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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Grafik und Bücher vom Mittelalter bis zur Gegenwart bei Venator & Hanstein in Köln

Hosen und Handschuhe



Meister E. S., Ars moriendi, Nikolaus Götz, Köln um 1475

Meister E. S., Ars moriendi, Nikolaus Götz, Köln um 1475

Die „Ars moriendi“, die „Kunst des Sterbens“, ist wohl eine Kunst, die jeder Mensch einmal gut gebrauchen kann und daher rechtzeitig erlernen sollte. Das späte Mittelalter kannte eine ganze Reihe von Beispielen dieser besonderen Gattung christlicher Erbauungsliteratur. Eine davon kam um 1475 in der Offizin des Kölner Druckers Nikolaus Götz heraus. Sie enthält neben einem nicht sehr umfangreichen Text ein knappes Dutzend kolorierter Holzschnitte, in denen die himmlischen Mächte gegen Teufel und Dämonen um die Seelen der Sterbenden ringen. Die Darstellungen gehen großteils auf Vorlagen des berühmten Meisters E. S. zurück. Die Blätter machten den großen Wert dieses Druckwerks aus, von dem es in vorliegender Fassung und als vollständiges Stück laut Fachleuten nur noch elf weitere gibt, allesamt in öffentlicher Hand. Es ist also etwas Besonderes, wenn das Auktionshaus Venator & Hanstein nun das letzte noch in Privatbesitz verbliebene Exemplar der Götzschen „Ars moriendi“ unter den Hammer bringt. Dementsprechend hoch ist der pekuniäre Anspruch: 200.000 Euro stehen hier auf dem Etikett.


Als weitere Kostbarkeit hat der Kölner Versteigerer für den 18. März einen mehr als achtzig Aquatintaradierungen enthaltenen Atlasband im Angebot, der die 1832/34 von Prinz Maximilian zu Wied zusammen mit dem Schweizer Maler Johann Karl Bodmer und dem Jäger David Dreidoppel unternommene Nordamerika-Reise dokumentiert und 1839/41 in Paris herauskam. Neben Stadt- und Landschaftsansichten sind darin vor allem detailreiche Bilder der indianischen Urbevölkerung enthalten in einer Zeit, bevor die Indianer umgebracht oder vertrieben wurden. Das Stück ist in vorliegender Fassung sehr selten und daher mit 50.000 Euro beziffert. Ein um 1510 in Paris gedrucktes Stundenbuch mit knapp fünfzig kolorierten Metallschnitten liegt für 13.000 Euro bereit, und in Juan Luis Vives’ „De institutione foeminae Christianae libri tres“ von 1524 und damit seinen Vorstellungen von Jungfrauen, Gattinnen und Witwen kann man sich für 12.000 Euro versenken.

Bei den einzelnen künstlerischen Grafikblättern der Alten und Neueren Meister liegen die Preise bei weitem nicht so hoch. Bei 3.000 Euro ist die Grenze erreicht. Sie stehen auf dem Etikett für Rembrandts zart empfundene Radierung „Der Engel vor der Familie des Tobias verschwindend“ von 1641, auf zwei Blätter aus Giovanni Battista Piranesis gruseligen „Invenzioni Capric di Carceri“, dem „Rauchenden Feuer“ und der „Zugbrücke“ von 1749/50, und ebenso auf einem Konvolut von Hans Meyer. Wie seine Kollegen aus dem Mittelalter beschäftigte sich der Berliner Kupferstecher zwischen 1890 und 1910 mit Sterben und Tod und schuf eine 18 Blätter umfassende symbolistische „Totentanzfolge“. Daraus liegen bei Venator & Hanstein der „Schnitter“, das „Kind“, das „Mädchen“, der „Gefangene“, die „Greisin“, der „Steinklopfer“, der „Papst“, der „Maler“, der „Selbstmörder“ und der „Bettler“ vor.

Nach Pieter Bruegel d.Ä. stach Frans Huys zwischen 1561 und 1565 die zehnteilige Serie „Segelschiffe“, aus der der Katalog den Kupferstich „Viermaster und zwei Dreimaster ankern vor einer befestigten Insel mit Leuchtturm“ für adäquate 2.000 Euro listet. Cornelis Jacobsz Drebbel beschäftigte sich derweil mit Hendrick Goltzius und vervielfältigte auf sieben Kupferstichen dessen Vorlagen zu den „Sieben freien Künsten“ als weibliche Allegorien (Taxe 1.800 EUR). In der Preiskategorie über 1.000 Euro spielen zudem Lucas van Leydens vornehme Zweisamkeit „Edelmann und Dame in einer Landschaft“ von 1520, Jan Harmensz Mullers manieristischer Kupferstich „Der Raub der Sabinerin“ um 1598 nach Adriaen de Vries (Taxe je 1.200 EUR) oder Marco Dentes schaurige Umsetzung von Baccio Bandinellis „Skeletten“ mit (Taxe 1.500 EUR). Anton Raphael Mengs ist mit einem kraftvollen Selbstbildnis als junger Künstler von 1759 zugegen (Taxe 300 EUR), James Abbott McNeill Whistler mit der Abendszene „Music Room“ in markanten Hell-Dunkel-Effekten von 1859 (Taxe 1.200 EUR).

Das Hauptlos der modernen und zeitgenössischen Kunst am 19. März ist wiederum ein Buch: Salvador Dalís Illustrationen der finster-bösen „Chants de Maldoror“ des französischen Dichters Comte de Lautréamont wurden 1934 zusammen mit dem Text bei Albert Skira in Paris in 160 nummerierten Exemplaren herausgegeben. Es ist das buchillustratorische Hauptwerk des spanischen Künstlers und zugleich eines der bedeutendsten Künstlerbücher des Surrealismus überhaupt. Interessierte müssen mit um die 40.000 Euro rechnen. Preislich moderater ist die überwiegend aus Papierarbeiten bestehenden sonstige Offerte des zweiten Auktionsteils wie eine abstrakte Komposition Jankel Adlers von circa 1947, die entfernt an eine weibliche Figur erinnert (Taxe 6.000 EUR), oder Hans-Peter Feldmanns zwanzig schwarz-weiße Poster unter dem Titel „Sonntagsbilder“ von 1976/77. Die klassisch-kitschige Sicht auf die Lieblingsdinge der Deutschen verlangt 9.000 Euro.

Wer sich für die Moderne interessiert, wird im Katalog ebenfalls fündig. Eines der ältesten Werke ist Otto Greiners symbolistisches, dunkles Pastell „David und Goliath“ von 1891 für 3.000 Euro. Von Lovis Corinth liegen 20 druckgrafische Blätter vor, darunter die Kaltnadelradierungen „Bacchantin“ von 1913 (Taxe 500 EUR) oder ein frontales „Selbstbildnis“ von 1916 (Taxe 400 EUR). Während es auf August Wilhelm Dresslers aquarellierter „Landschaft bei Pieskow“ recht gemütlich zugeht (Taxe 1.200 EUR), gestaltete Otto Dix seine „Alemannischen Masken“ auf einer Farblithografie des Jahres 1963 recht energisch (Taxe 4.000 EUR). Pablo Picasso stellt seine intime Radierung „Minotaure endormi contemplé par une femme“ aus der Suite Vollard von 1933 für 8.000 Euro zur Verfügung. Freunde von Egon Schieles sollten sich den Namen Robert Ludwig Richter merken. Denn so weit entfernt von der Kunst des Expressionisten sind die Akte des unbekannten Wieners aus dem Jahr 1918 nicht; nur kosten sie nicht soviel: ein Konvolut mit 14 Zeichnungen etwa 2.000 Euro.

„Recollection“ nannte Fritz Glarner 1968 seine Holzbox mit 14 konkret-konstruktiven Schwarzweiß- und Farblithografien, die in einer Auflage von 30 Stück erschien (Taxe 3.000 EUR). Derweil projektierten Christo und Jeanne-Claude schon ihre Verpackung der Engelsbrücke in Rom. Ihre Serigrafie mit Collage „Ponte Sant’ Angelo, Wrapped“ von 2011 erinnert daran (Taxe 4.000 EUR). Eine „Vakuum-Masse“ entdeckte Joseph Beuys 1970 in einem Betonblock in T-Form und ließ ihn hundert Mal auf Leinen drucken (Taxe 8.000 EUR). Etwas ausgefallener ist seine an den Knien kreisförmig aufgeschnittene Jeanshose „Das Orwell-Bein – Hose für das 21. Jahrhundert“ von 1984 (Taxe 9.000 EUR). Die passenden blauen Handschuhe mit sich verästelnden roten Adern gibt es für 5.000 Euro. Sie stammen von Meret Oppenheim, die sie in ihrem Todesjahr 1985 in insgesamt 150 Exemplaren anfertigen ließ.

Die Auktion „Bücher, Graphik, Autographen“ beginnt am 18. März um 10 Uhr, die Auktion „Moderne und zeitgenössische Graphik, Moderne illustrierte Bücher“ am 19. März um 10 Uhr. Die Besichtigung der Kunstwerke ist bis zum 17. März täglich von 10 bis 17:30 Uhr möglich. Der Katalog listet die Objekte unter www.venator-hanstein.de.

Kontakt:

Venator & Hanstein KG

Cäcillienstraße 48

DE-50667 Köln

Telefax:+49 (0221) 257 55 26

Telefon:+49 (0221) 257 54 19



14.03.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Otto Greiner, David und Goliath, 1891

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Taxe: 3.000,- EURO

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Losnummer: 514

Giovanni Battista Piranesi, Das rauchende Feuer, 1749/50

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Taxe: 3.000,- EURO

Zuschlag: 6.500,- EURO

Losnummer: 515

Cornelis Jacobsz Drebbel, Die sieben Freien Künste

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Taxe: 1.800,- EURO

Losnummer: 415




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