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Das Museum Folkwang in Essen zeigt eine ebenso faszinierende wie nachdenklich stimmende Werkschau des in Berlin lebenden Fotokünstlers Thomas Struth

Die komplexe Welt, in der wir leben



Ein chaotisches Wirrwarr von Kabeln, Schläuchen, Flüssigkeitsbehältern, Druckanzeigen und Computerbildschirmen. Moderne Großlabore, in denen Naturwissenschaftler Grundlagenforschung betreiben, stellen für Laien ein schier undurchschaubares System von Vorrichtungen und Apparaturen dar. Doch die meist gut gesicherten Forschungskomplexe, in denen Teilchenbeschleuniger betrieben, Spaceshuttles konstruiert oder neue Materialien für die Technologien der Zukunft erprobt werden, sind für Außenstehende in der Regel auch gar nicht zugänglich. Sie gleichen abgeschirmten Hochsicherheitstrakten.


Der in Berlin lebende Künstler Thomas Struth, Jahrgang 1954, jedoch genoss in den vergangenen zehn Jahren immer wieder das Privileg, Orte wie das Max-Planck-Institut in Garching, das Kennedy Space Center in Cape Canaveral oder das Helmholtz-Zentrum in Berlin mit seiner analogen Großbildkamera zu besuchen. In seiner grandiosen Ausstellung „Nature & Politics“ im Essener Museum Folkwang nimmt er uns jetzt mit an verborgene Orte, an denen an der technologischen Zukunft gefeilt wird. Auf großzügigen 1.400 Quadratmetern versammelt die Schau zwar nur 34 Bilder. Doch die sind mit Abmessungen von zum Teil zwei mal drei Metern so großformatig und extrem detailreich, dass man sich lange in ihre Betrachtung vertiefen kann. Eine klar strukturierte Ausstellungsarchitektur voller klug inszenierter Blickachsen trägt zum Genuss der Schau bei. Auch wenn die hochtechnologisierten Forschungsstätten dominieren: Quasi als Kontrastprogramm zeigt uns Struth auch Bilder aus Vergnügungsparks und künstlichen Erlebniswelten wie dem Disneyland im kalifornischen Anaheim. Mit einzelnen Aufnahmen von Konfliktherden, Operationssälen und Landschaften rundet er seine Besichtigung der aktuellen Conditio humana ab.

Der Soziologe Dirk Baecker schreibt in seinem Katalogbeitrag: „Wenn kompliziert das ist, was einfach, aber unübersichtlich ist, dann ist komplex das, was möglicherweise einfach und übersichtlich, aber in jedem Fall unvorhersehbar ist.“ So gesehen präsentiert uns Thomas Struth mit seinem ebenso präzisen wie nüchtern-dokumentarischen Blick auf die Versuchsanordnungen, die vielleicht einmal unsere Zukunft bestimmen werden, eine Komplexität, die eher fundamentale Fragen aufwirft, als dass sie einfache Antworten bereithält. Welche Zukunft wollen wir? Wieviel Souveränität wollen wir an Apparate, Maschinen und Roboter delegieren oder am Ende sogar abtreten? Die von Kunstlicht beleuchteten Räume auf diesen Bildern sind fast alle menschenleer – fast so, als wären gerade alle zur Mittagspause aufgebrochen. Was zurückbleibt und von Struth bis ins kleinste Detail dokumentiert wird, ist ein chaotisches Durcheinander, dass man als Außenstehender so nicht erwartet hätte. In Edinburgh werden chemische Formeln und private Mitteilungen wild auf die Plexiglaswände eines Labors geschrieben, und in Atlanta grüßt ein humanoider Roboter den Betrachter aus dem vollgestopften Labor heraus in salutierender Habachtstellung. Labore, in denen mit großer Kreativität und Akribie ins Ungewisse hinein geforscht wird, so gewinnt man den Eindruck, ähneln auf verblüffende Art und Weise den Ateliers bildender Künstler.

Was vor Kurzem noch Science Fiction war, so scheint uns Thomas Struth mitteilen zu wollen, wird – ob wir es wollen oder nicht – zu Realität. Und wo bleibt da der Mensch? Am Ende hat der der Düsseldorfer Fotoschule um Bernd und Hilla Becher entstammende Künstler auch ihm mit seiner Kamera nachgespürt – und zwar in der Berliner Charité. Die Aufnahmen „Figure“ und „Figure II“ zeigen Fragmente menschlicher Körper auf dem OP-Tisch, eingezwängt, aber auch künstlich am Leben gehalten von den Hervorbringungen jenes technologischen Fortschritts, den wir entweder verteufeln oder gar nicht genug loben können. Die Ausstellung regt dazu an, sich in einer ständig ändernden Welt zu positionieren. Thomas Struth selbst sieht sich als jemand, der sich Fragen stellt und gerne Bilder macht. „Sichtbarmachung ist die Geschichte aller Bilder, seit Beginn der Religion: die Darstellung nicht zuletzt innerer Bilder. Ich bleibe auf Distanz, habe aber eine Antenne für Gestalt und die ihr innewohnende politische, gesellschaftliche Energie. Die Kunst besteht darin, genau die richtige Stelle zu finden, für ein gutes Bild, das repräsentativ ist.“ Genau das ist ihm in der Essener Werkschau gelungen.

Die Ausstellung „Thomas Struth. Nature & Politics“ läuft bis zum 29. Mai. Das Museum Folkwang hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog zur Ausstellung kostet im Museum 45 Euro.

Kontakt:

Museum Folkwang

Museumsplatz 1

DE-45128 Essen

Telefon:+49 (0201) 88 45 444

Telefax:+49 (0201) 88 45 330



06.04.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


04.03.2016, Thomas Struth - Nature & Politics

Bei:


Museum Folkwang

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Fotografie

Bericht:


Gestochen scharfe Zeiterfassung

Künstler:

Thomas Struth










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