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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Auch Sotheby’s in London hat bei seiner Auktion „Contemporary Art“ mit der Schwäche des Markts zu kämpfen

Bruegel im roten Fisch



Dass ein deutscher Künstler an der Spitze einer Zeitgenossen-Auktion in London steht und nicht Gerhard Richter heißt, kommt selten vor. Diesmal stellt aber sein alter Malerfreund Sigmar Polke das Hauptlos bei Sotheby’s. 1992 schuf er seine wandfüllende Malerei „Roter Fisch“, ein charakteristisches Werk für seinen genialen Eklektizismus, das zwischen Abstraktion, geometrischen Formen und Figuration oszilliert. Dafür nutzte Polke einen grün-schwarz karierten Stoff, setzte einen dunkelblauen Balken an den oberen Rand und ließ weiße Farbinseln darüber laufen. In einige Abschnitte dieser Inseln malte er in Punktrastertechnik mit roter und blauer Farbe einen Ausschnitt aus Pieter Bruegels d.Ä. moralisierenden Kupferstich „Invividia“ aus seiner Folge der „Sieben Todsünden“ von 1557/58. Aus diesem betörenden Amalgam zwischen Kunstgeschichte, Farbenlehre, malerischen Grundlagen und neuer Kunst schält sich dann wie zufällig die Form eines Fisches heraus, die Polke zur Titelvergabe veranlasste. Der Sammler Frieder Burda kaufte das Werk direkt beim Künstler, trennte sich aber später von ihm. Zuletzt war es bis Januar 2015 bei der New Yorker Galerie Nahmad Contemporary in der Ausstellung „Threads of Metamorphosis: Fabric Pictures by Sigmar Polke“ zu sehen. Nun steht es bei Sotheby’s für 3,5 bis 4,5 Millionen Pfund zum Verkauf.


Auch Sotheby’s bekommt die derzeitige Zurückhaltung zu spüren. Das Kunstgeschäft läuft nicht so gut, die Einlieferer trennen sich ungern von kapitalen Werken, und nach den vergangenen Spitzenjahren korrigiert sich der Markt nach unten. Brachten im Juli 2015 knapp sechzig Lose beim Londoner Versteigerer noch rund 140 bis 203 Millionen Pfund auf die Waage, stehen heuer 47 Werke mit einer Gesamterwartung von 35 bis 50 Millionen Pfund auf dem Plan. Das Angebot ist wertmäßig also auf ein Viertel gesunken – ein drastischer Rückgang. Diesmal gibt es zudem kein Kunstwerk über der Zehn-Millionen-Pfund-Marke. Platz Zwei belegt dann bei 2 bis 3 Millionen Pfund Keith Haring mit seiner ebenfalls zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changierenden Leinwand von 1989 und setzt sich mit seiner verknappten schwarzen Zeichensprache auf rot-gelbem Grund für „The last Rainforest“ ein. Pop Art-Kollege Andy Warhol nutzt dann bei seinen „Four Marilyns“ aus den späten „Reversal Series“ lediglich das Schwarzweiß (Taxe 1,8 bis 2,5 Millionen GBP), und typisch tiefblau wird es bei Yves Kleins horchrechteckiger Leinwand „Untitled Blue Monochrome“ von 1957, die erst 2013 bei Christie’s für 1,5 Millionen Pfund gehandelt wurde und jetzt ebenso viel kosten soll.

Der Klein gehört zu einer schwedischen Sammlung, die unter anderem noch Yayoi Kusamas hellgraue dichte „Infinity Nets“ von 2006 (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP), Alexander Calders Mobile um 1955 mit schwarzen, roten und einer blauen Metallscheibe (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen GBP) und Asger Jorns bunte Kinderkritzelei „L’État Normal“ mit mehreren Gesichtern von 1959 bereithält (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP). In diesem Jahr malte und collagierte auch Jean Dubuffet seine poetisch mit „Barbe de Lumière des Aveuglés“ betitelte, hässliche und doch irgendwie liebenswürdige Gestalt (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP). Auch aus Antonio Sauras fast drei Meter breiter Leinwand „Metamorfosis“ schauen den Betrachter viele grimmige Gesichter an. Das Gemälde befindet sich seit der Entstehung 1964 im selben Privatbesitz und geht marktfrisch mit 250.000 bis 350.000 Pfund an den Start.

Aus Italien melden sich dann Lucio Fontana mit einem zweimal vertikal eingeschnittenen „Concetto Spaziale, Attese“ von 1968 für 1,3 bis 1,8 Millionen Pfund und Enrico Castellani mit seiner weißen, leicht aus der Senkrechten verschoben reliefierten Leinwand „Gli Addii“ von 1971 für 1,2 bis 1,8 Millionen Pfund zu Wort. Der Brasilianer Sérgio de Camargo operiert ebenfalls mit der Farbe Weiß und einer Erweiterung der planen Fläche ins Dreidimensionale, so bei seinem quadratischen „Relief No. 195“ von 1968 aus zylinderförmigen Holzstückchen (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen GBP). Auf wenige künstlerische Mittel konzentrieren sich zudem zwei Südkoreaner: Lee Ufan setzte auf seine helle Leinwand „From Point No. 790316“ von 1979 reihenweise nur Abdrücke seines roten Pinsels und wiederholte den Vorgang, sobald keine Farbe mehr vorhanden war (Taxe 350.000 bis 450.000 GBP), während Park Seo-Bo in seiner gleichaltrigen „Ecriture No. 13-79“ graue Schriftschwünge in sechs Zeilen aufbringt (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP).

Auch wenn er Schriftzeichen nutzt, agiert Zeng Fanzhi dagegen bildgewaltiger und verewigt sich in seinem unsicheren „Self-Portrait“ von 1996 mit übergroßem Kopf und Händen neben zerplatzten Melonen und dem roten Halstuch der chinesischen Pioniere (Taxe 1,5 bis 2 Millionen GBP). Ai Weiweis Kunst hat immer eine gesellschaftspolitische Dimension. So hat er seine bildhauerische „Map of China“ 2006 aus Tieli-Holz von Tempeln der Qing-Dynastie konstruiert, die im Zuge der Kulturrevolution abgerissenen wurden und den wachsenden Städten weichen mussten (Taxe 1 bis 1,5 Millionen GBP). Skulptural bleibt es mit Louise Bourgeois’ unikater Säule aus handgenähten rechteckigen Stoffziegeln von 2002 (Taxe 700.000 bis 1 Million GBP) oder Antony Gormleys ebenfalls hoch aufragender Konstruktion „Submit IV“ von 2011 aus Eisenklötzen, die an eine menschliche Gestalt mit gesenktem Haupt erinnert (Taxe 300.000 bis 400.000 GBP). Einen Zug ins Humorvolle weist Franz Wests auf einer Eisenstange aufgebockter, karikaturhaft verzogener weißer „Lemurenkopf“ von 2002 auf (Taxe 150.000 bis 200.000 GBP).

Dralles Fleisch zuhauf ist dann die Sache von Jenny Saville. Sie malt gerne den nackten weiblichen Körper in ungewöhnlichen Ausschnitten, so auch die sechs eng aneinander gereihten Leiber auf der über drei Meter im Quadrat messenden Leinwand „Shift“. Die Arbeit von 1996/97, die in der legendären Ausstellung „Sensation. Young British Artists from the Saatchi Collection“ zu sehen war, ist mit der Bewertung von 1,5 bis 2 Millionen Pfund ein Anwärter auf einen neuen Auktionsrekord. Einen Rückenakt offeriert uns dann Marlene Dumas in „The Peeping Tom“ von 1994, der an die im Waschzuber hockenden Frauen Edgar Degas’ denken lässt und uns zu Voyeuren macht (Taxe 350.000 bis 450.000 GBP). Unverfänglich ist dagegen das Schaffen von Rudolf Stingel, der sich in einer titellosen Leinwand von 2012 auf ein Teppichmuster in schemenhafter silbern-roter Farbstellung bezieht (Taxe 1,5 bis 2 Millionen GBP).

Mit Collage und Malerei schafft Mark Bradford abstrakte Strukturen, so auch in „Value 60“ von 2010, wo horizontale Farbbahnen einer weißen abgerissenen Fläche gegenüberstehen (Taxe 1 bis 1,5 Millionen GBP). Neo Rauch malt zwar figurativ, dennoch sind seine beiden Männer mit Presslufthammern auf der Leinwand „Gut Gut“ von 1999 ebenso enigmatisch (Taxe 450.000 bis 650.000 GBP). Einer der jüngsten Künstler der Auktion ist der 1976 in Teheran geborene und in New York lebende Ali Banisadr, der schon einige Auktionserfolge vorweisen kann. In seinem großen Gemälde „The Garden“ von 2010 greift er auf Hieronymus Boschs Meisterwerk „Der Garten der Lüste“ zurück und verbindet westliche Kunstgeschichte mit persischer Miniaturmalerei (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP).

Kontakt:

Sotheby’s London

34-35 New Bond Street

GB-W1A 2AA London

Telefax:+44 (020) 72 93 59 24

Telefon:+44 (020) 72 93 51 84



26.06.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Veranstaltung vom:


28.06.2016, Contemporary Art Evening Auction

Bei:


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