Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 17.09.2019 Auktion 1137: The Modern Style - From Art Nouveau to Art Deco 1900-1930

© Kunsthaus Lempertz

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Lempertz versteigert Fotografie

Ziggy Stardust and the cool gang



Karl Blossfeldt, Salvia Argentea (Silber-Salbei), 1920/25

Karl Blossfeldt, Salvia Argentea (Silber-Salbei), 1920/25

Mutter Natur bietet in ihrer Vielfalt neben genialen Konstruktionen auch ein beachtliches Repertoire an bizarren Dingen. Man denke etwa an die schwarze Fledermausblume, das absurde Aussehen des Schnabeltiers oder die Eigenheit einer parasitischen Pilzart, die sich durch Ameisen fortpflanzt und sie in so etwas wie „Zombies“ zu verwandeln weiß. Oftmals kann aber auch eine Vergrößerung eines besonderen Details einer Pflanze oder Tieres das Auge faszinieren. Es ist also nicht verwunderlich, dass der neusachliche Fotograf Karl Blossfeldt etwa im Bild „Salvia Argentea“ von 1920/25 eine vierfache Vergrößerung eines Blütenstandes bietet, der an einen dreigeschossigen Kronleuchter mit wagemutiger Dekoration erinnert. Bei Blossfeldts „Silber-Salbei“ steht jedoch außer Frage, dass er die Feinheiten präzise wiedergeben will, wie etwa die feinen Härchen der runden Blüten. Mit 18.000 bis 25.000 Euro ist der Vintage die teuerste Arbeit der Fotografieauktion bei Lempertz in Köln.


Auch Albert Renger-Patzsch interessierte sich in den 1920er Jahren für die Natur und fotografierte etwa eine Natter in Nahsicht, so dass alle Schuppen, Glanzpunkte und Kratzer deutlich zu erkennen sind. Sein „Natternkopf“ verlangt am 3. Juni 15.000 bis 20.000 Euro. Damit aber nicht genug. In seinem Silbergelatineabzug „Mantelpavian“ strebt Renger-Patzsch das Typische des Affen an, hier die Silhouette des Kopfes mit dem seitlich weit abstehenden Fell. Dazu gesellt sich noch sein energischer „Kopf des Gänsegeiers“ von 1926 (Taxe je 5.000 bis 6.000 EUR). Der Hobbyfotograf Charles Jones, der Ende des 19. Jahrhunderts als Gärtner auf einem Anwesen in Sussex arbeitete, hielt ausschließlich Gemüse und Blumen fest. Sein „Romanasalat“ und die „Orchidee“ um 1902 brauchen den Vergleich mit Blossfeldt und Renger-Patzsch nicht zu scheuen (Taxe je 3.000 bis 4.000 EUR).

Auch Kunstwerke bilden das Motiv einiger Fotos, darunter die fast nur aus Schatten und wenigen Lichtbögen bestehende Arbeit „Domkirche in Greifswald“, die Andreas Feininger 1929 ablichtete (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Ein Jahr vorher entstand El Lissitzkys „Die Frau und die Presse“ (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR), die wie sein Foto einer „Agitationstafel vor einer Fabrik in Vitebsk“ von 1919 für das neue Menschenbild im Sozialismus mit konstruktivistischen Ideen wirbt (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Robert Preil interessierte sich in diesem Jahr für Kurt Schwitters und hielt dessen Collage „Huthbild“ frontal fest (Taxe 600 bis 800 EUR). Wie ein grafisches Designwerk in Weiß und Grautönen erscheint Jaroslav Rösslers hochglänzender Negativabzug aus dem Jahr 1965. Hierzu hat er Gitternetze, Türme und Zahnräder abstrahiert und collageartig angeordnet (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR).

Eine Mappe aus dem Jahr 2002 mit zwölf Offset-Lithografien gewährt Einblick in das fotografische Werk der wegen ihrer Nähe zu den Nazis umstrittenen Leni Riefenstahl, etwa mit dem berühmten Turmspringer, der quer durch den Himmel zu fliegen scheint (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). In „The Falling Soldier“ von 1936 nutzt Robert Capa die Kamera als Mittel, um Zeitgeschichte einzufangen, und stellt den Todesmoment eines republikanischen Kämpfers im Spanischen Bürgerkriegs dar; später wurde angemerkt, dass es sich dabei um den Anarchisten Federico Borrell García handele (Taxe 3.000 EUR). Das Paradox der Ästhetik des Zerstörten schimmert in Max Baurs „Kriegsruinen am Alten Markt in Potsdam“ von 1947 durch (Taxe 600 bis 800 EUR) und wandelt sich ein Jahr später ins Trostlose der in Trümmern liegenden Stadt „München“ von Peter Keetman (Taxe 1.200 bis 1.500 EUR). Eine idyllische Szene des grünen Irland samt Pferd und Landbewohner auf einer Straße ohne Autos fing Henri Cartier-Bresson 1952 ein (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR).

Léonard Misonne Landschaftsbilder sind Zeugnisse des Piktoralismus, die jedoch in der Zwischenkriegszeit auf starke Ablehnung stießen. So ist „Dans le Marais“ von 1941 eine dunstige Moorlandschaft, die an die Malerei des 19. Jahrhunderts erinnert (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Im Kontrast dazu wirkt Drahomir Josef Ruzickas zwanzig Jahre früher entstandenes Werk „Pennsylvania Station, New York“ durch das Ausschnitthafte und Nüchterne moderner (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR). Von den Ideen der „Straight Photography“ war auch Dorothy Norman beeinflusst. In „Hunter College, New York“ aus den 1940er Jahren zeigen sich die klare und präzise Wiedergabe von Oberflächen, die Betonung der Diagonalen und der effektvolle Einsatz des Helldunkels (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR).

Im Genre des Portraits sind oftmals prominente Personen eingefangen, allen voran der leider Anfang Januar verstorbene David Bowie, alias Ziggy Stardust. Ron Galella fotografierte den Musiker 1980 in New York als Broadway-Schauspieler im Stück „The Elephant Man“. Die untere Gesichtshälfte bleibt verschattet, während alles von den Wangenknochen aufwärts im Licht badet, der Hintergrund ist reines Schwarz. So gekonnt in Szene gesetzt, blickt Bowie den Betrachter mit einem schelmisch Lächeln an (Taxe 1.400 EUR). Neben einer Kunstfigur wie Ziggy Stardust kann nicht jeder bestehen. Keinerlei Scheu muss hier die wortwitzige Boxlegende Cassius Clay, alias Muhammad Ali, haben. Flip Schulke fotografierte den Ausnahmesportler in weißer Boxhose in einer kämpferischen Haltung mit erhobenen und geballten Fäusten. Ungewöhnlich ist nur der Ort, nämlich unter Wasser in einem Swimmingpool (Taxe 2.500 EUR).

Ein Bruder im Geiste, was Alis Kampf gegen die Rassentrennung in den USA betrifft, war Martin Luther King, den 1964 Leonard Freed in Baltimore in einem Cabrio ablichtete. Er wendet sich nach hinten zu den sein Auto umringenden Menschen, die alle nach seiner Hand greifen (Taxe 1.400 EUR). Um den Kreis dieser „coolen gang“ an Idolen ebenso schillernd zu beenden, sei auf Marilyn Monroe verwiesen. Wie Bowie instrumentalisierte auch Norma Jeane den für sie kreierten Make-up-Look mit dem Unterschied, dass sie es vorzog, das leuchtende Rot auf ihren Lippen und nicht als Blitz über der linke Gesichtshälfte zu tragen. Bill Rays Foto hält einen Moment ihres Geburtstagsständchens fest, das die Hollywood-Diva 1962 an John F. Kennedy richtete. Allerdings fotografiert Ray die Monroe in ihrer glitzernden Robe und den platinblonden Haaren aus einer erhöhten Perspektive von hinten (Taxe 1.500 EUR).

Ein keckes Portrait, wie eine verspielte Bacchantin aus einem Gemälde Tizians, findet sich in František Drtikols „L’Étude“ aus den 1920er Jahren. Die junge unbekleidete Frau neigt ihr Haupt leicht nach vorne und dreht es dem Betrachter zu, den sie einladend anlacht. Ihren rechten Arm hebt sie dabei an und greift nach ihrem großen üppigen Blumenkranz am Kopf. Mit demselben Schätzpreis von 2.000 bis 2.500 Euro versehen ist „Le Repos“, ebenfalls aus den 1920er Jahren. Drtikol lässt hier einen weiblichen Akt auf einer Liege mit weißen Laken sich schlafend räkeln. Ein eigentümliches Künstlerportrait ist Henri Cartier-Bressons Foto von Alberto Giacometti in Paris. Der Bildhauer kreuzt 1961 eine Straße bei Regen und hat seinen Mantel über den Kopf gezogen, so dass kurze dünne Beine einen disproportional langen und breiten Köper tragen (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Mit künstlerischen Doppeldeutigkeiten spielt zudem Victor Obsatz in seinem Foto von Marcel Duchamp und hat ihn zweifach im Profil und frontal belichtet (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Günstiger liegen mit jeweils 900 Euro die drei Werke aus Heinrich Riebesehls Serie unbekannter „Menschen im Fahrstuhl“ von 1969.

Einen eigenen Katalog hat Lempertz für „Das Neue Bauen im Spiegel der Photographie“ aufgelegt und darin 85 Positionen aus einer Privatsammlung aufgenommen. Die Gebäude entwarfen Größen wie Le Corbusier, Ludwig Mies van der Rohe oder Walter Gropius. Aus den schwarzweißen Architekturabbildungen fällt eine Arbeit heraus. Denn der Japaner Iwao Yamawaki ist der einzige, der seinen 1930/32 erstellten Gelatinesilberabzug „Bauhaus Dessau, Ansicht von Süden“ farbig überabeitete. Das nüchterne Bild definieren Helldunkelkontraste, die den funktionalen Bau und seine Kubusform betonen. Der Himmel ist leicht bläulich eingefärbt und das Gras in dunklerem Grün (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Ein Kennzeichen in diesen Fotos aus den 1920er und 1930er Jahren ist die Vorliebe für lange Schlagschatten. Etwas subtiler arbeitet Lucia Moholy in ihrem „Bauhausneubau“ um 1926, wo das Geäst des rechts angeschnittenen Baumes sich an der gegenüberliegenden hellen Mauer abzeichnet (Taxe 500 bis 600 EUR). Beinahe grafisch wirkt der wie mit dem Lineal gezogene Kontrast aus Licht und Schatten, den Albert Renger-Patzsch 1952 an den Faguswerken in Alfeld sah (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).

Das Fehlen einer Schaufassade ermöglicht, Details leichter fassen zu können. Mauern oder Terrassenteile, die oft angeschnitten werden, wirken endlos und scheinen sich außerhalb des Fotos weiter fortzusetzen, etwa bei Evert Marinus van Ojens „Fabrikgebäude van Nelle, Rotterdam“, das er 1930 einmal am Tag und dann nachts festhielt. Die vereinfachte, industrielle Bauform entwickelt solchen einen Tiefensog (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Neben einigen ausschnitthaften Innenaufnahmen, wie Ernesto Steinemanns um 1930 entstandene „Treppe im Haus ‚Rocca Vispa’ in Ascona“ (Taxe 1.000 bis 1.200 EUR), warten Fotografien der Agentur „Berliner Bild Bericht“ zum Deutschen Pavillon der Weltausstellung in Barcelona 1929 von Mies van der Rohe für bis zum 3.000 Euro auf Käufer.

Die Auktion „Photographie“ findet am 3. Juni ab 14 Uhr statt; ab 16 Uhr wird „Das Neue Bauen im Spiegel der Photographie“ versteigert. Die Besichtigung ist noch bis zum 2. Juni täglich von 10 bis 17:30 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.lempertz.com.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



02.06.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


03.06.2016, Photographie

Veranstaltung vom:


03.06.2016, Das Neue Bauen im Spiegel der Photographie. Werke aus einer bedeutenden Sammlung

Bei:


Kunsthaus Lempertz

Bericht:


Die Verführungskraft einer Natter

Kunstwerk:

Léonard Misonne, Dans le Marais, 1941
Léonard Misonne, Dans le Marais, 1941

Kunstwerk:

El Lissitzky, Agitationstafel vor einer Fabrik in Vitebsk, 1919
El Lissitzky, Agitationstafel vor einer Fabrik in Vitebsk, 1919

Kunstwerk:

El Lissitzky, Die Frau und die Presse, 1928
El Lissitzky, Die Frau und die Presse, 1928

Kunstwerk:

Karl Blossfeldt, Salvia Argentea (Silber-Salbei), 1920/25
Karl Blossfeldt, Salvia Argentea (Silber-Salbei), 1920/25







Léonard Misonne, Dans le Marais, 1941

Léonard Misonne, Dans le Marais, 1941

Taxe: 1.500 - 2.000 EURO

Zuschlag: 1.500,- EURO

Losnummer: 82

El Lissitzky, Die Frau und die Presse, 1928

El Lissitzky, Die Frau und die Presse, 1928

Taxe: 4.000 - 5.000 EURO

Losnummer: 48

El Lissitzky, Agitationstafel vor einer Fabrik in Vitebsk, 1919

El Lissitzky, Agitationstafel vor einer Fabrik in Vitebsk, 1919

Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Losnummer: 49




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce