichtfläche.

Auf männlicher Seite reüssierte Guglielmo Plüschow mit seinem Rückenakt eines jungen Südländers in einem Meer aus Blumen um 1900 bei 1.200 Euro (Taxe 800 EUR). Duane Michals vollführte 1974 eine Hommage an den 1793 im Bad ermordeten Jakobiner Jean Paul Marat in der Version von Jacques-Louis David. Auf dem Foto „He lay there in a pose reminiscent of Marat“ liegt der junge Mann diagonal und halbnackt auf einem Bett, wobei ein breites Laken ihn größtenteils bedeckt. Schlaff hängt sein rechter Arm herab. Auf dem schwarzen Nachttisch liegt ein Buch, daneben eine Pflanze. Der handschriftliche Text auf dem weißen Rand erzählt von einer aufgrund des Todes des jungen Mannes nun nicht stattfindenden Begegnung mit einer Frau. Die Arbeit des Amerikaners gehört zu einer Auflage von 25 Stück und ging für 2.000 Euro in neues Eigentum über (Taxe 1.800 EUR).

Um 1930 fotografierte August Sander ein Zwillingspaar. Vor schwarzem Grund sitzen die beiden Babys, das Mädchen in einem Kleid und der Junge in einem gestrickten Hosenanzug, auf einem Teppich und blicken die Kamera mit großen Augen an. Die breiten weißen Krägen betonen und rahmen die ähnlichen Gesichter der Geschwister. Die enge Verbindung der Zwillinge illustriert das Mädchen, das genüsslich an der Kordel nuckelt, die den Pullover des Bruders verziert. Ein Sammler verdoppelte den Schätzpreis auf 1.600 Euro. In doppelter Ausführung verewigte Wilhelm Schneider um 1860 einen Mann mit Jagdausrüstung in einer handkolorierten Stereodaguerreotypie. Im Hintergrund des Zimmers steht links der Jagdhundführer, der ebenso wie der Jäger mit einem Gewehr ausgestattet ist. Beide Bilder umgibt ein durchgehender goldener Rahmen. Auch hier verdoppelte sich der Wert auf 2.400 Euro.

Abstrakt und Detailaufnahmen

Bei den Detailaufnahmen kommt man nicht umhin, abermals Albert Renger-Patzsch anzuführen. Seine 1925 abgebildeten „Garnspulen“ der Chemnitzer Strumpffabrik Schocken spiegeln die industrielle Herstellung in ihrer strengen Reihung und der sich wiederholenden Form der ovoiden Rollen wider. Dieser Vintage folgte seinen tierischen Vorgängern und vollführte eine vierfache Steigerung auf 25.000 Euro. Deutlich bescheidener traten Anton Stankowskis 1930 abgelichtete „Drahtwerke Biel“ auf. Dank des starken Schwarz-Weiß-Kontrastes im Bild stechen die Zahnräder, Bänder und Achsen eher grafisch hervor. Die Erwartung von 2.000 Euro verzweifachte sich auf 4.000 Euro. Die Schwarz-Weiß-Fotos von Peter Keetman – „Zahnräder“ von 1958 und „Auto-Lack“ von etwa 1962 – hatten wohl eine geheime Absprache. Beide forderten von ihren jeweiligen neuen Besitzern 2.600 Euro. Während die „Zahnräder“ scheinbar mit Licht gezeichnet sind und bewegt übereinander liegen, hält sich der „Auto-Lack“ an das Spiel der Reflexe von Wassertropfen auf der glänzenden Oberfläche (Taxe 2.000 und 2.500 EUR).

1930 setzte Kurt Kranz eine Rechteckstruktur diagonal ins Bild. Dass es sich dabei um die Glasfassade des Werkstattgebäudes des Dessauer Bauhauses handelt, gibt nur der Titel preis. 3.600 Euro waren sein Lohn (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Mit 4.000 Euro musste der Käufer von Jaroslav Rösslers Schatten-Montage aus Türmen und Zahnrädern von 1965 etwas tiefer in die Tasche greifen (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Ganz dem Malerischen zugewandt, nutzte Chargesheimer in „Voodu“ die Technik des Chemigramms. Das 1961 entstandene Bild baut sich aus mehreren Schichten auf, die in unregelmäßigen abstrakten Formen über- und nebeneinander liegen. Mittig durchbricht ein schwarzes Linienspiel die eingefügten weißen horizontalen und vertikalen Striche. Das Ungreifbare des Kults führte schließlich zu 4.600 Euro, die die angedachten 1.500 Euro weit hinter sich ließen.

1.600 Euro musste ein Interessent für Robert Preils Foto „Huthbild, Kurt Schwitters“ von 1919 mit einer typischen Papiercollage des Meisters aufbieten (Taxe 600 bis 800 EUR). Auf ein knallrosafarbenes Zuckerwerk richtete 1997 Martin Parr sein Augenmerk. Das glasierte Törtchen zieren in Rot eine runde Nase und ein lächelnder Mund, die Augen und Haare erstrahlen in Cyanblau. Das weiße Papier um die Leckerei erscheint wie ein großer Clownskragen. Die Unterlage mit den konzentrisch angeordneten weißen Strichen, gelben Quadraten sowie den kleinen rot-weißen Rechtecken erinnert an die bunten Kostüme der Spaßmacher. Der freundliche C-Print aus der Serie „Common Sense“ weckte rege Freude und spielte 3.600 Euro ein (Taxe 2.000 EUR). Auch Parrs weitere Fotos aus der Serie „British Food“ mit ebenso kitschigen Leckereien positionierten sich einträglich für bis zu 1.500 Euro.

Landschaft und Stadt

Die teuerste Position bei den Landschaften datiert in die 1880/90er Jahre. Die Mappe mit 220 Abzügen diverser Fotografen, darunter Isaiah West Taber oder Lorenzo Becerril, hat die Natur in Nordamerika und Mexiko zum Inhalt. Darunter sind auch Portraits von Indianern wie auch mexikanische Stadtlandschaften zu finden. Ein amerikanischer Kund ließ hier nicht locker und hob die Albuminabzüge schlussendlich auf 14.000 Euro (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Das schlicht als „Wyoming“ bezeichnete Foto von Elliott Erwitt aus dem Jahr 1954 fängt eine Dampflock und Auto in voller Fahrt ein. Die flache Umgebung, die weißen Linien der Straße und Einfassung der Eisenbahntrasse verleiten dazu, hier ein Wettrennen zwischen Zug und Auto zu erkennen. Der Sieger dürfte auch heute noch nicht eindeutig sein, jedoch darf sich das Konto des Verkäufers über 3.400 Euro freuen (Taxe 3.000 EUR).

Der Ruhrpott ist als eine Gegend mit starker Industriepräsenz. Eine ungewöhnliche Interpretation bot Albert Renger-Patzsch mit seinem Foto „Bei Essen“. 1929 nutzte er eine leichte Untersicht, die den Blick über ein eingezäuntes Grasfeld leitet. Erst am Horizont ragen die Essen der Fabriken hinter einer grauen Dunstwolke in die Höhe. Es folgte ein angeregter Schlagabtausch, der den Hammer erst bei 20.000 Euro fallen ließ (Taxe 4.000 bis 4.500 EUR). Nicht minder beachtlich war das Ringen um Alfred Ehrhardts „Wind formt feine Wellen in den Sand“. Die Aufnahme um 1933/36 aus der Serie „Das Watt“ erlaubt dem Betrachter, sich im Spiel der kleinen und sich gegenseitig umlaufenden Schlangenlinien zu verlieren. Dies faszinierte einen Sammler so sehr, dass er dafür 5.000 Euro zahlte (Taxe 800 bis 1.000 EUR).

Raffiniert wusste Theo Felten seinen Blick aus dem Kölner Dom Dank eines schmalen Lanzettfensters in Szene zu setzen. Gerahmt durch den Schatten in Form einer brennen Kerze ragen die Turmspitzen von Groß Sankt Martin im Winternebel einsam in die Höhe. Mit 1.100 Euro passierte das Foto aus den 1930er Jahren knapp den Schätzpreis von 1.000 Euro. Eine wohl eher als surreale Landschaft zu bezeichnende Arbeit ist Josef Bartuskas Fotografie von 1935. Über einigen Grashalmen ragt ein erhobenes und angewinkeltes weibliches Bein ins Bild. Dahinter überkreuzen sich Schnüre, die ein ärmelloses Oberteil mit einem Ball kombinieren. Das amüsante Stück ging mit 800 Euro ins Rennen und wechselte bei 2.400 Euro die Hände. 400 Euro weniger erreichte Andreas Feiningers Blick auf „Downtown Manhattan by Night“ von 1940. Die Lichter der Wolkenkratzer kreieren dabei die mittlerweile klassische Skyline des „Big Apple“ (Taxe 2.000 EUR). Aaron Siskinds Vintage mit einer hölzernen Unterführung im „End of Civic Repertory Theatre, New York“ von 1938 brachte es nur auf 2.400 Euro (Taxe 3.000 EUR).

Bauhaus-Fotografie

Einen eigenen Katalog hatte Lempertz für „Das Neue Bauen im Spiegel der Photographie“ reserviert und darin 85 Positionen aus einer Privatsammlung aufgenommen, die sich losbezogen zu fast 73 Prozent verabschiedeten. Der höchste Wert lag hier bei 4.200 Euro, den Lucia Moholys „Nordansicht Haus Gropius in Dessau“ von 1926 für sich beanspruchen dürfte. Die rechten Winkel und die geometrische Rhythmik des weißen Baus ignorieren einzig die schmalen Bäume um das Haus. Für Moholys ein wenig mehr mit Diagonalen besetzte „Südansicht Haus Gropius“ blieben noch gute 2.800 Euro übrig (Taxe je 1.600 bis 1.800 EUR). Obwohl der Fotograf nicht bekannt war, spielte das Modell eines Landhauses aus Eisenbeton und Glas, das Ludwig Mies van der Rohe um 1923 entwarf, hohe 3.800 Euro ein und versechsfachte damit die Schätzung. Satte 3.600 Euro erzielte auch Albert Renger-Patzsch mit seiner Sicht auf die „Faguswerke in Alfeld/Leine“ aus dem Jahr 1952 (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).

Im Kontrast zu diesen Höhenflügen begnügte sich Iwao Yamawakis 1930/32 entstandenes Foto des Bauhauses in Dessau bereits mit 1.500 Euro und verfehlte den angestezten Preis um 500 Euro. Dasselbe Schicksal teilten die Tag- und Nachtaufnahme des Fabrikgebäudes van Nelle in Rotterdam, die Evert Marinus van Ojen 1930 anfertigte. Hier ging es nicht über 3.000 Euro hinaus (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Gewinnbringender verlief der Verkauf für eine Innenansicht des von Dominikus Böhm errichteten Priesterseminars in Limburg an der Lahn. 1929 schoss Hugo Schmölz das Foto einer strengen zweigeschossigen Halle, in der Treppen zu zwei Galerien führen. Die Arbeit verdoppelte ihren Wert auf 1.200 Euro. Und auch der Vintage der Terrasse der Villa Tugendhat in Brünn, den Rudolf de Sandalo mit seinem Atelier um 1930 aufnahm, ließ sich bei 1.800 Euro nicht lumpen (Taxe 800 bis 1.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



20.07.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Albert Renger-Patzsch, Kopf des Gänsegeiers, 1926
Albert Renger-Patzsch, Kopf des Gänsegeiers, 1926







Albert Renger-Patzsch, Kopf des Gänsegeiers, 1926

Albert Renger-Patzsch, Kopf des Gänsegeiers, 1926

Taxe: 5.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 3.900,- EURO

Losnummer: 19




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