Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 01.12.2017 110. Auktion: Gemälde Alter und Neuerer Meister - Zeichnungen des 15. - 19. Jahrhunderts

© Galerie Bassenge Berlin

Anzeige

Töchterchen Marion mit Katze, 1898 / Franz von Lenbach

Töchterchen Marion mit Katze, 1898 / Franz von Lenbach
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Römerin mit Lorbeerkranz / Franz von  Stuck

Römerin mit Lorbeerkranz / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Von der christlichen Moral zur unbefangenen Schaulust der Neuzeit: Die Hamburger Schau „Verkehrte Welt. Das Jahrhundert des Hieronymus Bosch“ im Bucerius Kunst Forum zeigt, wie Nachahmer, Nachfolger und Kopisten das visuelle Erbe des Niederländers fortführten, variierten und ausschlachteten

Die gelehrigen Schüler des Hieronymus Bosch



Philips Galle, Kopf eines Narren, um 1560

Philips Galle, Kopf eines Narren, um 1560

Eine Ausstellung über Hieronymus Bosch ohne ein einziges Original des Künstlers? Wir schreiben das 500. Todesjahr des Malers. Im Noordbrabants Museum in seiner niederländischen Heimatstadt ’s-Hertogenbosch ist die große Bosch-Retrospektive „Jheronimus Bosch – Visionen eines Genies“ gerade mit einem Rekord von 421.700 Besuchern zu Ende gegangen. Und im Madrider Prado wurde erst vor wenigen Tagen die nächste Bosch-Schau der Superlative eröffnet. Jetzt also Hamburg. Kann das gut gehen? Und vor allem, ergibt es Sinn?


Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg wagt dieses Vorhaben – und gewinnt. Dem Haus glückt mit „Verkehrte Welt. Das Jahrhundert von Hieronymus Bosch“ eine Ausstellung, die sowohl für diejenigen, die die Originale kennen, als auch für gänzlich unvoreingenommene Besucher sehenswert ist. Im Zentrum der Schau steht, wie Nachahmer und Nachfolger die noch christlich unterfütterte Motivik Hieronymus Boschs (1450-1516) nach und nach in weltliche Schaulust und groteske Bildfindungen überführt haben. Aber auch, wie findige Geschäftemacher sich des guten Namens Bosch bedienten, um Kupferstiche in hohen Auflagen unters Volk zu bringen. „Wir erzählen eine andere Geschichte, die von der Rezeption ausgeht und zeigt, was andere Künstler mit dem Erbe von Bosch gemacht haben“, erläutert Michael Philipp, der Kurator der Schau, der sich mit diesem Projekt nach neunjähriger Tätigkeit aus dem Bucerius Kunst Forum verabschiedet.

80 Kupferstiche und Radierungen sowie rund 15 Gemälde von Künstlern des 16. und 17. Jahrhunderts sind zu sehen. Geschnitzte Architekturelemente mit von Bosch inspirierten grotesken Darstellungen unter anderem aus Amsterdamer Bürgerhäusern runden das Spektrum der Schau ab. Monster, Dämonen, Teufelchen und andere Höllengestalten bevölkern viele der nur rund 50 erhaltenen und eindeutig dem Meister selbst zugeschriebenen Werke. Die Bosch-Rezeption jedoch auf dieses fantastische, gleichsam populäre Personal zu reduzieren, wäre zu kurz gegriffen. Heute gilt Bosch ebenso als Pionier der Darstellung des Alltags im Mittelalter.

Die Hamburger Ausstellung vermittelt, wie im Laufe der Zeit andere Bildthemen Eingang in die Bosch-Rezeption genommen haben. „In der Neuzeit“, so Michael Philipp, „nahm die Jenseitsangst ab. Dafür traten die Schaulust und die Angstlust stärker in den Vordergrund.“ Die fantastischen Darstellungen in der Bosch-Nachfolge wurden nicht mehr so sehr als Mahnungen oder moralisierende Visualisierungen der Höllenpein im Sinne christlicher Botschaften wahrgenommen. Was jetzt überwog, war die Freude am Unheimlichen, das Vergnügen an wohligen Schauermomenten. So zum Beispiel auf dem großartigen Gemälde „Die Verspottung des Hiob“ von Jan Mandyn (1502-um 1560) aus einer niederländischen Privatsammlung. Während Hiob, der sich aus Gram seine Kleider zerrissen hat, im Zentrum des Bildes sitzt, werden ihm von allen Seiten her Schreckensbotschaften übermittelt. Mandyn befriedigt die Sensationslust des Betrachters, indem er die schweren Schicksalsschläge des Hiob als groteskes Spektakel voller Schaudergestalten inszeniert. Die exakte biblische Überlieferung stand dabei weniger im Vordergrund.

Das sich langsam formierende Bürgertum im 16. und 17. Jahrhundert sah Bilder als Bilder an. Und es war hungrig darauf. Im Medium der Radierung und des Kupferstichs kamen die von Hieronymus Bosch inspirierten Sujets gleich massenhaft unters Volk. Das Zentrum der Kupferstichproduktion im 16. Jahrhundert war Antwerpen, das damals wichtigste Handelszentrum in Europa. Manche der Bosch-Nachfolger und Drucker erdreisteten sich sogar, ihre Produkte mit dem Hinweis „Bos. Inv.“, also „Bosch hat es erfunden“, zu versehen. Was schlicht unmöglich war, erschien der erste Kupferstich nach Bosch doch erst rund vierzig Jahre nach seinem Tod.

Tugenden und Laster, Heilige und Narren, Sprichwörter und Redewendungen, Phantasie und Ornament. In insgesamt acht Kapiteln mäandriert die klug zusammengestellte Hamburger Schau durch den visuellen Kosmos der sich an Skurrilität überbietenden Bosch-Nachfolger. Gerade für den, der die Originale gesehen hat, ist auch das ein besonderes Sehvergnügen.

Die Ausstellung „Verkehrte Welt. Das Jahrhundert von Hieronymus Bosch“ läuft vom 4. Juni bis zum 19. September. Das Bucerius Kunst Forum Hamburg hat täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er frei. Der Katalog aus dem Hirmer Verlag kostet im Bucerius Kunst Forum 29 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro.

Kontakt:

Bucerius Kunst Forum

Rathausmarkt 2

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 360 996 0

Telefax:+49 (040) 360 996 36

E-Mail: info@buceriuskunstforum.de



02.06.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 13

Seiten: 1  •  2

Adressen (1)Berichte (5)Variabilder (6)Künstler (1)

Bei:


Bucerius Kunst Forum

Bericht:


Hieronymus Boschs Bildwelt in Berlin

Bericht:


Der Teufel liegt im Detail

Bericht:


Harmlose Korrespondenzen

Bericht:


Zwischen Askese und Verdammnis

Bericht:


Balanceakt zwischen Realität und Science Fiction

Variabilder:

Philips Galle, Kopf eines Narren, um 1560
Philips Galle, Kopf eines Narren, um 1560

Variabilder:

Pieter van der Heyden, Die blaue Schute, 1559
Pieter van der Heyden, Die blaue Schute, 1559

Variabilder:

Hendrick Hondius, Hieronymus Bosch, 1610
Hendrick Hondius, Hieronymus Bosch, 1610







Pieter van der Heyden, Die blaue Schute, 1559

Pieter van der Heyden, Die blaue Schute, 1559

Hendrick Hondius, Hieronymus Bosch, 1610

Hendrick Hondius, Hieronymus Bosch, 1610

Jan Mandyn, Die Verspottung des Hiob, 16. Jahrhundert

Jan Mandyn, Die Verspottung des Hiob, 16. Jahrhundert

Hieronymus Bosch Nachfolger, Christus im Limbus, um 1520

Hieronymus Bosch Nachfolger, Christus im Limbus, um 1520

Pieter van der Heyden, Desidia – Die Trägheit, 1558

Pieter van der Heyden, Desidia – Die Trägheit, 1558




Copyright © '99-'2017
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce