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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Vorbericht

Die „Cultures“ bringen in Brüssel erstmals in den Galerien am Grand Sablon antike, asiatische und außereuropäische Kunst zu einer Verkaufsschau zusammen

In fernen Welten



Masken der Kasai in der Congo Gallery

Masken der Kasai in der Congo Gallery

Es ist das umstrittenste Sammelgebiet, das die Kunstwelt kennt, und das trotzdem oder gerade deswegen eine exklusive Sammlerklientel hat. Es geht um Objekte aus Afrika, Ozeanien, Indonesien, Asien, Ägypten und auch dem Mittleren Osten. In keinem anderen Sammlungsgebiet ist die Dunkelziffer bezüglich Verkauf und Schmuggel von illegalen Kunstwerken und Kulturgütern so hoch wie in diesem. Ein offenes Geheimnis ist es, dass die durch den Islamischen Staat zerstörten Kunstwerke bruchstückhaft ins Ausland verkauft werden, damit dieser schmutzige Krieg finanziert werden kann. Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist mit ihrer Novellierung des Kulturgutschutzgesetzes bei Sammlern, Künstlern und Kuratoren, Galeristen, Museumsleuten und anderen Kunstschaffenden in Ungnade gefallen. Nach wie vor wird sie ihr Ziel nicht aufgeben: Grütters will Ein- und Ausfuhr von kulturellen Objekten neu regeln und den Handel mit Raubkunst gerade aus den Kriegsgebieten in Afrika und dem arabischen Raum unterbinden. Und sie will mit Hilfe der neuen Ausfuhrregeln auch die Abwanderung von bedeutendem Kulturgut aus Deutschland verhindern. Dies ist der eigentliche Schmerzpunkt für die Kunstszene und der Grund dafür, dass so erbost über das Novellierungspaket aus dem Kulturstaatsministerium gestritten wird.


Das alles ist natürlich auch in Brüssel Thema, und der Blick nicht nur der deutschen Teilnehmer der neuen Kunstmesse „Cultures“ richtet sich auf Berlin. Deshalb ist es jedem Händler wichtig, dass seine eingereichten Objekte der strengen Überprüfung durch eine international besetzte Jury standhalten. Gerade auch Roswitha Eberwein, Seniorchefin der renommierten Galerie Antike Kunst aus Göttingen, die auf Kulturgegenstände aus Ägypten spezialisiert ist und bei Costermans ausstellt, weiß, wie wichtig Provenienzen sind. Keine leichte Aufgabe für die Fachjury, jedes Objekt im wahrsten Sinn des Wortes unter die Lupe zu nehmen und die Papiere zu prüfen. Geboren wurde die Idee der „Cultures“, die in keiner Halle, sondern in Galerien um den und am Place Sablon in Brüssel stattfinden, von den drei Vereinigungen „Asian Art in Brussels“, „Brussels Ancient Art Fair“ und „Brussels Non European Art Fair“, die ihre Händler zusammenführen wollten und ihnen in Brüssel nun ein Podium für ihre Kunst anbieten.

Nicht umsonst haben sie Brüssel ausgewählt, denn die große, wenn auch nicht immer großartige Geschichte mit afrikanischen und anderen Kolonien hat bei den Belgiern ein starkes Bewusstsein für die Kunst aus fernen Ländern geprägt. Entsprechend hoch ist der Anteil der Sammler für ein so kleines Land wie Belgien. Neun Länder werden durch die Händler repräsentiert – Deutschland, China, Spanien, Frankreich, Italien, die Niederlande, England und die USA. Wenig Unruhe herrscht bei den 70 Teilnehmern der „Cultures“ ob der zurückliegenden Terroranschläge und der noch immer starken Präsenz des bis an die Zähne bewaffneten Militärs auf öffentlichen Plätzen. Ganz im Gegenteil, man fühlt sich eher beschützt. Doch wie wenig Touristen es nach Brüssel zieht, merkt man an der Hotelbelegung; es gibt noch genügend Platz in den besten Hotels zum kleinen Preis.

In der kleinen Gasse Impasse Saint-Jacques am Place Sablon liegen allein zwei bedeutende Galerien für Kunst aus dem Kongo. In Ambre Congo zeigen Pierre Loos und Thomas Bayet ihre afrikanischen Kleinodien und haben zudem noch ihren Brüsseler Kollegen Bertrand Estrangin mit Kunst der Aborigines zu Gast. Nebenan in der Congo Gallery sind afrikanische Masken zu sehen, unterschiedlich groß und von unterschiedlicher Bedeutung. Hauptsächlich kommen sie aus dem Kongo und sind etwa aus Elfenbein im Miniaturformat geschnitzt. Sie sind noch nicht so alt, aber selten. Eine andere Maske ist übersät mit handgemachten Perlen und kleinen Muscheln. Sie wurde für einen Herrscher angefertigt und verlangt 18.000 Euro. Vincent J. Geerling ist aus Amsterdam nach Brüssel gekommen und zeigt in der Galerie Lorelei am Sablon Kunst aus Ägypten, darunter ein goldenes Maskengesicht mit exakt gemalten roten Lippen. Es stammt von einem privaten Sammler, der das rare Stück einem mit Namen genannten Händler aus Luxor abgekauft hat.

Gerade bei diesen Stücken ist Provenienz wichtig. Das gilt auch für ein reich bemaltes Gefäß, in dem in einem Grab Eingeweide aufbewahrt wurden. Robert R. Bigler – auch er ein Vertreter der ägyptischen und asiatischen Kunst – hat viele Kleinodien aus der Schweiz mitgebracht, um sie hier an Sammler weitergeben zu können. Bigler ist kein Galerist, er vertreibt seine Kunstgegenstände quasi privat, hat früher viele Messen organisiert und durch die Kontakte zu Händlern seine Sammlung, die er heute anbietet, aufbauen können. Er kauft auch auf Auktionen, und man tauscht auch gelegentlich unter Kollegen. Wenn er auf ein Stück hinweist, und das kann bei ihm schon mal 360.000 Euro kosten, dann kommt sofort der Hinweis auf die Provenienz, so wie bei der Büste aus einem besonderen Quarzgestein, einem Beamtenkopf mit gewelltem Haar, oder einer Schreibgarnitur aus Calcit-Alabaster. Ungewöhnlich ist die Teilnahme der Galerie Espace Sablon, wo man Eindrücke von Madagaskar durch seelenvolle Schwarz-Weiß-Fotografien von Pierrot Men gewinnen kann. Die Schau am und um den Place Sablon beschäftigt sich auch mit den Geheimnissen Asiens. Die Kyoto Gallery steht in Brüssel schon lange für die feinen Kunststücke aus Japan und offeriert etwa eine historische Uniform der Samurai. In der Galerie Lamy entdeckt der Besucher einen Rucksack, der wie ein kleiner Schrank mit Schubladen gearbeitet ist. Darin bewahrte man Zutaten für religiöse Zeremonien auf, die man auf einer Reise nicht missen wollte.

Möchte man sich in eine Welt zurückziehen, die sich nicht mit Handel und Wandel befasst, kann man sich die großen Lobi-Statuen aus Afrika vornehmen. Die Lobi sind eine Ethnie, die sowohl in Burkina Faso als auch in Eritrea und der Elfenbeinküste beheimatet ist. Das Ehepaar François und Marie Christiaens stellen Teile ihrer Sammlung in der „Ancienne Nonciature“ vor, die einst die Botschaft des Vatikans beherbergte. Unter dem Titel „Whispering Woods“ stehen hier ausgewählte Lobi-Statuen neben großformatigen Fotografien aus den Lebensbereichen der Künstler. Im Erdgeschoss werden Bronzestatuetten und Terrakotta-Figuren in Korrespondenz mit neun Holzfiguren aus dem 10. bis zum 15. Jahrhundert präsentiert. Für diese Art Messe muss man sich viel Zeit lassen. Denn die Wege sind zwar nicht weit und die Gassen liegen eng beisammen, aber das Angebot ist so hochkarätig und vielfältig, dass man unbedingt eine Pause bei Pierre Marcolini oder Wittamer, den besten Chocolatiers von ganz Belgien, machen sollte. Sie liegen am Place Sablon einander direkt gegenüber.

Die „Cultures. The World Arts Fair – Ancient, Tribal and Asian Art“ läuft bis zum 12. Juni in den Galerien am Place Sablon in Brüssel.

www.cultures.brussels.be



10.06.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marianne Hoffmann

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