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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Expressionistische Werke dominieren die Auktionen mit Kunst der Klassischen Moderne bei Ketterer in München

Der Mensch in all seinen Facetten



„Auf das Wasser des Haffs und der Ostsee, auf die wechselnde Lichtfülle in diesem nordöstlichen Landstreifen, auf die Natur mit ihrem ewiggleichen Rhythmus und ihrer je nach der Jahreszeit wechselnden Farbharmonie hatte der unselige Krieg keinen Eindruck hinterlassen können“. Diese Zeilen schreibt Hermann Max Pechstein in seinen „Erinnerungen“ nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Der Expressionist, der besonders vor Beginn des Krieges viele Figurenbilder malte, fand danach in seinen Landschaftsdarstellungen einen Ausgleich zum ruhelosen Alltag. So birgt sein ausdrucksstarkes Ölgemälde „Stürmisches Wetter an der Ostsee (Beschienene Wellen)“ von 1919 trotz des tobenden Unwetters nichts Bedrohliches, stattdessen eine große Ruhe und Gelassenheit. Ein einzelnes Boot liegt am menschenleeren Strand, einige Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die Wolkendecke und lassen das Wasser teils in wärmeren Grün- und Gelbtönen glänzen. Das farbkräftige Werk Pechsteins soll nun im Münchner Auktionshaus Ketterer 350.000 bis 450.000 Euro einspielen.


Einen großen Teil der Offerte der Klassischen Moderne machen am 9. und 11. Juni die Figuren-, Akt- sowie Porträtmalerei aus, darunter Otto Muellers „Zwei Mädchen auf der Waldwiese“ um 1910. Das durch seine Malerkollegen Kirchner und Heckel beeinflusste Werk prägt ein stark zeichnerischer Duktus. Die Sinnlichkeit des weiblichen Körpers und der Natur unterstreicht Mueller durch die zarte Grün- und Blautöne (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). In derselben Preiskategorie rangieren Heinrich Campendonks „Drei Akte mit Schildkröte“ um 1920 in der für den Künstler typischen naiven, schematisch-surrealen Formenwelt. Fast wie in einem Heiligenbild tritt Karl Hofers „Mann mit Hund“ 1918 auf und weist in seiner weltabgewandten sanften Melancholie über das Irdische hinaus (Taxe 120.000 bis 140.000 EUR). Auch Helmut Kolle hat seinen „Matelot“ um 1928/30 in mystischer Verinnerlichung auf die Leinwand gebracht (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Beseelte Darstellungen von Menschen gelingen zudem noch Grete Csaki-Copony in ihrem stillen Zwei-Personen-Stück „Großmutter und Enkelin“ von 1927 (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR) oder dem Beckmann-Schüler Karl Tratt in einer Befragung seines unsicheren „Selbst“ um 1920 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Weitaus lebensnäher und lustvoller hat da Paul Kleinschmidt seine stattlichen Damen in der für ihn buttrigen Farbwahl beim Ankleiden oder Genießen gestaltet, sei es 1949 seinen „Rückenakt auf rotem Sessel“ (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), seine „Schuhanziehende Zirkusdame“ mit prallen Busen (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) oder seine Cocktail schlürfende Blondine „An der Bar“ von 1938 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Dagegen setzt Oskar Schlemmer auf Abstraktion und Vergeistigung und aquarelliert 1929 seine „Sitzende“ in einem strengen, fast hieratischen Schematismus (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR). Auf eine religiöse Ebene hebt Richard Ziegler den Menschen und hat sich in dem expressionistischen Gemälde „Mond über Pietà“ von 1923 ganz auf die beiden Köpfe von Maria und Jesus und ihre innige Beziehung über den Tod hinaus konzentriert (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Auch Max Liebermann ist mit einigen Figurenbildern zugegen. Als flüchtige Impression hat er 1898 die Ölstudie „Bäuerin mit Kinder unter der Tür“ angelegt, die aufgrund ihrer Tracht nach Laren verweisen (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Genauer ausformuliert ist das zentrale Motiv „Junge Mutter unter Bäumen“ von 1882, bei dem Liebermann aber die Ränder fast unbearbeitet gelassen hat (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Er selbst blickt uns als älterer, energischer und kritischer Herr in einer Büste im Dreiviertelprofil um 1922 entgegen (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Auch im grafischen Bereich dominiert das expressionistische Menschenbild, vor allem mit Arbeiten Ernst Ludwig Kirchners. Er stellt etwa die sparsame schwarzweiße Lithografie „Drei Akte im Wasser“ an den Moritzburger Teichen von 1910 für 40.000 bis 60.000 Euro zur Verfügung oder den ein Jahr jüngeren Holzschnitt „Liegender Akt“ in runderen Formen für 30.000 bis 40.000 Euro. Zeichnerisch wird es mit Kirchners flott skizziertem „Tanzcafé“ um 1910 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), einem gleichaltrigen genüsslich „Liegenden Mädchen“ in farbigen Kreiden (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), und den „Kopf Mary Wigman“ fängt er 1926 in einer nachdenklichen Farblithografie ein (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Erich Heckel feiert wieder die ungezwungene Einheit von Natur und Mensch in seinem kolorierten Holzschnitt „Zwei Sitzende am Strand“ von 1923 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Hermann Max Pechstein ist hier nochmals mit einem „Liegenden gelben Akt“ von 1911 anzutreffen, dessen füllige Bleistiftrundungen er bunt mit Kreide vollkommen ausgefüllt hat (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Bei Conrad Felixmüller wird es sozialkritisch, wenn er 1920 in seiner Lithografie „Im Kohlerevier“ eine Schar heimkehrender ausgemergelter Arbeiter vorführt (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Karl Hubbuch hat 1932/33 mit „Marianne mit Hut“ eine selbstbewusste Frau mit demonstrativer Präsenz und karikaturhafter Überspitzung gezeichnet und aquarelliert (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). Rolf Nesch nimmt sich 1948 in einem zweiteiligen farbigen Metalldruck einer „Theatergarderobe“ mit vielen lustigen Gestalten an (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Seine Vision einer paradiesischen Welt kleidete Franz Marc in seine Bilder von Tieren und sah in ihnen eine Metapher für kreatürliche Reinheit und Unschuld. In seinem blau-grün-ockerfarbenen Holzschnitt „Ruhende Pferde“ von 1911/12 stört daher nichts die himmlische Glückseligkeit (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Doch auch für das kleinere Portemonnaie hält Ketterer etwas bereit und offeriert unter anderem mehrere Farbradierungen von Georges Braque, wie drei Versionen von „L’ordre des oiseaux“ oder „Oiseau de passage“ aus den Jahren 1961 und 1962, für einen Schätzwert von jeweils 2.000 bis 3.000 Euro.

Eines der kostspieligeren Objekte ist jedoch in der Landschaftsmalerei zu finden: Alexej von Jawlenskys stimmungsvoller „Sonnenuntergang, Borkum“ von 1928, der die ungewöhnliche impressionistische Koloritfülle des Lichtes mit der farblich verdichteten Malweise des expressiven Pinselduktus verbindet (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Walter Leistikow strukturiert um 1900 seine charakteristische sonnige „Märkische Landschaft“ an einem der vielen Seen durch die rotbraunen Baumstämme des Waldes (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Als Werk der Neuen Sachlichkeit weist sich Alexander Kanoldts „Kirche III“ von 1920 aus. Schon 1911 hat er das Gotteshaus St. Andreas in Klausen erstmals gemalt (Taxe 45.000 bis 60.000 EUR). Neben Werken der Brücke-Künstler oder Otto Modersohns wurde eine Privatsammlung, für die Ketterer einen eigenen Katalog aufgelegt hat, besonders im Schaffen Hans Purrmanns fündig und legte sich etwa dessen südlich-heiteren „Hafen von Porto d’Ischia“ von 1955/57 zu (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Der Schweizer Jean Lehmann bewegt sich in seiner sommerlichen Landschaft bei Dachau von 1934 in gemäßigt expressionistischen Bahnen und zeigt einige Bauersleute bei der Ernte (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR).

Emil Nolde stellt mit neun seiner virtuosen Aquarelle die meisten Positionen im Hauptkatalog am 11. Juni. Landschaftliches, wie seine rostrot glühende „Brandung“ um 1937 für 60.000 bis 80.000 Euro oder die etwas ältere „Kirche in Marschlandschaft“ unter mildem Abendhimmel für 50.000 bis 70.000 Euro, wechseln mit Figurenbilder oder Blumenstillleben ab. So führt der Katalog zweimal leuchtend gelbe Sonnenblumen um 1930 für jeweils 80.000 bis 120.000 Euro an. Als sich Georg Kolbe in seiner männlich kraftvollen Aktfigur „Maria“ von 1942/43 (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR) oder Gerhard Marcks in seiner hieratisch stehenden Bronze einer „Odaliske“ von 1968 noch mit dem Menschenbild in der Gattung Skulptur abgemüht haben (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR), hatte sich Julio González schon längst in die Ungegenständlichkeit verabschiedet. Auch wenn seine Bronze von 1936/37 „Grande Vénus“ heißt, ist in der organisch aufschwingenden Bewegung keine Liebesgöttin mehr zu entdecken (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Während einige Aquatintaradierungen berühmter Meister, wie Pablo Picassos „Portrait de Jacqueline au Fauteuil“ von 1966 (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR) und Henri Matisses farbige „Espagnole à la mantille“ von 1922 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), aufgrund ihrer hohen Auflage von 50 beziehungsweise 200 Exemplaren im unteren Bereich der Preisliste liegen, führt Wassily Kandinskys Aquarell „Kleines Warm“ von 1928 als teuerstes Objekt mit 400.000 bis 600.000 Euro die Erwartungen an. Vor einem gelben, zur Mitte hin rötlich zulaufenden Hintergrund schweben mehrere geometrische Formen. Diese für die 1920er Jahre typischen strengen Kompositionen Kandinskys gelten auf dem internationalen Auktionsmarkt als die begehrtesten Papierarbeiten des Künstlers. Der hohe Preis des mysteriösen, lyrisch-musikalischen Werks ist somit nicht unüblich. Abstrakt bleibt es mit Kurt Schwitters’ aus Papieren collagierter Merzzeichnung „Spitzbergen“ von 1929/30 für 100.000 bis 150.000 Euro.

Die Auktion beginnt am 9. und 11. Juni jeweils ab 13 Uhr. Die Vorbesichtigung findet am 5. Juni von 11 bis 17 Uhr, am 6. und 7. Juni von 10 bis 18 Uhr sowie vom 8. bis 10. Juni von 10 bis 17 Uhr statt. Der Onlinekatalog listet die Objekte unter www.kettererkunst.de.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



04.06.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Annemarie Knatz

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