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Ferdinand Kramer im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt

Schon Horkheimer warf die Möbel wieder hinaus



Ferdinand Kramer, Universität Frankfurt. Hörsaalgebäude I (1958)

Ferdinand Kramer, Universität Frankfurt. Hörsaalgebäude I (1958)

Als der 1898 in Frankfurt geborene, 1938 in die Vereinigten Staaten emigrierte Architekt Ferdinand Kramer kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erstmals wieder seine alte Heimatstadt besuchte und durch die kriegszerstörte Ruinenlandschaft schlenderte, soll er zu seinem Begleiter, dem in Deutschland gebliebenen Kunsthistoriker Fried Lübbecke, ungerührt gesagt haben: „Seid uns doch dankbar, daß endlich mal hier gründlich saniert werden kann. Ich weiß, euer Herz hängt an den alten Klamotten. Aber, kann man heute den Menschen noch zumuten, in solcher Enge zu verkümmern! Jetzt gibt’s hier eine vernünftige Geschäfts-City, und die Leute wohnen draußen im Freien.“ Die Rekonstruktion des Goethehauses und womöglich der ganzen Altstadt nannte Kramer „eine Schnapsidee“ und sprach von „metaphysischen Faxen“. Nüchternheit, Sachlichkeit, Zweckmäßigkeit, Materialgerechtigkeit – das waren die Maximen, von denen Kramer den Neuaufbau Frankfurts geleitet wissen wollte.


Wer heute die Frankfurter Verhältnisse kennt, weiß, dass der Streit zwischen Bewahrern und Neuerern nicht entschieden ist und der Riss mitten durch die Architekturgeschichte geht. Auf der einen Seite die gerade jüngst neu aufgenommene Rekonstruktion des Römer-Areals, auf der anderen Seite die bedenkenlose Zerstörung von Relikten der ohnehin recht überschaubaren Originalsubstanz – da prallen die Vorstellungen mitunter unmittelbar aufeinander. Nach dem Zweiten Weltkrieg aber und der großflächigen Vernichtung weiter Teile des Frankfurter Stadtgebiets durch die alliierten Bombardements war Kramers Haltung für lange Zeit die maßgebliche – und er selbst einer ihrer wichtigsten Protagonisten. Eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum am Schaumainkai beleuchtet derzeit diese herausragende Rolle Kramers.

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte Ferdinand Kramer zu den radikalsten Repräsentanten modernen Bauens, wenn auch nicht zu den führenden. Seine Karriere wollte lange Zeit nicht so recht in Gang kommen. Nach einem Studium in München – ausgerechnet bei Theodor Fischer, nicht gerade einem Avantgardisten in der Szene während der Zwischenkriegszeit – und am Weimarer Bauhaus im Sommer 1919, das ihn aber nicht befriedigte, machte er sich weniger als Architekt denn vielmehr als Designer typisierter Möbel einen Namen und war unter anderem an der Einrichtung eines Reihenhauses der Stuttgarter Weißenhofsiedlung beteiligt. Doch nach 1933 war er schnell abgeschrieben bei den neuen Machthabern, die die guten alten Traditionen deutschen Bauen und Werkens ehren wollten – oder jedenfalls das, was sie dafür hielten. Einen Schlusspunkt unter Kramers Wirken in Deutschland setzte die Emigration, vorrangig mit Rücksicht auf seine jüdische Ehefrau.

Aber auch in den USA ging es nicht so richtig voran. Nach dem Krieg sondierte Kramer die Chancen eines Wiedereinstiegs in Deutschland, doch es dauerte bis 1952, bis der 54jährige endlich seine Lebensstellung fand. Maßgeblich auf Betreiben des damaligen Rektors Max Horkheimer wurde Ferdinand Kramer mit Wirkung zum 1. September zum Baudirektor der Frankfurter Universität bestellt. Bis zu seiner Pensionierung 1964 behielt er dieses Amt, schlug 1957 sogar eine Berufung zum Direktor der Landeskunstschule in Hamburg aus und zeichnete in dieser Zeit für einige der wichtigsten Universitätsneubauten in der Mainstadt verantwortlich.

Geradezu programmatisch war sein Einstand. 1953 musste der Haupteingang des sogenannten Jügelhauses, des neubarocken Hauptgebäudes der Universität, vergrößert werden. Statt eines möglichst behutsamen Eingriffs in die historische Bausubstanz entschied sich Kramer für das genaue Gegenteil: Radikal schnitt er das konvex aus der Fassade sich wölbende Portal mit seinen ionischen Säulen und dem allegorischen Figurenschmuck heraus und setzte an seine Stelle eine sieben Meter breite und fast vier Meter hohe Glasfront. In großen sachlichen Lettern ließ er darüber „Johann Wolfgang Goethe Universität“ setzen. Einem aufgebrachten Kritiker, der ihm öffentlich „modernes Barbarentum“ vorwarf, schickte er per Post den abgeschlagenen Fuß einer der Portalfiguren mit den lakonischen Worten „Dem Empörten zum Troste: Der Barbar“. An Selbstbewusstsein hat es Ferdinand Kramer wahrlich nicht gefehlt.

In den folgenden Jahren entstand – nachdem sich Kramers Vorschlag einer ganz neuen Campus-Universität auf der Ginnheimer Höhe nicht durchsetzte – an der Bockenheimer Landstraße nach einem 1953 erstellten und danach weitgehend unveränderten Generalbebauungsplan eine Reihe großer Neubauten: 1953 das Fernheizwerk, 1953/54 das Englische Seminar und Amerika-Institut, 1954/56 das Biologische Camp mit mehreren Einzelgebäuden, 1954/57 das Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie, 1956/58 das große Hörsaalgebäude, 1958/60 das Philosophicum, 1962/63 die Mensa und als krönender Abschluss bis 1964 die Universitätsbibliothek. Alle diese Bauten kennzeichnet eine geradezu kompromisslose Strenge in der Anwendung zeitgemäßer Materialien, darunter als besonders signifikanter Baustoff gelbe Klinker, sowie eine gänzliche Vermeidung dekorativer Details, die das Äußere der Bauten abweisend und hart erscheinen lässt.

Der erzieherische Impuls hinter dieser Formensprache ist unverkennbar. Nicht Gemüt, sondern Intellekt des Einzelnen sollten angesprochen und gebildet werden. An die Stelle historistischer Reminiszenzen und Orientierungsmöglichkeiten traten, auch in gesellschaftlich-politischer Hinsicht, Demokratie und (technischer) Fortschritt. Wie in einem Labor sollten, so scheint es, Bildung und Wissen vermittelt und angewandt werden, egal ob in den naturwissenschaftlichen oder den philosophischen Fächern. Unterschiede zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen wurden regelrecht nivelliert – Bologna lässt grüßen.

Dass die Nutzer – Studenten ebenso wie Lehrkräfte – mit diesen Gebäuden nicht warmgeworden sind, versteht sich von selbst. Schon Horkheimer warf nach kurzer Zeit die spartanischen Kramer-Möbel im Rektoratszimmer wieder hinaus und ersetzte sie durch schweren Neubarock. Für Martin Mosebach, der in den 1970er Jahren in Frankfurt studiert hat und im ausstellungsbegleitenden Katalog zu Wort kommt, waren die Bauten von einer „buchstäblich erstickenden Hässlichkeit“. Dass von ihnen nur ein Teil erhalten bleiben wird und neben dem 2006 abgerissenen Institut für Kernphysik und dem Geologisch-Paläontologischen Institut, das 2007 fiel, noch weitere Komplexe vom Ab- oder zumindest vom Umbau betroffen sein werden, hat freilich andere Gründe: Mit dem Umzug der Universität aus Bockenheim auf den Campus Westend haben sie ihren Dienst getan. Allerdings bleibt unabhängig davon als Ergebnis der Retrospektive auf Kramers Gesamtwerk: dass es rein ohne Gemüt eben doch nicht so richtig funktioniert. In gewisser Hinsicht also ist auch der menschliche Geist über Kramers Art zu bauen inzwischen selbstbewusst hinweggeschritten.

Die Ausstellung „Linie Form Funktion. Die Bauten von Ferdinand Kramer“ im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt läuft noch bis zum 1. Mai. Geöffnet ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Der Katalog kostet im Museum 32 Euro.

Kontakt:

Deutsches Architekturmuseum

Schaumainkai 43

DE-60596 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 21 23 88 44

Telefax:+49 (069) 21 23 63 86



01.04.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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 Frankfurt, 1960
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 Hörsaalgebäude I (1958)
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 Mehrzweckgebäude und Juristisches Seminar, Universität Frankfurt
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Ferdinand Kramer, Mensa der Universität Frankfurt, 1963
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Künstler:

Ferdinand Kramer

Veranstaltung vom:


28.11.2015, Linie Form Funktion - Die Bauten von Ferdinand Kramer







Ferdinand Kramer, Philosophicum der Universität Frankfurt, 1960

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