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Vor 500 Jahren verstarb im niederländischen ’s-Hertogenbosch der Maler Hieronymus Bosch. Aus diesem Anlass kehren die meisten seiner Werke für eine Ausstellung an den Entstehungsort zurück

Balanceakt zwischen Realität und Science Fiction



Hieronymus Bosch, Heuwagen-Triptychon, 1510/16

Hieronymus Bosch, Heuwagen-Triptychon, 1510/16

Schwärme spinnenartiger Monster fliegen ins Paradies. Unheil droht. Auf dem Boden tummeln sich deformierte Mischwesen mit garstigen Fängen, gefährlichen Mäulern oder struppigem Fell. Dazwischen verführen nackte weibliche Schönheiten den Menschen. Nicht erst zu jüngster Zeit, sondern schon vor 500 Jahren erfand der Niederländer Hieronymus Bosch traumhafte Gebilde zwischen kosmischen Weiten und sexuellen Begierden. Blicke in gespenstige Tunnelgänge oder mechanische, unter Trichtern versteckte Kleinwesen variierte Bosch mit Vorliebe. Der wohl bedeutendste mittelalterliche Künstler der Niederlande schien seiner Zeit weit voraus. Landschaften, Menschen, Tiere – Boschs Sujets erscheinen nicht in klassischer Schönheit. Der Meister des Gegennatürlichen formulierte harsche Kritik an den allgemeinen Verhältnissen. Gerade seine Eigenwilligkeit faszinierte seine Sammler und Hauptauftraggeber wie Herzog Philipp den Schönen von Burgund oder Spaniens König Philipp II. Vor dem Hintergrund einer stark religiös geprägten Gesellschaft entwickelte der überzeugte, aber skeptische Katholik „Visionen eines Genies“, wie der Untertitel der fulminanten Überblicksschau in seinem Geburtsort andeutet.


Geboren wurde Bosch um 1450 als Jheronimus van Aken in ’s-Hertogenbosch, einer heute rund 150.000 Einwohner zählenden Stadt nahe Utrecht. Vermutlich verließ er seine Heimat nie und wirkte als humanistisch gebildeter Handwerker unberührt von gängigen Trends an seinen kuriosen Bildformeln. Seinen Beruf hat er wohl in der Werkstatt seines Vaters erlernt; auch sein Großvater und die beiden Brüder waren Maler. Ab spätestens 1488 begann Hieronymus Bosch als einer der ersten niederländischen Künstler mit der uniformen, stempelförmigen Signatur seiner Gemälde. In einem 1509/10 geführten Rechnungsbuch ist vermerkt, „dass Jheronimus van Aken selbst ‚Bosch‘ schreibt“. Dies war wohl der Eigenwerbung geschuldet, damit potentielle Kunden ihn nicht im Ort Aken suchten, aus dem seine Vorfahren stammten. Sein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Ein Hinweis findet sich lediglich im Rechnungsbuch der ihm verbundenen Liebfrauenbruderschaft, wo für den 9. August 1516 der Trauergottesdienst vor der Beerdigung vermerkt ist.

Lange haben Wissenschaftler und Kuratoren am schwierigen Unterfangen gearbeitet, die meisten Werke des recht schmalen überlieferten Œuvres aus rund 25 Gemälden noch einmal am Entstehungsort im Noordbrabants Museum zu versammeln. Dies war nur durch Einbettung in das 2007 gestartete globale Forschungs- und Restaurierungsvorhaben „Bosch Research and Conservation Project“, möglich, da das Museum kein Werk vom berühmtesten Sohn der Stadt besitzt. So ließen sich 18 Bosch sicher zugeschriebene Gemälde sowie elf fragliche, Nachfolgern oder seiner Werkstatt zuzuordnende Bilder zusammentragen. Hinzu kommen 18 für seine Hand gesicherte Zeichnungen plus sechs von Nachfolgern oder mit fraglicher Provenienz. Boschs Hauptwerk „Der Garten der Lüste“ wird zusammen mit weiteren nicht ausleihbaren Werken ab dem 31. Mai die zweite Ausstellungsstation im Prado in Madrid ergänzen.

So bündig der in sechs Kapitel gegliederte Parcours im Noordbrabants Museum mit insgesamt etwas über 100 Exponaten auch scheinen mag, umso instruktiver und intensiver regt er zum Schauen und Lesen an. Schon die im ersten Abschnitt thematisierte „Lebenspilgerschaft“ zwingt zum Nachdenken. Zum Auftakt sind die vier erhaltenen und weltweit verstreuten Fragmente des „Landstreicher-Triptychons“ vereint. Wohin geht der Reisende? Vorbei an Herbergen, über einsame Wege und Brücken sowie begleitet von Gefahren, beschreibt das Gemälde den Weg des Lebens, während das berühmte „Narrenschiff“ scheinbar steuerlos und wackelig dem Untergang entgegentreibt, was die sorglos vergnügte Gesellschaft im Boot kalt lässt. Bosch interpretierte das gleichnamige, von Sebastian Brant im Jahr 1497 in niederländischer Sprache erschienene Buch.

Neben der Tafel „Völlerei und Lust“ ist auch die bestechend prägnant gefasste Studie zum „Tod und der Geizhals“, gleichfalls inspiriert von beliebten zeitgenössischen Schriften, begleitend zur Seite gestellt. Auf Monitoren wird die ursprüngliche Anordnung der Tafeln exzellent nachvollziehbar. Mit dem kurz vor seinem Tod vollendeten „Heuwagen-Triptychon“ folgt wohl Boschs berühmtestes Bild in der Ausstellung. Farbenfroh tummeln sich im Mittelteil alle Stände um einen fahrenden Heuwagen. Als Symbol des Reichtums und der Vergänglichkeit gleichermaßen driftet er vom Paradies in die Hölle auf der rechten Seitentafel. Frappant wird Boschs narratives Konzept deutlich. Vom Paradies in die Hölle, von links nach rechts gelesen, warnt der christliche Moralist vor Reizen des Lebens, thematisiert verborgene Träume und Begierden in drastischer Sprache.

Eine Welt für sich sind die Zeichnungen von Hieronymus Bosch. Sie offenbaren sich als direkte, gefühlvollere und spontanere Fassung von Gedanken, die fast nie sklavisch genau in die Gemälde übertragen wurden. Zweck der weniger düsteren Skizzen war das Erproben neuer Formfindungen. Neben dem „Eulennest“, einer der großartigsten Zeichnungen von Bosch mit drei Varianten seines bevorzugten Vogels, verdient die erst seit einer Auktion im Jahr 2003 bekannte „Höllenlandschaft“ aus einer Privatsammlung besondere Beachtung. Dem Betrachter bietet sich eine chaotische Szenerie aus Monstern und Ungeheuern, in deren Mitte mithilfe eines Netzes verlorene Seelen in ein teuflisches Maul befördert werden. Viele Details daraus verarbeitete Hieronymus Bosch später in seinen Gemälden. Erstmals wird das spektakuläre Blatt öffentlich ausgestellt.

Dem Leben Christi widmet sich ein separater Abschnitt. Die „Anbetung der Drei Könige“ platzierte Hieronymus Bosch in eine Ruine unter Verwendung von viel Blattgold. Bei seiner „Ecco Homo“-Darstellung legte er den Figuren mittels gemalter Buchstaben Worte in den Mund und griff dabei auf Kupferstriche von Martin Schongauer und Israhel van Meckenem zurück. Insbesondere als Auftragsarbeiten schuf Bosch einige Heiligenbilder zu einer Zeit prosperierender Heiligenverehrung. Aus Venedig konnte das berühmte Emeriten-Triptychon nach ’s-Hertogenbosch ausgeliehen werden, auf dessen Mitteltafel der Namenspatron des Künstlers die felsige Landschaft beherrscht. Besonders hier wird seine spezielle, die Tiefenwirkung befördernde Maltechnik offenbar, auf schwarzer Deckschicht mit hellen Farben zu arbeiten. Im Dialog dazu steht die deutliche Korrespondenzen zeigende und kürzlich als Bosch-Bild identifizierte Tafel des heiligen Antonius aus dem Nelson-Atkins Museum in Kansas City.

Das Kapitel „Das Ende aller Zeiten“ mit Versionen des Jüngsten Gerichts schließt den Reigen, nicht ohne immer wieder Boschs Umfeld in ’s-Hertogenbosch in den Fokus zu nehmen. Evangeliare, Miniaturen oder kirchliches Gerät erweitern den Blick in seine Epoche. Kein anderer Künstler seiner Zeit wagte sich so intensiv an grauenhafte Visionen über das Ende der Zeiten und Gottes Urteil. Bosch legte die Finger in Missstände und religiöse Brüche und sah sich zum Warnen veranlasst. Denn das Mittelalter war bereits im Verblassen, und die Neuzeit mit ihren radikalen Umbrüchen in Gesellschaft und Glaube stand vor der Tür.

Seit Boschs Lebzeiten hat sich ’s-Hertogenbosch nur wenig verändert. Die beiden Häuser, die er auf dem historischen Marktplatz einst bewohnte, stehen noch immer, seit 1929 mittig ergänzt durch ein überlebensgroßes Standbild des Bildhauers Auguste Falise, das den „Höllenmaler“ bei der Arbeit zeigt. Auf Himmel- und Höllenfahrten auf der teils unterirdisch fließenden Binnendieze kann man den Tunnelblick der Gemälde erleben. Auf keinen Fall versäumen sollte der Besucher den extra ermöglichten Aufstieg auf die Dächer der St. Johannes-Kathedrale. Eifrig wurde an der spätgotischen Kirche zu Lebzeiten Hieronymus Boschs gebaut, und die vielen auf Strebebögen sitzenden Fabelwesen und Possenreißer scheinen den Maler inspiriert zu haben. Hier kann man skurrilen Monstern und Gauklern fast hautnah begegnen.

Die Ausstellung „Jheronimus Bosch. Visionen eines Genies“ ist bis zum 8. Mai zu sehen. Das Noordbrabants Museum hat täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 22 Euro, für Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 17 Jahren 2 Euro. Die Eintrittskarten sind zeitgebunden und im Internet unter tickets@hnbm.nl zu ordern. In der Ausstellung liegt für jeden Besucher ein kostenloser Begleitführer bereit. Zudem ist ein reich illustrierter und lesenswerter Katalog im Belser Verlag für 24,95 Euro erschienen. Zudem steht die zweibändige wissenschaftliche Veröffentlichung über die Ergebnisse des „Bosch Research and Conservation Project“ für 125 Euro (Band 1) und 120 Euro (Band 2) zur Verfügung. Der Aufstieg auf die Dächer der Kathedrale kostet 7 Euro.

Kontakt:

Het Noordbrabants Museum

Verwersstraat 41

NL-5211 HT ’s-Hertogenbosch

Telefon:+31 (073) 68 77 877

E-Mail: info@hnbm.nl

www.bosch500.nl



07.03.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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