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Die Bonner Bundeskunsthalle rückt die gartenkünstlerischen Leistungen von Hermann Fürst von Pückler-Muskau ins Rampenlicht

Natürliche Gemäldegalerien im Parkzauber



Branitz: Blick Richtung Schloss vom Tumulus aus, 2015

Branitz: Blick Richtung Schloss vom Tumulus aus, 2015

„Wo ist denn Ihre Eisfabrik“, wird noch heute Hermann Sylvius Graf von Pückler oft gefragt. Dabei wurde das dreischichtige Sahnefruchteis von seinem Urgroßonkel weder erfunden noch produziert. Mehr achtbare Reputation erwarb sich der schillernde Sonderling Hermann von Pückler-Muskau als Reiseschriftsteller, geistreicher Gesellschafter und speziell als Landschaftsgestalter. Geboren am 30. Oktober 1785 auf Schloss Muskau, kennzeichnen zunächst Fehlschläge seinen Lebensweg. Der junge Fürst galt als Lehrerschreck, Abbrecher beim Jurastudium in Leipzig, Schuldner und gescheiteter Gardehusar. Die folgenden Jahre als junger Wanderliterat enden mit dem Tod des Vaters 1811, als ihm die Standesherrschaft in Muskau zufällt. Sofort geht er daran, das Erbe nach seinem Gusto umzugestalten.


Auf zwei längeren Englandreisen studiert er die dortigen Landschaftsgärten. Seine Beobachtungen hält er täglich in Briefen an seine Gattin fest. Unter dem Titel „Briefe eines Verstorbenen“ werden sie 1830 veröffentlicht und avancieren in kürzester Zeit zum Besteller. Im Jahr 1834 folgt sein bekanntestes Werk „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“. Anschließend bereist er bis 1840 den Orient. Als Dienstleister wird er danach für andere fürstliche Parks tätig, so in Babelsberg oder in Weimar. Immer wieder von finanziellen Problemen geplagt, muss er 1845 das Muskauer Anwesen an den Prinzen Friedrich der Niederlande verkaufen. Fortan zieht er sich auf das Erbschloss Branitz bei Cottbus zurück, wo er am 4. Februar 1871 stirbt, nicht ohne den Besitz bis dahin in eine grandiose „ornamental farm“ umgestaltet zu haben.

„Parkomanie. Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler“ lautet der Ausstellungstitel über den Gärtner aus Leidenschaft. Pücklers Persönlichkeit und die drei von ihm nach englischen Vorbildern gestaltete Landschaftsparks in Bad Muskau, Babelsberg und Branitz bilden den Kern der Schau in der Bonner Bundeskunsthalle. Ergänzend zu den 250 Exponaten übersetzt ein begehbares Gartenreich auf dem Dach Pücklersche Gestaltungsideen in zeitgemäße Formen. Von glasierten Ziegeln eingefasste „Törtchenbeete“, Baumgruppen nebst Wasserbassin und die aus Branitz hierher transferierte Rosenlaube mit der Büste der vom Fürsten verehrten Sopranistin Henriette Sontag finden sich hier.

Das Gartenkunstwerk Muskauer Park

Den Auftakt bestreitet in Bonn das Muskauer Gartenreich. Pückler verwandelt das Areal beiderseits der Neiße in einen von wirkungsvollen Blickachsen geprägten Erlebnispark. Als Berater entwickelt Karl Friedrich Schinkel Pläne, die die schlichte barocke Dreiflügelanlage des Schlosses unter Anbindung der Nachbarbauten in eine Art Muskauer Akropolis verwandeln sollen. Skizzen verdeutlichen das großartige Vorhaben, von dem letztendlich nur die Auffahrtsrampe realisiert wird. Der umlaufende Wassergraben erhält die Form eines malerischen buchtenreichen Sees mit fließendem Übergang in den Park. Erst dem Nachbesitzer, Prinz Friedrich der Niederlande, ist es vergönnt, die heute wieder restaurierte Ausformung im Sinne der Neorenaissance mit viel kleinteiligem Zierrat vorzunehmen, der dem Körper die Massigkeit nimmt. Am 30. April 1945 fällt das Schloss einer Brandschatzung zum Opfer. Seit 2013 ist der Wiederaufbau vollendet. Innen weitgehend modern, bildet das pittoreske, rot- und ockerfarbene Äußere wieder den Fixpunkt der Anlage.

Mittels Briefkontakt steuert Fürst Pückler während seiner mehrjährigen, Englandreise ab 1826 die Veränderungen im Muskauer Park, intensiv befördert von seiner zuhause weilenden Gattin Lucie. Dazu gehören das auffallend englisch inspirierte „Rosary“ in der Form einer gotischen Fensterrose im schlossnahen Blumengarten. Die vom seinerzeit modernen „Regency-Style“ inspirierten kleinteiligen Blumenarrangements sollen als „Salons im Freien“ dienen. Dem hausunmittelbaren Blumengarten schließt sich der weiträumigere „Pleasureground“ an, eine öffentlich zugängliche Zone des Lustwandelns mit bunten Strauchgruppen, Zierbäumen, Pavillons und Skulpturen. Zur malerischen Umgestaltung der Schlossumgebung lässt Pückler die Flussarme der Neiße einbeziehen, sie zu Seen aufstauen oder als künstliche Wasserfälle herabrieseln wie vor der Karpfenbrücke.

Aufgetürmte Findlinge stehen an auffallenden Stellen, Bänke markieren Aussichtspunkte, Silberpappeln sollen Orientierung bieten, geschwungene Wege dienen als stumme Führer mit immer anderen Fernblicken ähnlich einer Bildergalerie mit Landschaftsgemälden. Buchtenreiche stille Teiche mit aufgeregten, expressiv ausgeformten Uferlinien lassen sich nie in Gänze überblicken und laden zum Weiterlaufen ein. Geschickt ist die Anordnung der Bäume gestaltet: Platanen etwa übernehmen Torfunktionen für den Pleasureground, Pyramidenpappeln neben Gebäuden sollen deren Horizontale vertikal brechen. Über mehrere Brücken lässt sich der heute auf polnischem Gebiet liegende Parkteil problemlos erreichen. Von Brücken oder Aussichtspunkten, die einst durch Parkbauten wie dem Englischen Haus oder einem Mausoleum akzentuiert waren, eröffnet sich nun nach umfänglichen Freilegungen ein grandioser Sichtachsenzauber auf das Schloss.

In Babelsberg ersetzt Pückler seinen Konkurrenten Lenné

Seit 2004 kann sich der Muskauer Park mit dem UNESCO-Welterbetitel schmücken. Seit 1990 gilt dies auch für Babelsberg als Teil der Potsdamer Schlösserlandschaft. Nach Beendigung seiner langen Orientreise bietet sich Hermann von Pückler-Muskau zwischen 1843 bis etwa 1847 hier die Chance, als Gartendienstleister am preußischen Hof eine Rolle zu spielen. Das Kronprinzenpaar Augusta und Wilhelm steht den Leistungen ihres beamteten Gartenbaudirektors Peter Joseph Lenné kritisch gegenüber. Die Ausstellung versucht, Pücklers Handschrift an hier realisierten Ideen herauszustellen. Bereits zu Beginn zeichnet Pückler in einer Denkschrift an den Auftraggeber seine Vorstellungen auf, nicht ohne Spitzen gegen Lenné. Pückler lässt sich bei den von ihm gestalteten Gartenpartien, den aufwendig geschmückten Schloss- und Gartenterrassen nebst repräsentativem Pleasureground wieder vom verfeinerten Zonierungsprinzip leiten, das eine zum Zentrum stetig zunehmende Intensität der Gestaltung beinhaltet.

Nach dem Vorbild des „Rosary“ in Ashridge legt er westlich des 1834 begonnenen neugotischen Schlosses den „Goldenen Rosengarten“ mit einer auch im Winter weithin leuchtenden filigranen Einfassung an. Neben weiteren diversen Rankgerüsten, geschwungenen Wegen samt „Blumenfontaine“ ist brieflich das „Schwarze Meer“ als seine Idee verbürgt. Denn in Babelsberg fügt Pückler das nasse Element als integralen Bestandteil der Parklandschaft ein, um die Reize zu erhöhen. So spielt auch das dunkle Gewässer des „Schwarzen Meeres“ in extremer Weise mit der Lichtverstärkung. Nirgendwo geben die Umrisslinien zu erkennen, wo der Teich mit vier Inseln endet. Nur unter dem Einsatz neuer Dampfmaschinen zum Wasserpumpen und frisch verlegter Röhren kann das höhenmäßig differenzierte Terrain bespielt werden.

Branitz bei Cottbus: Das Alterswerk Pücklers

Pücklers Rat als Gartengestalter ist nun gefragt. Sein Mitwirken an weiteren Anlagen ist belegt. Doch die Babelsberger Jahre fallen in eine Übergangszeit: Der Verkauf der Muskauer Standesherrschaft wird aufgrund der drückenden Schulden unumgänglich und der Rückzug auf sein Erbgut in Branitz bei Cottbus zwingend. Hier trifft der mittlerweile Sechzigjährige auf eine karge, sandige Gegend rund um das Schloss mit Gutsbetrieb. Unter Einsatz all seiner Kenntnisse, Lebenserfahrungen und Reiseeindrücke kreiert er mit seinem Alterswerk den krönenden Höhepunkt aller gartenkünstlerischen Ideen. In der meisterhaften Inszenierung der Landschaft mit Akzentuierung von Vorder- und Hintergründen kann man sich wie in einer fortlaufenden Bildergalerie fühlen. Das über 20 Kilometer lange Wegenetz dient abermals als stummer Führer durch die feinen Bodenmodellierungen, die der Erdaushub für natürlich anmutende Seen und Wasserläufe gestattet. Weit gezogene Wiesentäler mit kulissenartigen Rändern durchschneiden das Gelände und bilden die Blickachsen vom schlichten spätbarocken Schloss aus, das wieder von einer umlaufenden hohen Blumenterrasse umgeben ist.

Bis zur Vollendung treibt Pückler sein Markenzeichen, das Zonierungssystem. Wie aus einem Guss wirkt die stetig zunehmende Gestaltungsintensität von außen nach innen. Im Zentrum der Anlage steht das dreiflügelige Schloss samt Innenpark als eine Art zusammengezogene idealisierte Natur. Besonders deutlich wird dies im Pleasureground vor dem Schloss, wo eine weinberankte Pergola den Platz rahmt. Mittig liegt das Venusbeet mit der von Antonio Canova entworfenen Statue der Venus Italia. An der Mauer sind Keramikplatten mit Szenen der römischen Mythologie integriert, die Bertel Thorvaldsen schuf. Höhepunkt sind im Innenpark drei Pyramiden als Reminiszenz an Pücklers Orientreisen. In der Seepyramide wird das Gartengenie fünf Tage nach seinem Tod am 4. Februar 1871 beigesetzt.

Hermann Fürst von Pückler-Muskau war ein großer Vermarkter, hat Ideen von seinen Reisen aufgegriffen und umgesetzt. Eher Initiator als Erfinder, geschah dies mithilfe seiner höfischen Vernetzung. Wie sehr seine Werke Gedanken der Zeit aufgreifen, signalisieren die weiteren Entwicklungen hin zu den Volksparks und Stadtgärten. Heute sind seine Kunstwerke als solche oft schwer wahrzunehmen. Da kommt die Bonner Ausstellung gerade recht, da sie dazu beiträgt, den Wert von Pücklers Gartenanlagen zu vermitteln und die Vielfalt an pflanzlichen, naturhistorischen und geschichtlichen Komponenten lesbar zu präsentieren. Dass sein Werk nun in der Geburtsstadt des Berufskollegen und Konkurrenten Peter Joseph Lenné gewürdigt wird, würde den sehr auf Außenwirkung bedachten Fürsten heute sicherlich triumphieren lassen.

Die Ausstellung „Parkomanie. Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler“ ist bis zum 18. September zu sehen. Die Bundeskunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 12 Euro, ermäßigt 8 Euro, für Familien 18 Euro. Im kommenden Jahr wird die Ausstellung in veränderter Form im neu restaurierten Schloss Babelsberg zu sehen sein. Zur Ausstellung ist ein Begleitband erschienen, der in der Bundeskunsthalle 39,95 Euro kostet.

Kontakt:

Kunst - und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee 4

DE-53113 Bonn

Telefon:+49 (0228) 91 71 200

Telefax:+49 (0228) 91 71 209

E-Mail: info@kah-bonn.de



26.05.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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