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Geschichte als diskontinuierliches Narrativ: Der Salzburger Kunstverein zeigt jetzt die neue Filminstallation „The Secret Agent“ des kanadischen Künstlers Stan Douglas

Schlafwandler im Action Modus



„Ihre Kameraden sind ein fauler Haufen. Genau wie Sie stehen sie kaum vor Mittag auf. Machen Sie sich keine Sorgen, beim nächsten Mal komme ich bei Ihnen vorbei. Als was bezeichnen Sie sich eigentlich? Anarchist? Desillusionierter Kommunist?“ „Anarchist“, lautet die Antwort. Sommer 1975: Wir befinden uns in einem repräsentativen Büro der US-Botschaft in Lissabon. Mr Vladimir, ein hoher, gleichwohl von seiner Aufgabe überforderter Botschaftsbeamter, hat Verloc vorgeladen, einen linkischen Anarchisten, der für die Amerikaner einen schmutzigen Auftrag erledigen soll. Es geht um die Sprengung des Unterseekabels, über das die gesamte Telekommunikation zwischen Europa und den USA läuft. Zur Tarnung betreibt Verloc ein schummriges Kino irgendwo in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Dort läuft gerade „Der letzte Tango in Paris“, die große Uhr im Foyer ist derweil bedeutungsschwanger stehengeblieben. Doch an diesem Ort treffen sich nicht nur Cineasten und Liebhaber revolutionärer Literatur, die nebenbei verkauft wird. Hier finden auch konspirative Treffen derjenigen statt, die das kleine Land ganz im Westen des europäischen Festlands immer wieder mit terroristischen Anschlägen erschüttern.


Der faschistische „Estado Novo“ von António de Oliveira Salazar, der das Land seit 1932 im Griff hatte, war am 25. April 1974 durch einen Militärputsch hinweggefegt worden. Jetzt herrschte ein Machtvakuum. Das Agrarland war wirtschaftlich am Ende. Angola und Mosambik, die größten überseeischen Besitzungen der letzten großen Kolonialmacht Europas kämpften bereits um ihre Unabhängigkeit. Eine Zeitenwende stand bevor, aber es war nicht klar, in welche politische Richtung das stark destabilisierte Land gehen würde. Damals, Mitte der 1970er Jahre, waren die USA in Portugal sogar mit Kriegsschiffen präsent.

Dies ist der historische Hintergrund, vor dem der kanadische Künstler Stan Douglas seine aktuelle Sechskanal-Video-Installation „The Secret Agent“ von 2015 spielen lässt. Die 53:35-minütige, aus zwölf sich teilweise überlagernden Episoden bestehende Arbeit basiert auf dem Roman „The Secret Agent“ von Joseph Conrad aus dem Jahr 1907. In diesem ersten Agenten-Thriller der Literaturgeschichte geht es um eine wahre Begebenheit aus dem Jahr 1894: das vereitelte Sprengstoffattentat auf das Greenwich Observatory in London. Stan Douglas nimmt sich die Freiheit, die Story in den sogenannten „heißen Sommer“ im Portugal des Jahres 1975 zu verlegen, in dem zahlreiche Terroranschläge von rechten und linken Gruppen das Land erschütterten.

Der 1960 in Vancouver geborene Fotograf, Film- und Installationskünstler ist bekannt für seine ebenso komplexen wie präzis konstruierten, soziopolitisch aufgeladenen Narrative, in denen historische Fakten und fiktive Elemente sich miteinander vermischen. In „The Secret Agent“ konfrontiert Stan Douglas den Betrachter mit einer immersiven Filmerzählung voller Anspielungen auf den Kalten Krieg, den Kolonialismus, linksextreme Terroristen, den Film Noir, das Avantgardekino der 1970er Jahre, den Free Jazz, den Afrobeat und viele andere politische und kulturelle Subtexte.

Douglas verfügt über ein umfangreiches filmisches Wissen, das er auch hier wieder auf geniale Art zur Anwendung bringt. Entstanden ist ein kleines cineastisches Meisterwerk. Die elf Rollen sind mit exzellenten Schauspielern besetzt. Jede Einstellung sitzt, jedes kleine Ausstattungsdetail, die Requisiten und Kostüme sind mit Bedacht und Akkuratesse ausgewählt. Als Schauplätze wählte Douglas die düster-bedrohlich wirkende US-Botschaft, einfache Bars, das altmodische Kino, finstere Büros und die Straßen und Gassen Lissabons. Das Set-Design wurde zusammen mit einem Team von 3D-Designern und Programmieren entwickelt.

Die Anspannung der für den Betrachter nur partiell überschaubaren Situation steht stellvertretend für die Entwicklung in ganz Europa – damals wie heute. Die Handlung ist einerseits auf der Folie und dem europaweiten Nachhall der Ereignisse im Paris des Jahres 1968 zu lesen. Dezent eingestreute Hinweise darauf finden sich etwa auf den Plakaten im Kino. Dennoch ergeben sich auch immer wieder Bezüge zur aktuellen weltpolitischen Situation nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Premiere feierte „The Secret Agent“ im Oktober 2015 im Wiels in Brüssel und parallel dazu im Museu Coleção Berardo in Lissabon. Jetzt wird das Werk im Salzburger Kunstverein gezeigt. Kuratiert wurde die Ausstellung von Séamus Kealy, dem Direktor des Kunstvereins. Der große Ausstellungsraum ist komplett abgedunkelt und fungiert als Kinosaal. Auf sechs großen Projektionsflächen erscheinen mal parallel, dann wieder sich ablösend die einzelnen Handlungsstränge, ab und zu von Schwarzblenden unterbrochen. Der Betrachter wird so veranlasst, ständig seine Position zu verändern. Hin- und hergerissen zwischen den verschiedenen Protagonisten und Handlungssträngen, setzt sich daher jeder seinen Film selbst zusammen. Egal ob man nun einen Charakter über die gesamte Länge des Films verfolgt oder sich von der Bilderflut treiben lässt: Der Spannungsbogen wird gehalten. Mediokre Protagonisten, die vergeblich versuchen, am großen Rad der Weltgeschichte zu drehen, ein eitler, aber politisch desinteressierter Inspektor, ein nihilistisch eingestellter Professor und eine junge Frau, die am Ende zur Mörderin wird, sind nur einige der Protagonisten dieses Plots.

Stan Douglas hat sich in seinem Werk wiederholt auf literarische Vorlagen etwa von Samuel Beckett, Herman Melville oder Franz Kafka bezogen. Ebenso auf Hollywood-Genres wie den Detektiv-Film oder den klassischen Western. Hier betätigt er sich einmal mehr als Erzähler von dicht verwobenen Geschichten, der mit narrativen Leerstellen, Überlagerungseffekten sowie absichtlich eingestreuten Diskontinuitäten und Brüchen in der Personenzeichnung die Rezeptionsgewohnheiten seines Publikums extrem herausfordert. Zumal die sechs Videokanäle von nicht weniger als acht Audiokanälen flankiert werden. Ein zweites Hinschauen lohnt sich allemal.

Wer noch mehr von Stan Douglas sehen möchte, dem sei ab dem 18. Oktober seine Ausstellung im Hasselblad Center in Göteborg empfohlen, die aus Anlass der Verleihung des renommierten und mit 110.000 Euro dotierten Hasselblad Foundation International Award in Photography an Stan Douglas, sein Werk ausführlich würdigt.

Die Ausstellung „Stan Douglas: The Secret Agent“ ist bis zum 10. Juli zu sehen. Der Salzburger Kunstverein hat täglich außer montags von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag Ludion für 39,90 Euro.

Kontakt:

Salzburger Kunstverein

Hellbrunner Straße 3

AT-5020 Salzburg

Telefon:+43 (0662) 84 22 94 27

Telefax:+43 (0662) 84 07 62

E-Mail: besucherbetreuung@salzburger-kunstverein.at



17.06.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Stan Douglas gewinnt Hasselblad-Preis

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