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Oliver Laric hat die Wiener Secession mit Kopien bekannter Kunstwerke vollgestellt

Kunst im Zeitalter ihrer Reproduzierbarkeit



2014 ging eines der bedeutendsten deutschen Kunstmuseen, das Frankfurter Städel Museum, eine ungewöhnliche Kooperation ein. Kunstwerke aus dem Bestand des Hauses konnten mithilfe einer Drogeriekette für die eigenen vier Wände ausgedruckt werden. Mittlerweile kann man über das Internet aus insgesamt 200 Werken wählen. Themenwelten wie „Abstrakt“, „Gesichter“, „Glauben und Hoffen“ oder „Stillleben und Stilblüten“ schaffen Orientierung. Am Ende des Bestellvorgangs muss der Kunde nur noch entscheiden, ob das Motiv auf Fotoglanzpapier, Hartschaumplatte, mit Aquarell-Struktur oder auf „Künstlerleinwand“ gedruckt werden soll. Die Maße bestimmt der Konsument ebenfalls selbst. Der damalige Städel-Chef Max Hollein, der sich eben nach San Francisco verabschiedet hat, sah das Angebot als Teil der „digitalen Erweiterung seines Hauses“, um „Meisterwerke der Kunstgeschichte als individuell konfigurierbare Reproduktionen an die heimischen Wände“ zu bringen, und Michael Hierholzer konstatierte in der FAZ: „Wenn es keine Ausgeburt des Marketings wäre, könnte man das fast für ein künstlerisches Konzept halten.“


Und siehe da: in Wien ist es jetzt so weit. Dem 1981 in Innsbruck geborenen und heute in Berlin lebenden Künstler Oliver Laric ist es zu verdanken, dass Reproduktionen von Kunstwerken, die er im 3D-Verfahren gedruckt hat, nicht nur in der Wiener Secession zu sehen sind, sondern auch privat vervielfältig werden dürfen. Der Künstler arbeitet an einer Datenbank, die technische Daten und Druckpläne von Kunstgegenständen aus Museen als 3D-Daten zum rechtefreien und kostenlosen Download bereitstellt, um „museale Kunstobjekte… über geografische, soziale und kulturelle Grenzen hinweg zu verbreiten und einer zunehmend digitalen Gesellschaft zugänglich zu machen“, so der Pressetext der Secession.

Bei Larics Werken handelt es sich, abgesehen von ihrer Materialbeschaffenheit und Farbigkeit, um täuschend echt aussehende Nachbildungen von Kunstwerken und einigen wenigen Objekten aus der Natur. Die „Photoplastiken“, so der Titel der Ausstellung, wurden speziell für die Secession angefertigt, deren Hauptraum sich für die Dauer der Schau in eine Kopienhalle verwandelt hat. Im Zentrum thront Max Klingers „Beethoven“, flankiert von antiken Schöpfungen wie dem „Sandalenbindenden Hermes“ und dem „Jüngling vom Magdalensberg“. Franz Seiferts Denkmal von „Auguste Fickert“ bringt Laric die gleiche Aufmerksamkeit entgegen wie Otto Jarls „Eisbär mit Seehund“ oder einem Abguss des rechten „Fußes der Tänzerin Fanny Elßler“. In makellosem Weiß oder verschiedenen 3D-Materialien, teils auf filigranen Sockeln erhöht, teils auf dem Boden präsentiert, in einem Stück gedruckt oder angesichts der Vorlagengröße zusammengefügt aus mehreren Blöcken, kredenzt Laric eine kleine Auswahl seiner neuesten Produktion.

Die Auslese und deren Präsentation geraten allerdings zur unfreiwilligen Leistungsschau. Die Arbeiten wirken eher wie Belege für die vielfältigen Möglichkeiten einer verlockenden Reproduktionstechnik. So stehen Kopien von Inkunabeln der Kunstgeschichte neben Beispielen aus dem öffentlichen Raum, Fälschungen nach der Antike neben Antikenkopien, Kopien nach der Natur neben einem Selbstbildnis des 3D-Verfahren-Erfinders François Willème. Um Fragen nach Autorenschaft und Originalität, wie sie sich die Künstler der Appropriation Art stellen, geht es Laric aber offenbar nicht. Ebenso wenig sind seine kopierten Objekte als Beitrag einer kunstkritischen Denkmalsdebatte zu verstehen. Sein Stichwort ist vielmehr die „museale Demokratisierung“. Kunst für alle, lautet die Devise, vor allem aus dem musealen Kontext, und so mixt der Künstler Epochen wie Methoden und bedient sich der vielfältigen Möglichkeiten des digitalen Raums, wie einfache Reproduzierbarkeit, unendliche Wandelbarkeit und schnelle Verbreitung.

Unterfüttert wird sein unbekümmertes Bestreben mit locker hingeworfenen Erklärungen: vom Anspruch einer Verbreitung musealer Kunstwerke „über geografische, soziale und kulturelle Grenzen hinweg“, ist seitens der Secession die Rede, die Larics Verfahren gar mit Aby Warburgs Mnemosyne-Atlas vergleicht. Unter dem Deckmäntelchen der „musealen Demokratisierung“ versteckt sich aber vor allem das Angebot, das zu besitzen, was zuvor museale Weihen erfuhr. Die Kommerzialisierung scheint endgültig im Musentempel angekommen zu sein. „Ich sehe keine Notwendigkeit“, erklärte Oliver Laric, „selbst neue Bilder zu produzieren. Alles was ich brauche, existiert bereits. Es geht nur ums Finden.“ Indem man ein existierendes Bild benutzt, schafft man ein Neues. Nur ist bei Larics Kopien der Mehrwert leider gering.

Die Ausstellung „Oliver Laric – Photoplastik“ ist bis zum 19. Juni zu sehen. Die Secession hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9,50 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Kinder unter zehn Jahren ist er kostenlos. Der Katalog zur Ausstellung kostet 33 Euro.

Kontakt:

Secession

Friedrichstraße 12

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 587 53 07

Telefax:+43 (01) 587 53 07 34

E-Mail: office@secession.at



07.06.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


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