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Der Stardesigner Stefan Sagmeister ist mit seiner „Happy Show“ im Museum für angewandte Kunst in Wien zugegen

Wege zum Glück



Eudaimonia, so lehrte Aristoteles, ist das höchste Gut, wonach es sich zu streben lohnt. Glück kann als Zustand oder als Ideal betrachtet werden, und die Suche nach diesem kostbaren Gut stand stets im Mittelpunkt der menschlichen Existenz. War noch von der Antike bis ins Mittelalter der Glücksbegriff vom vollkommenen Besitz objektiver Güter ausgegangen, so bestimmt seit Beginn der Neuzeit ein subjektives Zufriedenheitsmodell diese emotionale Befindlichkeit. Aktuell widmet sich der Künstler Stefan Sagmeister der Frage nach dem absoluten positiven vollkommenen Sein. Im Wiener Museum für angewandte Kunst ist seine höchst vergnügliche „Happy Show“ nach Prätentionen in Amerika und Paris zu sehen.


„Ich glaube, Glück wurde von der Evolution als Art Karotte gestaltet, als Wegweiser“, meint der 1962 in Bregenz geborene Grafikdesigner, der 1986 auszog, um in New York das Glück zu finden. Der international gefragte Grafikdesigner erlaubt sich alle sieben Jahre eine Auszeit von zwölf Monaten und schließt sein Studio für ein kreatives Sabbatical. Die letzte Auszeit führte ihn 2009 nach Indonesien, wo Sagmeister Fragen und Antworten zu einem Thema bündelte, das in schon seit Jahren beschäftigt: „Was macht uns glücklich oder zumindest glücklicher?“

In seiner „Happy Show“ wirft Sagmeister einen persönlichen Blick auf das Glück, er folgt den Spuren von Peter Fischli und David Weiss oder Carsten Höller, die sich bekanntermaßen schon früher mit dem unerschöpflichen Thema beschäftigt haben. Die Ausstellung im Museum für angewandte Kunst (MAK) dokumentiert seine zehn Jahre andauernde Untersuchung des Glücks anhand von Videos, Drucken, Infografiken, Skulpturen und interaktiven Installationen. Sie führt die Besucherinnen und Besucher auf eine Reise durch die Gedankenwelt des Designers und seine Versuche, das eigene Glück zu steigern, indem er seinen Geist trainiert, wie andere ihren Körper.

„The Happy Show“, die sich über Gänge, Treppen und Ausstellungsräume des MAK erstreckt und auch die „Zwischenräume“ des Museums einbezieht, ist nach 2002 Sagmeisters zweite Ausstellung im dem Wiener Museum. „Hausdurchdringend“ nennt Direktor Christoph Thun-Hohenstein die Anlage der Glücksschau und tatsächlich: im ganzen Haus und selbst an Orten, wo man es nicht vermutet, wird man mit Aspekten des Themas konfrontiert. Symbolträchtiges Smiley-Gelb breitete Sagmeister über das ganze Haus aus, brachte handschriftliche Kommentare an Wänden und Geländern an, Lastenaufzüge und Fahrstuhltüren werden zu Animationen, Steckdosen treten in aggressive Dialoge, und in den Toilettenräumen des Museums erläutert Sagmeister seine Gedanken und Beweggründe zu den gezeigten Projekten. In der großen Halle im Eingangsbereich rufen zwei riesige, aufblasbare, grimmig dreinschauende Affen mit der Aufschrift „Everybody Thinks They Are Always Right“ zur Selbstreflexion auf, im Treppenhaus hängen Fotografien früherer Objekte und Installationen zusammen mit handschriftlichen Lebensweisheiten, wie „Sich Sorgen machen bringt nichts. (Leider)“, und im Untergeschoß kann man sich große gelbe Kaugummikugeln aus hohen Glaszylinder drehen, je nach momentanem Glücksgefühl auf einer Skala von 1 bis 10.

Handlungsanweisungen, in denen die Gäste zu bestimmten Aufgaben ermuntert werden, sind ein Garant für einen gruppendynamisch aufgelockerten Museumsbesuch. „Tun Sie, als wären sie Stefan Sagmeister und führen Sie andere Besucher durch die Ausstellung“, „Stellen Sie sich in den Ausstellungsraum und lachen Sie laut“, „Gehen Sie rückwärts durchs Museum“ oder „Zeichnen Sie ein glückliches Tier“ – 35.000 Menschen taten das es allein in Paris. In mehreren Filmen und Installationen thematisiert Stefan Sagmeister eine bunte Palette an Parametern für Glück. Dazu gehören Religion, Geld, Ehe, Sex, Aktivitäten wie Internetsurfen oder Zeitunglesen oder das Verhältnis zwischen der Anzahl der SexualpartnerInnen und dem Grad der Zufriedenheit. Die Frage „Gibt es ein ideales Gehalt“ wird ebenso thematisiert wie solche, ob es eine moralische Veranlassung gibt, Kinder zu bekommen, und ob es glücklicher macht, Kinder zu haben.

Aktivitäten als Weg zum Glück sind eine der zentralen Botschaften der „Happy Show“. Ein interaktives Fahrrad treibt die Neon-Leuchtschriften „Seek Discomfort“ und „Actually Doing Things I Set Out to Do Increases My Overall Level of Satisfaction“. Sobald die Trittkraft schwindet, erlischt die Schrift. Die Installation „Being Not Truthful“ erlaubt den BesucherInnen, ein Spinnennetz durch Bewegungen zum Zerreißen zu bringen, meist ohne zu bemerken, welche lächerlichen Verrenkungen man dabei in der Öffentlichkeit macht. Sobald die Bewegung endet, erscheint der Schriftzug „Being not truthful works against me“.

Einfach nur zuschauen kann man Stefan Sagmeister in seinen Filmen, in denen er meist die Hauptrolle übernimmt, etwa beim lange erfolglosen Versuch, Unbekannten auf der Straße eine Blume zu überreichen. Andere, meist in Zeitlupe gedrehte Filme zeigen ihn dabei, wie er auf Plastikkissen springt und von mit Wasser gefüllten Luftballons durchnässt wird. Zwei Sequenzen aus seinem neuesten Werk „The Happy Film“ sind ebenfalls zu sehen: Der Film thematisiert drei Experimente, die Sagmeister für jeweils drei Monate und mit Unterstützung von Experten unternahm, um sein Glücksgefühl zu erhöhen: Meditation, eine kognitive Therapie und der Konsum von Drogen.

Auf Schautafeln erfährt man außerdem mehr oder weniger Überraschendes zum Thema Glück, etwa, dass in den USA jeder über ein Jahreseinkommen von 85.000 Dollar hinaus eingenommene Dollar tendenziell nicht glücklicher mache, oder dass laut einer Studie an der Spitze von glücklichmachenden Aktivitäten der Besuch eines Gottesdienstes steht, Fernsehen sich dagegen ganz unten auf der Skala befindet. Locker eingestreut sind auf dem anregenden Parcours einige von Sagmeisters bekanntesten Kreationen, etwa die Cover für Alben von Lou Reed, David Byrne und den Rolling Stones sowie persönliche Notizen, ergänzt durch sozialwissenschaftliche Daten der Psychologen Daniel Gilbert, Steven Pinker und Jonathan Haidt, des Anthropologen Donald Symons und bedeutender Historiker, die Sagmeisters Experimente mit Psyche und Typografie in einen größeren Kontext setzen.

Dass spontane, ungeplante und nicht wiederholbare Aktivitäten besonders glücklich machen, gehört zu den persönlichen Erkenntnissen von Stefan Sagmeister. Auch wenn eine Schautafel schon am Eingang zur Ausstellung warnt: „Diese Ausstellung wird Sie nicht glücklicher machen. (…) Dieser Besuch wird Ihre Probleme mit unzuverlässigen Kollegen oder undankbaren Kindern nicht lösen“, eröffnet die Ausstellung von Stefan Sagmeister eine Menge Möglichkeiten, dem Glück – zumindest kurz – ein wenig auf die Sprünge zu helfen.

Die Ausstellung „Stefan Sagmeister – The Happy Show“ ist bis zum 28. März zu sehen. Das MAK hat täglich außer montags von 10 Uhr bis 18 Uhr, zusätzlich am Dienstag bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9,90 Euro, ermäßigt 7,50 Euro. Jeden Dienstag von 18 Uhr bis 22 Uhr ist der Eintritt frei. Der englischsprachige Katalog kostet 20 Euro.

Kontakt:

Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Stubenring 5

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 711 360

Telefax:+43 (01) 713 10 26

E-Mail: office@mak.at



08.03.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


28.10.2015, Stefan Sagmeister: The Happy Show

Bei:


Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Bericht:


Schönheit in Frankfurt

Künstler:

Stefan Sagmeister










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