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Sigalit Landau findet im Künstlerhaus Wien eindrucksvolle Bilder für die Geschichte ihres Landes Israel

Spiel und bittere Erkenntnis



Der Waffenstillstand zwischen Ariel Scharon, dem israelischem Ministerpräsidenten, und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas beendete im Februar 2005 offiziell die zweite Intifada. Israel gab die Besatzung des Gazastreifens auf, und damit endete nach 38 Jahren die Präsenz der Israelis. Viele Palästinenser feierten das Ende der israelischen Besatzung mit Jubelgesängen, Tänzen und Freudenschüssen. Mahmud Abbas würdigte den Abzug als historisches Ereignis, während Scharons Abkehr von der bisherigen Siedlungspolitik im Vorfeld wegen der fehlenden Abstimmung mit den Palästinensern international kritisiert wurde und er innerparteilich unter Druck geriet. Der Plan kostete Scharon Sympathien bei der Siedlungsbewegung und der politischen Rechten Israels, brachte ihm aber Zustimmung im gemäßigten und linken Spektrum sowie bei internationalen Bündnispartnern.


Im selben Jahr schuf die israelische Künstlerin Sigalit Landau ihre Videotrilogie „DeadSee“, die im Rahmen einer umfangreichen Personale mit Videoarbeiten als diesjähriger Ausstellungsbeitrag während der Festwochen im Wiener Künstlerhaus zu sehen ist. „Deadsee“ beginnt mit einem überwältigend schönen Bild: aus der Vogelperspektive schauen wir auf eine Ansammlung grüner Wassermelonen, die mittels eines Drahtseils miteinander verbunden sind und, aufgefädelt wie Perlen einer Kette, spiralförmig im türkisfarbenen Wasser treiben. Eingekeilt zwischen den Melonen schwimmt der nackte, helle Körper einer Frau. Mit einer Hand hält sich die Künstlerin an einer der Früchte mit aufgebrochener Schale fest, deren Inneres – im Unterschied zu den grünen, runden Früchten – den Blick auf ihr rotes saftiges Inneres freigibt. Durch eine unsichtbare Kraftquelle wird das Seil nach außen aufgezogen und verkleinert die Spirale, bis schließlich die Melonekette als schmale grüne Linie aus dem rechten unteren Bildrand verschwindet.

In „Dead See“ versammelt die 1969 in Jerusalem geborene Sigalit Landau, eine der bedeutendsten israelischen Künstlerinnen, eine Fülle von Motiven, die modifiziert und in anderen Konstellationen in vielen ihrer Arbeiten auftauchen: Zucker und Salz, Früchte, Kreis und Spirale, Spiel und Grenzen. Häufig betont sie ambivalente und dichotomische Strukturen von Sichtweisen, die einander gegenüberstehen und ergänzen. So wie das Tote Meer für seinen hohen Salzgehalt bekannt ist, wird es doch vom Jordan, der wichtigsten Süßwasserquelle sowohl für Israel, als auch für Jordanien, gespeist. Dort werden die Wassermelonen oft mit Salzwasser übergossen, was dazu führen soll, dass ihr Fleisch noch süßer wird. Sowohl Zucker als auch Salz konservieren, Salz gelingt aber auch, etwas aufzulösen.

Oder die Spirale: sie ist Symbol für unendliche Bewegung, Sinnbild für Wandel und wiederkehrenden Wechsel, Sammlung und Zentrierung nach Innen, Öffnung und Ausbreitung nach Außen. Sie gehorcht eigenen Gesetzen, ist immer in Bewegung, dreht sich, wobei die Drehung innen sehr schnell ist und nach außer langsamer wird. Im Inneren jedoch, der statischen Achse, ist Stillstand. Auch das Motiv des Spiels ist ein wiederkehrendes Thema in Landaus Videoarbeiten: In „Dancing for Maya“ aus dem Jahr 2005 zeichnen zwei Frauen Wellen in den Sand, nur um zu beobachten, wie die ans Ufer schwappenden Wellen sie wieder verschwinden lassen. In „Azkelon“ von 2011 wetteifern drei junge Männer. Sie zeichnen Grenzen auf, übertreten diese und löschen sie wieder. „Azkelon“ ist die Verschmelzung von Gaza – auf Hebräisch „Aza“ – und Aschkelon: zwei Städte, die sich einen Strand teilen, aber durch eine Grenze getrennt sind.

Im Video „Barbed Hula“ von 2000 schwingt Sigalit Landau in der Abenddämmerung an einem ruhigen Strand im Süden Tel Avis einen Hula-Hoop-Reifen um ihre nackte Taille. Der Film beginnt mit kreisenden Köperbewegungen und gibt erst nach und nach seine blutige Botschaft preis: der Reifen, den Landau so lässig um ihre Hüften schwingt, besteht aus Stacheldraht mit scharfkantigen Graten. In dieser Arbeit, mit der die Künstlerin 2011 auf der Biennale in Venedig für große Aufmerksamkeit sorgte, werden Sujets wie Spiel und körperliche Qual ebenso thematisiert, wie das Motiv der Grenze: Die Mittelmeerküste ist Israels einzige „offene Grenze“ zum „Westen“, jedoch eine, die potentiell auch eine offene Seite für Angriffe bietet. Der Stacheldraht, der dazu dient, Territorien abzustecken, gehört ebenso zur Grenze. Gleichzeitig erinnert der geflochtene Ring an eine Dornenkrone. Die Bewegung oszilliert zwischen Folter und Vergnügen. Der weibliche Körper wird Verletzungen und Schmerzen ausgesetzt, die Haut aufgerissen.

Für die Künstlerin sind all dies Versatzstücke zu einer großen Geschichte. Eine Geschichte, die sie immer wieder neu und anders erzählt: die Geschichte des Ortes, von dem sie stammt, die Geschichte eines Landes, das nicht zur Ruhe kommt, dessen Grenzen immer wieder angefochten werden und an dem Geschichte und Glauben den Alltag prägen. Als ein entscheidendes Merkmal der Arbeiten von Sigalit Landau bezeichnete Michael Hübl „deren ansteigende Signifikanz“: „Am Anfang steht das Spiel, am Ende bittere Erkenntnis. Ambivalenz und Transformation sind Begriffe, die Landau selbst gerne für ihre Werke nutzt: Die meisten meiner Arbeiten haben zumindest zwei Seiten.“

Auch die zweite Arbeit aus der „DeadSee“-Trilogie folgt diesem Schema. „Standing on a Watermelon in the Dead Sea“ von 2005 wurde unter Wasser im Toten Meer gefilmt. Das Video zeigt die Sigalit Landau beim Versuch, auf einer im Wasser schwimmenden Melone stehend die Balance zu halten. Trotz der Tendenz der Wassermelone, stets zur Oberfläche aufzusteigen, gelingt es der Künstlerin, sich aufrecht zu halten. Vor dem Hintergrund der Situation im Gazastreifen, ist das Bild eine schlüssige Demonstration für die Unsicherheit und den Überlebenswillen der Menschen im Nahen Osten. Das Rot, Schwarz, Grün und Weiß der Melone entsprechen den Farben der palästinensischen Flagge. In den Jahren nach dem Sechstagekrieg wurde es zu einem Verbrechen, die palästinensische Flagge im israelisch kontrollierten Gaza und Westjordanland zu hissen. Um das Verbot zu umgehen, sollen Palästinenser aufgeschnittene Wassermelonen als Zeichen des Protests durch die Regionen getragen haben. Eingedenk dieser Symbolik wird Landaus Bild zweier impulsartig gegeneinander arbeitender Kräfte zum provokativen politischen Statement.

Ein weiteres, eindringliches Bild von der Schwerkraft der Geschichte, von Vergessen und Erinnern gelingt Landau mit der Videoarbeit „Salted City“ aus dem Jahr 2011. Ihre mit Salzkristallen aus dem Toten Meer überzogenen Arbeits- und Militärstiefel setzte sie in Gdansk auf die Eisfläche eines zugefrorenen Sees. Den elf Stunden dauernden Prozess, bei dem sich jeder der beiden Salzschuhe sein eigenes dunkles Loch in das Eis fraß und im Süßwasser unterging, schnitt Landau zu einem Film von elf Minuten Länge. Das Eis des Sees weicht dem Salz der Wüste. Zeit, Gedächtnis, Chemie und Schwerkraft verdrängen die Besitzerin dieser Schuhe aus dem Bild und von der historischen und geografischen Bildfläche.

Der weitere Rundgang durch die Ausstellung öffnet das Thema hinaus in die Gegenwart: In den Videoarbeiten „Hineni“ und „Four Entered the Grove“, beide aus dem Jahr 2012, sind die Protagonisten nicht Menschen, sondern Olivenbäume, die mechanisch gerüttelt werden. Abermals greift Landau ein Motiv auf, das schon allein durch seinen häufigen Hinweis in der Bibel geschichtliche Relevanz demonstriert. Andererseits unterstreicht sie auch die wirtschaftliche Bedeutung des Baumes im Nahen Osten. Schon in frühbyzantinischer Zeit bedeutete der Export von Olivenöl für viele Dörfer der sogenannten Toten Städte die wirtschaftliche Grundlage. Ebenso wurde der Baum zum Zeichen des Friedens. Der Bibel nach war die Ölfrucht den Juden im gelobten Land verheißen und wurde zum Bild des Wohlstandes und bürgerlichen Glückes. In ihrer Videoarbeit „Hineni“ zeigt Sigalit Landau eine Projektion mehrerer Olivenbäume, die von speziellen Erntemaschinen mechanisch gerüttelt werden, während eine zweite Projektion einen kleinen Baum vorführt, der zwar noch zu jung ist, um Früchte zu tragen, sich aber schon der gleichen Prozedur unterziehen muss. Das Ablösen der Oliven erfolgt, indem der Baumstamm und die Äste durch Rüttler geschüttelt werden, solange bis sich die Oliven von ihrem Stiel trennen und auf die unten ausgebreiteten Netze fallen. Die Maschinen sind ohrenbetäubend laut, Staubwolken behindern die Sicht, Blätter und Oliven wirbeln durch die Luft und fallen prasselnd auf die ausgelegten Netze.

Erneut gelingt es Sigalit Landau, eine alltägliche Szene, die eng mit ihrer Heimat verbunden ist, als Sinnbild für Gewalt und Entwurzelung zu interpretieren: Jung und alt werden dabei ebenso miteinander konfrontiert, wie Natur und Maschine, Wurzel und Verankerung mit dem Druck des unerbittlichen Marktes. In Landaus Inszenierung wird die alltägliche Ernteszene zur Apokalypse, zur verbildlichten Zeitenwende, in der das ‚Alte’ und das ‚Junge’ den wirtschaftlichen Strategien eines unerbittlichen Marktes untergeordnet wird. Ohne ein Wort macht sie die schizophrenen Spielregeln eines Mechanismus sichtbar, der immer mehr und billiger produzieren muss.

„Hineni“ bedeutet auf Hebräisch „Ich bin hier“. Im Buch Genesis wird es mehrmals von Abraham beim Opfer des Isaac ausgesprochen. „Hineni“ – so antwortet er seinem Gott, der völlige Aufmerksamkeit fordert. In ihrer Wiener Ausstellung legt Sigalit Landau vielfältige Fährten aus, um ihre zentralen Metaphern durchzuspielen. Man kann nicht umhin, in diesem Statement der Künstlerin die Sehnsucht nach einer zionistischen Vergangenheit zu entdecken und zugleich auch die Sorge um ein Land, das sich weit weg von seinen Wurzeln entfernt hat.

Die Ausstellung „Sorrow Grove – Sigalit Landau“ ist bis zum 19. Juni zu sehen. Das Künstlerhaus Wien hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8,50 Euro, ermäßigt 6,50 Euro.

Kontakt:

Künstlerhaus Wien

Karlsplatz 5

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 587 87 36

Telefon:+43 (01) 587 96 63

E-Mail: office@k-haus.at



12.06.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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