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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Bisher war es tabu, Nazi-Raubkunst zu versteigern. Das Wiener Kinsky geht nun einen neuen Weg und schafft damit einen Präzedenzfall

Ohne Kompromisse



Bartholomeus van der Helst, Portrait eines Herren (wohl Damnas Jansz Pesser), 1647

Bartholomeus van der Helst, Portrait eines Herren (wohl Damnas Jansz Pesser), 1647

Da hat sich das Wiener Auktionshaus „Im Kinsky“ schon einiges aufgebürdet. In seiner kommenden Auktionsrunde versteigert es explizit Raubkunst. Bei dem ovalen Portrait eines älteren Herren von Bartholomeus van der Helst handelt „es sich um ein den früheren Eigentümern von der deutschen Besatzungsmacht rechtswidrig entzogenes Kunstwerk“, so der Katalog. Denn der feine, ein wenig melancholisch blickende Mann gehörte zur Sammlung des 1910 verstorbenen Deutschfranzosen Adolphe Schloss. Die Nazis raubten seinen Erben 1943 die wertvollen Gemälde niederländischer Meister und wollten sie in das geplante Führermuseum integrieren. Dazu kam es nicht, und viele Kunstwerke gelangten über den Handel in anderen Besitz, so auch das Bildnis van der Helsts, das die Einlieferer 2004 gutgläubig im österreichischen Kunsthandel erwarben. Sie bemühten sich mit den Nachkommen Adolphe Schloss’ um eine gütliche Einigung im Sinne Washingtoner Erklärung, was normalerweise den Verkauf des Kunstwerks und die Teilung des Gewinns bedeutet. Doch dazu kam es bisher nicht. Denn die französische Erbengruppe beharrt auf der Restitution des Werks, was rechtlich gegenüber Privateigentümern aber nicht durchsetzbar ist. Nun will das Kinsky einen Präzedenzfall schaffen, das Gemälde unter Vorbehalt zuschlagen und den endgültigen Eigentümerwechsel erst bei einer Einigung der beiden Seiten vollziehen.


Alte Meister

Wer sich trotz dieses verzwickten Vorgehens für das Portrait Bartholomeus van der Helsts interessiert, sollte am 12. April 15.000 bis 30.000 Euro bereithalten. Dem Erwerb zweier Gemälde von Jan Breughel d.J. steht dann nichts entgegen. Sie sind die Höhepunkte bei den Alten Meistern. Mit Pieter van Avont schuf er um 1630/35 eine Allegorie auf „Die fünf Sinne“, die ihren Ausdruck in fünf zumeist nackten Frauen, ihren begleitenden Putti und den stilllebenartigen Arrangements in einem Interieur findet. Hier stehen 150.000 bis 300.000 Euro auf dem Etikett, ebenso wie auf Breughels „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ mit Engel in einer beschützenden Waldlichtung, während der Esel gerade auf einer Wiese im Hintergrund grast. Auch die deutsche Renaissance-Kunst redet ein Wörtchen mit und stellt die beiden kraftvoll formulierten Männerportraits von Hans Durr aus dem Jahr 1521 und Sebolt Schwarcz aus dem Jahr 1523 das Malers Hans Brosamer für jeweils 70.000 bis 140.000 Euro zur Verfügung.

Aus Italien gesellt sich sogar eine Künstlerin hinzu: Lavinia Fontana. Ihre um 1583 gemalte „Darbringung im Tempel“, die mehr mit christlichen, denn jüdischen Attributen ausgestattet ist, ist als Frühwerk noch von ihrem Lehrer und Vater Prospero Fontana beeinflusst, weist aber schon eigene manieristische Züge auf (Taxe 70.000 bis 140.000 EUR). Noch der italienischen Renaissance ist Ridolfo Ghirlandaios zärtliche „Madonna mit Kind und Johannesknaben“ in einem Tondo verhaftet (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR). Noch etwas älter wird es mit zwei Altarflügeln des zum Ende des 15. Jahrhunderts in Wiener Neustadt tätigen Meisters des Florian-Winkler-Epitaphs. Seine „Enthauptung Johannes des Täufers“ und seine „Taufe Christi“ deuten zwar schon die Perspektive an, sind aber noch durch den Goldgrund für den Himmel geprägt (Taxe je 35.000 bis 70.000 EUR).

Im Auktionsgeschehen treten dann erst wieder aus dem 18. Jahrhundert einige Österreicher hinzu, etwa Johann Christian Brand mit einer zarten Waldlandschaft samt bäuerlicher Staffage, die sich an den altern Niederländern orientiert (Taxe 12.000 bis 24.000 EUR). Dazu gehören auch Franz Anton Maulbertschs Bozzetto mit dem heiligen Ägidius in der Einöde, ein Entwurf für das Hochaltarbild der Pfarrkirche im niederösterreichischen Hagenberg von 1768 (Taxe 30.000 bis 60.000 EUR), Josef Schöpfs schon frühklassizistische Darstellung des Guten Samariters von 1787 (Taxe 3.000 bis 6.000 EUR) oder die drei Jahre ältere Mythologie „Pan und Nymphe mit ihren Kindern“ von Martin Johann Schmidt (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR). Noch aus dem galanten Rokoko stammt Franz Christoph Jannecks etwas treulose Gattin mit schlafendem Ehemann und Nebenbuhler samt Liebesbrief (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR).

Etwas schwergewichtiger wird es mit einer „Bathseba im Bade“, die sich halbnackt von einer Dienerin frisieren lässt und verführerisch ihren Blick zum Betrachter wendet, von Salomon Koninck aus altem österreichischem Privatbesitz für 50.000 bis 100.000 Euro. Die Niederländer steuern zudem allegorische Tafel für den „Zorn“ mit markanten manieristischen Gestalten von Gillis Coignet I. vor 1585 und Otto van Veens nur wenig jüngere, aber schon von einem neuen Geist inspirierte „Flucht nach Ägypten“ aus den 1590er Jahren bei (Taxe je 20.000 bis 40.000 EUR). Italien beteiligt sich noch mit einer anmutigen heiligen Agnes samt Lamm und Märtyrerpalme von Simone Pignoni (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR), mehreren Werken Pietro Liberis, darunter einer „Venus mit Amor“ in den Wolken, oder Jacopo Amigonis herrschaftliches, aber auch etwas steifes Portrait einer adeligen Dame mit Blumenbouquet um 1740/50 (Taxe je 15.000 bis 30.000 EUR).

Der in München geborene Johann Carl Loth wanderte um 1650 nach Italien aus und ließ sich in Venedig nieder. Für die Münchner Peterskirche schuf er noch 1677 ein Altargemälde mit dem Martyrium des heiligen Erasmus. Der dazugehörige Bozzetto liegt für 10.000 bis 20.000 Euro im Kinsky vor. Ein Augsburger Zeitgenosse war Johann Heinrich Schönfeld, der seine um 1655/65 gemalte Auferweckung des Lazarus vor einer imposanten antiken Architekturkulisse spielen lässt (Taxe 8.000 bis 16.000 EUR). Johann Elias Ridinger ist vor allem als Tiermaler in Erscheinung getreten; auf Pendants hielt er Hirsche mit ihrer Herde oder beim Kampf fest (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Johann Georg Pforr hat sich auf Pferde konzentriert und zeigt in seinen beiden Gouachen Reiterszenen (Taxe 4.000 bis 8.000 EUR). Für die lebensvolle Qualität einer vornehmen Dame bei der Handarbeit, die Johann Heinrich Tischbein d.Ä. um 1775/80 verewigte, scheinen die 4.000 bis 8.000 Euro recht günstig. Einen augenfälligen Schlusspunkt setzt Friedrich Heinrich Füger mit seiner „Geburt der Venus“, die seit 1815 eben dem Wellenschaum entsteigt (Taxe 35.000 bis 70.000 EUR).

Neuere Meister

Den Katalog des 19. Jahrhunderts eröffnen die Aquarellisten. Höhepunkt ist Rudolf von Alt mit neun Blättern, darunter mit einem neugotisch eingerichteten Kabinett im böhmischen Schloss Zleb um 1886 (Taxe 18.000 bis 36.000 EUR) oder seinem häufiger ausgeführten Blick auf das Kolosseum in Rom vom Konstantinsbogen von 1873 (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR). Darum gruppieren sich sein Bruder Franz Alt mit einer Dame an der Staffelei von 1855 (Taxe 2.500 bis 5.000 EUR), mehrere Landschaftsveduten Thomas Enders, etwa die weite Sicht auf Brixlegg mit dem Inn (Taxe 4.000 bis 8.000 EUR), Johann Friedrich Tremls biedermeierlicher „Plausch am Gartenzaun“ von 1850 (Taxe 8.000 bis 16.000 EUR) oder Peter Fendis aus gleicher Haltung entstandenes schlafendes Mädchen mit Haube (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR). Noch in den romantisierenden Klassizismus weist Wilhelm von Kobells bäuerliche Begegnung am Wegesrand um 1798 für günstige 3.000 bis 6.000 Euro.

Bei den Ölgemälden liegen die Preise höher. Für Friedrich Gauermanns atmosphärischer heimkehrender Schaf- und Ziegenherde mit Hirtenpaar bei aufziehendem Gewitter von 1853 muss man mit mindestens 35.000 Euro rechnen. Für Ferdinand Georg Waldmüllers „Jagdhund des Grafen Esterházy, am Tümpel stehend“ von 1823 sind die Erwartungen seit April 2013 zwar auf ein Drittel reduziert, rangieren aber immer noch bei 50.000 bis 100.000 Euro. Das Belvedere in Wien würdigte Johann Michael Neders Schaffen 2013 mit der Ausstellung „Ohne Kompromisse“, und tatsächlich sind seine realistischen, fast naiven Porträts und Genreszenen aus dem Leben der Wiener Vorstädte ohne jegliche Beschönigung gemalt. Das kann man an vier Gemälden Neders studieren, die zwischen 5.000 und 24.000 Euro gelistet sind.

In seiner Buchreihe „Im Kinsky Editionen“ hat das Auktionshaus eben die erste Monografie mit Werkverzeichnis über Robert Russ herausgebracht. Auch in der Versteigerung ist der Landschaftsmaler am Übergang zur Moderne mit drei seiner herben Bildauffassungen vertreten, an erster Stelle mit einer sonnendurchfluteten „Gartenpartie aus dem Etschtal“ um 1906 für 80.0000 bis 160.000 Euro. Gefälliger sind das die Werke seiner Kollegen von den Stimmungsimpressionisten, so Marie Egners „Blumenstillleben mit Levkojen“ um 1899 (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR), Olga Wisinger-Florians „Frühling in Felling bei Gföhl“ mit weiß blühenden Bäumen von 1908 (Taxe 70.000 bis 140.000 EUR) oder Emil Jakob Schindlers „Schwefelbacherl bei Goisern“ mit nacktem badendem Knaben von 1885 (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR). Beste Salonmalerei sind die beiden jungen Frauen Cecil van Haanens in luxuriöser Malweise, die unter dem Titel „Les Aretines“ teils nackt mit einem Äffchen spielen (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR). Zurückhaltender geben sich da die „Drei Damen im Grünen“ bei der Handarbeit von Josef Engelhart (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Für die traditionsreiche und fast unvermeidliche venezianische Vedutenmalerei steht diesmal Raffaele Tafuri mit seinem Blick in den Canal Grande an einem Sonnentag (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 12. April um 15 Uhr mit den Alten Meister, um 17 Uhr folgen die Bilder des 19. Jahrhunderts. Die Besichtigung ist bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.imkinsky.com.

Kontakt:

im Kinsky - Kunst Auktionen GmbH

Freyung 4

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 532 42 00-9

Telefon:+43 (01) 532 42 00

E-Mail: office@imkinsky.com



07.04.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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